Geschichte · Klasse 7–10 · aktualisiert
Werturteil in Geschichte: begründet bewerten
Du lernst, Sachurteil und Werturteil zu unterscheiden, deine Wertmaßstäbe zu nennen und dein Urteil mit Gegenargumenten zu prüfen.
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Kurz gesagt
Ein Werturteil bewertet Geschichte anhand ausdrücklich genannter eigener heutiger Wertmaßstäbe. Es baut auf geprüften Befunden und einem Sachurteil auf. Belege und Gegenargumente helfen dir, dein Urteil zu begründen und genauer zu machen.
War eine historische Entscheidung gerecht? Für eine begründete Antwort musst du erst untersuchen, was damals geschah. Danach erklärst du, nach welchem heutigen Maßstab du bewertest. So können andere deinen Gedankengang prüfen.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
3 Abschnitte
Ein Sachurteil beurteilt einen historischen Sachverhalt in seinen damaligen Zusammenhängen. Dafür nutzt du begründete Kriterien, also Gesichtspunkte deiner Prüfung. Du kannst etwa untersuchen, ob eine Regel die Macht eines Herrschers begrenzte.
Ein Werturteil baut darauf auf. Du bewertest den Sachverhalt mit ausdrücklich genannten eigenen heutigen Wertmaßstäben. Ein solcher Maßstab sagt, was du für gerecht oder wünschenswert hältst. Das kann zum Beispiel gleiche politische Mitbestimmung sein.
Beide Urteile brauchen überprüfbare Befunde und Argumente. Befunde sind Ergebnisse deiner Untersuchung; Argumente begründen deine Schlussfolgerung. Eine Sammlung von Fakten ist deshalb noch kein Sachurteil. Auch eine bloße Meinung ist noch kein begründetes Werturteil.
Definition
Wertmaßstab
Ein Wertmaßstab ist eine Vorstellung davon, was gerecht oder wünschenswert ist. Beim Werturteil nennst du deinen eigenen heutigen Maßstab ausdrücklich.
Beispiel: Zwei Urteile zur französischen Verfassung von 1791
- 1Die Verfassung legte Grundregeln für die Herrschaft in Frankreich fest. Sie begrenzte die Königsherrschaft und schuf eine Volksvertretung, die Gesetze beschloss.
- 2Wahlrechte waren an männliches Geschlecht, Alter und Steuerleistung gebunden. Gewählt wurde indirekt, also über eine Zwischenstufe. Frauen und viele weniger vermögende Männer waren ausgeschlossen.
- 3Sachurteil: Gegenüber unbeschränkter Königsherrschaft wuchs die Mitbestimmung, doch Beteiligungsrechte waren ungleich verteilt.
- 4Werturteil: Gemessen an gleicher politischer Mitbestimmung aus heutiger Sicht sind diese Ausschlüsse abzulehnen.
Teste dich
Beginne mit einer Leitfrage. Sie legt fest, was du untersuchen möchtest. Analysiere dann dein Material: Arbeite überprüfbare Befunde heraus und kläre die damaligen Zusammenhänge. Prüfe auch, welche Handlungsmöglichkeiten damals bestanden.
Entwickle daraus ein Sachurteil. Nenne deine Kriterien und erkläre, wie die Befunde deine Schlussfolgerung stützen. Erst darauf baust du dein Werturteil auf. Nenne deinen heutigen Wertmaßstab und zeige, wie du ihn auf die Befunde anwendest.
Bei der politischen Beteiligung in Frankreich 1791 kannst du die Begrenzung der Königsmacht und den Zugang zur Wahl untersuchen. Das Sachurteil hält beides fest: mehr Mitbestimmung gegenüber unbeschränkter Königsherrschaft und ungleich verteilte Beteiligungsrechte. Mit dem heutigen Maßstab gleicher politischer Teilhabe, also gleicher Möglichkeiten zur Mitbestimmung, kannst du die Ausschlüsse ablehnen.
Deine Wertmaßstäbe werden selbst von deiner Zeit und deinem Lebensumfeld geprägt. Lege sie deshalb offen. Unterstelle nicht allen damaligen Menschen deine heutigen Vorstellungen. Ein moralisches Urteil darüber, was gerecht ist, ersetzt weder die historische Erklärung noch die Prüfung damaliger Handlungsmöglichkeiten.
| Schritt | Deine Aufgabe |
|---|---|
| Leitfrage und Analyse | Frage festlegen, Befunde prüfen und damalige Zusammenhänge klären. |
| Sachurteil | Mit begründeten Kriterien zu einer Schlussfolgerung über den damaligen Sachverhalt kommen. |
| Werturteil | Den eigenen heutigen Wertmaßstab nennen und auf die Befunde anwenden. |
Merke: Nenne nicht nur deinen Wertmaßstab. Erkläre auch, welche geprüften Befunde dein Urteil tragen.
Teste dich
Ein Gegenargument ist ein begründeter Einwand gegen dein Urteil. Prüfe, ob es auf überprüfbaren Befunden beruht und einen wichtigen Gesichtspunkt ergänzt. Ein Gegenargument ist kein Grund, dein Urteil ungeprüft aufzugeben. Es kann dir helfen, die Reichweite deiner Aussage genauer zu bestimmen.
Bei der französischen Verfassung von 1791 lautet ein Gegenargument zu einer pauschalen Ablehnung: Die damalige Erweiterung politischer Rechte war dennoch bedeutsam. Ein genaueres Werturteil verbindet beide Seiten: Die Verfassung war ein wichtiger Schritt zur Begrenzung von Herrschaft, erfüllte aber den heutigen Maßstab gleicher politischer Teilhabe nicht. Damit korrigierst du ein pauschales Urteil wie „alles war schlecht“, ohne den Ausschluss von Frauen und vielen weniger vermögenden Männern zu leugnen.
Prüfe auch deinen eigenen Wertmaßstab. Er ist von deiner Zeit und deinem Lebensumfeld geprägt und gilt nicht einfach als Vorstellung aller damaligen Menschen. Andere Schlussfolgerungen bleiben möglich, wenn Belege und Argumente sie tragen. Das bedeutet nicht, dass jede Meinung gleich gut begründet ist.
Merke: Ein genaueres Urteil kann einen damaligen Fortschritt anerkennen und dennoch begründete Kritik nach einem heutigen Wertmaßstab üben.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Werturteil
Sachurteil
Du beurteilst einen Sachverhalt in seinen damaligen Zusammenhängen anhand begründeter Kriterien.
Werturteil
Du wendest ausdrücklich genannte eigene heutige Wertmaßstäbe auf Grundlage des Sachurteils an.
Arbeitsweg
Leitfrage, Analyse und Sachurteil bereiten das Werturteil vor.
Eigene Maßstäbe
Deine Zeit und dein Lebensumfeld prägen, was du für gerecht hältst.
Gegenargument
Du prüfst einen begründeten Einwand und machst dein Urteil bei Bedarf genauer.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Beispieltext, ausgedacht: einen Bewertungsabsatz vorbereiten
- 1Ein Schüler notiert als Entwurf: „Ich finde die Entscheidung ungerecht. Das genügt als Begründung.“
- 2Lücke erkennen: Der Entwurf nennt eine Meinung. Überprüfbare Befunde, ein Sachurteil und ein genauer Wertmaßstab fehlen.
- 3Grundlage schaffen: Der Schüler muss eine Leitfrage formulieren, Material untersuchen und die damaligen Zusammenhänge klären.
- 4Urteil aufbauen: Aus den Befunden entwickelt er ein Sachurteil. Danach nennt er seinen heutigen Wertmaßstab und begründet damit seine Bewertung.
- 5Ergebnis prüfen: Ein Gegenargument kann zeigen, wo der Bewertungsabsatz genauer werden muss. Ohne die Untersuchung lässt sich noch kein begründetes Ergebnis zur Entscheidung nennen.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zu Wertmaßstäben In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage überträgt deinen heutigen Maßstab auf alle damaligen Menschen. Richtig: Dein heutiger Wertmaßstab gilt nicht einfach als Vorstellung aller damaligen Menschen.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Für ein Urteil über einen Sachverhalt in seinen damaligen Zusammenhängen entwickelst du ein . Beim darauf aufbauenden Werturteil legst du deine eigenen Wertmaßstäbe offen. Einen begründeten Einwand gegen dein Ergebnis prüfst du als .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback