Geschichte · Klasse 5–8 · aktualisiert
Bürger: Rechte, Pflichten und Bedeutungen
Du lernst, wie sich Bürger und Einwohner unterscheiden, welche Rechte und Pflichten dazugehören und was mit Bürgertum gemeint ist.
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Kurz gesagt
Bürger bezeichnet rechtlich die Zugehörigkeit zu einem Staat oder einer Gemeinde. Einwohner ist, wer dort wohnt; im Alltag werden beide Wörter oft gleich verwendet. Bürgertum meint dagegen eine gesellschaftliche Gruppe.
Reicht es, in einer Stadt zu wohnen, um dort Bürger zu sein? Im Alltag klingt das oft so. Rechtlich kommt es aber darauf an, welche Zugehörigkeit und welche Rechte gemeint sind. Außerdem hat das Wort Bürger im Lauf der Geschichte verschiedene Bedeutungen bekommen.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Ein Einwohner ist jemand, der an einem Ort wohnt. Das Wort Bürger wird im Alltag häufig ebenfalls für alle Einwohner verwendet. Dabei können auch Menschen gemeint sein, die dort keine Bürgerrechte besitzen.
Rechtlich musst du genauer unterscheiden: Ein Staatsbürger besitzt die Staatsangehörigkeit eines Staates. Damit ist seine rechtliche Zugehörigkeit zu diesem Staat gemeint. Der Wohnort allein sagt deshalb nicht, welche Staatsangehörigkeit jemand hat.
Auch bei einer Gemeinde sind Einwohner und Bürger nicht einfach dasselbe. Welche Voraussetzungen für Bürgerrechte gelten, hängt von den jeweiligen Regeln ab. Frage deshalb bei dem Wort Bürger zuerst: Geht es um den alltäglichen Sprachgebrauch oder um eine rechtliche Zugehörigkeit?
Definition
Staatsangehörigkeit
Staatsangehörigkeit bedeutet die rechtliche Zugehörigkeit eines Menschen zu einem Staat.
Beispiel: Beispieltext, ausgedacht: eine Einladung im Ort
- 1Auf einer Einladung steht: „Alle Bürger unseres Ortes sind willkommen.“
- 2Der Verfasser meint damit alle Menschen, die dort wohnen.
- 3Hier wird Bürger im alltäglichen Sinn verwendet. Die Einladung sagt nichts über die Staatsangehörigkeit der Menschen aus.
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Ein Bürgerstatus ist eine rechtliche Stellung: Zu ihr gehören Rechte und Pflichten. Ein Recht erlaubt oder schützt etwas. Eine Pflicht verlangt, dass jemand etwas tut. Welche Rechte und Pflichten gelten, hängt von Ort und Zeit ab.
In einer mittelalterlichen Stadt gehörten für Bürger verschiedene Steuern, Wach- und Wehrdienst sowie Arbeit bei öffentlichen Bauarbeiten zu den Pflichten. Sie mussten also Geld beitragen, die Stadt bewachen und verteidigen oder bei Bauarbeiten mithelfen. Andere Einwohner hatten diese Pflichten nicht oder in geringerem Maß.
Dafür hatten Bürger besondere Rechte. Die Stadt schützte sie rechtlich gegen Forderungen von außen, etwa wenn jemand Geld von ihnen verlangte. Bürger konnten auch politisch mitwirken. Diese Teilnahme war oft nach Einkommen abgestuft: Bürger hatten also nicht unbedingt gleich viel Einfluss.
Eine Verfassung legt fest, wie ein Staat regiert wird und welche Rechte und Pflichten die Bürger haben. In einer Demokratie bestimmt das Volk mit. Demokratische Verfassungen sichern Menschenrechte, also Rechte zum Schutz jedes Menschen. Sie sichern auch politische Mitbestimmung durch Wahlen und ein Parlament, eine Versammlung gewählter Vertreter.
Die französische Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 zeigt, wie Rechte und Pflichten zusammengehören sollten. Sie verlangte eine allgemeine Bürgersteuer. Wie viel jemand zahlen sollte, sollte sich nach seinem Vermögen richten. Zugleich sollten Bürger persönlich oder durch Vertreter die Steuern prüfen, ihnen zustimmen und ihre Verwendung überwachen dürfen. Das war ein festgeschriebener Anspruch. Die politische Beteiligung galt praktisch für erwachsene, steuerzahlende Männer.
Definition
Verfassung
Eine Verfassung enthält Regeln darüber, wie ein Staat regiert wird, und legt Rechte und Pflichten der Bürger fest.
Merke: Frage beim Bürgerstatus nach beiden Seiten: Welche Rechte hat jemand, und welche Pflichten gehören dazu? Prüfe auch, für wen die Regeln gelten.
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Im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit waren Bürger vor allem freie Stadtbewohner mit vollem Bürgerrecht, insbesondere Kaufleute und Handwerker. Die Frühe Neuzeit ist die Zeit nach dem Mittelalter. Bloß in der Stadt zu wohnen, reichte für das Bürgerrecht nicht aus.
Zumindest im frühen und hohen Mittelalter war der Besitz eines grundsteuerpflichtigen Anwesens eine notwendige Voraussetzung. Ein Anwesen ist hier ein Grundstück mit einem Gebäude. Grundsteuer ist eine Steuer auf Grundbesitz. Ein kleines Haus auf dem Grundstück eines anderen Bürgers genügte zunächst nicht. Später konnten zunehmend auch Einwohner ohne eigenen Grundbesitz Bürger werden. Die Regeln blieben also nicht unverändert.
Das mittelalterliche Bürgerrecht musste beantragt werden. Es wurde nicht einfach vererbt und galt auch nicht auf Lebenszeit. Fiel eine Voraussetzung weg, konnte es verloren gehen. Übernahm etwa ein Sohn das Anwesen seines Vaters, konnte er damit das Bürgerrecht beantragen; der Vater verlor das daran gebundene Bürgerrecht.
Moderne Staatsbürgerschaft bezeichnet dagegen die rechtliche Zugehörigkeit zu einem Staat. Das mittelalterliche Stadtbürgerrecht und die moderne Staatsbürgerschaft beziehen sich somit auf unterschiedliche Gemeinschaften. Du darfst die damaligen Voraussetzungen nicht einfach auf heutige Staatsbürger übertragen.
In der Schweiz sind die Ebenen allerdings miteinander verbunden: Zum Schweizer Bürgerrecht gehört grundsätzlich auch ein Gemeindebürgerrecht. Dieses wird von einer Gemeinde verliehen und ist vererbbar. Die Regeln unterscheiden sich zwischen den Kantonen, also den einzelnen Teilen der Schweiz mit eigenen politischen Regeln.
| Bedeutung | Zugehörigkeit |
|---|---|
| Mittelalterliches Stadtbürgerrecht | Besondere rechtliche Stellung innerhalb einer Stadt |
| Moderne Staatsbürgerschaft | Rechtliche Zugehörigkeit zu einem Staat |
| Gemeindebürgerrecht in der Schweiz | Von einer Gemeinde verliehenes, vererbbares Recht; Regeln unterscheiden sich zwischen Kantonen |
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Wenn du Bürger als Rechtsbegriff verwendest, fragst du nach einer rechtlichen Zugehörigkeit und den damit verbundenen Rechten und Pflichten. Bei Staatsbürgern geht es um die Staatsangehörigkeit, nicht um ihre gesellschaftliche Stellung.
Bürgertum ist dagegen eine soziale Bezeichnung. Sozial meint hier die Stellung von Menschen in der Gesellschaft. Im 19./20. Jahrhundert bezeichnete Bürger auch Angehörige einer Schicht, die durch Besitz, Bildung und Einstellungen bestimmt war. Eine Schicht ist eine Gruppe von Menschen mit ähnlicher gesellschaftlicher Stellung.
Dieses Bürgertum unterschied sich vom Adel, von Geistlichen, Bauern und ärmeren Schichten einschließlich Arbeitern. Der Adel war eine gesellschaftliche Gruppe mit eigenen Rechten. Geistliche sind Menschen mit einem religiösen Amt. Zur Unterscheidung dieser Gruppen dienten unter anderem Besitz, Bildung und Lebensführung, also die Art, wie Menschen lebten.
Die beiden Bedeutungen beantworten also verschiedene Fragen. Die Staatsangehörigkeit sagt, welchem Staat jemand rechtlich angehört. Die Bezeichnung Bürgertum ordnet Menschen gesellschaftlich ein. Aus der Staatsangehörigkeit allein kannst du deshalb nicht auf die Zugehörigkeit zum Bürgertum schließen.
Merke: Staatsbürger beschreibt eine rechtliche Zugehörigkeit. Bürgertum beschreibt eine gesellschaftliche Gruppe. Die Wörter klingen ähnlich, meinen aber Verschiedenes.
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Alles auf einen Blick
Bürger
Einwohner
Wer an einem Ort wohnt, ist dort Einwohner; im Alltag werden Einwohner häufig auch Bürger genannt.
Staatsbürger
Entscheidend ist die Staatsangehörigkeit und damit die rechtliche Zugehörigkeit zu einem Staat.
Rechte und Pflichten
Zum mittelalterlichen Bürgerrecht gehörten besondere Rechte, aber auch Steuern und Dienste.
Vergleich
Mittelalterliches Stadtbürgerrecht bezog sich auf eine Stadt; moderne Staatsbürgerschaft auf einen Staat.
Bürgertum
Die soziale Bezeichnung meint eine gesellschaftliche Schicht und keine Staatsangehörigkeit.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Recht und Pflicht bei Steuern unterscheiden
- 1Aufgabe: Erkläre, wie die französische Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 bei Steuern Rechte und Pflichten verband.
- 2Pflicht erkennen: Eine allgemeine Bürgersteuer sollte nach Vermögen gleichmäßig verteilt werden. Wie viel jemand zahlen sollte, sollte sich nach seinem Vermögen richten.
- 3Recht erkennen: Bürger sollten persönlich oder durch Vertreter Steuern prüfen, ihnen zustimmen und ihre Verwendung überwachen dürfen.
- 4Zusammenhang erklären: Bürger sollten Geld beitragen und zugleich über die Steuern mitbestimmen können.
- 5Grenze nennen: Die politische Beteiligung galt praktisch für erwachsene, steuerzahlende Männer. Du darfst den Anspruch deshalb nicht mit gleichen politischen Rechten für alle gleichsetzen.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zum Bürgerrecht in der Schweiz In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage überträgt die fehlende Vererbbarkeit des mittelalterlichen Stadtbürgerrechts auf die Schweiz. Richtig: In der Schweiz ist das Gemeindebürgerrecht vererbbar.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Zumindest im frühen und hohen Mittelalter verlangte das Bürgerrecht den Besitz . In mittelalterlichen Städten war die politische Teilnahme der Bürger oft nach abgestuft. Im 19./20. Jahrhundert bezeichnete Bürgertum eine durch sowie Einstellungen bestimmte Schicht.
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