Geschichte · Klasse 7–10 · aktualisiert
Kommunismus: Idee, Geschichte und Herrschaftspraxis
Du lernst, welche Bedeutungen Kommunismus hat, wie Marx und Engels Klassenkonflikte erklärten und wie sich Ideen und Herrschaftspraxis unterschieden.
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Kurz gesagt
Kommunismus bezeichnet ein Gesellschaftsideal, politische Lehren, Bewegungen und die Herrschaft kommunistischer Parteien. Das Ideal ist eine Gesellschaft ohne Klassen und ohne Privateigentum an Produktionsmitteln wie Fabriken und Maschinen. Kommunistische Parteidiktaturen unterschieden sich davon.
Eine Idee von Gleichheit und eine Diktatur können denselben Namen tragen: Kommunismus. Deshalb lohnt es sich, genau hinzusehen. Du unterscheidest Ziele, politische Wege und die tatsächliche Ausübung von Macht.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Das Wort Kommunismus hat mehrere Bedeutungen. Als Ideal beschreibt es eine Gesellschaft freier und gleicher Menschen ohne Klassen. Klassen sind hier gesellschaftliche Gruppen, die sich durch ihre Stellung in der Wirtschaft unterscheiden. Produktionsmittel, etwa Fabriken und Maschinen, sollen gemeinsames Eigentum sein.
Als Lehre umfasst Kommunismus Erklärungen darüber, wie Gesellschaft und Wirtschaft funktionieren und verändert werden sollen. Karl Marx und Friedrich Engels waren politische Denker, die solche Erklärungen entwickelten. Als Bewegung bezeichnet Kommunismus Menschen, Organisationen und Parteien, die kommunistische Ziele verwirklichen wollen.
Als Herrschaftssystem bezeichnet Kommunismus auch Diktaturen unter der Vorherrschaft kommunistischer Parteien. Dabei beherrscht eine Partei die politische Ordnung. Diese Herrschaft ist vom Ideal einer Gesellschaft ohne Herrschaft zu unterscheiden.
Kommunismus und Sozialismus lassen sich nicht für jede Zeit eindeutig trennen. Beide Wörter wurden bis ins 20. Jahrhundert auch gleichbedeutend verwendet. Staaten unter Führung kommunistischer Parteien bezeichneten ihre Ordnung als Realsozialismus: Sie verstanden sich als Staaten auf dem Weg vom Sozialismus zum Kommunismus. Diese Selbstbeschreibung beweist noch nicht, dass das angestrebte Ideal erreicht wurde.
Definition
Produktionsmittel
Mittel, mit denen Güter hergestellt werden, zum Beispiel Maschinen und Fabriken.
Beispiel: Beispieltext, ausgedacht: zwei Aussagen einordnen
- 1Ein Schüler sagt: „Ich beschreibe eine Gesellschaft ohne Klassen.“ Er spricht über das Ideal.
- 2Ein anderer sagt: „Ich untersuche eine Organisation, die dieses Ziel verfolgt.“ Er spricht über die Bewegung.
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Marx und Engels untersuchten den Kapitalismus. Dabei stellten sie den Gegensatz zwischen Eigentümern von Kapital und Lohnarbeitern in den Mittelpunkt. Kapital meint hier Vermögen, das für wirtschaftliche Tätigkeit eingesetzt wird. Die Arbeiterklasse nannten sie Proletariat: Ihre Angehörigen besitzen nur ihre Arbeitskraft und verkaufen sie gegen Lohn.
Im Kommunistischen Manifest von 1848, einer politischen Programmschrift, beschrieben Marx und Engels die Arbeiter als abhängig von Konkurrenz und wirtschaftlichen Schwankungen. Nach ihrer Erklärung machten Maschinenarbeit und die Aufteilung der Arbeit in kleine Schritte viele Tätigkeiten eintönig. Strenge Fabrikdisziplin und Druck auf die Löhne verstärkten aus ihrer Sicht die Ausbeutung der Arbeiter. Damit meinten sie, dass andere aus der Arbeit der Arbeiter Vorteile zogen und diese beherrschten.
Für Marx und Engels waren solche Konflikte keine bloßen Streitigkeiten zwischen einzelnen Personen. Sie sahen einen Klassenkonflikt zwischen Eigentümern und Lohnarbeitern. Ihre Erklärung verband die Wirtschaft mit Politik und Recht: Die Beziehungen bei Herstellung, Austausch, Verteilung und Verbrauch von Gütern bildeten nach ihrer Auffassung die Grundlage der politischen und rechtlichen Ordnung.
Auch gesellschaftlichen Wandel erklärten sie so. Neue Technik, Wissen und Arbeitsmöglichkeiten konnten nach ihrer Theorie mit bestehenden wirtschaftlichen Beziehungen in Konflikt geraten. Daraus konnte eine Zeit revolutionärer Veränderungen entstehen. Das ist eine bestimmte Erklärung von Geschichte, kein Beweis dafür, dass jede Veränderung genau so verläuft.
Definition
Proletariat
Die Klasse der Menschen, die nur ihre Arbeitskraft besitzen und sie gegen Lohn verkaufen.
Merke: Wenn du Marx und Engels erklärst, unterscheide ihre Deutung von einer unbestrittenen Tatsache: „Nach ihrer Auffassung …“ macht den Unterschied deutlich.
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Kommunisten waren sich über den Weg zum Ziel nicht einig. Marxistische Strömungen berufen sich auf Marx, ziehen daraus aber unterschiedliche Schlüsse. Auch die Vorstellungen von Marx und Engels veränderten sich. Das Manifest forderte einen gewaltsamen Umsturz. Nach der Deutung des Kommunismusforschers Wolfgang Leonhard stellten Marx und Engels seit den 1870er-Jahren friedliche Veränderungen stärker in den Vordergrund.
Eine wichtige Streitfrage war die Rolle des Staates. Engels beschrieb die Übernahme der Produktionsmittel durch den Staat als ersten Schritt. Langfristig sollte der Staat überflüssig werden. Leonhard betont in seiner Deutung dagegen gesellschaftliches Eigentum und ausdrücklich kein Staatseigentum: Die Menschen sollten ihre gemeinsame Produktion selbst verwalten. Diese Aussagen setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Staatseigentum als Übergang darf jedenfalls nicht mit dem langfristigen Ziel gleichgesetzt werden. Marx schrieb nicht genau vor, wie die spätere Gesellschaft aussehen sollte.
Wladimir Lenin, ein Führer der russischen Bolschewiki, setzte auf eine straff geführte Partei professioneller Revolutionäre. Gemeint waren Menschen, die ihre Tätigkeit auf die Vorbereitung einer Revolution ausrichteten. Die Bolschewiki waren seine politische Parteirichtung. Lenin begründete die geheime und eng geführte Organisation mit der polizeilichen Verfolgung in Russland. Leninismus heißt die mit Lenin verbundene Lehre: Eine revolutionäre Partei soll die Staatsmacht erobern und die Gesellschaft unter ihrer Alleinherrschaft schrittweise umgestalten.
Andere Strömungen lehnten diesen Führungsanspruch ab. Rätekommunisten wollten, dass Arbeiter sich in Räten selbst organisieren. Räte sind gewählte Vertretungen. Kommunistische Anarchisten um den Denker Pjotr Kropotkin verlangten die sofortige Abschaffung des Staates und gemeinsame Organisation ohne Parteiführung.
Auch darüber, wer eine Revolution tragen sollte, gab es Unterschiede. Leonhard beschreibt die Arbeiterklasse bei Marx als künftig mehrheitliche und entscheidende revolutionäre Kraft. Mao Zedong, ein Führer der chinesischen Kommunisten, sah dagegen die Bauern als entscheidende revolutionäre Kraft. Das gemeinsame Ziel bedeutete also weder einen gemeinsamen Weg noch dieselbe Vorstellung von Führung.
| Richtung | Weg und Führung |
|---|---|
| Lenins Richtung | Eine straff geführte Partei professioneller Revolutionäre soll die Macht erobern. |
| Rätekommunisten | Arbeiter sollen sich selbst in Räten organisieren, ohne Führungsanspruch einer Partei. |
| Kommunistische Anarchisten | Der Staat soll sofort abgeschafft werden; gemeinsame Organisation soll ihn ersetzen. |
Merke: Prüfe bei einem Vergleich: Wer soll handeln? Wer soll führen? Was soll mit dem Staat geschehen?
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Das kommunistische Ideal versprach eine Gesellschaft ohne Klassenherrschaft. In realsozialistischen Staaten herrschten dagegen kommunistische Parteien diktatorisch. Die Sowjetunion war ein solcher Staat. Die Sowjets waren Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräte. Sie verbanden zunächst mehrere Aufgaben der Staatsgewalt; ihre Vertreter waren gewählt und abwählbar. Später wurden sie zu Instrumenten der Partei. Die Partei kontrollierte damit die Räte, statt dass die Räte eine unabhängige Kontrolle der Partei ausübten.
Die politische Geheimpolizei Tscheka entstand im Dezember 1917. Sie organisierte im Bürgerkrieg Gefängnisse und Lager und erschoss politische Gegner. Hier wurde staatlicher Zwang ausgeübt, obwohl das langfristige Ideal eine Gesellschaft ohne Herrschaft war. Das Ziel war damit nicht erreicht. Unter Josef Stalin, einem späteren Machthaber der Sowjetunion, entwickelte sich eine terroristische Diktatur. Der Staat nutzte Gewalt und Angst zur Sicherung seiner Herrschaft.
Auch die Wirtschaft folgte keinem unveränderten Weg. Die Neue Ökonomische Politik, also die neue Wirtschaftspolitik, begann 1921 als Reaktion auf die Krise und den Widerstand gegen staatlichen Zwang in der Landwirtschaft. Private Bauernwirtschaft und Märkte wurden wieder zugelassen. Großindustrie, Banken und Verkehr blieben staatlich kontrolliert. Politisch blieb die Macht diktatorisch: Opposition innerhalb der bolschewistischen Partei wurde nicht geduldet. Gemeint sind Gruppen, die sich gegen die politische Führung stellen. Wirtschaftliche Spielräume bedeuteten also keine entsprechende politische Freiheit.
Die DDR war ein weiterer Staat unter kommunistischer Parteiherrschaft. Dort bestimmte die herrschende Partei SED die Politik. Weitere kleine Parteien bestanden, durften die Mehrheit der SED aber nicht gefährden. Die Zahl der Parteien allein zeigt daher noch nicht, ob freie politische Entscheidungen möglich sind.
Beim Vergleich von Theorie und Praxis musst du beides prüfen: Auf welche Ideen beriefen sich die Machthaber, und wie handelten sie? Der Historiker Robert Service betont die Bedeutung von Lenins eigenen Entscheidungen. Er lehnt die Vorstellung ab, die Herrschaft einer Partei sei unabhängig von Lenin zwangsläufig aus russischen Traditionen entstanden. Ein behauptetes Ziel erklärt oder rechtfertigt somit nicht von selbst jede politische Entscheidung.
| Vergleichspunkt | Ideal oder Anspruch | Staatliche Praxis |
|---|---|---|
| Macht | Gesellschaft ohne Klassenherrschaft | Diktatorische Herrschaft kommunistischer Parteien in realsozialistischen Staaten |
| Räte | Gewählte und abwählbare Vertreter | Sowjets wurden später zu Instrumenten der Partei. |
| Eigentum | Gemeinsames Eigentum an Produktionsmitteln | Während der Neuen Ökonomischen Politik bestand auch private Bauernwirtschaft. |
Merke: Unterscheide ein politisches Versprechen von seiner Umsetzung. Prüfe dafür Macht, Rechte und wirtschaftliche Regeln.
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Alles auf einen Blick
Kommunismus
Bedeutungen
Kommunismus kann Ideal, Lehre, Bewegung und Herrschaftssystem bezeichnen.
Klassenkonflikt
Marx und Engels erklärten den Gegensatz zwischen Eigentümern und Lohnarbeitern aus deren wirtschaftlicher Stellung.
Unterschiedliche Wege
Kommunistische Strömungen stritten über Führung, Selbstorganisation und die Rolle des Staates.
Ziel und Übergang
Engels beschrieb Staatseigentum als ersten Schritt; langfristig sollte der Staat überflüssig werden.
Praxis
In realsozialistischen Staaten herrschten kommunistische Parteien diktatorisch. Wirtschaftliche Spielräume bedeuteten nicht zugleich politische Freiheit.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Die Abhängigkeit von Lohnarbeitern Schritt für Schritt erklären
- 1Aufgabe: Erkläre, warum Konkurrenz nach Marx und Engels das Leben von Lohnarbeitern beeinflusst.
- 2Ausgangspunkt: Arbeiter besitzen nach dieser Beschreibung nur ihre Arbeitskraft und verkaufen sie gegen Lohn.
- 3Zusammenhang: Im Kommunistischen Manifest beschreiben Marx und Engels ihre Lage als abhängig von Konkurrenz und wirtschaftlichen Schwankungen.
- 4Ergebnis: Die Lage der Arbeiter hängt nach dieser Deutung von wirtschaftlichen Bedingungen ab, nicht bloß von ihrem persönlichen Einsatz.
- 5Grenze: Damit ist die Erklärung von Marx und Engels wiedergegeben. Sie wird dadurch noch nicht zu einer Erklärung für jeden einzelnen Lebenslauf.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zur Neuen Ökonomischen Politik In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Die dritte Aussage verwechselt wirtschaftliche Spielräume mit politischer Freiheit. Richtig: Opposition innerhalb der bolschewistischen Partei wurde nicht geduldet.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Im kommunistischen Ideal sollen Produktionsmittel sein. Für die geheime Parteiarbeit unter polizeilicher Verfolgung in Russland setzte Lenin auf . Die Neue Ökonomische Politik ließ ab private Bauernwirtschaft und Märkte wieder zu.
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