Geschichte · Klasse 5–10 · aktualisiert
Geschichtskultur: Geschichte im Alltag verstehen
Du erkennst Geschichte im Alltag und lernst, Angebote zu untersuchen: Wer zeigt Vergangenheit, wie wirkt das und wie gut ist es belegt?
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Kurz gesagt
Geschichtskultur umfasst den gesellschaftlichen Umgang mit Geschichte, etwa in Museen, Filmen und Denkmälern. Solche Angebote vermitteln Wissen, wecken Gefühle und können politische Ziele unterstützen.
Geschichte begegnet dir auch außerhalb des Unterrichts: auf Straßenschildern, im Kino oder bei einem Museumsbesuch. Menschen wählen dabei aus, was sie über die Vergangenheit zeigen. Du kannst untersuchen, was sie zeigen, für wen sie es tun und welche Absicht dahintersteckt.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
5 Abschnitte
Geschichtskultur umfasst die Formen, in denen Menschen gemeinsam mit Geschichte umgehen. Dazu gehören etwa Museen, Denkmäler, historische Romane, Filme und Gedenktage. Auch die Benennung einer Straße kann an Menschen oder Ereignisse erinnern.
Dabei ist Vergangenheit nicht dasselbe wie eine Erzählung über sie. Das vergangene Geschehen können wir nicht unmittelbar besuchen. Wir erschließen es aus erhaltenen Spuren, zum Beispiel alten Briefen und Gegenständen. Solche Zeugnisse heißen Quellen. Sie sind nur bruchstückhaft erhalten.
Menschen wählen aus diesen Spuren aus und erklären ihre Bedeutung. Deshalb zeigt ein Geschichtsangebot keinen vollständigen Ausschnitt der Vergangenheit wie durch ein Fenster. Es zeigt einen Umgang mit ihr. Auch die wissenschaftliche Erforschung gehört dazu: Forscher prüfen Zeugnisse und können frühere Erklärungen verbessern.
Definition
Geschichtskultur
Die Formen, in denen eine Gesellschaft Geschichte erforscht, zeigt, erzählt und zum Erinnern nutzt.
Merke: Ein Geschichtsangebot ist nicht die Vergangenheit selbst. Es beruht auf einer Auswahl und einer Erklärung.
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Beginne mit den Beteiligten: Wer hat das Angebot gemacht oder in Auftrag gegeben? Frage auch nach ihrer Ausbildung und ihren Erfahrungen. Das Publikum sind die Menschen, die erreicht werden sollen. Beteiligte stellen also etwas her oder ermöglichen es; das Publikum soll es ansehen, lesen oder nutzen.
Das Medium ist die Form der Vermittlung, etwa ein Buch, Film oder Lied. Eine Institution ist eine dauerhaft arbeitende Einrichtung, zum Beispiel ein Museum oder eine Schule. Unterscheide also die Einrichtung, die ein Angebot trägt, von der Form, in der es gezeigt wird.
Die Funktion meint, wozu ein Angebot dient. Es kann Wissen vermitteln, unterhalten, zum Nachdenken anregen oder politische Ziele unterstützen. Mehrere Funktionen können zusammenkommen. Prüfe dabei auch Interessen: Soll das Angebot etwa Besucher gewinnen oder Zustimmung zu einer politischen Entscheidung wecken? Wenn Angaben fehlen, hältst du die Frage offen.
| Blickpunkt | Deine Frage |
|---|---|
| Beteiligte | Wer gestaltet oder beauftragt das Angebot? |
| Publikum | An wen richtet es sich? |
| Medium | In welcher Form wird Geschichte vermittelt? |
| Funktion | Wozu dient das Angebot? |
| Institution | Welche Einrichtung trägt das Angebot? |
Beispiel: Beispieltext, ausgedacht: ein Hörangebot im Museum
- 1Ein Museum beauftragt einen Sprecher, einen Hörtext für Schulklassen aufzunehmen. Der Text soll Wissen vermitteln.
- 2Das Museum ist die tragende Einrichtung. Der Sprecher gehört zu den Beteiligten.
- 3Die Schulklassen sind das Publikum. Der Hörtext ist das Medium; die Wissensvermittlung ist seine Funktion.
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Der Geschichtsforscher Jörn Rüsen unterscheidet drei Seiten der Geschichtskultur. Sie helfen dir, genauer hinzusehen. Die kognitive Seite betrifft Wissen und Denken: Welche Aussagen werden gemacht, und wie lässt sich ihre Wahrheit prüfen?
Die ästhetische Seite betrifft Gestaltung und Fühlen. Dazu gehören etwa Bilder, Musik und die Wirkung eines Raums. Du untersuchst, wie das Angebot wirkt und welche Gefühle seine Gestaltung ansprechen kann. Schönheit ist dabei ein Gesichtspunkt; es geht nicht einfach darum, ob dir etwas gefällt.
Die politische Seite betrifft Macht und die Frage, wie sie gerechtfertigt wird. Du fragst zum Beispiel, ob ein Angebot Zustimmung zu einer Regierung wecken oder Herrschaft kritisieren soll. Das sind andere Fragen als die nach der Gestaltung oder der Richtigkeit einer Aussage.
Die drei Seiten hängen zusammen. Musik kann Gefühle ansprechen und zugleich eine politische Botschaft verstärken. Eine ansprechende Gestaltung beweist aber noch nicht, dass eine Aussage stimmt. Du benutzt die drei Seiten als Hilfen zum Untersuchen, nicht als getrennte Schubladen.
| Seite | Leitfrage |
|---|---|
| Wissen und Denken | Was wird behauptet, und wie ist es belegt? |
| Gestaltung und Fühlen | Wie wirken Bilder, Töne oder Räume? |
| Macht und politische Ziele | Welche politischen Ansprüche werden unterstützt oder kritisiert? |
Merke: Ein Angebot kann gleichzeitig Wissen vermitteln, Gefühle ansprechen und politischen Zielen dienen.
Teste dich
Jeder Mensch hat eigene Vorstellungen und Gefühle zur Vergangenheit. Das nennt man Geschichtsbewusstsein. Dabei hängt die Vorstellung von früher damit zusammen, wie jemand die Gegenwart versteht und was er sich für die Zukunft vorstellt. Solche Vorstellungen können sich verändern.
Gruppen erinnern gemeinsam, zum Beispiel an Gedenktagen. Sie wählen aus, was sie bewahren wollen. Das kann das Gefühl stärken, zusammenzugehören. Für solche Formen des Erinnerns wird der Begriff Erinnerungskultur verwendet. Manche Forscher fassen ihn sehr weit. Deshalb lässt er sich nicht scharf von Geschichtskultur abgrenzen.
Politik kann Vergangenheit nutzen, um heutige Ziele zu unterstützen. Das nennt man Geschichtspolitik. Dabei untersuchst du, wer Geschichte verwendet, mit welchen Mitteln und mit welcher Absicht. Nicht nur Regierungen können daran beteiligt sein. Auch andere Gruppen können um die Bedeutung eines Ereignisses oder Denkmals streiten.
Die drei Blickrichtungen gehören zusammen: Ein Mensch denkt über Vergangenheit nach, eine Gruppe erinnert gemeinsam, und politische Beteiligte nutzen Geschichte für ihre Ziele. Ein öffentliches Gedenken kann alle drei verbinden. Geschichtskultur umfasst die gesellschaftlichen Formen dieses Umgangs mit Geschichte; persönliche Vorstellungen stehen mit ihnen in Verbindung.
Merke: Persönliche Vorstellungen, gemeinsames Erinnern und politische Nutzung lassen sich unterscheiden. Bei einem öffentlichen Gedenken können sie zusammenkommen.
Teste dich
Beschreibe zuerst, was ein öffentliches Geschichtsangebot zeigt. Prüfe Beteiligte, Publikum, Medium, Funktion und tragende Einrichtung. Untersuche dann die Aussagen, die Gestaltung und mögliche politische Absichten. So begründest du dein Urteil mit Beobachtungen statt nur mit deinem ersten Eindruck.
Frage nach den Belegen: Auf welche Zeugnisse stützen sich die Aussagen? Was wurde ausgewählt, und welche wichtigen Gesichtspunkte fehlen? Prüfe auch, ob Erfundenes erkennbar ist. Historische Romane dürfen Personen und Situationen erfinden. Wissenschaftliche Geschichtsschreibung soll dagegen tatsächliche Vorgänge möglichst genau anhand von Quellen untersuchen.
Eine Dokumentation kann alte Aufnahmen, Kommentare und nachgestellte Szenen verbinden. Solche Szenen können die Grenze zwischen Information und Erfundenem verwischen. Anschaulichkeit allein belegt deshalb keine historische Aussage. Auch eine Werbebeschreibung verrät zunächst, wie ein Anbieter sein Angebot darstellen möchte.
Lege für dein Urteil offen, worauf du achtest: etwa verständliche Erklärungen, überprüfbare Aussagen oder die Kennzeichnung erfundener Teile. Wäge Stärken und Probleme ab. Wenn dir Belege fehlen, benennst du diese Grenze. Verschiedene Urteile können vertretbar sein, wenn sie gut begründet sind.
Definition
Begründetes Urteil
Du nennst deinen Maßstab, prüfst passende Beobachtungen und Belege und erklärst daraus deine Einschätzung.
Merke: Anschaulich und überzeugend zu wirken ist nicht dasselbe wie gut belegt zu sein.
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Alles auf einen Blick
Geschichtskultur
Alltag
Geschichte begegnet dir in vielen Formen, etwa in Museen, Filmen und Straßennamen.
Untersuchung
Frage nach Beteiligten, Publikum, Vermittlungsform, Zweck und tragender Einrichtung.
Drei Seiten
Wissen, Gestaltung und politische Ziele können in einem Angebot zusammenwirken.
Zusammenhänge
Persönliche Vorstellungen, gemeinsames Erinnern und politische Nutzung stehen miteinander in Verbindung.
Urteil
Prüfe Belege, Auswahl und Absichten und mache deinen Maßstab deutlich.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Beispieltext, ausgedacht: eine Denkmaltafel beurteilen
- 1Aufgabe: Eine Denkmaltafel erklärt, wer das Denkmal in Auftrag gab und wann es entstand. Sie nennt keine Belege und berichtet nicht über damalige Gegner. Beurteile ihren Nutzen für eine Untersuchung.
- 2Maßstab festlegen: Für die Untersuchung sind verständliche Angaben und überprüfbare Aussagen wichtig.
- 3Stärke benennen: Die Tafel bietet Angaben zum Auftraggeber und zur Entstehung. Damit gibt sie Ansatzpunkte für weitere Fragen.
- 4Grenze prüfen: Die Angaben lassen sich mit der Tafel allein nicht überprüfen. Über mögliche Gegner erfährt der Leser nichts.
- 5Urteil formulieren: Die Tafel eignet sich als Einstieg. Für ein genaueres Urteil müssen ihre Angaben geprüft und weitere Sichtweisen gesucht werden.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zu historischen Romanen In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Der Fehler liegt darin, Anschaulichkeit mit einem Beleg gleichzusetzen. Richtig: Anschaulichkeit allein belegt keine historische Aussage.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Beispieltext, ausgedacht: Ein Museum gibt eine Ausstellung in Auftrag. Familien werden als Besucher angesprochen. In dieser Rolle sind sie ihr . Eine Besucherin untersucht die Wirkung der Farben; damit betrachtet sie die Seite . Ein Begleitbuch erfindet Personen und Situationen und kennzeichnet sich deshalb als .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback