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Semantik: Lexeme

eLearning-Inhalte von Dr. Peter Menke8:55 14.673 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

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Transkriptautomatisch erstellt · 78 Zeilen
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  1. Willkommen zur nächsten Video haben sich im Seminar während der Gruppenaktivitäten schon mit Wörtern und
  2. ihren Bedeutungen vertraut gemacht. Jetzt werden wir das ein bisschen mit wissenschaftlicher Terminologie
  3. ergänzen. Als erste Grundlage benötigen wir eine Klärung der Konzepte Wort und
  4. Wortbedeutung. Wie bei so vielem haben wir ein intuitives Verständnis zumindest davon,
  5. was ein Wort ist, wie es beschaffen ist und in welcher Beziehung zu anderen sprachlichen Einheiten es steht. Das
  6. allein kann aber für eine wissenschaftlich genaue Beschäftigung mit dem Gegenstand nicht genügen.
  7. Aus diesem Grund werden wir jetzt versuchen konkret zu fassen, was Wörter sind.
  8. Als ein Wort können wir in einer ersten Nährung eine sprachliche Einheit bezeichnen, die eine eigenständige
  9. Bedeutung hat, die nach den Regeln der Syntax in komplexere Phrasen und Sätze eingebaut werden kann und die selbst
  10. nicht schon nach den Regeln der Syntax zusammengesetzt wurde. In der geschriebenen Sprache werden
  11. Wörter üblicherweise räumlich durch Lehrstellen voneinander getrennt. In der Beispielase vier kleine weiße
  12. Katzen können Sie vier Wörter erkennen. Schauen wir mal, ob die oben genannten Charakteristiker hier passen. Zuerst
  13. einmal hat jedes Wort eine relativ eigene von den anderen separierte Bedeutung. Klein bedeutet etwas, was in
  14. irgendeiner Weise eine geringe Größe hat. Absolut oder im Vergleich zu etwas anderem. Weiß ist eine von mehreren
  15. Farben, also bestimmten Qualitäten der visuellen Wahrnehmung. Katzen schließlich sind Tiere, die zu einer
  16. bestimmten biologischen Art von Lebewesen gehören. Alle diese Bedeutungen kommen an dieser
  17. Stelle zwar gemeinsam vor, sie funktionieren aber jede für sich allein. Die Regeln der Syntax verwenden diese
  18. Einzelwörter und bringen sie in eine typische Reihenfolge. Diese Reihenfolge ist im Deutschen fest. Sie kann nicht
  19. beliebig verändert werden. Katzen, weiße kleine vier ist kein Ausdruck, den wir in der gleichen Art und Weise verstehen
  20. können wie vier kleine weiße Katzen. Die Syntax gibt also vor, wie wir einzelne Wörter, die verschiedenen
  21. Wortarten angehören, miteinander verbinden dürfen, um komplexere Bedeutungen herzustellen.
  22. Überlegen Sie einmal, gibt es überhaupt irgendeine andere Möglichkeit, diese vier Wörter zu einem Ausdruck
  23. zusammenzubauen, der das gleiche bedeutet wie vier kleine weiße Katzen? Behalten Sie im Auge, dass Wörter nicht
  24. in jedem Fall so einfach definiert werden können. Es gibt immer Fälle, in denen diese recht einfache Sicht auf die
  25. Dinge nicht ausreicht. Wörter müssen in geschriebener Form nicht immer durch Abstand abgetrennt werden. Auch kann es
  26. sein, dass es eben doch Fälle gibt, in denen ein Wort in mehrere Bedeutungsbestandteile zerlegt werden
  27. kann, wie beispielsweise bei Salami Pizza oder Gartenhaus. Auch kann es sein, dass die Syntaxregeln
  28. nicht nur ganze Wörter, sondern auch Teile davon im Satz verteilen. Das kommt oft vor.
  29. In diesem Beispielsatz wiederfährt das beispielsweise dem Wort vorkommen. Für unsere Zwecke soll aber zunächst die
  30. eben genannte Verwendungsweise des Wortbegriffs genügen. Der nächste wichtige Punkt: Die Gestalt
  31. oder Form eines Worts steht in keiner ursächlichen oder verwandtschaftlichen Verbindung zu seiner Bedeutung. Das Wort
  32. Keurer im Finnischen steht beispielsweise für ein Tier. Dennoch werden sie, wenn Sie nicht gerade Finish
  33. sprechen, außer durch Raten, nicht herausbekommen, welches Tier das ist. Es ist übrigens der Hund. Darum gerade
  34. müssen sie Sprachen und auch die Vokabeln innerhalb der Sprachen so mühselig lernen, weil es eben in den
  35. allermeisten Fällen keinerlei Anhaltspunkte gibt, welches Wort was jeweils bedeutet. Die Zuordnung, so
  36. würden die Mathematiker sagen, ist Arbitra. Arbiträr leitet sich vom lateinischen Arbitrarius ab, was so
  37. etwas wie nach Belieben bedeutet. Auch diesem Wort sehen Sie nicht an, was es bedeutet.
  38. Auch aus dem griechischen oder lateinischen stammende Fachbegriffe muss man lernen, sprich die Form mit der
  39. Bedeutung verknüpfen. Das tun wir, indem wir eine mentale Repräsentation der Form, also die
  40. Buchstabenfolge oder die Lautfolge mit einer mentalen Repräsentation des Konzepts verknüpfen, um das es geht.
  41. Das Konzept, das oben mit dem finnischen Begriff Keurer verknüpft wird, ist eine abstrakte Repräsentation dessen, was wir
  42. uns unter Hund vorstellen. Es handelt sich um mentale Strukturen, die uns verstehen helfen, was Hunde sind
  43. und wie man einen Hund von nicht Hunden unterscheiden kann. Dieses Konzept können wir in vielen
  44. Fällen mit Begriffen aus mehr als einer Sprache verbinden. So hätten wir vermutlich auch Begriffe wie Hund, Dog,
  45. Kanis mit diesem Konzept verknüpft. Diese mentalen Repräsentationen nutzen wir, wenn wir übersetzen.
  46. Natürlich kennen sie alle Fälle, in denen es eben keine solche eindeutige Gleichheit der Begriffe gibt. Sie kennen
  47. bestimmt alle, zumindest aus dem englischen Wörter, in denen sie vor dem Übersetzen erst überlegen und eventuell
  48. weitere Informationen beschaffen müssen. Teacher kann beispielsweise als Lehrer, aber auch je nach Äußerungsbedeutung als
  49. Lehrerin übersetzt werden. Schlange übersetzen Sie mit Snake, wenn es um das Tier geht, aber mit Q, wenn Sie mit
  50. Briten über die Menschenreihe am Postschalter sprechen wollen. Sprechen Sie dagegen mit US-Amerikanern über
  51. Warteschlangen, verwenden Sie eher Lime. Über solche Fälle werden wir demnächst noch kurz sprechen.
  52. Sie können explorieren, wie vielfältig und vernetzt die Konzepte sind, die wir besitzen, wenn Sie zu einem gegebenen
  53. Begriff beispielsweise eine Mindmap erstellen. Dabei werden Sie auch sehen oder haben vielleicht schon gesehen,
  54. dass die Assoziationen, die jede und jeder einzelne mit bestimmten Begriffen hat, unterschiedlich sind. Das liegt
  55. daran, dass die mentalen Repräsentationen in unseren Köpfen letztendlich das Ergebnis von
  56. lebenslangen Lernprozessen, auch von Sprachlernprozessen sind. Je nach unseren Erfahrungen verbinden wir mit
  57. Begriffen immer leicht unterschiedliche Dinge. Sie haben das vermutlich schon in der Seminarsitzung anhand der Tabukarten
  58. gemerkt. Man nimmt an, dass unsere mentalen Repräsentationen von Sprache in Lexemen
  59. organisiert sind, also nach den eben erwähnten Paarungen von Wortform und Konzept.
  60. Beispielsweise wäre im Finnischen ein Lexem vorhanden, das aus der Form Keurer und dem zugeordneten Konzept für
  61. Lebewiesen der Tierart Hund besteht. Konkreter hat ein Dexe nach Sebastian Löbner die folgenden Bestandteile:
  62. Lautform für gesprochene Sprache und eine Schriftform für geschriebene Sprache.
  63. Eine syntaktische Kategorie etwa substantiv, damit man weiß, welche Syntaxregeln man mit dem Lexem verwenden
  64. kann. inherente grammatische Eigenschaften, oft mehrere grammatische Formen und
  65. schließlich eine lexikalische Bedeutung. Die letzten drei Bestandteile schauen wir uns noch mal genauer an.
  66. Inherente grammatische Eigenschaften sind Eigenschaften, die direkt im Lexem selbst verankert sind. Im Deutschen
  67. gehört hierzu beispielsweise das Genus. Tasse hat das Genus Feminin, welches sich in keiner Situation verändern
  68. lässt. Die Phrase das Tasse können Sie mit keiner Standardgrammatikregel herbeiführen.
  69. Darum ist das eine inherente, also innerwohnende Eigenschaft. Der Kasus und der Numerus hingegen
  70. können je nach Verwendung frei gewechselt werden. Diese grammatischen Eigenschaften werden von der Syntax
  71. bestimmt. Sie sind nicht direkt im Lexem verankert. Mehrere grammatische Formen sind im Deutschen und in anderen
  72. Sprachen vorhanden, da in ihnen bestimmte Morpheme eben solche Informationen wie Kasus, Numerus und so
  73. weiter markieren. Die Formen Mann, Mannes, Männer gehören alle zum Lexem mit der sogenannten Zitierform oder
  74. Lexikonform Mann. Das ist die grammatische Form, unter der man ein Lexem im gedruckten Lexikon finden kann.
  75. Bei Werben ist die Variation noch größer. Denken Sie an liegen, lag, gelegen, Läge.
  76. Auf dieser Basis werden wir uns in den folgenden Sitzungen weitere Eigenschaften von Wörtern und Lexemen
  77. ansehen. Beispielsweise widmen wir uns dem, was unter nicht als Teekesselchen bekannt ist. Und wir werden uns über
  78. semantische Relationen, Oberbegriffe, Teil Ganzes Beziehungen und so weiter zu Wortfeldern und Taxonomien bewegen. M.

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