Geschichte · Klasse 7–8 · aktualisiert
Westfälischer Friede: Regeln und Bedeutung verstehen
Du lernst, warum an zwei Orten verhandelt wurde, welche Regeln der Westfälische Friede schuf und wie du seine Erfolge und Grenzen beurteilst.
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Kurz gesagt
Der Westfälische Friede beendete 1648 den Dreißigjährigen Krieg. Er regelte religiöse Streitfragen, Rechte im Reich und Gebietsveränderungen. Für ganz Europa brachte er jedoch keinen dauerhaften Frieden.
Wie können Kriegsgegner Frieden schließen, wenn sie sich weiter misstrauen? Beim Westfälischen Frieden halfen getrennte Verhandlungsorte und gemeinsame Regeln. Du untersuchst, was diese Regeln leisteten und welche Probleme offenblieben.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Der Westfälische Friede sollte den Dreißigjährigen Krieg beenden. Verhandelt wurde in Münster und Osnabrück. Die Gespräche gehörten zu einem gemeinsamen Friedenskongress, also einem Treffen zur Aushandlung von Frieden.
Zwei Verhandlungsorte halfen, Streit über den Rang der Beteiligten zu vermeiden. Dabei ging es darum, wer gegenüber wem Vorrang beanspruchen durfte. Außerdem wollten die protestantischen Mächte und die Leitung der katholischen Kirche in Rom nicht miteinander verhandeln. Protestantisch bezeichnet hier die evangelische Seite des Christentums, zu der Lutheraner und Reformierte gehören. Die Trennung erleichterte es, verschiedene Beteiligte einzubeziehen. Trotzdem bildeten die Städte keine zwei völlig getrennten Religionslager.
In Münster verhandelten der Kaiser und das Heilige Römische Reich mit Frankreich. Dort führten außerdem Spanien und die Niederlande Gespräche. In Osnabrück verhandelten Kaiser und Reich mit Schweden. Beide Städte lagen nahe genug für einen schnellen Nachrichtenaustausch und konnten die Gesandtschaften aufnehmen. Das waren die Vertreter, die für ihre Auftraggeber verhandelten.
Die beiden Hauptverträge wurden am 24. Oktober 1648 in Münster unterzeichnet. Sie beendeten den Dreißigjährigen Krieg. Der Name des Osnabrücker Vertrags nennt seinen Verhandlungsort, nicht seinen Unterzeichnungsort.
Merke: Zwei Verhandlungsorte gehörten zu einem gemeinsamen Kongress. Verhandlungsort und Unterzeichnungsort waren nicht bei beiden Hauptverträgen gleich.
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Der Frieden regelte mehr als Religion. Er betraf auch die Verteilung politischer Rechte und den Besitz von Gebieten. Das Reich hieß Heiliges Römisches Reich. Seine politische Ordnung wird hier als Reichsverfassung bezeichnet.
Zur Religion: Katholiken, Lutheraner und Reformierte sind verschiedene christliche Glaubensgruppen oder Konfessionen. Neben Katholiken und Lutheranern wurden nun auch die Reformierten rechtlich im Reich gleichgestellt. Wechselte ein Landesherr seine Konfession, mussten seine Untertanen nicht mehr mitwechseln. Im Reichstag sollte bei Religionsfragen keine Konfessionsseite die andere einfach durch eine Mehrheit überstimmen. Die Täufer, eine weitere christliche Glaubensgruppe, blieben von der rechtlichen Anerkennung auf Reichsebene ausgeschlossen.
Zur Reichsverfassung: Die Reichsstände waren Herrschaftsträger wie Fürsten und Reichsstädte mit eigenen Rechten im Reich. Im Reichstag wirkten sie an Entscheidungen mit. Der Frieden bestätigte ihre Landeshoheit, also ihre Herrschaftsrechte im eigenen Gebiet. Wichtige Entscheidungen über Krieg, Frieden und Gesetze benötigten ihre Zustimmung im Reichstag. Sie durften auch Bündnisse mit auswärtigen Mächten schließen, jedoch nicht gegen Kaiser, Reich oder den Frieden. Das Reich bestand weiter; die Reichsstände wurden keine völlig unabhängigen Staaten.
Zu den Gebieten: Schweden erhielt unter anderem Vorpommern als Reichslehen. Das Gebiet blieb damit rechtlich mit dem Reich verbunden. Brandenburg erhielt das bisherige Fürstbistum Minden als weltliches Territorium: Aus dem Gebiet unter bischöflicher Herrschaft wurde ein Gebiet ohne diese kirchliche Herrschaft. Frankreich gewann Besitz und Rechte im Elsass. Das gesamte Elsass wurde dadurch nicht geschlossen französisch.
Definition
Reichsverfassung
Die politische Ordnung des Reiches: Sie bestimmte unter anderem die Rechte des Kaisers und der Reichsstände sowie ihre Beteiligung an Entscheidungen.
Beispiel: Die Regelung zu Minden zuordnen
- 1Brandenburg erhielt das bisherige Fürstbistum Minden als weltliches Gebiet.
- 2Hier wird geregelt, wem ein Gebiet zukommt und welche Art von Herrschaft dort besteht.
- 3Deshalb gehört diese Regelung zum Bereich Gebiete.
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Im Krieg hatte sich verändert, wer kirchliche Gebäude und Güter besaß. Sollte jeder seine späteren Gewinne behalten dürfen? Für die Wiederherstellung kirchlicher Besitzverhältnisse legte der Frieden grundsätzlich den 1. Januar 1624 als gemeinsamen Stichtag fest. Diese Regel heißt Normaljahr 1624.
Entscheidend war grundsätzlich, wer den kirchlichen Besitz an diesem Tag hatte. Spätere Veränderungen sollten rückgängig gemacht werden. War ein kirchliches Gut am Stichtag evangelisch und später entzogen worden, sollte es nach der allgemeinen Regel zurückgegeben werden. Entsprechenden Schutz erhielt auch der katholische Besitz des Stichtags.
Darin lag der Kompromiss: Beide Seiten nahmen denselben früheren Besitzstand als Maßstab an. Sie konnten also nicht sämtliche späteren Gewinne behalten. Die Regel begrenzte den Streit, weil sie einen gemeinsamen Prüfpunkt vorgab.
Es gab jedoch Sonderbestimmungen. Unter anderem waren die erblichen Herrschaftsgebiete des Kaisers von dieser allgemeinen Besitzregel ausgenommen. Das Normaljahr regelte nicht pauschal alle Grenzen und Besitzrechte.
Definition
Kompromiss
Eine Einigung, bei der die Beteiligten nicht alle eigenen Forderungen durchsetzen. Hier akzeptierten beide Seiten denselben früheren Maßstab für kirchlichen Besitz.
Merke: Grundsätzlich zählte für die Wiederherstellung kirchlicher Besitzverhältnisse der 1. Januar 1624. Sonderbestimmungen begrenzten die Regel.
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Ein begründetes Urteil braucht einen Maßstab. Fragst du nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges und nach Regeln für das Zusammenleben im Reich, war der Frieden erfolgreich. Er beendete diesen Krieg, schuf Rechtsregeln für die Konfessionen und festigte die politische Ordnung des Reiches. Konflikte verschwanden nicht, konnten aber anhand vereinbarter Regeln behandelt werden.
Auch spätere Friedenskongresse nutzten seine Verfahren zum Verhandeln und Vermitteln. Das ist eine weitere Bedeutung des Friedens: Seine Wirkung reichte über die unmittelbaren Vereinbarungen hinaus.
Andere Maßstäbe zeigen Grenzen. Der Krieg zwischen Frankreich und Spanien ging bis 1659 weiter. Damit brachte 1648 keinen dauerhaften Frieden für ganz Europa. Die Duldung verschiedener Konfessionen bedeutete außerdem keine allgemeine Religionsfreiheit jedes einzelnen Menschen.
Auch die Umsetzung war mit der Unterzeichnung nicht erledigt. Über strittigen Besitz und die Durchführung der Vereinbarungen musste weiter gearbeitet und verhandelt werden. Du kannst deshalb urteilen: Der Frieden war ein bedeutender Schritt zur Regelung von Konflikten. Er beseitigte aber nicht alle Gegensätze und löste nicht sofort jedes praktische Problem.
| Maßstab | Begründetes Urteil |
|---|---|
| Ende des Dreißigjährigen Krieges | Erfolg: Die Hauptverträge beendeten diesen Krieg. |
| Regeln für Konflikte im Reich | Erfolg: Gemeinsame Rechtsregeln halfen beim Umgang mit Streit. |
| Dauerhafter Frieden für ganz Europa | Grenze: Frankreich und Spanien führten bis 1659 weiter Krieg. |
| Religionsfreiheit jedes Menschen | Grenze: Konfessionelle Duldung war keine allgemeine individuelle Religionsfreiheit. |
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Alles auf einen Blick
Westfälischer Friede
Verhandlungen
Zwei nahe Orte halfen gegen Rangstreit und ermöglichten einen gemeinsamen Kongress.
Regelungen
Der Frieden betraf Religion, politische Rechte im Reich und Gebiete.
Normaljahr
Grundsätzlich war der 1. Januar 1624 für die Wiederherstellung kirchlicher Besitzverhältnisse maßgeblich.
Bedeutung
Gemeinsame Regeln erleichterten den Umgang mit religiösen und politischen Konflikten.
Grenzen
Weder dauerhafter Frieden für ganz Europa noch allgemeine Religionsfreiheit wurden erreicht.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Unterzeichnung und Umsetzung getrennt beurteilen
- 1Aufgabe: Erkläre, warum eine erfolgreiche Unterzeichnung noch nicht bedeutete, dass der Frieden vollständig umgesetzt war.
- 2Befund festhalten: Die beiden Hauptverträge beendeten den Dreißigjährigen Krieg.
- 3Zweiten Befund ergänzen: Die Durchführung der Vereinbarungen und strittige Besitzfragen erforderten weitere Arbeit.
- 4Unterscheiden: Eine vereinbarte Regel und ihre praktische Umsetzung sind zwei verschiedene Schritte.
- 5Urteil formulieren: Der Friedensschluss war ein Erfolg. Seine Umsetzung blieb trotzdem eine weitere Aufgabe.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zu den beiden Hauptverträgen In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage verwechselt Verhandlungsort und Unterzeichnungsort. Richtig: Beide Hauptverträge wurden am 24. Oktober 1648 in Münster unterzeichnet.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Kaiser und Reich verhandelten mit Schweden in . Für die Wiederherstellung kirchlicher Besitzverhältnisse galt grundsätzlich der 1. Januar . Der Krieg, der bis 1659 weiterging, wurde zwischen Frankreich und geführt.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
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