Geschichte · Klasse 9–10 · aktualisiert
Geschichtspolitik erkennen und analysieren
Du lernst, wie Geschichte politisch genutzt wird, wie du Auslassungen untersuchst und wie du Geschichtsdeutungen begründet beurteilst.
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Kurz gesagt
Geschichtspolitik nutzt Deutungen der Vergangenheit für heutige politische Zwecke. Sie kann Herrschaft rechtfertigen, Zusammengehörigkeit stärken oder kritisch aufklären. Ob sie dabei irreführt, musst du anhand von Belegen prüfen.
Wer öffentlich über Vergangenheit spricht, kann damit heutige Ziele verfolgen. Deshalb lohnt es sich, nach Auswahl, Absicht und Belegen zu fragen. Du lernst, politische Zwecke zu erkennen, ohne jede politische Nutzung von Geschichte für falsch zu halten.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
3 Abschnitte
Geschichtspolitik bedeutet, öffentliche Deutungen der Vergangenheit für heutige politische Zwecke zu nutzen. Sie kann Herrschaft rechtfertigen, das Gefühl von Zusammengehörigkeit stärken oder kritisch aufklären. Diese Zwecke können zusammen auftreten.
Geschichtswissenschaft untersucht historische Aussagen mit Quellen und nachvollziehbaren Methoden. Erinnerungskultur umfasst die unterschiedlichen Formen, in denen eine Gesellschaft an Vergangenheit erinnert. Geschichtspolitik richtet den Blick darauf, wie solche Deutungen politisch genutzt werden.
Die drei Bereiche überschneiden sich. Ein Forscher kann historische Aussagen sorgfältig prüfen und zugleich öffentlich politische Ziele verfolgen. Seine politische Absicht beweist deshalb noch nicht, dass seine Aussagen falsch sind. Entscheidend bleibt die Prüfung der Belege.
Definition
Legitimation
Legitimation bedeutet hier Rechtfertigung einer politischen Ordnung. Vergangenes soll begründen, warum eine heutige Ordnung Unterstützung verdient.
Merke: Forschung, gesellschaftliches Erinnern und politische Nutzung lassen sich unterscheiden. Sie können sich aber überschneiden.
Teste dich
Beginne mit den Akteuren: Wer handelt und stellt Geschichte öffentlich vor? Das können staatliche Stellen oder nichtstaatliche Gruppen sein. Untersuche dann das Medium, also die Form der Vermittlung. Dazu gehören etwa Reden, Ausstellungen, Gedenktage und Denkmäler. Frage auch, an wen sich das Angebot richtet.
Im folgenden Beispieltext, ausgedacht, handelt eine Regierung. Sie zeigt eine Ausstellung zur Geschichte ihrer politischen Ordnung. Beide kurzen Texte im Beispielblock gehören zum erfundenen Fall; sie sind keine historischen Zeugnisse. Eine öffentlich zugängliche Gegenpräsentation darf die Auswahl der Ausstellung kritisieren und Belege ergänzen.
Text A stellt erfolgreiche Reformen heraus. Reformen sind Veränderungen bestehender Regeln oder Einrichtungen. Text B nennt zusätzlich die damalige Kritik. Erst der Vergleich macht diese Auslassung erkennbar. Welche Einwände es genau waren und wie bedeutsam sie waren, bleibt in diesem knappen Beispiel offen.
Der Begleittext verbindet frühere Erfolge mit dem gewünschten Vertrauen in die heutige Regierung. Das ist eine beabsichtigte Wirkung. Ob Besucher tatsächlich mehr Vertrauen entwickeln, ist damit nicht belegt. Ohne Belege zu den Reaktionen des Publikums bleibt eine Aussage über die tatsächliche Wirkung eine begründete Vermutung.
Beispiel: Beispieltext, ausgedacht: Zwei Texte zu einer Regierungsausstellung
- 1Text A – vollständiger kurzer Begleittext der Ausstellung: Die erfolgreichen Reformen gehören zur Geschichte unserer politischen Ordnung. Diese Erfolge sind ein Grund, der heutigen Regierung zu vertrauen.
- 2Text B – vollständiger kurzer Vergleichstext: Zur Geschichte dieser politischen Ordnung gehören erfolgreiche Reformen. Menschen, die damals lebten, kritisierten diese Reformen auch. Ihre Einwände fehlen in der Ausstellung.
- 3Vergleich: Text A nennt die Erfolge als Vertrauensgrund. Text B weist zusätzlich auf damalige Kritik hin. Über die tatsächlichen Reaktionen der Besucher sagt keiner der beiden Texte etwas aus.
Merke: Eine Auslassung belegst du durch Vergleichsmaterial. Eine Absicht belegst du am Angebot; eine tatsächlich erreichte Wirkung braucht zusätzlich Belege über das Publikum.
Teste dich
Für dein Urteil hilft ein offenes Prüfraster. Pluralistisch bedeutet hier, dass widersprechende Sichtweisen Raum erhalten. Aufklärerisch ist eine überprüfbare, kritische Auseinandersetzung. Legitimierend heißt, dass eine politische Ordnung gerechtfertigt werden soll. Manipulativ bedeutet irreführende Beeinflussung, etwa durch eine Auslassung, die den Eindruck verfälscht. Diese Merkmale schließen sich nicht gegenseitig aus.
Nicht jede Auswahl führt in die Irre. Prüfe, ob etwas Wichtiges fehlt und wie sich dadurch die Aussage verändert. Nenne Belege und berücksichtige Gegenargumente. Bei der Regierungsausstellung ist die Absicht, Vertrauen zu gewinnen, erkennbar. Für ein begründetes Urteil über eine irreführende Wirkung müsstest du genauer wissen, welchen Umfang und welche Bedeutung die ausgelassene Kritik hatte.
Die erlaubte öffentliche Gegenpräsentation ist ein pluralistisches Element: Der Auswahl darf widersprochen werden. Eine kritische Ergänzung kann aufklären. Das macht die ursprüngliche Ausstellung aber nicht von selbst zuverlässig. Auch in einer Demokratie müssen historische Aussagen überprüft werden. Unterschiedliche Sichtweisen sind kein Freibrief für Behauptungen, die den Belegen widersprechen.
Autoritäre Systeme, in denen die Machthaber politische Freiheit stark einschränken, versuchen dagegen, die öffentliche Geschichtsdeutung zu beherrschen. Private Erinnerungen verschwinden dadurch nicht. Unterscheide auch beim Urteil zwischen einem politischen Ziel, einer möglichen Wirkung und einer belegten Reaktion.
| Merkmal | Prüffrage |
|---|---|
| Pluralistisch | Haben widersprechende Sichtweisen Raum? |
| Aufklärerisch | Ist eine kritische Prüfung anhand von Belegen möglich? |
| Legitimierend | Soll Vergangenheit eine politische Ordnung rechtfertigen? |
| Manipulativ | Wird der Eindruck etwa durch eine bedeutsame Auslassung verfälscht? |
Merke: Das Raster hilft dir beim Prüfen; es ist keine Liste getrennter Schubladen. Begründe dein Urteil mit Belegen und berücksichtige Gegenargumente.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Geschichtspolitik
Begriff
Geschichtspolitik nutzt Vergangenheitsdeutungen für heutige politische Zwecke.
Überschneidung
Forschung, gesellschaftliches Erinnern und politische Nutzung sind nicht starr getrennt.
Untersuchung
Prüfe Akteure, Vermittlungsform, angesprochenes Publikum, Auswahl und Auslassungen.
Wirkung
Ein gewünschtes Ergebnis ist noch keine belegte Reaktion des Publikums.
Urteil
Prüfe mit Belegen und Gegenargumenten, ob eine Deutung pluralistisch, aufklärerisch, legitimierend oder manipulativ wirkt.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Beispieltext, ausgedacht: Eine Wirkungsbehauptung prüfen
- 1Aufgabe: Eine staatliche Stelle nutzt einen Gedenktag, um Zusammengehörigkeit zu stärken. Ein Schüler folgert daraus, das Publikum fühle sich nun stärker verbunden. Angaben zu Publikumsreaktionen liegen nicht vor.
- 2Absicht bestimmen: Das gewünschte Ergebnis ist ein stärkeres Gefühl von Zusammengehörigkeit.
- 3Behauptung prüfen: Der Schüler beschreibt eine tatsächliche Wirkung. Dafür reichen Angaben zum Ziel der staatlichen Stelle nicht aus.
- 4Ergebnis formulieren: Der Gedenktag soll Zusammengehörigkeit stärken. Ob das gelingt, bleibt ohne Belege zu den Publikumsreaktionen offen.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zur öffentlichen Arbeit eines Forschers In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage macht die politische Absicht zu einem Beweis für falsche Aussagen. Richtig: Eine politische Absicht beweist nicht, dass historische Aussagen falsch sind.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Beim Prüfen historischer Aussagen mit Quellen und Methoden steht die im Mittelpunkt. Im ausgedachten Ausstellungsfall handelt als staatlicher Akteur eine . Wenn vergangene Erfolge eine heutige politische Ordnung rechtfertigen sollen, ist diese Absicht .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback