Geschichte · Klasse 7–8 · aktualisiert
Sturm auf die Bastille: Ursachen und Bedeutung
Du lernst, warum Aufständische die Bastille angriffen, wie der Kampf verlief und weshalb das Ereignis politisch so wichtig wurde.
0 von 9 Aufgaben gelöst
Kurz gesagt
Am 14. Juli 1789 nahmen Aufständische die Bastille in Paris ein. Sie suchten dort Pulver für ihre Waffen. Die Festung stand für königliche Willkür: Ihre Einnahme hatte deshalb eine größere politische als militärische Bedeutung.
Warum wurde die Einnahme eines fast leeren Gefängnisses so wichtig? Bei der Bastille kamen die Not vieler Pariser, politische Angst und die Suche nach Pulver zusammen. Du untersuchst den Ablauf und prüfst, was sich sicher sagen lässt.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Viele Pariser litten unter Nahrungsmangel und hohen Getreidepreisen. Wirtschaftlich war das eine Krise der Versorgung und der Preise. Sozial bedeutete es Not für die Betroffenen. Diese beiden Seiten hängen zusammen: Es geht um dieselbe Krise, einmal mit Blick auf Waren und Preise, einmal mit Blick auf das Leben der Menschen.
Hinzu kam eine politische Angst. Königliche Truppen standen um Paris. Menschen befürchteten, dass diese Soldaten die revolutionäre Bewegung gewaltsam unterdrücken würden. Die Angst allein beweist aber keinen feststehenden Angriffsplan des Königs. Die Entlassung des Ministers Necker am 11. Juli 1789 verschärfte die Unruhe.
Die Ursachen verstärkten einander. Die Einteilung in wirtschaftliche, soziale und politische Ursachen hilft dir, sie zu erklären. Sie bedeutet nicht, dass die Ursachen getrennt voneinander wirkten.
Definition
Wirtschaftliche, soziale und politische Ursachen
Wirtschaftliche Ursachen betreffen hier Versorgung und Preise. Soziale Ursachen betreffen die Not der Menschen. Politische Ursachen betreffen Macht und die Angst vor gewaltsamer Unterdrückung.
Beispiel: Neckers Entlassung einordnen
- 1Necker war ein Minister, also ein Mitglied der königlichen Regierung.
- 2Seine Entlassung am 11. Juli 1789 verschärfte die Unruhe.
- 3Sie kam zu Nahrungsmangel, hohen Getreidepreisen und politischer Angst hinzu.
Teste dich
Am 14. Juli 1789 beschafften sich Aufständische zunächst Waffen bei den Invalides, einem Ort in Paris. Ihnen fehlte jedoch Pulver, das sie zum Schießen brauchten. Deshalb zogen sie zur Bastille. In dieser Festung lagerten Pulver und Kugeln.
Abgesandte verhandelten dort mit dem Gouverneur de Launay, dem Leiter der Festung. Er verweigerte die Herausgabe. Dann kam es zu Schüssen und zum Angriff. Die Festungsbesatzung schoss auf die Angreifer. Aufständische griffen die Festung mit Waffen an. Französische Gardesoldaten, also Soldaten einer militärischen Einheit, waren zu ihnen übergegangen und unterstützten sie. Kanonen verstärkten den Druck auf die Besatzung. Am späten Nachmittag kapitulierte sie: Sie gab den Kampf auf. Die Angreifer fanden Pulver, Kugeln und sieben Gefangene.
Der Museumsbericht des Musée Carnavalet, eines Museums zur Geschichte von Paris, nennt insgesamt ungefähr hundert Tote, überwiegend aufseiten der Angreifer. Das ist eine gerundete Gesamtangabe. Nach der Kapitulation töteten Angehörige der Menge den gefangenen de Launay auf dem Weg zum Rathaus. Er starb also nicht im laufenden Gefecht. Die Festungsbesatzung, die unterstützenden Gardesoldaten und die gewalttätigen Angehörigen der Menge müssen unterschieden werden. Die Beteiligten waren nicht die gesamte Pariser Bevölkerung.
Merke: Erkläre auch die Übergänge: Fehlendes Pulver führte die Aufständischen zur Bastille. Der militärische Druck führte zur Aufgabe der Besatzung.
Teste dich
Als Gefängnis war die Bastille fast leer. Ihre Einnahme war kein Sieg über die gesamte königliche Armee. Dennoch war das erbeutete Pulver für die Aufständischen praktisch wichtig. Begrenzte militärische Bedeutung heißt deshalb weder Bedeutungslosigkeit noch Gewaltlosigkeit.
Politisch hatte die Festung ein großes Gewicht. Sie stand für königliche Willkür, besonders für Haft ohne Urteil. Willkür bedeutet hier, dass der König Menschen ohne ein Gerichtsurteil einsperren lassen konnte. Die Bastille war damit ein Symbol, also ein sichtbares Zeichen, für diese Art königlicher Macht. Diese Bedeutung ging über ihre damalige tatsächliche Nutzung hinaus.
Nach dem Ereignis wurden königliche Truppen aus Paris abgezogen und Necker zurückgerufen. Die Einnahme lässt sich deshalb so deuten: Sie machte die Schwäche königlicher Macht in Paris sichtbar. Das ist eine begründete Aussage über die Bedeutung des Ereignisses.
Merke: Unterscheide den militärischen Erfolg von der politischen Bedeutung: Eine einzelne Festung wurde eingenommen, zugleich wurde ein Symbol königlicher Willkür getroffen.
Teste dich
Zu den belegten Grundzügen gehören das Datum, die Suche nach Waffen und Pulver, der Kampf, die Kapitulation und die anschließende Tötung de Launays. Nicht jede Einzelheit ist gleich sicher. Die genaue Uhrzeit der Kapitulation bleibt offen: Das Geschichtsportal Histoire par l’image nennt 17 Uhr. Ein Kommentar des Museums von Versailles beschreibt 18 Uhr als die Kapitulationszeit, die ein Gemälde darstellt. Damit ist hier keine minutengenaue Ereigniszeit entschieden.
Auch ein Bild, das zeitnah zu einem Ereignis entstand, ist kein unmittelbares Ablaufprotokoll. Der Kommentar aus Versailles weist bei dem Gemälde auf Formen von Kokarden hin, die am dargestellten Tag noch nicht galten. Kokarden sind Abzeichen. Solche Einzelheiten zeigen, warum du ein Bild mit weiteren Belegen vergleichen musst.
Eine Deutung erklärt die Bedeutung eines Ereignisses. So lässt sich die Einnahme als sichtbares Zeichen königlicher Schwäche in Paris verstehen. Auch die Darstellung der Angreifer als heldenhafte Befreier vermittelt eine Deutung mit politischer Wirkung. Ein Bild kann auswählen und Menschen besonders heldenhaft erscheinen lassen. Beschreibe deshalb zuerst, was gezeigt wird, vergleiche es mit anderen Belegen und begründe dann deine Aussage über die Bedeutung.
Definition
Grundzug, offene Einzelheit und Deutung
Ein belegter Grundzug ist ein gesicherter Teil des Geschehens. Eine offene Einzelheit lässt sich mit den vorhandenen Belegen nicht entscheiden. Eine Deutung erklärt, welche Bedeutung das Geschehen hatte.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Sturm auf die Bastille
Ursachen
Nahrungsmangel, hohe Getreidepreise und politische Angst verstärkten einander.
Ablauf
Auf die Waffenbeschaffung folgten die Pulversuche, Verhandlungen, bewaffneter Kampf und Kapitulation.
Gewalt
Die Besatzung schoss auf die Angreifer. Angehörige der Menge töteten den gefangenen Festungsleiter nach der Kapitulation.
Bedeutung
Die Einnahme einer einzelnen Festung traf ein Symbol königlicher Willkür.
Prüfung
Belegte Grundzüge, offene Einzelheiten und begründete Deutungen müssen unterschieden werden.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Warum führte die Waffenbeschaffung zur Bastille?
- 1Aufgabe: Erkläre den Ortswechsel der Aufständischen von den Invalides zur Bastille.
- 2Ausgangspunkt bestimmen: Bei den Invalides hatten sich die Aufständischen Waffen beschafft.
- 3Fehlendes Mittel benennen: Ihnen fehlte Pulver, das sie zum Schießen brauchten.
- 4Verbindung erklären: In der Bastille lagerten Munitionsvorräte. Deshalb zogen sie dorthin und verlangten die Herausgabe.
- 5Ergebnis formulieren: Die Pulverknappheit erklärt, weshalb nach der Waffenbeschaffung die Bastille zum Ziel wurde.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zum Ende des Kampfes In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage verschiebt die Tötung vor die Kapitulation. Richtig: Angehörige der Menge töteten den gefangenen de Launay nach der Kapitulation auf dem Weg zum Rathaus.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Die Einnahme der Bastille fand am statt. Im fast leeren Gefängnis fanden die Angreifer Gefangene. Nach dem Ereignis wurde der zuvor entlassene Minister zurückgerufen.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback