Geschichte · Klasse 7–10 · aktualisiert
Sachurteil und Werturteil in Geschichte
Du lernst, Sachurteile und Werturteile zu unterscheiden, begründet aufzubauen und an Gegenargumenten zu prüfen.
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Kurz gesagt
Ein Sachurteil beantwortet eine historische Frage mit Belegen und Kriterien im damaligen Zusammenhang. Ein Werturteil baut darauf auf und bewertet mit einem offengelegten heutigen Wertmaßstab. Beide brauchen eine Begründung.
Eine Liste richtiger Fakten beantwortet noch nicht jede Geschichtsfrage. Du musst auch erklären, was die Fakten für deine Frage bedeuten. Wenn du etwas gerecht oder ungerecht nennst, gehört außerdem dazu, welchen Maßstab du verwendest.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Ein Sachurteil beantwortet eine Frage über die Vergangenheit. Dafür nutzt du historische Befunde, also belegte Erkenntnisse über die Vergangenheit. Du erklärst Zusammenhänge und entscheidest begründet, welche Befunde besonders wichtig sind. Dabei beachtest du die damaligen Verhältnisse. Eine Faktenliste allein ist deshalb noch kein Sachurteil.
Du brauchst Kriterien: Das sind Gesichtspunkte, nach denen du etwas prüfst. Bei politischer Mitbestimmung kannst du etwa untersuchen, wer wählen durfte und wie die Macht eines Herrschers begrenzt war.
Ein Werturteil baut auf dem Sachurteil auf. Du bewertest mit heutigen Werten und Regeln, die du ausdrücklich nennst. Ein solcher Wertmaßstab kann die gleiche politische Mitbestimmung sein. Der Unterschied liegt also nicht darin, dass nur eines der beiden Urteile begründet wäre: Beide brauchen Belege und eine nachvollziehbare Begründung.
Definition
Sachurteil
Eine begründete Antwort auf eine historische Frage. Sie gewichtet Befunde nach Kriterien und beachtet die damaligen Zusammenhänge.
Definition
Werturteil
Eine Bewertung, die auf einem Sachurteil aufbaut und den eigenen heutigen Wertmaßstab offen nennt.
Teste dich
Beginne mit einer Leitfrage, also der genauen Frage, die dein Urteil beantworten soll. Prüfe dann deine Belege und die damaligen Zusammenhänge. Wähle passende Kriterien, wäge Argumente und Gegenargumente ab und formuliere eine begründete Antwort.
Ein historischer Fall ist Frankreichs Verfassung von 1791. Eine Verfassung legt die politische Ordnung fest. Sie begrenzte damals die Monarchie, also die Königsherrschaft, und sah eine Volksvertretung vor. Diese sollte die Bevölkerung politisch vertreten. Das Zensuswahlrecht knüpfte das Wahlrecht an die Steuerleistung. Frauen und Männer ohne ausreichende Steuerleistung waren ausgeschlossen.
Die Leitfrage kann lauten: Wie weit erweiterte die Verfassung von 1791 die politische Mitbestimmung? Dazu passen die Kriterien Begrenzung der Herrschaft und Zugang zur Wahl. Gegenüber unbeschränkter königlicher Herrschaft erweiterte die Verfassung die Mitbestimmung. Wegen des beschränkten Wahlrechts blieb die Beteiligung jedoch ungleich. Dieses Sachurteil nennt eine Veränderung und ihre Grenze. Es zählt nicht bloß Verfassungsregeln auf.
Merke: Verbinde Frage, Belege und Kriterien. Erkläre dann, wie stark die Argumente für deine Antwort sprechen und wo ihre Grenzen liegen.
Teste dich
Für ein Werturteil nimmst du dein Sachurteil als Grundlage. Dann legst du offen, welchen heutigen Wertmaßstab du anwendest. Erkläre auch deinen eigenen Blick: Du urteilst aus der Gegenwart. Du darfst nicht einfach annehmen, dass die Menschen damals deinen Maßstab teilten.
Beim französischen Wahlrecht von 1791 kannst du so vorgehen: Die politische Mitbestimmung wurde gegenüber unbeschränkter königlicher Herrschaft erweitert, blieb aber ungleich. Als heutigen Maßstab wählst du gleiche politische Mitbestimmung. Daran gemessen lehnst du den Ausschluss von Frauen und Männern ohne ausreichende Steuerleistung ab. Damit benennst du deinen Maßstab und verbindest ihn mit dem historischen Befund.
Das ist ein mögliches begründetes Werturteil. Bei der Prüfung eines Urteils zählen die Belege und die Begründung. Unterschiedliche begründete Urteile sind möglich; bewertet werden soll nicht, ob jemand die gewünschte Meinung vertritt.
Beispiel: Beispieltext, ausgedacht: einen Maßstab sichtbar machen
- 1Ein Schüler schreibt über eine historische Entscheidung: „Ich finde sie ungerecht.“
- 2Die Bewertung bleibt unklar: Was bedeutet für ihn in diesem Fall gerecht?
- 3Er muss den heutigen Maßstab nennen und erklären, wie sein Sachurteil die Bewertung stützt.
Teste dich
Prüfe bei deinem Urteil auch die Argumente, die gegen deine Antwort sprechen. Entscheide, ob sie die Antwort verändern oder einschränken. Ein Gegenargument kann eine wichtige Grenze zeigen, ohne das ganze Urteil zu widerlegen.
Zur französischen Verfassung von 1791 passt deshalb kein pauschales Urteil wie „alles war rückständig“. Das Gegenargument lautet: Die Verfassung erweiterte gegenüber unbeschränkter königlicher Herrschaft politische Rechte. Diese Erweiterung hebt aber den belegten Ausschluss von Frauen und Männern ohne ausreichende Steuerleistung nicht auf. Du musst beide Befunde berücksichtigen.
Prüfe außerdem wertende Wörter. Bei „rückständig“ muss deutlich werden, nach welchen Kriterien du urteilst. Das bloße Streichen eines solchen Wortes macht aus einem Text noch kein begründetes Sachurteil. Dafür brauchst du weiterhin Belege, Kriterien und eine Gewichtung.
Achte schließlich auf zwei Verwechslungen: Eine Faktenliste ist noch kein Sachurteil. Ein heutiger Wertmaßstab ist nicht schon deshalb eine belegte gemeinsame Überzeugung der Menschen damals.
Merke: Ein Gegenargument kann dein Urteil einschränken. Prüfe seine Bedeutung, statt es wegzulassen oder deshalb alle anderen Befunde zu verwerfen.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Sachurteil und Werturteil
Sachurteil
Belege und Kriterien tragen eine Antwort im damaligen Zusammenhang.
Arbeitsweg
Kläre die Frage, prüfe Belege und wäge Argumente sowie Gegenargumente ab.
Werturteil
Bewerte auf Grundlage des Sachurteils mit einem offengelegten heutigen Maßstab.
Eigener Blick
Setze heutige Werte nicht als gemeinsame Überzeugung der Menschen damals voraus.
Prüfung
Erkläre Gegenargumente und begründe wertende Wörter mit Kriterien.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Beispieltext, ausgedacht: einen Arbeitsplan verbessern
- 1Aufgabe: Prüfe diesen Arbeitsplan für ein Sachurteil: „Ich sammle passende Fakten und gebe die Liste als Urteil ab.“
- 2Anforderung klären: Ein Sachurteil soll eine historische Frage begründet beantworten.
- 3Lücke erkennen: Dem Plan fehlen eine genaue Leitfrage, passende Kriterien und die Gewichtung der Argumente.
- 4Plan verbessern: Ich kläre zuerst die Frage, prüfe Belege und damalige Zusammenhänge und wähle Kriterien.
- 5Ergebnis formulieren: Ich wäge Argumente und Gegenargumente ab und erkläre, wie sie meine Antwort stützen oder einschränken. Erst dadurch wird aus der Sammlung ein begründetes Urteil.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zum heutigen Wertmaßstab In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2In der zweiten Aussage fehlt die Verneinung. Richtig: Ein heutiger Wertmaßstab ist dadurch keine belegte gemeinsame Überzeugung der Menschen damals.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Du erklärst und gewichtest historische Befunde im damaligen Zusammenhang, ohne sie mit heutigen Werten zu bewerten: Das ist ein . Für eine Bewertung aus deiner Gegenwart legst du deinen eigenen Wertmaßstab offen. Bei der Frage, welche Gruppen in Frankreich 1791 wählen durften, untersuchst du .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback