Geschichte · Klasse 7–10 · aktualisiert
Wiener Kongress: Ziele, Beschlüsse und Folgen
Du lernst, warum Europas Mächte 1814/15 in Wien verhandelten, welche Ziele sie verfolgten und wie du die Ergebnisse beurteilen kannst.
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Kurz gesagt
Der Wiener Kongress ordnete Europa 1814/15 nach Napoleons Niederlage neu. Die Mächte wollten Frieden sichern und die Herrschaft der Fürsten schützen. Ihre Kompromisse begrenzten Machtansprüche, erfüllten aber Hoffnungen auf nationale Einheit und politische Freiheit nicht.
Nach einem Krieg müssen Staaten klären, wie sie künftig miteinander leben wollen. Dabei können Friedensziele und eigene Machtwünsche zusammenstoßen. Am Wiener Kongress untersuchst du, wie daraus Kompromisse entstanden und was sie für die Bevölkerung bedeuteten.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Nach der Niederlage Napoleons, des französischen Machthabers, mussten Europas Mächte Grenzen und politische Ordnung neu regeln. Dazu trafen sich ihre Vertreter 1814/15 beim Wiener Kongress. Ein Kongress ist hier ein Treffen politischer Vertreter zu Verhandlungen.
Die Mächte wollten nach den Kriegen eine dauerhafte Friedensordnung schaffen. Künftige Streitigkeiten sollten durch Verhandlungen gelöst werden. Zugleich wollten sie die Herrschaft der Fürsten sichern und neue Revolutionen verhindern. Frieden zwischen Staaten und politische Freiheit der Bevölkerung waren also verschiedene Ziele.
Die Vertreter arbeiteten in Ausschüssen, also kleineren Gruppen für einzelne Themen. Eine gemeinsame Vollversammlung aller Vertreter fand nicht statt. Die Ergebnisse wurden meist in Verträgen zwischen zwei Seiten festgehalten.
Definition
Nachkriegsordnung
Damit sind Regeln für die Zeit nach einem Krieg gemeint: etwa Grenzen, Herrschaft und das Zusammenleben der Staaten.
Merke: Der Kongress sollte Frieden zwischen Staaten sichern und zugleich die Herrschaft der Fürsten schützen.
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Vier Begriffe helfen dir, die Ziele der Wiener Ordnung zu unterscheiden. Historiker haben solche Leitprinzipien teilweise erst nachträglich als gemeinsame Grundsätze beschrieben.
Restauration bedeutet hier, die monarchische Ordnung wiederherzustellen: Fürsten sollten herrschen. Das bedeutete aber keine vollständige Rückkehr zu allen früheren Verhältnissen. Die Veränderungen der napoleonischen Zeit ließen sich nicht vollständig zurückdrehen.
Legitimität beantwortete die Frage, wer zur Herrschaft berechtigt sei. Nach diesem Prinzip sollten die angestammten Fürstenhäuser herrschen, also Familien, die schon zuvor regiert hatten. Solidarität meinte dagegen den gemeinsamen Schutz der Monarchien gegen revolutionäre Bewegungen.
Das Mächtegleichgewicht betraf die Beziehungen zwischen Staaten. Kein Staat sollte Europa beherrschen. Doch die Mächte wollten zugleich eigene Gebiete vergrößern. Solche Wünsche konnten den gemeinsamen Prinzipien widersprechen.
| Prinzip | Leitgedanke |
|---|---|
| Restauration | Die monarchische Ordnung wiederherstellen. |
| Legitimität | Die Herrschaft angestammter Fürstenhäuser begründen. |
| Solidarität | Monarchien gemeinsam gegen Revolutionen schützen. |
| Mächtegleichgewicht | Die Vorherrschaft eines Staates in Europa verhindern. |
Beispiel: Beispieltext, ausgedacht: eine Zusage einordnen
- 1Zwei Fürsten versprechen einander Hilfe gegen revolutionäre Bewegungen.
- 2Hier geht es um gemeinsamen Schutz ihrer Monarchien.
- 3Die Zusage passt deshalb zum Prinzip der Solidarität.
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Russland wollte seine Herrschaft in Polen ausweiten. Preußen wollte ganz Sachsen übernehmen. Österreich, Großbritannien und Frankreich widersetzten sich einer zu starken russisch-preußischen Stellung. Die gemeinsamen Friedensziele verhinderten also nicht, dass die Mächte miteinander stritten.
Es drohte ein neuer Krieg. Wegen dieser Gefahr reduzierten Russland und Preußen ihre Forderungen. Preußen erhielt einen Teil Sachsens und Gebiete im Westen. Sachsen blieb als verkleinertes Königreich bestehen. Russland erhielt das sogenannte Kongresspolen in Personalunion. Das bedeutet hier: Derselbe Herrscher regierte Russland und Kongresspolen. Ein unabhängiges Polen entstand damit nicht.
An diesem Ergebnis kannst du erkennen, wie ein Kompromiss funktioniert: Forderungen werden eingeschränkt, damit eine Einigung möglich wird. Das Mächtegleichgewicht begrenzte Preußens Ansprüche, obwohl Preußen zu den Siegern gehörte. Beim Fortbestand Sachsens spielte auch das Recht des angestammten Fürstenhauses eine Rolle. Die Hoffnungen auf ein unabhängiges Polen blieben hinter den Interessen der Großmächte zurück.
Zu Preußens neuen Gebieten im Westen gehörten die Rheinlande, also Gebiete am Rhein. Frankreich hoffte, Preußen werde dort nicht dauerhaft Fuß fassen. Das sollte Frankreich die Chance auf eine spätere Verschiebung seiner Ostgrenze eröffnen. Großbritannien erwartete dagegen, dass ein starkes Preußen eine Ausdehnung Frankreichs verhindern würde.
Definition
Kompromiss
Eine Einigung, bei der Beteiligte einen Teil ihrer Forderungen aufgeben.
Merke: Unterscheide Forderung und Ergebnis: Preußen wollte ganz Sachsen, erhielt aber nur einen Teil.
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Der Deutsche Bund war ein Zusammenschluss souveräner, also selbstständiger Staaten. Er war kein deutscher Nationalstaat: Die deutschen Staaten wurden nicht zu einem gemeinsamen Staat vereinigt. Österreich führte den Vorsitz. Der Bundestag bestand aus Gesandten, also Vertretern der Mitgliedstaaten. Er war kein vom Volk gewähltes Parlament.
Der Bund sollte die äußere und innere Sicherheit Deutschlands schützen. Er sicherte eine gemeinsame Ordnung, erfüllte aber die Hoffnungen auf nationale Einheit und liberale Mitbestimmung nicht. Liberale Mitbestimmung bedeutet hier, dass Bürger politische Rechte erhalten und an Entscheidungen beteiligt werden sollten.
Für dein Urteil über die Wiener Ordnung brauchst du einen Maßstab. Fragst du nach der Beständigkeit der Staaten, erkennst du einen Erfolg: Die Großmächte stimmten sich miteinander ab, und ihre Konflikte wurden zeitweilig begrenzt. Daraus entstand aber kein Jahrhundert ohne Kriege.
Fragst du nach politischer Freiheit, fällt das Urteil kritischer aus: Die Ordnung schützte die Herrschaft der Fürsten und erschwerte Forderungen nach Mitbestimmung und nationaler Einheit. Stabilität der Staaten bedeutete deshalb nicht zugleich Freiheit ihrer Bevölkerung. Ein begründetes Urteil nennt beide Seiten und macht deutlich, welchen Maßstab es verwendet.
| Maßstab | Ergebnis | Grenze |
|---|---|---|
| Stabilität | Die Großmächte stimmten sich miteinander ab. | Konflikte wurden zeitweilig begrenzt; Kriege blieben möglich. |
| Politische Freiheit | Die Herrschaft der Fürsten wurde geschützt. | Liberale und nationale Forderungen wurden erschwert. |
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Alles auf einen Blick
Wiener Kongress
Ausgangslage
Nach Napoleons Niederlage mussten Europas Mächte Grenzen und politische Ordnung neu regeln.
Prinzipien
Restauration, Legitimität, Solidarität und Mächtegleichgewicht beschrieben unterschiedliche Ziele.
Kompromiss
Die Gefahr eines neuen Krieges brachte Russland und Preußen dazu, ihre Forderungen einzuschränken.
Deutscher Bund
Selbstständige Staaten schlossen sich zusammen; ein deutscher Nationalstaat entstand nicht.
Urteil
Die Wiener Ordnung förderte die Abstimmung der Großmächte, erschwerte aber politische Mitbestimmung und nationale Einheit.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Unterschiedliche Erwartungen an Preußens Erwerb der Rheinlande erklären
- 1Aufgabe: Erkläre, warum Frankreich und Großbritannien mit Preußens Erwerb der Rheinlande unterschiedliche Hoffnungen verbanden.
- 2Frankreichs Erwartung bestimmen: Preußen werde in den Rheinlanden nicht dauerhaft Fuß fassen. Frankreich hoffte deshalb auf eine spätere Verschiebung seiner Ostgrenze.
- 3Großbritanniens Erwartung bestimmen: Ein starkes Preußen werde eine Ausdehnung Frankreichs verhindern.
- 4Ergebnis formulieren: Dieselbe Gebietsvergabe konnte zu gegensätzlichen Erwartungen führen. Die Erwartungen beweisen noch nicht, was später tatsächlich geschah.
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Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage verwechselt Preußens Forderung mit dem Ergebnis. Richtig: Preußen erhielt einen Teil Sachsens.
Lückentext
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Nach Napoleons Niederlage verhandelten die Mächte beim Wiener Kongress . Der gemeinsame Schutz der Monarchien gegen revolutionäre Bewegungen hieß . Den Vorsitz im Deutschen Bund führte .
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