Geschichte · Klasse 9–10 · aktualisiert
Gleichschaltung im Nationalsozialismus erklärt
Du lernst, wie die Nationalsozialisten 1933/34 Organisationen unterordneten und wie dabei staatlicher Zwang, Terror und eigene Anpassung zusammenwirkten.
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Kurz gesagt
„Gleichschaltung“ bezeichnet die Ausrichtung staatlicher und gesellschaftlicher Organisationen auf die Partei der Nationalsozialisten, die NSDAP. Dabei verloren Organisationen ihre Selbstständigkeit. Das technische Wort verdeckt Gewalt, Verfolgung und Ausschluss.
Ein Sportverein und eine Landesregierung haben unterschiedliche Aufgaben. Unter der nationalsozialistischen Diktatur verloren staatliche und gesellschaftliche Organisationen ihre Selbstständigkeit. Du untersuchst, wie staatliche Eingriffe und Verfolgung mit der eigenen Beteiligung von Organisationen zusammenwirkten.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
3 Abschnitte
Mit „Gleichschaltung“ ist die Ausrichtung staatlicher und gesellschaftlicher Organisationen auf die NSDAP gemeint, die Partei der Nationalsozialisten. Organisationen verloren dabei ihre Selbstständigkeit. Das betraf also sowohl den Staat als auch das gesellschaftliche Leben.
Das Wort stammt aus der Elektrotechnik. Es klingt nach einem technischen Vorgang. Tatsächlich verfolgten die Nationalsozialisten politische Gegner. Organisationen übernahmen rassistische Regeln, mit denen sie Menschen ausschlossen. Das technische Wort lässt diese Gewalt und Ausgrenzung in den Hintergrund treten. Deshalb verwenden wir es in Anführungszeichen und erklären, was dahinterstand.
„Gleichschaltung“ bedeutete weder gleiche Rechte für Menschen noch die freie Zustimmung der gesamten Gesellschaft. Gemeint ist die Unterordnung von Organisationen. Daraus lässt sich nicht ableiten, dass alle Menschen innerlich zustimmten.
Definition
„Gleichschaltung“
Ausrichtung staatlicher und gesellschaftlicher Organisationen auf die NSDAP unter Verlust ihrer Selbstständigkeit. Das technische Wort verharmlost dabei Gewalt, Verfolgung und Ausschluss.
Beispiel: Das Wort und die Vorgänge dahinter
- 1Die Herkunft aus der Elektrotechnik lässt an einen technischen Vorgang denken.
- 2Politische Verfolgung und rassistischer Ausschluss waren dagegen Eingriffe in das Leben von Menschen.
- 3Wer den Begriff erklärt, muss deshalb die Gewalt hinter dem technischen Wort sichtbar machen.
Teste dich
Die Reichsregierung, also die Regierung des deutschen Staates, verband Eingriffe in die Verwaltung mit nationalsozialistischer Gewalt auf der Straße. Die Gesetze vom 31. März und 7. April 1933 stärkten ihre Kontrolle über die Länder. Länder waren Teile des Staates mit eigenen Regierungen und Parlamenten. Reichsstatthalter wurden den Landesregierungen übergeordnet. Diese Amtsträger standen damit über den Regierungen der Länder.
Das Gesetz vom 30. Januar 1934 hob die Länderparlamente auf. Es übertrug außerdem staatliche Entscheidungsrechte der Länder auf das Reich. Die Macht wurde damit bei der Reichsregierung gebündelt. Dass dies durch ein Gesetz geschah, machte den Eingriff nicht zu einer demokratischen Entscheidung.
Die Nationalsozialisten verfolgten politische Gegner. Besonders Funktionäre der beiden politischen Parteien KPD und SPD wurden verschleppt und eingesperrt. Funktionäre sind Personen, die Aufgaben in einer Organisation übernehmen. Am 22. Juni 1933 wurde die SPD verboten.
Auch gesellschaftliche Organisationen beteiligten sich: Viele übernahmen rassistische Ausschlussregeln ohne staatlichen Zwang, darunter Sport- und Gesangsvereine. Bis Sommer 1934 war die Unterordnung wichtiger Verbände, also größerer Zusammenschlüsse, weit fortgeschritten. Das bedeutet weder, dass jede Organisation vollständig kontrolliert wurde, noch dass alle Menschen zustimmten.
| Datum | Eingriff |
|---|---|
| 31. März 1933 | Ein Gesetz stärkte die Kontrolle der Reichsregierung über die Länder. |
| 7. April 1933 | Ein weiteres Gesetz stärkte die Kontrolle der Reichsregierung über die Länder. |
| 22. Juni 1933 | Die SPD wurde verboten. |
| 30. Januar 1934 | Ein Gesetz hob die Länderparlamente auf und übertrug staatliche Länderrechte auf das Reich. |
Merke: Die Nationalsozialisten nutzten staatliche Eingriffe und Gewalt. Auch Organisationen selbst trugen durch rassistische Ausschlüsse zur Unterordnung bei.
Teste dich
Die Unterordnung der Länder zeigt staatlichen Zwang: Die Reichsregierung griff durch Gesetze in ihre Selbstständigkeit ein. Terror bedeutet hier die Verfolgung und Einschüchterung politischer Gegner durch Gewalt. Dazu gehörte, dass Nationalsozialisten Menschen verschleppten und einsperrten.
Eigene Anpassung zeigt sich dagegen daran, dass viele Organisationen rassistische Ausschlussregeln auch ohne staatlichen Zwang übernahmen. Darunter waren Sport- und Gesangsvereine. Sie trugen selbst zu diskriminierender Ausgrenzung bei, also zur Benachteiligung und zum Ausschluss von Menschen. Nicht jeder Anpassungsschritt ging damit auf einen unmittelbaren staatlichen Befehl zurück.
Diese Bestandteile wirkten zusammen. Freiwillige Beteiligung einzelner Organisationen ist kein Beweis für die freie Zustimmung der gesamten Gesellschaft. Aus einer beobachteten Anpassung allein kannst du auch nicht sicher auf die Beweggründe jedes Beteiligten schließen. Sie kann mit Zustimmung oder mit Druck zusammenhängen. Du musst deshalb zwischen einer Handlung, einem nachweisbaren Zwang und vermuteten Beweggründen unterscheiden.
| Bestandteil | Woran erkennst du ihn? |
|---|---|
| Staatlicher Zwang | Die Reichsregierung veränderte durch Gesetze die Stellung der Länder. |
| Terror | Nationalsozialisten verfolgten politische Gegner, verschleppten sie und sperrten sie ein. |
| Eigene Anpassung | Viele Organisationen übernahmen rassistische Ausschlussregeln ohne staatlichen Zwang. |
Merke: Unterscheide die Mittel der Unterordnung. Die eigene Beteiligung von Organisationen beweist weder die Zustimmung aller Menschen noch die Beweggründe jedes Einzelnen.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Gleichschaltung
Begriff
„Gleichschaltung“ bezeichnet die Ausrichtung von Organisationen auf die NSDAP und den Verlust ihrer Selbstständigkeit.
Verharmlosung
Das technische Wort verdeckt Verfolgung, Gewalt und Ausschluss.
Staat
Die Reichsregierung stärkte durch Gesetze ihre Kontrolle über die Länder.
Terror
Nationalsozialisten verschleppten politische Gegner und sperrten sie ein.
Beteiligung
Viele Organisationen übernahmen rassistische Ausschlussregeln auch ohne staatlichen Zwang.
Grenze
Die eigene Beteiligung von Organisationen belegt keine freie Zustimmung der gesamten Gesellschaft.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Die Aufhebung der Länderparlamente einordnen
- 1Aufgabe: Erkläre, wie das Gesetz vom 30. Januar 1934 die Selbstständigkeit der Länder einschränkte.
- 2Maßnahme bestimmen: Das Gesetz hob die Länderparlamente auf und übertrug staatliche Entscheidungsrechte der Länder auf das Reich.
- 3Veränderung erklären: Die Länder verloren damit eigene Entscheidungsrechte. Die Macht wurde bei der Reichsregierung gebündelt.
- 4Einordnen: Hier zeigt sich staatlicher Zwang durch ein Gesetz. Die Gesetzesform ist kein Beleg dafür, dass die Entscheidung demokratisch war.
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Prüfe die Aussagen zur Beteiligung von Organisationen In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage macht aus staatlichem Zwang eine Erklärung für jeden Anpassungsschritt. Richtig: Nicht jeder Anpassungsschritt ging auf einen unmittelbaren staatlichen Befehl zurück. Viele Organisationen übernahmen rassistische Ausschlussregeln auch ohne staatlichen Zwang.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Das Verbot der SPD erfolgte am . Das Gesetz zur Aufhebung der Länderparlamente stammt vom . Zu den gesellschaftlichen Organisationen, die rassistische Ausschlussregeln auch ohne staatlichen Zwang übernahmen, gehörten .
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