Geschichte · Klasse 7–10 · aktualisiert
Sozialismus: Ideen, Geschichte und Unterschiede
Du lernst, welche Ideen Sozialisten verbinden, worin sie sich unterscheiden und wie du die Ordnung eines Staates anhand von Belegen einordnest.
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Kurz gesagt
Sozialismus umfasst verschiedene politische Ideen und Bewegungen. Sie wollen wirtschaftliche Ungleichheit und soziale Abhängigkeit überwinden. Über den Weg dahin, Eigentum und staatliche Macht sind sie sich jedoch nicht einig.
Wem sollen Fabriken gehören? Wie können Menschen wirtschaftlich abgesichert sein und frei mitentscheiden? Sozialisten haben darauf unterschiedliche Antworten gegeben. Du lernst, ihre Ziele von der tatsächlichen Ordnung eines Staates zu unterscheiden.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
5 Abschnitte
Sozialismus ist ein Sammelbegriff für unterschiedliche politische Ideen und Bewegungen. Sie wollen wirtschaftliche Ungleichheit und soziale Abhängigkeit überwinden. Menschen sollen solidarisch zusammenleben, also füreinander Verantwortung übernehmen und einander unterstützen.
Sozialisten betonen im Allgemeinen Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Welchen Platz Freiheit dabei hat und wie diese Ziele zusammenpassen, beantworten die einzelnen Strömungen unterschiedlich. Deshalb lässt sich Sozialismus nicht auf eine einzige Lehre verkürzen.
Eine wichtige Streitfrage betrifft die Produktionsmittel. Das sind Mittel, mit denen Güter hergestellt werden, etwa Fabriken und Maschinen. Die Frage nach ihrem Eigentümer ist nicht gleichbedeutend mit der Frage, wem jeder persönliche Gegenstand gehört.
Definition
Produktionsmittel
Produktionsmittel dienen dazu, Güter herzustellen. Dazu gehören beispielsweise Fabriken und Maschinen.
Merke: Ein gemeinsames Ziel bedeutet noch keinen gemeinsamen Weg: Sozialistische Strömungen beantworten Fragen zu Eigentum, Freiheit und Gleichheit unterschiedlich.
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Im frühen 19. Jahrhundert verbreiteten sich sozialistische Vorstellungen. Die Industrialisierung verschärfte die soziale Frage. Damit sind die wirtschaftlichen und sozialen Probleme gemeint, unter denen viele Arbeiter litten. Viele lebten in Armut und waren wirtschaftlich von Unternehmern abhängig.
Sozialistische Bewegungen wollten diese Verhältnisse verändern. Ihre Entstehung war eng mit der Arbeiterbewegung verbunden. Gewerkschaften, also Zusammenschlüsse zur Vertretung von Arbeitnehmerinteressen, und Arbeiterparteien organisierten gemeinsame Interessen.
Auch unter frühen Sozialisten gab es verschiedene Ansätze. Robert Owen, ein früher Sozialist, versuchte abgeschlossene sozialistische Gemeinschaften aufzubauen. Die meisten Sozialisten wollten dagegen die gesamte Gesellschaft grundlegend verändern.
Beispiel: Robert Owens Ansatz
- 1Owen versuchte, abgeschlossene sozialistische Gemeinschaften aufzubauen.
- 2Er empfand die Umgebung solcher Gemeinschaften als feindlich.
- 3Sein Ansatz zeigt: Auch frühe Sozialisten wählten unterschiedliche Wege.
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Du kannst sozialistische Strömungen mit zwei getrennten Fragen vergleichen. Erstens: Wie soll sich die Gesellschaft verändern? Reformsozialisten strebten schrittweise Veränderungen an. Revolutionäre Sozialisten wollten einen grundlegenden Umsturz der bestehenden Ordnung.
Zweitens: Welche Rolle soll der Staat spielen? Demokratischer Sozialismus setzte auf demokratische Beteiligung und einen Wohlfahrtsstaat. Damit ist ein Staat gemeint, der Menschen sozial absichert. Der marxistisch-leninistische Staatssozialismus, eine andere sozialistische Richtung, verband staatliches Eigentum an Produktionsmitteln mit zentraler Wirtschaftsplanung und diktatorischer Herrschaft. Zentrale Wirtschaftsplanung bedeutet, dass die Wirtschaft von einer zentralen Stelle aus geplant wird.
Eine weitere Haltung zeigt der Anarchismus. Seine verschiedenen Strömungen lehnen staatliche Herrschaft ab und wollen freie, solidarische Zusammenarbeit. Sozialistische Ideen reichen auch in diese Richtung. Das macht aber nicht jede anarchistische Richtung zu einer sozialistischen.
Der Weg zur Veränderung und die Haltung zum Staat sind also nicht dieselbe Frage. Aus dem Wunsch nach einer Revolution allein kannst du noch nicht ableiten, wie der neue Staat aussehen soll. Sozialismus bedeutet auch nicht automatisch einen möglichst mächtigen Staat.
| Frage | Unterscheidung |
|---|---|
| Wie soll Veränderung geschehen? | Schrittweise Reform oder grundlegender Umsturz |
| Welche Rolle soll der Staat haben? | Demokratische Beteiligung, diktatorische Herrschaft oder Ablehnung staatlicher Herrschaft |
Merke: Prüfe den Weg zur Veränderung und die Haltung zum Staat getrennt.
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Sozialismus ist der breitere Begriff für verschiedene Ideen und Bewegungen. Kommunismus kann dagegen mehrere Dinge bezeichnen: eine Zukunftsvorstellung, eine Lehre, eine politische Bewegung oder eine Herrschaftsform. Du musst deshalb prüfen, was mit dem Wort jeweils gemeint ist.
Karl Marx, ein sozialistischer Theoretiker, entwarf die Vorstellung einer klassenlosen Gesellschaft. In diesem Zukunftsbild sollten Menschen nicht mehr in gegensätzliche Gruppen von Besitzern der Produktionsmittel und abhängigen Arbeitern aufgeteilt sein. Die Produktionsmittel sollten gemeinschaftlich genutzt werden. Marx leitete diese Vorstellung aus seiner Kritik an der Ausbeutung von Arbeitern ab. Mit Ausbeutung meinte er, dass Unternehmer den Arbeitern nur einen Teil des durch ihre Arbeit erwirtschafteten Geldes auszahlten und den Rest für sich behielten. Das ist seine theoretische Erklärung und kein Beweis, dass jede Gesellschaft diesen Weg nehmen muss.
Kommunistische Parteien und Staaten beanspruchten, solche Ziele zu verfolgen. Dieser Anspruch beweist aber nicht, dass sie das Zukunftsideal verwirklichten.
Realsozialismus meint hier die tatsächlich bestehende Gesellschaftsordnung eines Staates, der sich sozialistisch nannte. Ein Beispiel ist die DDR, der ostdeutsche Staat von 1949 bis 1990. Der Begriff unterscheidet die gelebte Wirklichkeit von einem Zukunftsideal. Manche Zeitgenossen verwendeten die Bezeichnung „real existierender Sozialismus“ auch ironisch: Sie wollten auf den Abstand zwischen Versprechen und Wirklichkeit hinweisen.
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Sozialismus | Breiter Begriff für unterschiedliche politische Ideen und Bewegungen |
| Kommunismus | Je nach Verwendung Zukunftsideal, Lehre, Bewegung oder Herrschaftsform |
| Realsozialismus | Hier: tatsächliche Ordnung eines Staates, der sich sozialistisch nannte |
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Für eine begründete Einordnung brauchst du Kriterien, also klare Prüfmaßstäbe. Hier helfen drei Fragen: Wem gehören wichtige Produktionsmittel? Wer übt politische Macht aus? Wie werden Menschenrechte in der Praxis behandelt? Der Name, den ein Staat sich gibt, reicht als Beleg nicht aus.
Zur Eigentumsordnung: 1972 überführte die herrschende Partei SED rund 11.400 mittelständische Betriebe in Volkseigentum. Damit war hier staatlich verwaltetes Eigentum gemeint. Die bisherigen Eigentümer konnten den staatlichen Kauf weder ablehnen noch den Preis aushandeln. Etwa 2.000 Geschäfte, besonders Einzelhandel und Gastronomie, blieben privat. Der Staat verfügte damit über einen größeren Teil der Wirtschaft. Das bedeutete nicht das Ende sämtlichen privaten Besitzes. Staatliches Eigentum allein beweist auch noch keine demokratische Mitentscheidung über die Betriebe.
Zur politischen Macht und zu Menschenrechten: Die DDR-Verfassung von 1968 in der Fassung von 1974 gewährte Meinungs- und Medienfreiheit. Sie band Meinungsäußerungen aber an die Grundsätze der Verfassung. Ein Verfassungstext zeigt rechtliche Festlegungen. Ob Bürger ihre Rechte gegen die Staatsmacht durchsetzen konnten, musst du gesondert prüfen.
Das zeigt der Fall des Liedermachers Wolf Biermann. Er hatte jahrelang Berufsverbot und wurde von der Staatssicherheit, dem staatlichen Überwachungsapparat, überwacht. Nach einem Konzert in Köln entzog ihm die DDR 1976 die Staatsbürgerschaft. Er durfte nicht zurückkehren. Nach der Erklärung des Bundesarchivs wollte die SED-Führung damit Kritik unterdrücken. Der Fall zeigt, wie die Parteiführung staatliche Maßnahmen gegen einen kritischen Künstler durchsetzte und seine freie Meinungsäußerung einschränkte.
Zusammen stützen diese Belege die Einordnung der DDR der 1970er-Jahre als diktatorischen Staatssozialismus und als historischen Fall des Realsozialismus. Sie belegen keine verwirklichte klassenlose Gesellschaft. Sie zeigen auch nicht, dass alle sozialistischen Strömungen eine solche Herrschaft wollen. Einzelbeispiele erklären nicht jede Lebenslage sämtlicher DDR-Bürger. Soziale Leistungen und politische Freiheitsrechte musst du getrennt untersuchen.
Merke: Ein begründetes Urteil verbindet Prüfmaßstäbe mit Belegen. Staatliches Eigentum, politische Macht und die tatsächliche Behandlung von Menschenrechten sind getrennte Fragen.
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Alles auf einen Blick
Sozialismus
Vielfalt
Sozialismus umfasst unterschiedliche Ideen gegen wirtschaftliche Ungleichheit und soziale Abhängigkeit.
Entstehung
Die Industrialisierung verschärfte die soziale Frage, auf die sozialistische Bewegungen antworteten.
Unterschiede
Der Weg über Reform oder Revolution und die Haltung zum Staat sind getrennte Fragen.
Begriffe
Ein kommunistisches Zukunftsideal ist von der tatsächlichen Ordnung eines sich sozialistisch nennenden Staates zu unterscheiden.
Einordnung
Eigentum, politische Macht und Menschenrechte müssen anhand konkreter Belege untersucht werden.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Eduard Bernsteins Weg zur Veränderung einordnen
- 1Aufgabe: Ordne den Ansatz des Sozialisten Eduard Bernstein als Weg zur gesellschaftlichen Veränderung ein.
- 2Beleg erfassen: Bernstein wollte die Gesellschaft durch einen beständigen Reformprozess grundlegend erneuern.
- 3Prüfmaßstab wählen: Entscheidend ist hier, ob Veränderungen schrittweise oder durch einen grundlegenden Umsturz erreicht werden sollen.
- 4Einordnen: Bernstein setzte auf den Reformweg. Er stellte die Notwendigkeit einer Revolution der Arbeiter infrage.
- 5Grenze beachten: Diese Einordnung beschreibt den Weg zur Veränderung. Sie beantwortet für sich genommen noch nicht jede Frage zur künftigen Staatsordnung.
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Prüfe die Aussagen zum Eigentum in der DDR In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage verwechselt staatliches und privates Eigentum. Richtig: Etwa 2.000 Geschäfte, besonders Einzelhandel und Gastronomie, blieben privat.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Sozialistische Vorstellungen verbreiteten sich im frühen . Einen grundlegenden Umsturz strebten an. Die DDR überführte rund 11.400 mittelständische Betriebe im Jahr in staatlich verwaltetes Eigentum.
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