Geschichte · Klasse 7–8 · aktualisiert
Ancien Régime: Ordnung und Krise vor 1789
Du lernst die Ordnung Frankreichs vor 1789 kennen und erklärst, wie ungleiche Rechte, Armut und Geldnot des Staates die Krise verschärften.
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Kurz gesagt
Ancien Régime bezeichnet die alte Ordnung Frankreichs vor der Revolution von 1789. Sie war durch einen starken König und eine Gesellschaft mit ungleichen Rechten geprägt. Staatsverschuldung, soziale Not und gescheiterte Reformen brachten sie in die Krise.
Wer entscheidet über Steuern, und wer muss sie bezahlen? In Frankreich vor 1789 hingen Rechte und Lasten davon ab, welchem Stand jemand angehörte. Du untersuchst, warum diese Ordnung unter Druck geriet und wie aus Geldnot ein Streit um politische Macht wurde.
Deine Lernziele
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4 Abschnitte
Der französische Ausdruck Ancien Régime bedeutet „frühere Regierungsform“ oder „alter Staat“. Hier bezeichnet er die Ordnung Frankreichs vor der Französischen Revolution von 1789. Dazu gehörten sowohl die Herrschaft des Königs als auch die Einteilung der Gesellschaft in Stände.
1789 begann die Revolution. Die alte Ordnung verschwand jedoch nicht auf einmal. Die Jahre von 1789 bis 1792 gelten als Übergangszeit: Die Macht des Königs war bereits gebrochen, doch die Monarchie, also die Herrschaft mit einem König an der Spitze, bestand zunächst weiter. 1792 endete auch die Monarchie.
Du kannst 1789 deshalb als Beginn des revolutionären Umbruchs einordnen. Es wäre aber falsch, das Ende aller Teile der alten Ordnung auf einen einzigen Tag zu legen.
Definition
Ancien Régime
Bezeichnung für die alte Ordnung Frankreichs vor der Revolution von 1789. Sie umfasst hier die politische Herrschaft und die gesellschaftliche Ordnung.
Merke: 1789 begann die Revolution. Der Übergang bis zum Ende der Monarchie dauerte bis 1792.
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Absolutismus beschreibt die politische Herrschaft: Ein starker König strebt danach, die Macht bei sich zu bündeln und ohne Beschränkung zu regieren. Er leitet seinen Anspruch auf Macht von Gott her. Eine Verwaltung mit Beamten und dauerhaft unterhaltene Heere sollen seine Herrschaft stützen. Ein Hauptbeispiel ist Frankreich unter Ludwig XIV. von 1661–1715. Der Anspruch auf unbeschränkte Macht bedeutet dabei nicht, dass jeder königliche Plan gelang: Später scheiterte Ludwig XVI. mit einer Finanz- und Steuerreform.
Die Ständegesellschaft beschreibt dagegen die soziale Ordnung, also die Einteilung der Menschen und ihre unterschiedlichen Rechte. Der Erste Stand war der Klerus, also die Geistlichkeit. Der Zweite Stand war der Adel. Beide hielten an Privilegien fest. Das waren besondere Rechte wie die Steuerfreiheit.
Zum Dritten Stand gehörte die Bevölkerung außerhalb von Geistlichkeit und Adel. Er umfasste also nicht nur Bauern. Nach Gerd van den Heuvel gehörten vor der Revolution etwa 98 Prozent der Bevölkerung zum Dritten Stand, darunter rund 22,5 Millionen Bauern.
Die beiden Begriffe beantworten unterschiedliche Fragen: Absolutismus fragt nach der Macht des Herrschers. Ständegesellschaft fragt nach der Stellung der Menschen in der Gesellschaft. Beide prägten das Ancien Régime.
| Begriff | Was beschreibt er? |
|---|---|
| Absolutismus | Den Anspruch eines starken Monarchen auf gebündelte, unbeschränkte und von Gott hergeleitete Macht. |
| Ständegesellschaft | Die Einteilung der Gesellschaft in Gruppen mit unterschiedlichen Rechten. |
Definition
Privileg
Ein besonderes Recht für bestimmte Personen oder Gruppen. Klerus und Adel hielten etwa an ihrer Steuerfreiheit fest.
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Am Ende des 18. Jahrhunderts trafen in Frankreich mehrere Probleme zusammen. Der Staat hatte hohe Schulden. Zugleich belasteten Hungersnöte, Verarmung sowie hohe Steuern und Abgaben den Dritten Stand. Abgaben waren Leistungen, die Menschen entrichten mussten, etwa Geld oder Erzeugnisse. Die Not der Bevölkerung und die Geldnot des Staates waren verschiedene Probleme, die gleichzeitig bestanden.
Die Verteilung der Lasten machte daraus auch einen politischen Streit. Geistlichkeit und Adel hielten an ihren Sonderrechten wie der Steuerfreiheit fest. Ludwig XVI. versuchte erfolglos, die Finanzen und Steuern neu zu ordnen. Die Verbindung von Geldnot, ungleichen Lasten und gescheiterten Reformen verschärfte die Krise des Staates.
Konkrete Kritik zeigt die Beschwerdeschrift der Gemeinde Colmare vom 22. März 1789. Eine Beschwerdeschrift hält Forderungen und Beschwerden schriftlich fest. Die Gemeinde verlangte unter anderem, Klerus und Adel zu besteuern und die Salzsteuer abzuschaffen. Das zeigt: Die Kritik richtete sich sowohl gegen Belastungen als auch gegen Sonderrechte. Die Forderungen dieser Gemeinde sind aber nicht automatisch die Meinung der gesamten Bevölkerung.
Auch politische Ideen spielten eine Rolle. Die Aufklärung wird in der zugrunde liegenden Darstellung als geistiger Wegbereiter der Revolution beschrieben. Die Amerikanische Revolution bot demnach ein Vorbild für eine neue politische Ordnung auf der Grundlage von Verfassungsdokumenten, also schriftlich festgehaltenen Regeln für den Staat. Die Krise lässt sich deshalb nicht allein mit fehlendem Geld erklären.
Beispiel: Zwei Forderungen aus Colmare untersuchen
- 1Die Gemeinde forderte die Besteuerung von Klerus und Adel.
- 2Diese Forderung richtete sich gegen die ungleiche Verteilung der Steuerlasten.
- 3Die Gemeinde verlangte außerdem die Abschaffung der Salzsteuer. Hier ging es um die Beseitigung einer konkreten Belastung.
Merke: Hohe Staatsschulden, soziale Not und der Streit um Sonderrechte wirkten zusammen. Gescheiterte Reformen verschärften die Krise.
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Die Geldnot des Staates drängte Ludwig XVI. zum Handeln. Zur Behebung der Finanzkrise berief er 1789 die Generalstände ein. Diese Versammlung der drei Stände stammte aus dem Mittelalter und war seit 1614 nicht mehr einberufen worden. Die Finanzkrise war damit der konkrete Grund für die Einberufung. Die tieferen Probleme waren unter anderem die ungleichen Lasten und die soziale Not.
1789 wurde der Anteil des Dritten Standes an den Vertretern der Generalstände von einem Drittel auf die Hälfte erhöht. Das entschied aber noch nicht darüber, wie abgestimmt wurde. Bei Abstimmung nach Ständen hatte jeder Stand eine Stimme. So konnten Klerus und Adel den Dritten Stand mit 2:1 überstimmen. Bei Abstimmung nach Köpfen hätte dagegen jeder Abgeordnete eine Stimme gehabt.
Der Dritte Stand verlangte grundlegende Veränderungen. Sieyès hatte im Januar 1789 Vertreter aus dem Dritten Stand, ebenso viele Abgeordnete wie die beiden anderen Stände zusammen und die Abstimmung nach Köpfen gefordert. Er stellte den Dritten Stand als vollständige Nation dar. Das war seine politische Position.
Aus dem Versuch, die Finanzkrise zu lösen, wurde ein Streit darüber, wer entscheiden durfte. Der Streit über die Abstimmung nach Köpfen führte dazu, dass sich der Dritte Stand am 17. Juni 1789 zur Nationalversammlung erklärte. Damit beanspruchte er, die Nation zu vertreten. Die Finanzkrise beschleunigte den Übergang zur Revolution, weil ihre Lösung die Versammlung nötig machte, in der die politische Ordnung offen infrage gestellt wurde.
| Abstimmungsweise | Wer hat eine Stimme? |
|---|---|
| Nach Ständen | Jeder Stand als Gruppe. |
| Nach Köpfen | Jeder einzelne Abgeordnete. |
Merke: Mehr Vertreter änderten die Abstimmungsregel nicht von selbst. Bei Abstimmung nach Ständen konnten Klerus und Adel den Dritten Stand weiterhin mit 2:1 überstimmen.
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Alles auf einen Blick
Ancien Régime
Begriff
Ancien Régime bezeichnet hier die alte Ordnung Frankreichs vor der Revolution von 1789.
Herrschaft
Absolutismus beschreibt den Anspruch eines starken Königs auf unbeschränkte, von Gott hergeleitete Macht.
Gesellschaft
Klerus und Adel besaßen Sonderrechte; die Bevölkerung außerhalb dieser Gruppen bildete den Dritten Stand.
Krise
Staatsschulden, soziale Not, ungleiche Lasten und gescheiterte Reformen verstärkten die Probleme.
Übergang
Die Finanzkrise führte zur Einberufung der Generalstände. Der Streit um die Abstimmung machte daraus einen Konflikt um politische Macht.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Was verraten die Forderungen aus Colmare über die Krise?
- 1Aufgabe: Erkläre an zwei Forderungen der Gemeinde Colmare, wie Steuerlasten und Sonderrechte zusammenhingen.
- 2Forderungen erfassen: Die Gemeinde verlangte die Besteuerung von Klerus und Adel sowie die Abschaffung der Salzsteuer.
- 3Zuordnen: Die erste Forderung richtete sich gegen die bevorzugte Stellung zweier Stände. Die zweite richtete sich gegen eine konkrete Steuer.
- 4Verknüpfen: Die Gemeinde wollte Belastungen beseitigen und bisher bevorzugte Gruppen an der Steuerzahlung beteiligen.
- 5Grenze beachten: Die Beschwerdeschrift zeigt die Forderungen dieser Gemeinde. Sie belegt nicht, dass die gesamte Bevölkerung dieselben Forderungen stellte.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zur Abstimmung in den Generalständen In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die Aussage verwechselt einzelne Abgeordnete mit den Ständen. Richtig: Bei Abstimmung nach Ständen hatte jeder Stand eine Stimme.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Der Klerus gehörte in der französischen Ständeordnung zum Stand, der Adel zum Stand. Die Bevölkerung außerhalb von Geistlichkeit und Adel gehörte zum Stand.
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