Geschichte · Klasse 7–10 · aktualisiert
Operator „bewerten“ in Geschichte: sicher urteilen
Du lernst, beim Bewerten einen Maßstab zu nennen, Belege abzuwägen und die Grenzen deines Werturteils deutlich zu machen.
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Kurz gesagt
„Bewerten“ verlangt nach dem Bildungsplan Baden-Württemberg 2016 für Geschichte zusätzlich zum Sachurteil ein Werturteil. Du legst offen, nach welchen Werten du urteilst, und begründest dein Ergebnis mit Belegen. Diese Definition gilt nicht bundesweit einheitlich.
Ein Herrscher hilft einem Mann vor Gericht und bestraft später die Richter. Wie kannst du sein Handeln bewerten? Du brauchst Kenntnisse über den Fall und einen klaren Maßstab. Dabei musst du auch zeigen, was dein Urteil offenlässt.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Ein Operator ist ein Arbeitsauftrag, zum Beispiel „beurteilen“ oder „bewerten“. Nach dem Bildungsplan Baden-Württemberg 2016 für Geschichte verlangt „beurteilen“ ein begründetes Sachurteil mit benannten Kriterien. Kriterien sind Gesichtspunkte, nach denen du etwas prüfst. „Bewerten“ verlangt zusätzlich ein Werturteil: Du erklärst, welche Werte dein Urteil leiten. Diese Landesdefinition ist keine bundesweit einheitliche Regel.
Beim Sachurteil klärst du die historische Situation anhand von Belegen. Beim Werturteil legst du zusätzlich deinen Maßstab offen. Du kannst etwa fragen, ob ein Eingriff mit unabhängigen Gerichten vereinbar ist. Eine persönliche Vorliebe reicht als Begründung nicht.
Unser historischer Fall handelt von Christian Arnold. Er pachtete eine Wassermühle in Pommerzig, nutzte sie also gegen eine Zahlung. Wegen ausbleibender Pachtzahlungen wurde er verklagt. Er erklärte, ein oberhalb angelegter Teich entziehe seiner Mühle Wasser. Nach erfolglosen Gerichtsverfahren erreichte er 1779 Friedrich II., den König des damaligen Staates Preußen. Ob der Teich den behaupteten Wassermangel verursachte, blieb umstritten.
Definition
Wertmaßstab
Ein Wertmaßstab ist ein offengelegter Wert, nach dem du ein Handeln prüfst und bewertest, etwa die Unabhängigkeit von Richtern.
Merke: Nach der hier verwendeten Landesdefinition ergänzt „bewerten“ das Sachurteil um ein begründetes Werturteil. Die historische Prüfung bleibt nötig.
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Wir verwenden einen heutigen Maßstab: die richterliche Unabhängigkeit nach Artikel 97 Absatz 1 des Grundgesetzes. Das Grundgesetz ist die heutige deutsche Verfassung. Nach diesem Artikel entscheiden Richter unabhängig und nach dem Gesetz. Dieser heutige Maßstab galt nicht schon im damaligen Preußen.
Aus dem Wert machst du Fragen, die sich mit Angaben zum Fall beantworten lassen. Für die Unabhängigkeit lautet eine Frage: Konnten die Richter entscheiden, ohne vom Herrscher dafür bestraft zu werden? Für den Zugang zu Gericht fragst du: War eine weitere gerichtliche Prüfung zugänglich?
Im Fall Arnold gewährte Friedrich zunächst Gebührenfreiheit für die Berufung beim Kammergericht. Arnold konnte damit eine weitere gerichtliche Prüfung ohne Gebühren erreichen. Nach einem erneuten Urteil gegen Arnold ließ Friedrich beteiligte Richter verhaften. Eine gerichtliche Untersuchung fand kein strafbares Verhalten der Richter. Trotzdem verhängte der König am 1. Januar 1780 selbst Haftstrafen gegen mehrere von ihnen. Die Gebührenfreiheit und die Haftstrafen beantworten also unterschiedliche Prüffragen.
Beispiel: Vom Wert zur Prüffrage
- 1Wertmaßstab: Richter sollen unabhängig und nach dem Gesetz entscheiden.
- 2Prüffrage: Droht ihnen wegen ihrer Entscheidung eine Bestrafung durch den Herrscher?
- 3Beleg suchen: Welche Angaben zum Verfahren beantworten diese Frage?
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Ein Argument verbindet einen Beleg mit deiner Prüffrage. Für Friedrichs Hilfe spricht die Gebührenfreiheit: Sie erleichterte Arnold den Zugang zu einer weiteren gerichtlichen Prüfung. Gegen den späteren Eingriff sprechen die Haftstrafen: Der König bestrafte mehrere Richter persönlich, obwohl eine gerichtliche Untersuchung kein strafbares Verhalten gefunden hatte.
Die Angaben beruhen auf späteren historischen Darstellungen. Die Jubiläumsschrift des Kammergerichts Berlin beschreibt Gebührenfreiheit, Untersuchung und Haftstrafen. Werner Heegewaldt behandelt den Fall in einer Veröffentlichung des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Er hält fest, dass Beweise für Parteilichkeit und Rechtsbeugung der Richter fehlen. Rechtsbeugung bedeutet hier, dass Richter das Recht absichtlich falsch anwenden. Das beweist aber nicht, dass sämtliche Urteile im Streit um Wasser und Pacht richtig waren.
Zum historischen Handlungsspielraum gehört: Königliche Machtsprüche waren damals möglich. Damit konnte der König selbst verbindlich entscheiden. Solche Eingriffe widersprachen aber der unabhängigen Justiz, die auch Friedrich forderte. Mit Justiz sind hier die Gerichte und ihre Arbeit gemeint.
Abwägen heißt, Argumente zu vergleichen und ihre Bedeutung für deine Leitfrage zu erklären. Bei der Frage nach unabhängigen Gerichten kann die persönliche Bestrafung schwerer wiegen als die vorherige Hilfe beim Zugang zu Gericht. Eine mögliche Begründung lautet: Die Hilfe zählt positiv, rechtfertigt aber keinen Druck auf Richter. Andere Gewichtungen müssen das Gegenargument ebenfalls berücksichtigen.
| Beleg | Bedeutung für das Urteil |
|---|---|
| Gebührenfreiheit für die weitere Prüfung | Spricht für einen erleichterten Zugang zu Gericht. |
| Haftstrafen trotz entlastender Untersuchung | Sprechen gegen unabhängige Entscheidungen der Richter. |
| Umstrittene Ursache des Wassermangels | Begrenzt ein Urteil darüber, wer im Sachstreit Recht hatte. |
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Ein genaues Werturteil nennt den Maßstab, berücksichtigt Argument und Gegenargument und begründet die Gewichtung. Außerdem grenzt es ein, worüber es urteilt. Du unterscheidest dabei zwischen dem untersuchten Handeln und Fragen, die offenbleiben.
Ein mögliches Urteil zum Fall Arnold lautet: Nach dem heutigen Maßstab richterlicher Unabhängigkeit lehne ich Friedrichs spätere persönliche Bestrafung der Richter ab. Die vorherige Gebührenfreiheit erleichterte zwar den Zugang zu Gericht. Für die Unabhängigkeit wiegt die Bestrafung aber schwerer. Dieses Urteil betrifft das Verfahren, nicht Friedrichs gesamte Herrschaft. Es entscheidet auch nicht, wer im Wasser- und Pachtstreit sachlich Recht hatte.
Beispieltext, ausgedacht: In einem heutigen Fall verspricht eine Prozesspartei einer Richterin ein wertvolles Geschenk, falls sie zu deren Gunsten entscheidet. Eine Prozesspartei ist jemand, der an einem Streit vor Gericht beteiligt ist. Die Richterin lehnt das Angebot ab. Das bedingte Geschenkangebot versucht, ihre Entscheidung zu beeinflussen. Die Ablehnung schützt ihre Unabhängigkeit. Über die sachliche Berechtigung der Klage enthält das Beispiel keine Informationen. Aus der Ablehnung folgt deshalb nicht, dass die Klage widerlegt ist.
Das ausgedachte Beispiel ist kein historischer Beleg. Es hilft dir, eine Grenze des Urteilens zu üben: Du kannst eine Einflussnahme bewerten, ohne damit den zugrunde liegenden Streit zu entscheiden.
Merke: Nenne, was dein Urteil umfasst und was offenbleibt. Ein Urteil über ein Verfahren ist noch kein Urteil über eine ganze Herrschaft oder die sachliche Berechtigung einer Klage.
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Alles auf einen Blick
Operator „bewerten“
Unterschied
Nach der hier verwendeten Landesdefinition verlangt „bewerten“ zusätzlich zum Sachurteil ein begründetes Werturteil.
Maßstab
Lege deinen Wert offen und übersetze ihn in Fragen, die du mit Belegen beantworten kannst.
Zeitbezug
Der heutige Maßstab richterlicher Unabhängigkeit galt nicht schon im damaligen Preußen.
Abwägung
Erkläre, warum ein Argument für deine Leitfrage stärker wiegt, und berücksichtige Gegenargumente.
Grenze
Sage, worüber dein Urteil entscheidet und welche Fragen es offenlässt.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Beispieltext, ausgedacht: eine Zahlungsbedingung bewerten
- 1Ein heutiges Gericht erhält nach einer veröffentlichten Regel Geld, um Akten digital verfügbar zu machen. Die Verwaltung will eine bewilligte Zahlung nur freigeben, wenn die Richter in einem offenen Verfahren zu ihren Gunsten entscheiden.
- 2Maßstab nennen: Ich prüfe die Bedingung nach dem Wert richterlicher Unabhängigkeit.
- 3Prüffrage stellen: Hängt die Zahlung von einer gewünschten Gerichtsentscheidung ab? Im Beispiel ist das der Fall.
- 4Argumente sammeln: Digitale Akten würden den Zugang zu Unterlagen erleichtern. Die Bedingung setzt die Richter aber bei einer offenen Entscheidung unter Druck.
- 5Abwägen: Für mich wiegt der Druck schwerer. Der nützliche Zweck rechtfertigt keine geforderte Entscheidung.
- 6Urteil begrenzen: Ich lehne die Zahlungsbedingung ab, nicht die Digitalisierung der Akten. Damit bewerte ich die Bedingung nach einem Wert; ich entscheide nicht, ob eine Straftat vorliegt.
Fehler finden
Beispieltext, ausgedacht: Prüfe die Aussagen zum Geschenkangebot In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Die letzte Aussage verwechselt die Ablehnung von Einflussnahme mit der Klärung der Klage. Richtig: Durch die Ablehnung ist die Klage nicht widerlegt. Über ihre sachliche Berechtigung enthält das Beispiel keine Informationen.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Nach erfolglosen Verfahren erreichte Arnold den König im Jahr . Die gerichtliche Untersuchung ergab bei den beteiligten Richtern . Am 1. Januar 1780 verhängte selbst Haftstrafen gegen mehrere Richter.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback