Geschichte · Klasse 7–10 · aktualisiert
Soziale Ungleichheit in der Geschichte verstehen
Du lernst, was soziale Ungleichheit bedeutet, wie sie sich verändert und wie du historische Aussagen darüber prüfst.
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Kurz gesagt
Soziale Ungleichheit bedeutet, dass Menschen aufgrund ihrer gesellschaftlichen Stellung regelmäßig unterschiedliche Chancen und Mittel haben. Dazu gehören Besitz, Bildung und Einfluss. Gleiche Rechte beseitigen diese Unterschiede nicht automatisch.
Menschen unterscheiden sich in vielen Dingen. Aber nicht jeder Unterschied bedeutet soziale Ungleichheit. Entscheidend ist, ob mit der gesellschaftlichen Stellung regelmäßig Vorteile oder Nachteile verbunden sind. Du untersuchst, wie solche Unterschiede entstehen und wie Historiker sie erklären.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
3 Abschnitte
Verschiedene Interessen allein sind noch keine soziale Ungleichheit. Von sozialer Ungleichheit sprechen wir, wenn Menschen wegen ihrer gesellschaftlichen Stellung regelmäßig unterschiedliche Chancen und Mittel haben. Dazu gehören Eigentum, Einkommen, Bildung, Einfluss und Ansehen. Eigentum ist das, was jemand besitzt. Einkommen ist das, was jemand etwa durch seine Arbeit erhält. Ansehen bedeutet, wie viel Anerkennung jemand genießt.
Es geht also nicht um einen einmaligen Vorteil oder irgendeinen Unterschied. Entscheidend sind Vorteile und Nachteile, die mit beständigen gesellschaftlichen Beziehungen verbunden sind.
Du solltest außerdem Beschreibung und Bewertung trennen. Die Aussage, dass eine Gruppe mehr Einkommen erhält als eine andere, beschreibt eine Verteilung. Ob du diese Verteilung gerecht findest, ist eine weitere Frage. Für dieses Urteil musst du erklären, welchen Maßstab du verwendest.
Definition
Soziale Ungleichheit
Regelmäßige Unterschiede bei Chancen und Mitteln, die mit der gesellschaftlichen Stellung zusammenhängen.
Beispiel: Beispieltext, ausgedacht: Interessen und Bildungschancen
- 1Zwei Schüler haben verschiedene Lieblingsspiele. Das zeigt zunächst unterschiedliche Interessen.
- 2In einer ausgedachten Gesellschaft hängt der Zugang zu weiterführender Bildung regelmäßig vom Besitz der Familie ab.
- 3Der zweite Fall beschreibt soziale Ungleichheit: Eine gesellschaftliche Stellung bringt unterschiedliche Bildungschancen mit sich.
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Im 19. Jahrhundert verloren ständische Rechtsbindungen an Bedeutung. Damit sind Rechte und Pflichten gemeint, die an die Zugehörigkeit zu einem Stand, also einer gesellschaftlichen Gruppe, gebunden waren. Besitz und die Stellung auf dem Markt wurden wichtiger: etwa, was jemand besaß und welche Arbeit er anbieten konnte. Dieser Wandel verlief allmählich und regional verschieden. Gleiche rechtliche Freiheit bedeutete weder gleichen Besitz noch gleiche Erwerbschancen, also gleiche Möglichkeiten, Geld zu verdienen.
Im Kaiserreich, dem damaligen deutschen Staat, unterschieden sich auch die Arbeiter untereinander. Facharbeiter mit besonderen beruflichen Kenntnissen und ungelernte Arbeiter hatten unterschiedliche Einkommen und Chancen. Auch Frauen in der Arbeiterschaft hatten nicht dieselben Einkommen und Chancen wie andere Gruppen von Arbeitern. Zwischen Arbeitern und Angestellten bestanden Unterschiede bei Arbeitsbedingungen und Status. Status meint hier die gesellschaftliche Stellung und das damit verbundene Ansehen. Die eigene Versicherung der Angestellten von 1911 bot bessere Bedingungen als die Arbeiterversicherungen. Solche Regeln konnten Unterschiede zwischen Berufsgruppen festigen.
Gemeinsame Unterstützung konnte Risiken begrenzen. Hilfskassen organisierten Hilfe, Gewerkschaften vertraten gemeinsame Interessen von Beschäftigten. Staatliche Versicherungen sicherten bestimmte Lebensrisiken ab. Ihre Reichweite war zunächst begrenzt. Mehr Absicherung bedeutete deshalb weder gleiche Erwerbschancen für alle noch die Aufhebung sämtlicher Unterschiede bei Eigentum und Macht.
Die Forscher Jörg Baten und Ralph Hippe erklären regionale Einkommensunterschiede innerhalb Europas unter anderem mit landwirtschaftlichen Strukturen im 19. Jahrhundert. Nach ihrer Erklärung beeinflusste die Bodenbeschaffenheit die Größe der Betriebe. In kleineren Betrieben legten Bauern größeren Wert auf die Bildung ihrer Kinder, weil diese später den Hof übernehmen sollten. Das war unter anderem typisch für Nord- und Nordwesteuropa um 1900. Wo Boden und Klima große Weizenfelder und Großgrundbesitz begünstigten, entstanden nach ihrer Erklärung häufig politisch mächtige Gruppen, die ländlichen Arbeitnehmern den Bildungszugang erschwerten. Die Bildungsunterschiede beeinflussten wiederum die wirtschaftliche Entwicklung.
Merke: Gleiche rechtliche Freiheit, gleicher Besitz und gleiche Erwerbschancen sind verschiedene Dinge. Auch bessere Absicherung beseitigt nicht alle Unterschiede.
| Veränderung | Wirkung und Grenze |
|---|---|
| Ständische Rechtsbindungen verlieren im 19. Jahrhundert an Bedeutung | Besitz und Marktstellung werden wichtiger; der Wandel verläuft allmählich und regional verschieden. |
| Eigene Versicherung der Angestellten von 1911 | Bessere Bedingungen als bei Arbeiterversicherungen konnten Unterschiede zwischen Berufsgruppen festigen. |
| Hilfskassen, Gewerkschaften und staatliche Versicherungen | Sie konnten Risiken begrenzen; ihre Reichweite blieb zunächst begrenzt. |
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Ein Modell vereinfacht die Wirklichkeit. Es hebt bestimmte Zusammenhänge hervor. Deshalb solltest du fragen, was ein Modell erklärt und welche Unterschiede es nicht vollständig erfasst.
Marx und Engels entwickelten Erklärungen darüber, wie Gesellschaften aufgebaut sind. Ihr Klassenmodell betont die Stellung bei der Herstellung von Gütern. Wichtig ist dabei, wer über Produktionsmittel verfügt: also Mittel, mit denen Güter hergestellt werden. Der Gesellschaftsforscher Max Weber betrachtet bei Klassen besonders die Chancen auf Märkten. Diese hängen bei ihm sowohl von Besitz als auch von beruflich nutzbaren Kenntnissen und Fähigkeiten ab. Beide Modelle fragen nach wirtschaftlichen Unterschieden, setzen aber verschiedene Schwerpunkte.
Ein Schichtmodell ordnet Menschen nach mehreren Merkmalen, etwa Beruf, Einkommen und Bildung. Status bezeichnet hier die gesellschaftliche Stellung und das damit verbundene Ansehen. Klasse, Schicht und Status sind daher keine austauschbaren Wörter.
Der Gesellschaftsforscher Bourdieu erweitert den Blick auf verschiedene Arten von Kapital. Damit sind hier Mittel und Vorteile gemeint, die Menschen nutzen können. Er unterscheidet ökonomisches, also wirtschaftliches, kulturelles, soziales und symbolisches Kapital. Mit diesen Kapitalarten lassen sich neben wirtschaftlichen Mitteln auch Wissen, Beziehungen und Anerkennung berücksichtigen. Eine Rangfolge nach Einkommen allein erfasst diese Unterschiede nicht.
Wenn du eine historische Aussage prüfst, nenne zuerst Zeitraum und Gruppe. Bestimme dann das Merkmal: Geht es etwa um Besitz, Einkommen oder Bildung? Suche Belege und Gegenbelege. Erkläre zum Schluss die Grenze deiner Aussage. Die Zweiteilung in Besitzer und Arbeiter kann Abhängigkeit zeigen. Sie erklärt aber nicht vollständig die Unterschiede zwischen Facharbeitern und ungelernten Arbeitern im Kaiserreich. Dafür brauchst du zusätzliche Angaben und Modelle.
Definition
Modell
Eine vereinfachte Erklärung, die bestimmte Merkmale und Zusammenhänge hervorhebt. Sie bildet nicht jede historische Person vollständig ab.
Merke: Prüfe Zeitraum, Gruppe und Merkmal. Wäge Belege und Gegenbelege ab und benenne, was deine Aussage offenlässt.
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Alles auf einen Blick
Soziale Ungleichheit
Begriff
Soziale Ungleichheit verbindet gesellschaftliche Stellung mit regelmäßigen Vor- oder Nachteilen.
Unterscheidung
Eine Verteilung zu beschreiben ist etwas anderes, als sie gerecht oder ungerecht zu nennen.
Wandel
Gleiche rechtliche Freiheit garantiert weder gleichen Besitz noch gleiche Erwerbschancen.
Absicherung
Gemeinsame Hilfe und staatliche Versicherungen konnten Risiken begrenzen, hatten zunächst aber eine begrenzte Reichweite.
Modelle
Klasse, Schicht, Status und Kapitalarten zeigen unterschiedliche Seiten sozialer Ungleichheit.
Prüfung
Eine begründete historische Aussage nennt Belege und erklärt ihre Grenzen.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Eine Aussage über die Arbeiterschaft prüfen
- 1Aufgabe: Prüfe, ob die Einteilung in Besitzer und Arbeiter die Unterschiede innerhalb der Arbeiterschaft im Kaiserreich vollständig erklärt.
- 2Zeitraum und Gruppe bestimmen: Untersucht werden Arbeiter im Kaiserreich.
- 3Stärke erkennen: Die Einteilung kann die Abhängigkeit der Arbeiter von Besitzern zeigen.
- 4Gegenbeleg prüfen: Facharbeiter und ungelernte Arbeiter hatten unterschiedliche Einkommen und Chancen.
- 5Urteil formulieren: Die Einteilung hilft, erfasst diese Unterschiede aber nicht vollständig. Dafür sind zusätzliche Angaben und Modelle nötig.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zur Versicherung der Angestellten In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage verwechselt bessere mit gleichen Bedingungen. Richtig: Die eigene Versicherung der Angestellten von 1911 bot bessere Bedingungen als die Arbeiterversicherungen.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Ein Modell, das Menschen nach mehreren Merkmalen wie Beruf, Einkommen und Bildung ordnet, heißt . Die eigene Versicherung von 1911 bot den bessere Bedingungen als die Arbeiterversicherungen. Marktchancen durch Besitz und beruflich nutzbare Kenntnisse stehen im Mittelpunkt des Klassenbegriffs von .
Karteikasten
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