Gesellschaft im Deutschen Kaiserreich I musstewissen Geschichte MrWissen2go Geschichte | Terra X https://www.youtube.com/watch?v=70hcI6zQt-s Transkript (automatisch erstellt) 0:00 Heute schauen wir uns die Gesellschaft im Deutschen Kaiserreich genau an. Ich erkläre euch, wie sich der Militarismus auswirkt, 0:07 warum die Gesellschaft so gespalten ist und was sich in der Kultur tut. Eben alles, was du wissen musst. 0:15 Die Gesellschaft im Deutschen Kaiserreich wird von großen Gegensätzen geprägt. 0:19 Irgendwie sind das ganze Land und seine Menschen hin- und hergerissen zwischen Moderne und Tradition. 0:26 Zwischen Rebellion und Gehorsam. Zwischen arm und reich, zwischen Weltoffenheit und Abschottung. 0:33 Zwischen gegenseitiger Achtung und brutaler Ausgrenzung von Leuten, die anders sind. 0:39 Allein schon der Gegensatz zwischen Protestanten und Katholiken ist viel krasser als heute. 0:45 Zur gesellschaftlichen Oberschicht gehören der Adel, das sind Großgrundbesitzer und ranghohe Soldaten, 0:50 oder die Wirtschafts- und Bildungsbürger, die Inhaber von Banken, Industriebetrieben und Handelsunternehmen. 0:56 Ingenieure, Architekten, Ärzte, Rechtsanwälte, höhere Beamte, Professoren, Gymnasiallehrer, evangelische Pfarrer. 1:03 Das ist die Oberschicht. Unten stehen die Lohnarbeiter in der Industrie, 1:07 die Landarbeiter, Dienstboten, kleine Handwerker und natürlich das Proletariat, 1:13 also die Verarmten, oft Arbeitslosen, die Elenden. Auch im Staat gibt es Widersprüche. 1:19 Zum Beispiel zwischen der eigentlich schon überholten Fürstenherrschaft und dem dynamischen Staat der Unternehmer und Bildungsbürger. 1:27 Einerseits ist Deutschland eine globalisierte Industrienation, andererseits ist es ein fast rückständiger Agrarstaat, 1:34 wenn man nach Ostpreußen oder in Teile Bayerns schaut. Die Bürger lieben die Deutschtümelei. 1:39 Aber die Forschung und die Wissenschaft sind international. Deutschland ist in dieser Zeit wissenschaftlich führend. 1:46 Das zeigt schon die Liste der Nobelpreisträger. Zwei deutsche Forscher stellen das Universum auf eine neue Grundlage. 1:52 Max Planck mit der Quantentheorie und Albert Einstein mit der Relativitätstheorie. 1:58 Auch in der Kunst finden wir viele Neuerungen: den Jugendstil, den Impressionismus, das Kino wird zum Renner. 2:05 Eine gewisse Margarete Steiff erfindet den Teddybären. Bei der Jugend steht die Wandervögelbewegung hoch im Kurs. 2:14 Wandern, das ist keine langweilige Sonntagsnachmittagsbeschäftigung mit den Großeltern, sondern ein Bekenntnis. 2:21 Raus aus der Stadt, rein in die Natur. Raus aus dem streng geregelten Leben, rein in das wirkliche Leben. 2:28 Raus aus dem Falschen, rein in das Echte. Die gesellschaftlichen Gruppen tauschen sich aber nicht aus. 2:36 Man kann auch sagen: Die Klassen leben nebeneinander her. Sogar ganze Landesteile leben nebeneinander her. 2:43 Als 1870/71 das Kaiserreich gegründet wird, sind die Deutschen immer noch in erster Linie 2:49 Bayern, Preußen, Sachsen und so weiter. Deshalb versucht die Regierung, eine Idee über das ganze Reich zu stellen, 2:57 die sozusagen alle anderen Zugehörigkeiten überwölbt oder alle Unterschiede überdeckt: 3:04 die Deutsche Nation. Weil diese Nation durch Kriege, genauer gesagt durch Siege entstanden ist, 3:09 wird das Militär überall in Deutschland sehr bewundert. Alles, was mit dem Militär zu tun hat, ist in. 3:16 Den Kindern zieht man Matrosenuniformen an, überall werden Paraden abgehalten, der Nationalfeiertag ist der Sedantag, 3:24 an dem man an den Sieg über Frankreich erinnert. Die allgemeine Wehrpflicht sorgt dafür, 3:30 dass jeder junge Mann drei Jahre zur Armee muss. Die Veteranen der Kriege und die ehemaligen Soldaten 3:36 gründen im ganzen Land Militärvereine. Bei öffentlichen Veranstaltungen bekommen Offiziere Ehrenplätze. 3:43 Und sie tragen auch ständig ihre Uniformen in der Freizeit. Militärische Dinge, militärische Verhaltensweisen, 3:50 militärische Sprache dringt immer mehr in das Alltagsleben der Menschen ein. 3:55 Wer nicht beim Militär war, der hat Nachteile im Beruf. Wenn eine ganze Gesellschaft so militärisch unterwandert wird, 4:03 dann nennt man das Militarismus. Der Militarismus sieht die Welt so: 4:08 Die Deutschen haben sich im Kampf gegen die anderen, gegen das böse Ausland durchgesetzt, 4:12 deshalb erinnert man an Hermann den Cherusker, der die Römer besiegt hat, oder hier, das Völkerschlachtdenkmal erinnert daran, 4:19 dass man die Franzosen besiegt hat, die Fremdherrschaft abgeschüttelt hat. Alles Deutsche wird nun großgeschrieben. 4:25 "Die deutsche Kultur ist den anderen Kulturen überlegen", sagt man. Im Gegensatz zu Russland ist man ein moderner Staat, wirtschaftlich erfolgreich, 4:33 aber im Gegensatz zu England und Frankreich hat man keine Revolutionen gebraucht, 4:38 es herrscht Ordnung dank des Kaisers und der Armee. Und eines noch kann man von der Armee lernen: Gehorsam. 4:44 Oben wird befohlen und unten wird gehorcht. So bildet sich in Deutschland eine Untertanenmentalität heraus. 4:52 Beim Nationalismus im Kaiserreich geht es aber nicht nur um die Abgrenzung von äußeren Feinden, denen man sich überlegen fühlt, 4:59 Es geht auch um die Ausgrenzung innerer Feinde. Also Minderheiten wie Juden, von denen man sagt, 5:07 dass sie weniger wert sind als man selbst. Seit dem Börsencrash im Jahr 1873 5:13 verstärkt sich im Kaiserreich der Antisemitismus, also die Feindschaft gegen die Juden. 5:19 Denn die Juden hat man als "Handlanger des internationalen Finanzkapitals", als verantwortlich für den Crash und seine Folgen gesehen. 5:27 Man meint jetzt, dass es eine jüdische Rasse gäbe, die man an bestimmten äußerlichen Merkmalen erkennen kann. 5:34 Und man meint, dass die Juden wie ein Fremdkörper im deutschen Volkskörper sitzen, 5:40 wie Krankheitserreger, und den Deutschen Schaden zufügen. Und da merkt ihr schon: Krankheits- erreger werden abgetötet, ausgerottet. 5:51 Eigentlich sind deutsche Juden deutsche Staatsbürger wie alle anderen Deutschen auch. 5:56 Solange das Kaiserreich existiert, bleiben Juden auch gleichberechtigt. Ihnen werden keine Rechte weggenommen. 6:02 In der Gesellschaft diskutiert man freilich über die sogenannte Judenfrage in der Armee, die ja sehr einflussreich ist. 6:09 Juden dürfen keine Offiziere werden. Juden waren vom Handwerk und von der Landwirtschaft ausgeschlossen. 6:15 Sie verlegen sich auf Wissenschaft, Handel, Bankwesen und Industrie. Hier sind sie überproportional oft tätig. 6:23 Mal in Zahlen: 1871 sind 1,25 Prozent der Deutschen Juden. 1918 sind es nur noch 0,95 Prozent. 6:33 Und trotzdem wollen vor allem höhere Beamte, Offiziere und Adelige die Juden weg haben. 6:39 Anerkennung und Kompromisse, wie sie für eine moderne demokratische Gesellschaft wichtig sind, 6:45 spielen im Kaiserreich keine Rolle. Daher nehmen die gesellschaftlichen Spannungen zu. 6:50 Aber dann bricht der Krieg aus. Und dieses Ereignis überlagert erst mal die inneren Konflikte des Kaiserreichs. 6:56 Wenn ihr euch für das Kaiserreich interessiert, dann schaut euch die anderen Videos hier auf unserem Kanal an. 7:02 Für alle, die nichts mehr verpassen wollen, hab ich einen einfachen Tipp: Abonniert diesen Kanal. 7:08 Ist super entspannt und hilft euch hoffentlich weiter. Danke fürs Zuschauen, bis zum nächsten Mal. 7:14 Untertitel im Auftrag des ZDF für funk, 2018