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Semantik: Struktur und Aufbau der Nominalphrase
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Transkriptautomatisch erstellt · 96 Zeilen
- Videolektion zum Thema "Nominalphrase" Nachdem Sie sich in der Vergangenheit nun ausführlich mit der Bedeutung einzelner Wörter
- befasst haben (dies hauptsächlich auf der Basis von Merkmalen und Merkmalssemantik), werden wir nun den Blick darauf lenken,
- wie sich größere sprachliche Einheiten konstruieren lassen und wie in ihnen Bedeutung kombiniert wird.
- Als Basis dafür wiederholen wir kurz die Grundlage, die dafür vermutlich hilfreich sein könnten.
- Diese sollten Teil der Einführung in die Germanistische Sprachwissenschaft gewesen sein.
- Im Zweifel konsultieren Sie ein Einführungslehrbuch, wie etwa das angegebene Werk. Sprachliche Äußerungen werden aus kleineren Bausteinen zusammengesetzt.
- Diese Bausteine nennt man Konstituenten (von lat. constituere: einrichten, festlegen, festigen). Man sagt auch: Die Äußerung konstituiert sich aus den einzelnen Bestandteilen, den
- Konstituenten. Jede Konstituente erfüllt einen konkreten Zweck
- (so kann man es für den Moment vereinfacht sagen) in einer Äußerung, und an der Stelle einer bestimmten Konstituente können immer auch sehr viele andere Konstituenten
- des gleichen Typs stehen. Bilden wir ein paar Beispielsätze über Dinge, die ein (fiktiver) Herr Blühmel mag.
- Überlegen Sie einfach mal, wie Sie den folgenden Satz so fortsetzen, dass Sie damit eine bestimmte Sache ausdrücken, die Herr Blühmel mag.
- Sie sollen an dieser Stelle nichts anderes ausdrücken (also keine Begründung oder so). Schreiben Sie also drei bis vier Fortsetzungen auf.
- Herr Blühmel mag ____. Was ist Ihnen eingefallen?
- Im einfachsten Fall sind Ihnen einzelne Begriffe eingefallen, die Objekte denotieren. Kühe, Rahmschnitzel, Kinder oder Videospiele.
- Diese für sich genommen gehören bereits zu dem Typus von Konstituente, der hier den Satz fortführt.
- Mögliche andere Fortführungen wären aber auch diese hier: All diese Wortfolgen lassen sich (aus syntaktischer Sicht) genau so als Fortführung verwenden
- wie die ersten. Sie sind zwar syntaktisch komplexer, aber erfüllen den gleichen Zweck,
- nämlich, genauer darzustellen und auszuführen, was Herr Blühmel denn nun mag. Die letzten beiden funktionieren zwar aus syntaktischer,
- nicht jedoch aus semantischer Sicht; wir schauen sie uns später noch genauer an. Was Sie hier getan haben, ist, eine Variante eines Konstituententests durchzuführen,
- mit dem Sie herausfinden können, was genau in einer Äußerung eine Konstituente ist. Wenn Sie in einer Äußerung einen Teil A durch einen anderen Teil B ersetzen,
- und die Äußerung dadurch nicht fehlerhaft wird, dann sind A und B Konstituenten des gleichen Typs.
- Als Konstituenten bezeichnen wir daher Teile eines Ganzen. Ohne das Ganze im Blick zu haben, ist es nicht wirklich sinnvoll, von Konstituenten
- zu sprechen. Wenn wir uns die eben gesammelten Wortfolgen isoliert und für sich genommen ansehen,
- speziell, wenn es um ihre Form und ihren inneren Aufbau geht, sprechen wir eher von Phrasen. Das, was wir dort sehen, sind Nominalphrasen.
- Eine Nominalphrase dient dazu, einen oder mehrere Referenten in einer konkreten oder generellen Situation zu beschreiben.
- Mit Referenten meinen wir hier keine Personen, die Referate halten, sondern Bezugsobjekte. Jede Nominalphrase steht in der Regel für etwas, für jemanden oder auch für mehrere
- Personen, Dinge oder auch für abstrakte Entitäten. Für den Moment klammern wir Pronomina erst einmal aus.
- Sie können auch als Nominalphrase fungieren, werden aber verständlicher, wenn wir die prototypische Nominalphrase kennengelernt haben.
- Jede Phrase besitzt ein zentrales Element, das seine Charakteristika vorgibt und ihr auch ihren Namen verleiht.
- Das sind im Fall der Nominalphrase Nomen oder Substantive. In den Beispielen von eben sehen Sie hier die jeweiligen Köpfe rot hervorgehoben.
- Sie stellen den Kern der gesamten Struktur dar, um den herum sich alle anderen Bestandteile nach festen Regeln arrangieren.
- Die Bedeutung des Kopfes taucht immer auch in der Bedeutung der gesamten Nominalphrase auf.
- Jedoch enthält die gesamte Phrase in der Regel weitere Informationen, die von eben diesen anderen Bestandteilen kommen.
- Wir werden jetzt die wichtigsten Bestandteile durchgehen und schauen, wie sie ihren Teil zu so etwas wie einer Gesamtbedeutung beitragen.
- Sie können beliebig viele attributive Elemente vor ein Substantiv setzen. Solche Elemente geben zusätzliche Eigenschaften an, die für den oder die Referenten gelten.
- Wenn Sie „kleine“ vor „Katzen“ setzen, fügen Sie der Merkmalsliste (die bisher aus +KATZE besteht) noch das neue Merkmal +KLEIN hinzu.
- Solche Elemente können attributiv verwendete Adjektive sein, oder auch komplexere Strukturen, wie „in Butter geschwenkte“.
- In den allermeisten Fällen schränken Sie die Menge der möglichen Referenten mit solchen Angaben ein.
- Sie verwenden spezifischere Beschreibungen, und solche Beschreibungen passen auf weniger Referenten.
- Sie können in einer Nominalphrase auch auf verschiedene Arten konkrete Mengenangaben unterbringen.
- Wenn Sie über mehr als einen Referenten sprechen, gibt es die Möglichkeit, mit Zahlwörtern eine konkrete Anzahl darzustellen.
- Sobald so etwas vorliegt, wird konkret, wie viele Referenten genau von der Nominalphrase beschrieben werden.
- Im Deutschen (und in vielen weiteren Sprachen) haben wir den Sonderfall, dass wir einen eigenen Numerus für einzelne Referenten haben: Den Singular.
- Wenn wir über einzelne Dinge sprechen, gibt es oft Situationen, in denen wir daher kein separates Wort mehr verwenden müssen, um die Mengenangabe „1“
- abzubilden. Eine weitere grundlegende Unterscheidung ist die Tatsache, ob eine Nominalphrase definit
- (oder bestimmt) ist oder nicht. Definite Nominalphrasen verweisen auf einen eindeutig bestimmten Referenten,
- also auf einen, für den in der jeweiligen Situation jeweils klar ist, dass es genau um ihn geht.
- Indefinite (oder unbestimmte) Nominalphrasen verweisen nicht auf so einen bereits bestimmten Referenten, sondern auf einen, der zuvor noch nicht bestimmt
- ist. Im ersten Beispiel ist vor der Äußerung noch von keiner konkreten Blume die Rede gewesen.
- Wir wissen nach der Äußerung noch nicht, um welche konkrete Blume es gerade geht. Im zweiten Beispiel können wir zumindest annehmen,
- dass vorher in irgend einer Weise klar wurde, um welche konkrete Blume es geht. Im Deutschen haben wir mit den Artikeln die Möglichkeit, Unbestimmtheit oder Bestimmtheit
- anzuzeigen. Beachten Sie, dass wir aber keinen unbestimmten Artikel im Plural haben.
- Hier wird an der entsprechenden Stelle gar nichts eingesetzt: In anderen Sprachen finden Sie hier durchaus auch Artikel, etwa im Französischen: des
- fleurs. Sie können Definitheit auch mit anderen Mitteln bewirken:
- Mit einem vorangestellten Demonstrativpronomen oder Possessivpronomen, oder auch mit einem vorangestellten Genitiv.
- Semantisch zeichnet sich Definitheit dadurch aus, dass Sie die Nominalphrase referenziell in Bezug setzen zu einer Entität im Äußerungskontext,
- die schon eingeführt wurde. Mit indefiniten Nominalphrasen führen Sie in der Regel neue Entitäten in den Äußerungskontext
- ein. Hier wussten Sie bis zum aktuellen Zeitpunkt noch nichts vom Stier,
- doch jetzt ist er als Individuum im Äußerungskontext präsent, und Sie können in Folgeäußerungen an ihn anschließen.
- Schlussendlich können Sie in eine Nominalphrase noch Quantoren bzw. quantifizierende Begriffe einbauen.
- Diese sind zu unterscheiden von Mengenangaben. Sie dienen vielmehr dazu, Aussagen über eine Gesamtheit zu machen,
- bei der man entweder etwas über alle, einige, eins oder kein Individuum dieser Gesamtheit machen möchte.
- Hier haben wir eine Grundmenge von Büchern. Die folgenden drei Sätze mache Aussagen über diese Menge; der erste davon stellt eine Behauptung
- auf, die dann wahr ist, wenn sie für jedes einzelne von ihnen gilt.
- Der zweite davon gilt selbst dann, wenn die Teilbehauptung nur für einige von ihnen wahr ist (hier könnte man sich darüber streiten,
- ab welcher Menge man von „einige“ spricht), und so weiter. Dies waren einige wichtige Bestandteile von Nominalphrasen.
- Jeder Bestandteil nimmt einen typischen Platz innerhalb dieser Phrase ein. So stehen attributive Elemente am weitesten innen,
- nach außen hin gefolgt von Mengenangaben, Determinieren und Quantoren. Sie können in der Regel diese Reihenfolge nicht verändern.
- Wohlgemerkt sind dies noch relativ einfache Nominalphrasen. Sie können auch ganze andere Phrasen, ja sogar ganze Sätze, in Nominalphrasen integrieren:
- Dies ist auch eine komplexe Nominalphrase. Hierzu jedoch später mehr.
- Ich möchte abschließend noch kurz darauf eingehen, wie Sie merkmalsbasiert die Bedeutung einer Nominalphrase zusammentragen können.
- Für heute schauen wir uns erst einmal nur an, wie die Bedeutung vom Kopfnomen und von attributiven Adjektiven etwas beiträgt.
- Hierfür nehmen wir an, dass die resultierende NP ihre Informationen aus ihren Bestandteilen bezieht.
- Um also die Bedeutung gewissermaßen zu berechnen, notieren wir eine leere Merkmalsklammer, in die wir dann nach bestimmten Regeln die Merkmale einsetzen.
- Das machen wir auf formale Art und Weise nach den folgenden Regeln: 1.
- Füge die Merkmale des Kopfnomens in die Merkmalsstruktur der NP ein. 2.
- Für jedes attributive Adjektiv: Verschmelze die Merkmale des Adjektivs mit der Merkmalsstruktur des Kopfnomens.
- Wenn kein Konflikt aufgetreten ist, haben wir als Ergebnis die Bedeutung der NP (natürlich in noch recht einfacher Form).
- Wir werden jetzt an Beispielen genauer sehen, was dieses Verschmelzen ist, und was mit den möglicherweise auftretenden Konflikten gemeint ist.
- Der einfachste Fall liegt vor, wenn wir nur ein Kopfnomen, oder nur ein Kopfnomen plus Determinierer haben.
- Nehmen wir einfach mal an, dass die hier gezeigten Merkmale relevant und sprachlich motiviert für unsere Situation sind.
- Hier landet das Merkmalsbündel des Kopfnomens in der Merkmalsstruktur der NP, und wir sind fertig.
- Dieses Beispiel ist schon etwas komplizierter. Hier führen wir den ersten Schritt aus wie eben,
- und verschmelzen alles, was dem Adjektiv „hinterlistig“ zufällt, mit den NP-Merkmalen. Verschmelzen heißt, dass wir die Merkmale aus beiden Ausgangsstrukturen zusammenwerfen.
- Wenn es keinen Widerspruch gibt, dann erhalten wir die Fusion als Ergebnis. Widersprüche lägen dann vor, wenn zwei Merkmale angegeben sind, die nicht miteinander kompatibel
- sind. Einen semantischen Widerspruch hätten wir beispielsweise dann vorliegen,
- wenn wir versuchen, „berufstätig“ als attributives Adjektiv einzubauen. Wir können ja berechtigerweise annehmen, dass nur Menschen berufstätig sind.
- Katzen aber sind, so wie wir die Merkmale definiert haben, keine Menschen. Hier müssten wir also +MENSCH (von „berufstätig“) und –MENSCH (von „Katze“) miteinander
- verschmelzen. Dies ist nicht möglich, es entsteht ein Widerspruch, oder das, was wir weiter oben als Konflikt
- bezeichnet haben, und wir können diese Nominalphrase nicht mit sinnvollem semantischem Inhalt füllen.
- Ganz ähnlich wäre es, wenn wir „hinterlistig“ etwa mit „Nacktschnecke“ kombinieren wollen. Man kann ja vermutlich ohne große Überlegung davon ausgehen,
- dass wir Nacktschnecken eher als –INTELLIGENT einstufen würden. Mit diesem recht einfachen Mechanismus haben wir bereits ein Verfahren an der Hand,
- mit dem wir mehr schaffen, als nur eine syntaktische Kongruenz in der Nominalphrase zu fordern. Wir können, wenn wir die Merkmale schlau definieren,
- auch bestimmte semantisch fragwürdige oder inkompatible Konstrukte als falsch erkennen und verwerfen.
- Dieses Verfahren an sich werden wir in den nächsten Sitzungen noch verfeinern und weiter verwenden.
- Versuchen Sie im Test einmal, das Verfahren der Verschmelzung selbst durchzuführen.
Zum Nachlesen
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