Geschichte · Klasse 7–8 · aktualisiert
Dreißigjähriger Krieg: Ursachen, Verlauf, Folgen
Du lernst, warum der Dreißigjährige Krieg ausbrach, wie er verlief, wie die Bevölkerung litt und was der Westfälische Friede regelte.
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Kurz gesagt
Der Dreißigjährige Krieg dauerte von 1618 bis 1648 und wurde durch Streit um Religion, Herrschaft und Gebiete angetrieben. Die Bevölkerung litt unter Gewalt, Hunger und Seuchen. Der Westfälische Friede regelte das Zusammenleben der Glaubensrichtungen und die Machtverhältnisse neu.
Ein Streit um Religion kann zugleich ein Streit um Macht sein. Im Dreißigjährigen Krieg kämpften Herrscher deshalb nicht einfach nach ihrem Glauben auf derselben Seite. Du untersuchst, warum sich der Krieg ausweitete und was seine Finanzierung für die Menschen bedeutete.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Der Dreißigjährige Krieg dauerte von 1618 bis zum Westfälischen Frieden 1648. Seine Ursachen reichen weit vor den Kriegsbeginn zurück. Im Heiligen Römischen Reich, einem Reich mit Kaiser, Fürsten und Reichsstädten, stritten Herrscher um Religion und Macht. Auch in Europa gab es Rivalitäten. Die Habsburger, eine Herrscherfamilie in Österreich und Spanien, standen etwa im Konflikt mit Frankreich.
Der Augsburger Religionsfriede von 1555 sollte das Zusammenleben verschiedener christlicher Glaubensrichtungen, der Konfessionen, regeln. Er erkannte Katholiken und Lutheraner als gleichberechtigt an, aber nicht die Reformierten. Lutheraner und Reformierte gehören zu den protestantischen, auch evangelisch genannten Glaubensrichtungen. Landesherren durften das Bekenntnis ihrer Bevölkerung bestimmen. Andersgläubige Untertanen hatten das Recht auszuwandern. Streit über die Auslegung des Friedens blieb bestehen. Protestantische Fürsten und Städte gründeten 1608 die Protestantische Union als Schutzbündnis. Als Antwort entstand 1609 die Katholische Liga, ein katholisches Bündnis.
Der unmittelbare Anlass war der Aufstand der Stände in Böhmen 1618. Zu diesen politisch berechtigten Gruppen gehörten Adelige. Sie stritten mit ihrem Herrscher um zugesicherte Religionsfreiheit. Der böhmische König Ferdinand, der spätere Kaiser Ferdinand II., ordnete die Schließung der evangelischen Kirchen in Braunau und Klostergrab an. Dort verbot er auch die evangelische Religionsausübung. Am 23. Mai 1618 warfen bewaffnete Adelige in Prag zwei kaiserliche Stellvertreter und einen Kanzleisekretär aus einem Fenster. Alle drei überlebten. Dieser Prager Fenstersturz war ein Angriff auf die Vertreter des Kaisers und kam einer Kriegserklärung gleich. Er war der konkrete Auslöser im bereits bestehenden Konflikt, nicht dessen einzige Ursache.
Definition
Ursache und Anlass
Ursachen sind länger bestehende Gründe eines Konflikts. Der Anlass ist das konkrete Ereignis, an dem der Konflikt ausbricht.
Beispiel: Donauwörth: ein Konflikt vor dem Kriegsbeginn
- 1Ende 1607 ließ der katholische Herzog Maximilian I. von Bayern die mehrheitlich protestantische Reichsstadt Donauwörth besetzen.
- 2Zuvor hatte es dort Auseinandersetzungen zwischen Protestanten und Katholiken gegeben.
- 3Das Beispiel zeigt: Die Spannungen zwischen den Glaubensgruppen bestanden schon vor dem Prager Fenstersturz.
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Historiker unterscheiden vier Kriegsphasen nach wichtigen Gegnern des Kaisers und der Habsburger. Im Böhmisch-Pfälzischen Krieg von 1618 bis 1623 besiegten die Truppen des Kaisers und seiner Verbündeten den böhmischen Aufstand. Die Aufständischen erlitten 1620 am Weißen Berg bei Prag eine schwere Niederlage. Danach ließ der Kaiser in Böhmen 27 Personen hinrichten, die wegen Beleidigung des Herrschers angeklagt worden waren. Um den Protestantismus zurückzudrängen, vertrieb er 30.000 Familien. Auch in der Pfalz verloren seine Gegner Macht und Gebiete.
Im Niedersächsisch-Dänischen Krieg von 1625 bis 1629 griff der dänische König Christian IV. gegen den Kaiser ein. Eine wesentliche Motivation war, Verden, Osnabrück und Halberstadt für seinen Sohn zu gewinnen. Nach militärischen Niederlagen schied Dänemark 1629 im Frieden von Lübeck aus dem Krieg aus.
Im Schwedischen Krieg von 1630 bis 1635 trat der schwedische König Gustav Adolf in den Krieg ein. Er wollte Schwedens Vorherrschaft in Nordosteuropa durchsetzen. Frankreich unterstützte seinen Feldzug finanziell. Nach der schwedischen Niederlage bei Nördlingen 1634 brach Schwedens Machtstellung im Reich vorübergehend zusammen. Im Prager Frieden von 1635 verständigten sich fast alle protestantischen Reichsstände mit dem Kaiser. Reichsstände waren etwa Fürsten und Reichsstädte mit politischen Rechten im Reich.
Der Schwedisch-Französische Krieg dauerte von 1635 bis 1648. Das katholische Frankreich und das protestantische Schweden verbündeten sich gegen die Habsburger. Frankreich setzte nun auch eigene Truppen ein. Der Gegensatz der Glaubensrichtungen erklärt diese Bündnisse also nicht: Es ging wesentlich um Macht und Gebiete. Die Friedensschlüsse von Lübeck und Prag hatten nicht die Interessen aller beteiligten Mächte berücksichtigt. Ab 1643 verhandelten die Kriegsparteien in Münster und Osnabrück über Frieden. Währenddessen kämpften sie weiter, um Vorteile zu gewinnen. Erst 1648 endete der Dreißigjährige Krieg.
| Zeitraum | Kriegsphase | Wichtige Veränderung |
|---|---|---|
| 1618–1623 | Böhmisch-Pfälzischer Krieg | Der Kaiser und seine Verbündeten besiegen den böhmischen Aufstand. |
| 1625–1629 | Niedersächsisch-Dänischer Krieg | Dänemark greift ein und scheidet nach Niederlagen wieder aus. |
| 1630–1635 | Schwedischer Krieg | Schweden greift ein; Frankreich unterstützt es finanziell. |
| 1635–1648 | Schwedisch-Französischer Krieg | Frankreich setzt nun auch eigene Truppen ein. |
Merke: Die Namen der Phasen helfen beim Ordnen. Das Ende der Phase „Schwedischer Krieg“ bedeutet nicht, dass Schweden 1635 aus dem Krieg ausschied.
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Alle Kriegsparteien kämpften hauptsächlich mit Söldnern. Das waren gegen Bezahlung angeworbene Kämpfer, die in einem fremden Staat Krieg führten. Ihre Bezahlung hieß Sold. Die großen Heere kosteten mehr, als die Staaten dauerhaft zuverlässig aufbringen konnten. Deshalb zwangen Heere die Bevölkerung in durchzogenen oder besetzten Gebieten, Geld, Lebensmittel und andere Güter abzugeben. Die Feldherren versuchten dabei, möglichst gegnerische Gebiete zu belasten.
Soldaten pressten den Menschen Vieh und Getreide ab. Blieb ihre Bezahlung aus, konnten Söldnerführer nach einer erfolgreichen Belagerung Plünderungen erlauben. Dabei nahmen Soldaten Besitz mit Gewalt an sich. Heere aller Kriegsparteien übten Gewalt und Zwang aus, um sich zu versorgen. Dazu gehörten Raub und Mord an Menschen, die nicht als Soldaten kämpften. Eine ausreichende Bezahlung konnte eigenmächtige Plünderungen begrenzen.
Die Beschlagnahme von Pferden, Vieh und Getreide brachte die Landwirtschaft vielerorts zum Stillstand. Soldaten zerstörten außerdem Häuser, Geräte und Ernten. Das machte die Landbevölkerung ärmer und verursachte Hunger in Städten. Heere verbreiteten zugleich Seuchen, also Krankheiten, an denen viele Menschen erkrankten. Schlechte Ernährung machte Menschen anfälliger. In mit Flüchtlingen überfüllten Städten verschärften elende Lebensbedingungen und unzureichende medizinische Hilfe diese Anfälligkeit. Hunger und Seuchen verstärkten so die Not; die Vorgänge verliefen aber nicht überall gleich.
Die Bevölkerungsverluste waren regional sehr unterschiedlich. Besonders groß waren sie dort, wo Armeen durchzogen oder lagerten. Der Nordwesten und Südosten des Reiches waren hingegen kaum von einer Entvölkerung durch das Kriegsgeschehen betroffen.
Definition
Kontributionen
Kontributionen waren erzwungene Abgaben für die Heere. Die Bevölkerung musste etwa Geld, Getreide oder Vieh liefern.
Merke: Heere entzogen den Menschen Nahrung und Mittel für die Landwirtschaft. Zugleich verbreiteten sie Seuchen. Schlechte Ernährung erhöhte die Anfälligkeit für Krankheiten.
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Am 24. Oktober 1648 beendete der Westfälische Friede den Dreißigjährigen Krieg. In Münster und Osnabrück hatten die Beteiligten über einen Ausgleich ihrer Interessen verhandelt. Nun wurde neben der katholischen und der lutherischen auch die reformierte Konfession im Reich als gleichberechtigt anerkannt. Religion blieb Teil der Reichspolitik, aber der Umgang der Glaubensgruppen miteinander wurde neu geregelt. Im Gebiet des Bischofs von Osnabrück sollten sich evangelische Bischöfe aus dem Hause Braunschweig-Lüneburg und katholische Bischöfe in der Regierung abwechseln.
Der Friede regelte auch Macht und Gebiete. Schweden erhielt unter anderem Vorpommern einschließlich Stettin und der gesamten Odermündung sowie Wismar als Reichslehen. Damit waren diese Gebiete an Rechte innerhalb des Reiches gebunden. Frankreich erhielt unter anderem habsburgische Rechte im Elsass. Deren genauer Umfang blieb unklar. Frankreich wurde zum mächtigsten Land Westeuropas. Die staatliche Unabhängigkeit der Vereinigten Niederlande wurde anerkannt. Die Schweizerische Eidgenossenschaft wurde von der Gerichtsbarkeit der Reichsgerichte unabhängig; damit wurde ihre bereits bestehende staatliche Unabhängigkeit anerkannt.
Das Verhältnis von Kaiser und Reichsständen wurde neu geordnet. Verglichen mit der Zeit vor dem Krieg verschoben sich ihre Machtgewichte aber nicht stark. Der Kaiser wurde nicht abgeschafft. Die Friedensregelungen wurden Teil der Ordnung des Reiches.
Du kannst den Frieden danach beurteilen, ob er den Krieg beendete und Regeln für das weitere Zusammenleben schuf. Beides gelang. Er beseitigte aber nicht sofort alle Kriegsfolgen. Fragen zum Truppenabzug mussten noch geklärt werden. Einige ehemalige Söldner schlossen sich zu umherziehenden Banden zusammen, andere arbeiteten als Wachleute gegen solche Banden. Außerdem ging der Krieg zwischen Frankreich und Spanien weiter. Der Friedensschluss bedeutete deshalb nicht, dass überall sofort Sicherheit herrschte.
Merke: Ein begründetes Urteil nennt Erfolg und Grenze: Der Friede beendete den Dreißigjährigen Krieg und regelte Streitfragen. Die Folgen von Gewalt und Zerstörung waren damit noch nicht beseitigt.
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Alles auf einen Blick
Dreißigjähriger Krieg
Ursachen und Anlass
Lange bestehende Religions- und Machtkonflikte bildeten den Hintergrund; der böhmische Aufstand löste den Krieg aus.
Verlauf
Vier Kriegsphasen zeigen, wie weitere Mächte eingriffen und der Kampf um Macht und Gebiete an Gewicht gewann.
Versorgung
Heere zwangen die Bevölkerung zu Abgaben und übten dabei Gewalt aus.
Hunger und Seuchen
Der Entzug von Nahrung und landwirtschaftlichen Mitteln verschärfte die Not; schlechte Ernährung erhöhte die Anfälligkeit für Krankheiten.
Frieden
Der Westfälische Friede regelte Religion und Macht neu, beseitigte aber nicht sofort alle Kriegsfolgen.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Den Zusammenhang zwischen Heeresversorgung und Not erklären
- 1Aufgabe: Erkläre, wie die Beschlagnahme von Vieh und Getreide mit Hunger und Seuchen zusammenhing.
- 2Ausgangspunkt bestimmen: Heere ließen die Bevölkerung für ihre Versorgung aufkommen und nahmen ihr wichtige Güter weg.
- 3Wirtschaftliche Folge erklären: Der Entzug von Pferden, Vieh und Getreide brachte die Landwirtschaft vielerorts zum Stillstand. Zerstörte Ernten verschärften den Hunger.
- 4Krankheiten einbeziehen: Heere verbreiteten Seuchen. Schlechte Ernährung erhöhte die Anfälligkeit der Menschen.
- 5Ergebnis begrenzen: Diese Vorgänge waren miteinander verbunden. Ihre Auswirkungen waren regional unterschiedlich.
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Prüfe die Aussagen zur Zeit nach dem Friedensschluss In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage überträgt das Ende des Dreißigjährigen Krieges auf den Krieg zwischen Frankreich und Spanien. Richtig: Der Krieg zwischen Frankreich und Spanien ging weiter.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Das protestantische Schutzbündnis von 1608 hieß . Dänemark schied im Frieden von Lübeck aus dem Krieg aus. Als Reichslehen erhielt Schweden 1648 die Stadt .
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