Geschichte · Klasse 9–10 · aktualisiert
Public History: Öffentliche Geschichte analysieren
Du lernst, öffentliche Geschichtsangebote zu untersuchen, Absicht und Wirkung zu trennen und Beteiligung sowie Interessen zu beurteilen.
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Kurz gesagt
Public History untersucht und gestaltet öffentliche Geschichte. Die Bewegung entstand in den USA (Vereinigte Staaten) und Kanada in den 1970er-Jahren; der erste Studiengang begann 1976 in Santa Barbara. Öffentliche Geschichtsarbeit gab es schon vorher; die Grafik zeigt eine Phase, kein genaues Gründungsdatum.
Geschichte begegnet dir in Museen, Filmen und digitalen Angeboten. Dabei entscheiden Menschen, welche Vergangenheit sie zeigen und wie sie davon erzählen. Mit Public History untersuchst du diese Entscheidungen und prüfst, was über die Wirkung auf das Publikum bekannt ist.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Public History hat zwei Seiten: Sie untersucht öffentliche Geschichtsangebote und gestaltet solche Angebote selbst. Angesprochen werden Menschen außerhalb der Fachwissenschaft, also nicht bloß Geschichtsforscher. Diese Erklärung nutzt das als Arbeitsdefinition: als Begriffsbestimmung für unsere Untersuchung. Im Forschungsfeld gibt es unterschiedliche Definitionen.
Typische Arbeitsfelder sind Museen, Ausstellungen, Filme und öffentlich zugängliche digitale Angebote. Fachleute können beispielsweise untersuchen, wie ein Film Vergangenheit zeigt. Sie können auch an der Gestaltung öffentlicher Angebote mitarbeiten. Die Öffentlichkeit kann an dieser Arbeit beteiligt sein.
Die Public-History-Bewegung entstand in den Vereinigten Staaten und Kanada in den 1970er-Jahren. Der erste Studiengang begann 1976 an der University of California in Santa Barbara, einer Universität. Öffentliche Geschichtsarbeit gab es bereits vorher. Das Datum eines Studiengangs bezeichnet deshalb nicht den Beginn jeder öffentlichen Beschäftigung mit Geschichte.
Definition
Public History
Unsere Arbeitsdefinition umfasst die Untersuchung und die Gestaltung von Geschichtsangeboten für ein Publikum außerhalb der Fachwissenschaft.
Merke: Public History verbindet Untersuchen und Gestalten. Museen, Ausstellungen, Filme und öffentliche digitale Angebote sind typische Arbeitsfelder.
Teste dich
Prüfe zunächst die Belege: Worauf beruhen die Aussagen über Vergangenheit, und tragen die verwendeten Unterlagen diese Aussagen? Dazu kommen sechs Untersuchungsfragen. Sie helfen dir, die Herstellung eines Angebots und seine Beziehung zum Publikum zu erfassen.
Akteure sind die handelnden Personen oder Einrichtungen: Wer entscheidet, gestaltet und bezahlt? Bei der Auswahl prüfst du, welche Erfahrungen vorkommen und welche fehlen. Das Medium ist die Form der Vermittlung, etwa ein Film oder ein Audioguide, also ein Hörführer. Beim Publikum fragst du, wen das Angebot erreichen soll. Der Zweck bezeichnet das angestrebte Ziel. Bei der Wirkung untersuchst du, was das Angebot beim Publikum tatsächlich auslöst.
Trenne Absicht, Gestaltung und nachgewiesene Wirkung. Aus Ton, Bildern oder ausgewählten Gegenständen kannst du mögliche Wirkungen begründet vermuten. Damit ist noch nicht bewiesen, was Besucher empfinden oder lernen. Dazu brauchst du Untersuchungen der Rezeption, also der Aufnahme und der Reaktionen des Publikums, etwa Besucherforschung.
| Blickrichtung | Leitfrage |
|---|---|
| Akteure | Wer entscheidet, gestaltet und finanziert? |
| Auswahl | Was wird gezeigt, und was fehlt? |
| Medium | In welcher Form wird Geschichte vermittelt? |
| Publikum | An wen richtet sich das Angebot? |
| Zweck | Welches Ziel verfolgen die Verantwortlichen? |
| Wirkung | Welche Reaktionen sind tatsächlich nachgewiesen? |
Merke: Ein beabsichtigter Erfolg ist noch kein nachgewiesener Erfolg. Aussagen über tatsächliche Publikumsreaktionen brauchen eigene Belege.
Teste dich
Menschen verbinden Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander. Der Historiker Jörn Rüsen erklärt diesen Zusammenhang mit dem Begriff Geschichtsbewusstsein: Menschen deuten vergangene Erfahrungen, verstehen damit ihre heutige Lage und bedenken künftige Handlungsmöglichkeiten. Daraus entsteht keine sichere Vorhersage. Auch persönliche Orientierung entwickelt sich im Austausch mit anderen.
Beispieltext, ausgedacht: Eine Jugendliche erfährt aus alten Vereinsunterlagen, dass freiwillige Helfer früher den Trainingsbetrieb ermöglichten. Dadurch versteht sie die Bedeutung der heutigen Helfergruppe und möchte künftig selbst helfen. Sie verbindet drei Zeiten miteinander. Ihr Wunsch ist noch kein verwirklichtes Vorhaben.
Für die Unterscheidung helfen weitere Arbeitsbegriffe. Geschichtskultur meint gesellschaftliche Formen des Umgangs mit Geschichte und die Verständigung darüber. Im ausgedachten Vereinsbeispiel gehört dazu die gemeinsame Entscheidung, wie der Verein seine Vergangenheit öffentlich zeigt. Erinnerungskultur richtet den Blick besonders auf gemeinsames Erinnern und die Bedeutung der Vergangenheit für Gruppen. Das steht im Vordergrund, wenn Vereinsmitglieder bei einer Feier an frühere Helfer erinnern.
Public History konzentriert sich auf die Untersuchung und Herstellung öffentlicher Geschichtsangebote. Im Vereinsbeispiel wäre das die Arbeit am öffentlichen Hörführer oder die Untersuchung seiner Gestaltung. Die Begriffe setzen unterschiedliche Schwerpunkte, schließen einander aber nicht aus. Ein Vorgang kann zu mehreren Blickrichtungen passen.
Beispiel: Beispieltext, ausgedacht: Vom Rückblick zum Vorhaben
- 1Vergangenheit: Die Jugendliche liest, dass freiwillige Helfer früher das Training ermöglichten.
- 2Gegenwart: Sie erkennt die Bedeutung der heutigen Helfergruppe.
- 3Zukunft: Sie möchte künftig selbst mithelfen. Ob sie das umsetzt, steht damit noch nicht fest.
Merke: Unterscheide persönliche Orientierung, gesellschaftlichen Umgang mit Geschichte, gemeinsames Erinnern und öffentliche Geschichtsarbeit. Diese Blickrichtungen können sich überschneiden.
Teste dich
Wenn Fachleute und weitere Beteiligte zusammenarbeiten, können zusätzliche Perspektiven sichtbar werden. Shared authority bedeutet hier geteilte Verantwortung bei der Erarbeitung und Vermittlung von Geschichte. Beteiligte können Wissen einbringen und mitentscheiden. Ihre Mitwirkung ersetzt jedoch nicht die Prüfung von Belegen.
Ein Auftrag kann einen Konflikt auslösen: Ein Geldgeber verfolgt bestimmte Interessen, während Fachleute unabhängig urteilen sollen. Dass jemand ein Angebot bezahlt, beweist aber keine Fälschung. Ebenso macht eine Quellenliste eine einseitige Auswahl nicht von selbst ausgewogen.
Die beruflichen Verhaltensregeln des National Council on Public History, kurz NCPH, verlangen unter anderem einen redlichen Umgang mit Belegen, Offenheit gegenüber unterschiedlichen kulturellen Perspektiven und ein unabhängiges fachliches Urteil.
Für dein Urteil nutzen wir konkrete Maßstäbe: Sind Aussagen überprüfbar belegt? Welche Perspektiven werden sichtbar? Werden Interessen offengelegt und Unsicherheiten benannt? Prüfe, wie das jeweilige Angebot nach diesen Maßstäben arbeitet. Begründe dein Urteil, statt aus seiner Finanzierung auf seinen Wahrheitsgehalt zu schließen.
Definition
Shared authority
Fachleute und weitere Beteiligte teilen Verantwortung für die Erarbeitung und Vermittlung von Geschichte. Die Belege müssen weiterhin geprüft werden.
Merke: Beteiligung kann neue Perspektiven eröffnen. Prüfe trotzdem die Belege, die Auswahl, die Interessen und die benannten Unsicherheiten.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Public History
Arbeitsdefinition
Public History untersucht und gestaltet Geschichtsangebote für ein Publikum außerhalb der Fachwissenschaft.
Untersuchung
Prüfe Belege sowie Akteure, Auswahl, Medium, Publikum, Zweck und Wirkung.
Wirkung
Absichten und Gestaltung beweisen noch keine tatsächlichen Publikumsreaktionen.
Blickrichtungen
Persönliche Orientierung, gesellschaftlicher Umgang mit Geschichte und gemeinsames Erinnern können sich mit öffentlicher Geschichtsarbeit überschneiden.
Verantwortung
Beteiligung ersetzt keine Belegprüfung, und Finanzierung allein beweist keine Fälschung.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Beispieltext, ausgedacht: Einen Vereins-Audioguide untersuchen
- 1Aufgabe: Ein Sportverein bezahlt einen öffentlichen Hörführer. Die Redaktion nutzt alte Mannschaftsfotos und Berichte über Siege. Trainingsbedingungen und Erfahrungen der Helfer fehlen. Eine Begleitseite nennt verwendete Vereinsunterlagen. Die Leitung möchte neue Mitglieder gewinnen; Besucherreaktionen wurden noch nicht untersucht.
- 2Akteure bestimmen: Der Verein finanziert das Angebot. Das Redaktionsteam gestaltet es.
- 3Auswahl prüfen: Mannschaftsfotos und Siege stehen im Mittelpunkt. Die fehlenden Trainingsbedingungen und Helfererfahrungen begrenzen die gezeigten Perspektiven.
- 4Medium und Publikum zuordnen: Der Hörführer ist das Medium. Mögliche neue Mitglieder sind das genannte Zielpublikum.
- 5Zweck und Wirkung trennen: Mitgliederwerbung ist beabsichtigt. Ob Besucher begeistert sind oder beitreten, ist damit nicht nachgewiesen.
- 6Urteil begründen: Die Quellenliste ermöglicht eine Prüfung, beseitigt die einseitige Auswahl aber nicht. Überprüfbare zusätzliche Perspektiven und echte Mitsprache könnten das Angebot erweitern.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zur Entwicklung der Public History In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Die letzte Aussage verwechselt den Beginn eines Studiengangs mit dem Beginn öffentlicher Geschichtsarbeit. Richtig: Öffentliche Geschichtsarbeit gab es bereits vor diesem Studiengang.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Der erste Public-History-Studiengang in Santa Barbara begann . Wer ein öffentliches Geschichtsangebot finanziert, klärst du unter dem Gesichtspunkt . Untersuchungen darüber, was Besucher tatsächlich empfinden oder lernen, betreffen die .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback