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Semantik: Lexeme
Das Wichtigste aus dem Video
Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.
Transkriptautomatisch erstellt · 78 Zeilen
- Willkommen zur nächsten Video haben sich im Seminar während der Gruppenaktivitäten schon mit Wörtern und
- ihren Bedeutungen vertraut gemacht. Jetzt werden wir das ein bisschen mit wissenschaftlicher Terminologie
- ergänzen. Als erste Grundlage benötigen wir eine Klärung der Konzepte Wort und
- Wortbedeutung. Wie bei so vielem haben wir ein intuitives Verständnis zumindest davon,
- was ein Wort ist, wie es beschaffen ist und in welcher Beziehung zu anderen sprachlichen Einheiten es steht. Das
- allein kann aber für eine wissenschaftlich genaue Beschäftigung mit dem Gegenstand nicht genügen.
- Aus diesem Grund werden wir jetzt versuchen konkret zu fassen, was Wörter sind.
- Als ein Wort können wir in einer ersten Nährung eine sprachliche Einheit bezeichnen, die eine eigenständige
- Bedeutung hat, die nach den Regeln der Syntax in komplexere Phrasen und Sätze eingebaut werden kann und die selbst
- nicht schon nach den Regeln der Syntax zusammengesetzt wurde. In der geschriebenen Sprache werden
- Wörter üblicherweise räumlich durch Lehrstellen voneinander getrennt. In der Beispielase vier kleine weiße
- Katzen können Sie vier Wörter erkennen. Schauen wir mal, ob die oben genannten Charakteristiker hier passen. Zuerst
- einmal hat jedes Wort eine relativ eigene von den anderen separierte Bedeutung. Klein bedeutet etwas, was in
- irgendeiner Weise eine geringe Größe hat. Absolut oder im Vergleich zu etwas anderem. Weiß ist eine von mehreren
- Farben, also bestimmten Qualitäten der visuellen Wahrnehmung. Katzen schließlich sind Tiere, die zu einer
- bestimmten biologischen Art von Lebewesen gehören. Alle diese Bedeutungen kommen an dieser
- Stelle zwar gemeinsam vor, sie funktionieren aber jede für sich allein. Die Regeln der Syntax verwenden diese
- Einzelwörter und bringen sie in eine typische Reihenfolge. Diese Reihenfolge ist im Deutschen fest. Sie kann nicht
- beliebig verändert werden. Katzen, weiße kleine vier ist kein Ausdruck, den wir in der gleichen Art und Weise verstehen
- können wie vier kleine weiße Katzen. Die Syntax gibt also vor, wie wir einzelne Wörter, die verschiedenen
- Wortarten angehören, miteinander verbinden dürfen, um komplexere Bedeutungen herzustellen.
- Überlegen Sie einmal, gibt es überhaupt irgendeine andere Möglichkeit, diese vier Wörter zu einem Ausdruck
- zusammenzubauen, der das gleiche bedeutet wie vier kleine weiße Katzen? Behalten Sie im Auge, dass Wörter nicht
- in jedem Fall so einfach definiert werden können. Es gibt immer Fälle, in denen diese recht einfache Sicht auf die
- Dinge nicht ausreicht. Wörter müssen in geschriebener Form nicht immer durch Abstand abgetrennt werden. Auch kann es
- sein, dass es eben doch Fälle gibt, in denen ein Wort in mehrere Bedeutungsbestandteile zerlegt werden
- kann, wie beispielsweise bei Salami Pizza oder Gartenhaus. Auch kann es sein, dass die Syntaxregeln
- nicht nur ganze Wörter, sondern auch Teile davon im Satz verteilen. Das kommt oft vor.
- In diesem Beispielsatz wiederfährt das beispielsweise dem Wort vorkommen. Für unsere Zwecke soll aber zunächst die
- eben genannte Verwendungsweise des Wortbegriffs genügen. Der nächste wichtige Punkt: Die Gestalt
- oder Form eines Worts steht in keiner ursächlichen oder verwandtschaftlichen Verbindung zu seiner Bedeutung. Das Wort
- Keurer im Finnischen steht beispielsweise für ein Tier. Dennoch werden sie, wenn Sie nicht gerade Finish
- sprechen, außer durch Raten, nicht herausbekommen, welches Tier das ist. Es ist übrigens der Hund. Darum gerade
- müssen sie Sprachen und auch die Vokabeln innerhalb der Sprachen so mühselig lernen, weil es eben in den
- allermeisten Fällen keinerlei Anhaltspunkte gibt, welches Wort was jeweils bedeutet. Die Zuordnung, so
- würden die Mathematiker sagen, ist Arbitra. Arbiträr leitet sich vom lateinischen Arbitrarius ab, was so
- etwas wie nach Belieben bedeutet. Auch diesem Wort sehen Sie nicht an, was es bedeutet.
- Auch aus dem griechischen oder lateinischen stammende Fachbegriffe muss man lernen, sprich die Form mit der
- Bedeutung verknüpfen. Das tun wir, indem wir eine mentale Repräsentation der Form, also die
- Buchstabenfolge oder die Lautfolge mit einer mentalen Repräsentation des Konzepts verknüpfen, um das es geht.
- Das Konzept, das oben mit dem finnischen Begriff Keurer verknüpft wird, ist eine abstrakte Repräsentation dessen, was wir
- uns unter Hund vorstellen. Es handelt sich um mentale Strukturen, die uns verstehen helfen, was Hunde sind
- und wie man einen Hund von nicht Hunden unterscheiden kann. Dieses Konzept können wir in vielen
- Fällen mit Begriffen aus mehr als einer Sprache verbinden. So hätten wir vermutlich auch Begriffe wie Hund, Dog,
- Kanis mit diesem Konzept verknüpft. Diese mentalen Repräsentationen nutzen wir, wenn wir übersetzen.
- Natürlich kennen sie alle Fälle, in denen es eben keine solche eindeutige Gleichheit der Begriffe gibt. Sie kennen
- bestimmt alle, zumindest aus dem englischen Wörter, in denen sie vor dem Übersetzen erst überlegen und eventuell
- weitere Informationen beschaffen müssen. Teacher kann beispielsweise als Lehrer, aber auch je nach Äußerungsbedeutung als
- Lehrerin übersetzt werden. Schlange übersetzen Sie mit Snake, wenn es um das Tier geht, aber mit Q, wenn Sie mit
- Briten über die Menschenreihe am Postschalter sprechen wollen. Sprechen Sie dagegen mit US-Amerikanern über
- Warteschlangen, verwenden Sie eher Lime. Über solche Fälle werden wir demnächst noch kurz sprechen.
- Sie können explorieren, wie vielfältig und vernetzt die Konzepte sind, die wir besitzen, wenn Sie zu einem gegebenen
- Begriff beispielsweise eine Mindmap erstellen. Dabei werden Sie auch sehen oder haben vielleicht schon gesehen,
- dass die Assoziationen, die jede und jeder einzelne mit bestimmten Begriffen hat, unterschiedlich sind. Das liegt
- daran, dass die mentalen Repräsentationen in unseren Köpfen letztendlich das Ergebnis von
- lebenslangen Lernprozessen, auch von Sprachlernprozessen sind. Je nach unseren Erfahrungen verbinden wir mit
- Begriffen immer leicht unterschiedliche Dinge. Sie haben das vermutlich schon in der Seminarsitzung anhand der Tabukarten
- gemerkt. Man nimmt an, dass unsere mentalen Repräsentationen von Sprache in Lexemen
- organisiert sind, also nach den eben erwähnten Paarungen von Wortform und Konzept.
- Beispielsweise wäre im Finnischen ein Lexem vorhanden, das aus der Form Keurer und dem zugeordneten Konzept für
- Lebewiesen der Tierart Hund besteht. Konkreter hat ein Dexe nach Sebastian Löbner die folgenden Bestandteile:
- Lautform für gesprochene Sprache und eine Schriftform für geschriebene Sprache.
- Eine syntaktische Kategorie etwa substantiv, damit man weiß, welche Syntaxregeln man mit dem Lexem verwenden
- kann. inherente grammatische Eigenschaften, oft mehrere grammatische Formen und
- schließlich eine lexikalische Bedeutung. Die letzten drei Bestandteile schauen wir uns noch mal genauer an.
- Inherente grammatische Eigenschaften sind Eigenschaften, die direkt im Lexem selbst verankert sind. Im Deutschen
- gehört hierzu beispielsweise das Genus. Tasse hat das Genus Feminin, welches sich in keiner Situation verändern
- lässt. Die Phrase das Tasse können Sie mit keiner Standardgrammatikregel herbeiführen.
- Darum ist das eine inherente, also innerwohnende Eigenschaft. Der Kasus und der Numerus hingegen
- können je nach Verwendung frei gewechselt werden. Diese grammatischen Eigenschaften werden von der Syntax
- bestimmt. Sie sind nicht direkt im Lexem verankert. Mehrere grammatische Formen sind im Deutschen und in anderen
- Sprachen vorhanden, da in ihnen bestimmte Morpheme eben solche Informationen wie Kasus, Numerus und so
- weiter markieren. Die Formen Mann, Mannes, Männer gehören alle zum Lexem mit der sogenannten Zitierform oder
- Lexikonform Mann. Das ist die grammatische Form, unter der man ein Lexem im gedruckten Lexikon finden kann.
- Bei Werben ist die Variation noch größer. Denken Sie an liegen, lag, gelegen, Läge.
- Auf dieser Basis werden wir uns in den folgenden Sitzungen weitere Eigenschaften von Wörtern und Lexemen
- ansehen. Beispielsweise widmen wir uns dem, was unter nicht als Teekesselchen bekannt ist. Und wir werden uns über
- semantische Relationen, Oberbegriffe, Teil Ganzes Beziehungen und so weiter zu Wortfeldern und Taxonomien bewegen. M.
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