Geschichte · Klasse 7–10 · aktualisiert
Kapitalismus: Merkmale, Geschichte und Kritik
Du lernst die Merkmale des Kapitalismus kennen und untersuchst, wie Fabriken, Lohnarbeit, Gewinne und staatliche Regeln zusammenhängen.
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Kurz gesagt
Kapitalismus ist eine Wirtschaftsordnung mit privatem Eigentum an Fabriken und Maschinen. Lohnarbeiter arbeiten gegen Bezahlung. Wirtschaftliche Entscheidungen richten sich nach dem Markt und erwarteten Gewinnen.
Wem gehört eine Fabrik, wer arbeitet darin und wer erhält den Gewinn? Diese Fragen helfen dir, Kapitalismus zu verstehen. Dabei untersuchst du auch, wie mehr Waren entstehen können und weshalb Arbeiter Schutz brauchen.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
3 Abschnitte
Kapitalismus wird unterschiedlich erklärt. Zu seinen zentralen Merkmalen zählen privates Eigentum an Produktionsmitteln, Lohnarbeit und das Streben nach Gewinn. Produktionsmittel sind etwa Fabriken und Maschinen, mit denen Waren hergestellt werden. Im beschriebenen Grundmodell besitzen private Personen oder Gruppen diese Mittel. Arbeiter ohne eigenes Kapital bieten ihre Arbeitskraft gegen Lohn an. Der Gewinn fließt dem Unternehmer zu.
Kapital umfasst die Mittel, die für wirtschaftliche Tätigkeit eingesetzt werden, etwa Maschinen und Geld. Gewinn ist das, was von den Einnahmen nach Abzug der Kosten übrig bleibt. Unternehmen richten wichtige Entscheidungen danach aus, welche Waren sie verkaufen können und welchen Gewinn sie erwarten.
Marktwirtschaft bedeutet, dass Produktion und Preise über den Markt gesteuert werden. Dabei treffen Angebot, also angebotene Waren, und Nachfrage, also Kaufwünsche, aufeinander. Der Begriff beschreibt somit, wie wirtschaftliche Entscheidungen aufeinander abgestimmt werden. Beim Kapitalismus geht es zusätzlich besonders darum, wem die Produktionsmittel gehören und wie Kapital vermehrt wird.
Beide Begriffe meinen daher nicht genau dasselbe. Märkte gab es schon vor dem Kapitalismus und in unterschiedlichen Gesellschaften. In einer kapitalistischen Marktwirtschaft kommen privates Eigentum an Produktionsmitteln und die Steuerung über Märkte zusammen.
Definition
Lohnarbeit
Ein Lohnarbeiter stellt einem Unternehmen seine Arbeitskraft zur Verfügung und erhält dafür Lohn.
Merke: Unterscheide zwei Fragen: Wem gehören Fabriken und Maschinen? Wie werden Produktion und Preise bestimmt?
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Die Industrialisierung veränderte die Herstellung von Waren: Maschinen und Fabriken gewannen an Bedeutung. Der Industriekapitalismus begann am Ende des 18. Jahrhunderts in den Baumwollspinnereien Englands. Dort wurde Baumwolle zu Garn verarbeitet. Spinnmaschinen und später mechanische Webstühle ermöglichten große Steigerungen der Herstellung von Garn und Stoffen. Für diese Waren bestand im Inland und Ausland eine große Nachfrage.
In Fabriken arbeiteten Lohnarbeiter mit Maschinen. Die Arbeit wurde in einzelne Aufgaben aufgeteilt. Für private Kapitalbesitzer wurden Fabriken zu Anlagen, die Gewinn bringen sollten. Die Durchsetzung des Kapitalismus war eine wichtige wirtschaftliche Folge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert.
Unternehmer können Gewinn erneut in ihr Unternehmen stecken, etwa in zusätzliche Maschinen. Eine solche Verwendung von Geld heißt Investition. Wenn dadurch mehr Kapital aufgebaut wird, spricht man von Kapitalakkumulation. So hängen die Begriffe zusammen: Kapital ermöglicht die Ausstattung der Fabrik, Lohnarbeiter stellen dort Waren her, und Gewinne können zum weiteren Aufbau von Kapital dienen. Persönlicher Verbrauch eines Gewinns ist dagegen kein Aufbau von Unternehmenskapital.
Karl Marx, ein Kritiker des Kapitalismus, erklärte diesen Zusammenhang auch durch den Wettbewerb: Unternehmer müssten ihr Kapital vermehren, um ihre Betriebe weiter zu erneuern und gegenüber Konkurrenten bestehen zu können. Das ist seine Erklärung für den Druck, Gewinne zu erzielen und erneut einzusetzen.
Definition
Kapitalakkumulation
Kapitalakkumulation bedeutet, weiteres Kapital aufzubauen. Dazu können Unternehmer Gewinne erneut für Maschinen oder andere Mittel ihres Unternehmens einsetzen.
Beispiel: Beispieltext, ausgedacht: zusätzliche Maschinen für eine Werkstatt
- 1Ein Werkstattbesitzer beschäftigt Arbeiter, die gegen Lohn Waren herstellen.
- 2Nach dem Verkauf und dem Bezahlen der Kosten bleibt Gewinn übrig.
- 3Der Besitzer verwendet einen Teil des Gewinns für zusätzliche Maschinen.
- 4Damit baut er weiteres Kapital auf: Aus einem Teil des Gewinns wird neue Ausstattung.
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Für ein begründetes Urteil brauchst du Kriterien, also Maßstäbe. Du kannst etwa fragen: Werden Waren günstiger hergestellt? Wie sind Lohn und Arbeitszeit? Wie werden Menschen bei Arbeitslosigkeit abgesichert? Mehr Produktion beantwortet noch nicht die Frage nach guten Arbeitsbedingungen.
Der Wirtschaftswissenschaftler Joseph Schumpeter betonte die Bedeutung von Neuerungen, etwa neuen Waren oder Herstellungsverfahren. Nach seiner Erklärung kann ein Unternehmer als Erster ein neues Verfahren einführen und damit billiger als seine Konkurrenten produzieren. Verkauft er zum üblichen Marktpreis, kann er dadurch einen zusätzlichen Gewinn erzielen. Nachahmer und steigende Kosten können diesen Vorteil wieder verringern. Neuerungen bieten nach dieser Sicht eine wirtschaftliche Chance.
Karl Marx und Friedrich Engels, zwei Kritiker des Kapitalismus, betonten dagegen Probleme der Arbeiter. In ihrer politischen Schrift von 1848 kritisierten sie die Abhängigkeit der Arbeiter und eintönige Handgriffe an Maschinen. Diese Kritik ist ihre Sicht auf die Fabrikarbeit. Sie darf nicht als Beschreibung jeder Arbeit zu jeder Zeit verstanden werden.
Staatliche Regeln können Arbeitsbedingungen und soziale Absicherung verändern. In frühen russischen Industrieregionen gab es sehr niedrige Löhne und 13-Stunden-Tage. Auch Frauen und Kinder arbeiteten dort ohne wirksame Kontrolle ihrer Arbeitsbedingungen. Gewerkschaften, also Zusammenschlüsse zur Vertretung der Interessen von Arbeitern, waren verboten. Trotzdem trugen illegale Streiks zum Arbeitsschutz und 1897 zur Begrenzung der Arbeitszeit für Industriearbeiter auf 11,5 Stunden bei. Ein Streik bedeutet, dass Arbeiter gemeinsam die Arbeit niederlegen. Die kürzere erlaubte Arbeitszeit war ein Fortschritt beim Schutz der Arbeiter; sie sagt allein noch nichts über die Höhe ihrer Löhne aus.
Auch die Weimarer Republik, die deutsche Republik nach dem Ersten Weltkrieg, verband wirtschaftliche Entscheidungen über Märkte mit staatlichen Eingriffen. Unfall-, Renten- und Krankenversicherung wurden ausgebaut. 1927 kam eine Arbeitslosenversicherung hinzu, also eine Absicherung gegen die Folgen von Arbeitslosigkeit. Staatliche Regeln bedeuteten hier nicht, dass die Steuerung über Märkte abgeschafft wurde.
Beurteile deshalb gezielt: Eine Maßnahme kann beim Schutz vor langen Arbeitszeiten helfen. Eine andere kann gegen die Folgen von Arbeitslosigkeit absichern. Ob zugleich Waren günstiger hergestellt werden oder Löhne steigen, musst du gesondert prüfen.
| Kriterium | Prüffrage |
|---|---|
| Herstellung | Werden Waren mit geringerem Aufwand hergestellt? |
| Arbeitsbedingungen | Wie lang ist die Arbeitszeit, und wie hoch sind die Löhne? |
| Soziale Absicherung | Gibt es Schutz gegen die Folgen von Arbeitslosigkeit? |
Merke: Nenne bei einem Urteil deinen Maßstab. Eine kürzere Arbeitszeit belegt einen Fortschritt beim Arbeitsschutz, aber noch keinen höheren Lohn.
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Alles auf einen Blick
Kapitalismus
Eigentum
Im Kapitalismus gehören Produktionsmittel wie Fabriken und Maschinen privaten Personen oder Gruppen.
Markt
Angebot und Nachfrage steuern Produktion und Preise. Märkte gab es schon vor dem Kapitalismus.
Fabrikarbeit
Lohnarbeiter stellen mit Maschinen Waren her; Kapitalbesitzer erwarten Gewinne.
Kapitalaufbau
Gewinne können erneut eingesetzt werden, etwa für zusätzliche Maschinen.
Urteil
Prüfe wirtschaftliche Chancen, Arbeitsbedingungen und soziale Absicherung mit getrennten Maßstäben.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Die Arbeitslosenversicherung in der Weimarer Republik beurteilen
- 1Aufgabe: Beurteile, welchen Beitrag die 1927 eingeführte Arbeitslosenversicherung zur sozialen Absicherung leistete.
- 2Maßstab nennen: Entscheidend ist hier der Schutz gegen die Folgen von Arbeitslosigkeit.
- 3Maßnahme einordnen: Eine Arbeitslosenversicherung sichert gegen diese Folgen ab. Ihre Einführung erweiterte damit die soziale Absicherung.
- 4Urteil begrenzen: Die Versicherung betrifft Arbeitslosigkeit. Ihre Einführung belegt noch keine Verkürzung der Arbeitszeit.
- 5Ergebnis formulieren: Gemessen am Schutz gegen die Folgen von Arbeitslosigkeit war die Einführung ein Fortschritt.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zu Arbeitsbedingungen in Russland In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Die Jahreszahl verwechselt zwei Maßnahmen. Richtig: In Russland wurde die Arbeitszeit für Industriearbeiter 1897 auf 11,5 Stunden begrenzt. 1927 kam in der Weimarer Republik die Arbeitslosenversicherung hinzu.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Im beschriebenen Grundmodell fließt dem Unternehmer der erwirtschaftete zu. Der Industriekapitalismus begann am Ende des 18. Jahrhunderts in Baumwollspinnereien in . In Russland wurde die Arbeitszeit für Industriearbeiter 1897 auf Stunden begrenzt.
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