Geschichte · Klasse 7–10 · aktualisiert
Nation: Bedeutung, Entstehung und Abgrenzung
Du lernst, was Nation bedeutet, wie sich der Begriff verändert hat und wie sich Zugehörigkeit von ausgrenzendem Nationalismus unterscheidet.
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Kurz gesagt
Eine Nation ist eine große Menschengruppe, die sich durch bewusste Gemeinsamkeiten verbunden fühlt. Dazu können Kultur, Geschichte oder politische Werte gehören. Eine Nation ist deshalb nicht dasselbe wie ein Staat.
Bei einem Länderspiel vertreten Sportler auch ihre Nation. Aber was verbindet Menschen zu einer Nation: ihre Sprache, ihre Geschichte oder gemeinsame politische Werte? Du lernst verschiedene Antworten kennen und prüfst, wo Zugehörigkeit in Ausgrenzung übergeht.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
5 Abschnitte
Eine Nation ist eine große Menschengruppe, deren Mitglieder sich durch Gemeinsamkeiten verbunden fühlen. Das können Sprache, Geschichte oder eine Verfassung sein, also die rechtliche Grundordnung eines Staates. Wirtschaftliche, politische und kulturelle Beziehungen gehören ebenfalls dazu. Nationen besitzen eine gemeinsame staatliche Organisation oder streben sie an.
Welche Gemeinsamkeiten zählen, wird unterschiedlich beantwortet. Manche Vorstellungen betonen Kultur und Traditionen, andere gemeinsame politische Werte und den Wunsch, zusammenzuleben. Nationale Zugehörigkeit entsteht dadurch, dass Menschen sich und andere einer solchen Gemeinschaft zurechnen. Sie ist historisch veränderlich.
Ein einzelnes Merkmal reicht nicht als sichere Regel. Brasilien und Portugal bilden trotz ihrer Verbindung zur portugiesischen Sprach- und Kulturwelt keine gemeinsame Nation. Beide haben unterschiedliche Entwicklungen zur Bildung ihrer Staaten durchlaufen. Eine gemeinsame Sprache allein macht also noch keine gemeinsame Nation.
Definition
Nation
Eine große Menschengruppe, die sich durch bewusste Gemeinsamkeiten verbunden fühlt. Welche Gemeinsamkeiten entscheidend sind, hängt von der jeweiligen Vorstellung von Nation ab.
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Die Vorstellung einer Staatsnation betont den Willen der Staatsbürger, politisch zusammenzuleben. Gemeinsame politische Werte und eine gemeinsame staatliche Ordnung verbinden sie. Eine Staatsnation setzt deshalb keine gemeinsame Sprache voraus.
Die Vorstellung einer Kulturnation betont dagegen Sprache, Kultur, Geschichte und Traditionen. Häufig gehört dazu auch die Vorstellung gemeinsamer Abstammung. Eine Kulturnation muss nicht in einem einzigen Staat leben: Auch ein Kulturraum über Staatsgrenzen hinweg kann Menschen national verbinden.
Diese Begriffe helfen beim Vergleichen. Sie sind aber keine einfache Einteilung in gute und schlechte Nationen. Auch bei der Bildung einer Staatsnation wurde Zugehörigkeit häufig mit dem Zwang verbunden, eigene kulturelle Besonderheiten aufzugeben. Gemeinsame politische Werte allein garantieren also noch keinen respektvollen Umgang mit Unterschieden.
| Frage | Staatsnation | Kulturnation |
|---|---|---|
| Was verbindet? | Wille zum politischen Zusammenleben und gemeinsame politische Werte | Sprache, Kultur, Geschichte und Traditionen |
| Welche Rolle spielt der Staat? | Die gemeinsame staatliche Ordnung steht im Mittelpunkt. | Die Gemeinschaft kann über Staatsgrenzen hinausreichen. |
Beispiel: Die Schweiz als Beispiel
- 1Die Schweiz gilt als Willensnation: Der Wille zum gemeinsamen politischen Leben steht im Mittelpunkt.
- 2In der Schweiz leben deutsch-, französisch-, italienisch- und rätoromanischsprachige Bevölkerungsgruppen.
- 3Dieses Beispiel zeigt: Eine Staatsnation braucht keine gemeinsame Sprache.
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Nation bezeichnet eine Gemeinschaft, die sich durch bestimmte Gemeinsamkeiten verbunden fühlt. Staat meint dagegen die politische und rechtliche Organisation. Zu den üblichen Merkmalen eines Staates zählen ein Staatsgebiet, ein Staatsvolk und Staatsgewalt. Staatsgewalt bedeutet die Macht, verbindliche Regeln festzulegen und durchzusetzen, etwa mithilfe einer Verwaltung.
Zum Staatsvolk gehören nach der heute vorherrschenden rechtlichen Auffassung die Staatsangehörigen und möglicherweise rechtlich gleichgestellte Personen. Entscheidend ist die rechtliche Zugehörigkeit, nicht eine gemeinsame Herkunft. Auch ein Staat, in dem mehrere nationale Gruppen leben, hat nur ein Staatsvolk.
Bevölkerung meint dagegen alle Menschen mit Wohnsitz im Staatsgebiet. Ausländische Bewohner gehören deshalb zur Bevölkerung, aber nicht allein wegen ihres Wohnsitzes zum Staatsvolk. Ein ausländischer Durchreisender unterliegt während seines Aufenthalts der Staatsgewalt, ohne dadurch zum Staatsvolk zu gehören.
Im Nationalstaat werden staatliche Ordnung und nationale Gemeinschaft miteinander verbunden. Das bedeutet nicht, dass alle Staatsangehörigen dieselbe Sprache, Herkunft oder nationale Zugehörigkeit haben. Das Deutsche Reich von 1871 umfasste etwa auch Dänen und eine polnische Minderheit.
Merke: Nation fragt nach gemeinsamer Zugehörigkeit, Staat nach politischer Organisation und Staatsvolk nach rechtlicher Mitgliedschaft. Ein Nationalstaat verbindet Staat und Nation, kann aber nationale Minderheiten umfassen.
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An frühen europäischen Universitäten bezeichnete man Gruppen von Studenten aus bestimmten Regionen als Nationen. Das war noch nicht der heutige Begriff einer politischen Gemeinschaft mit gemeinsamer staatlicher Ordnung.
Seit dem 16. Jahrhundert gewann das Wort im Französischen als Bezeichnung für ein Volk mit politisch-staatlicher Einheit und gemeinsamer Geschichte an Bedeutung. In der Französischen Revolution von 1789–1799 verbreitete sich ein politisches Verständnis: Die höchste staatliche Entscheidungsgewalt sollte bei der Nation liegen. Damit verbanden sich Menschen- und Bürgerrechte sowie der Anspruch, selbst über die politische Ordnung zu bestimmen.
Der Redner Ernest Renan erklärte 1882, gemeinsame Erinnerungen und der Wunsch, gegenwärtig und künftig zusammenzuleben, machten eine Nation aus. Nach seiner Auffassung waren weder Sprache noch Religion allein entscheidend. Das ist eine bestimmte Deutung von Nation, keine für alle Zeiten geltende Definition.
Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts gewann außerdem der integrale Nationalismus Bedeutung. Diese Richtung stellte die eigene Nation über andere Werte und lehnte die Gleichberechtigung aller Nationen ab. Der Wandel war also keine einfache Entwicklung zu mehr Freiheit: Nationale Ideen konnten Rechte begründen, aber auch Überlegenheit und aggressive Politik rechtfertigen.
| Zeit | Vorstellung von Nation |
|---|---|
| An frühen europäischen Universitäten | Studentengruppen aus bestimmten Regionen heißen Nationen. |
| Französische Revolution, 1789–1799 | Die Nation soll Träger der höchsten staatlichen Entscheidungsgewalt sein. |
| 1882 | Renan betont gemeinsame Erinnerungen und den Willen zum Zusammenleben. |
| Letztes Drittel des 19. Jahrhunderts | Integraler Nationalismus stellt die eigene Nation über andere Werte. |
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Nationales Zugehörigkeitsgefühl bedeutet, sich mit einer Nation verbunden zu fühlen. Es kann Zusammenhalt und gegenseitige Unterstützung stärken. Nationalhymnen bei olympischen Siegerehrungen oder Fußballländerspielen können diese Verbindung sichtbar machen. Daraus allein folgt noch keine Abwertung anderer Nationen.
Nationalismus bezeichnet wissenschaftlich eine auf Nation und Nationalstaat gerichtete Ideologie, also ein System politischer Vorstellungen. Sie verbindet große Gruppen durch Abgrenzung von anderen. Das Wort wurde historisch unterschiedlich gebraucht: Demokratischer Nationalismus verband sich mit Menschen- und Bürgerrechten. Integraler Nationalismus stellte dagegen die eigene Nation über andere Werte und bestritt die Gleichberechtigung anderer Nationen.
Prüfe deshalb nicht nur, ob jemand Verbundenheit mit seiner Nation zeigt. Entscheidend ist auch, wie er andere behandelt. Ausgrenzender Nationalismus behauptet die Überlegenheit der eigenen Nation oder verweigert anderen gleiche Rechte. Nationale Verbundenheit kann dagegen auch mit Selbstkritik zusammengehen.
Der Historiker Heinrich August Winkler fordert, Stolz auf Gelungenes mit der Bereitschaft zu verbinden, dunkle Seiten der eigenen Geschichte anzuerkennen. Er verlangt keine Schuldgefühle für Taten vor der eigenen Geburt, wohl aber Verantwortung für den Umgang mit der ganzen Geschichte des Landes.
Merke: Verbundenheit allein beweist keine Überlegenheit. Prüfe, ob andere Nationen als gleichberechtigt anerkannt oder abgewertet werden.
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Alles auf einen Blick
Nation
Bedeutung
Nation kann durch kulturelle Gemeinsamkeiten oder durch politischen Willen und gemeinsame Werte bestimmt werden.
Vergleich
Die Staatsnation betont politisches Zusammenleben, die Kulturnation kulturelle Verbindungen.
Unterscheidung
Staat ist die politische Organisation, Staatsvolk die rechtlich zugehörige Gemeinschaft. Ein Nationalstaat kann nationale Minderheiten umfassen.
Wandel
Aus einer älteren Bezeichnung für regionale Studentengruppen entwickelte sich auch ein politischer Nationsbegriff.
Abgrenzung
Nationale Verbundenheit bedeutet nicht zwangsläufig Abwertung. Ausgrenzender Nationalismus bestreitet anderen Gleichberechtigung.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Renans Verständnis von Nation erschließen
- 1Aufgabe: Erkläre, welche Rolle der gemeinsame Wille in Ernest Renans Rede von 1882 spielt.
- 2Aussage erfassen: Renan betont gemeinsame Erinnerungen und den Wunsch, gegenwärtig und künftig zusammenzuleben.
- 3Begriffe zuordnen: Der gemeinsame Wille passt zur Vorstellung einer Staatsnation.
- 4Grenze benennen: Sprache oder Religion allein machen nach Renans Auffassung noch keine Nation aus.
- 5Ergebnis formulieren: Renan versteht Nation als eine Gemeinschaft, deren Mitglieder gemeinsam weiterleben wollen. Das ist seine Deutung des Begriffs.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zu Brasilien und Portugal In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage setzt sprachlich-kulturelle Verbindung mit nationaler Einheit gleich. Richtig: Brasilien und Portugal bilden keine gemeinsame Nation.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
An frühen europäischen Universitäten bezeichnete man Gruppen von aus bestimmten Regionen als Nationen. Die rechtliche Zugehörigkeit zu einem Staat bestimmt die Mitgliedschaft im . Bei der Vorstellung der Kulturnation stehen gemeinsame im Mittelpunkt.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback