Geschichte · Klasse 5–8 · aktualisiert
Bürgertum: Bedeutung, Gruppen und Geschichte
Du lernst, wie sich das Bürgertum wandelte, welche Gruppen dazugehörten und wie du Aussagen über seine Werte und Geschichte prüfst.
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Kurz gesagt
Bürgertum meinte im Mittelalter vor allem freie Stadtbewohner mit vollem Bürgerrecht. Im 19. und 20. Jahrhundert bezeichnete es eine gesellschaftliche Gruppe, die Besitz, Bildung und bestimmte Einstellungen kennzeichneten.
Ein Kaufmann, ein Universitätslehrer und ein Handwerker konnten zum Bürgertum gehören. Trotzdem hatten sie unterschiedliche Berufe, Vermögen und Interessen. Du lernst, was sie verband und warum das Wort „Bürger“ nicht zu jeder Zeit dasselbe bedeutete.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit, der Zeit danach, meinte Bürgertum vor allem freie Stadtbewohner mit vollem Bürgerrecht. Dazu gehörten insbesondere Kaufleute und Handwerker. Entscheidend war eine rechtliche Stellung in der Stadt, nicht bloß die Adresse.
Bürger bildeten einen Stand, also eine gesellschaftliche Gruppe mit eigenen Rechten und einer bestimmten Stellung. Vertreter der Städte trafen sich mit Vertretern anderer Stände, etwa des Adels und der Geistlichen. Geistliche übernehmen religiöse Aufgaben im Dienst der Kirche. Gemeinsam traten diese Vertreter dem Landesherrn gegenüber, also dem Herrscher des jeweiligen Landes. Dabei konnten die städtischen Vertreter zum Beispiel Steuern bewilligen: Sie entschieden über die Zustimmung zu Steuern mit.
Ein Gesetz von 1794 aus Preußen, einem damaligen Staat, unterschied ausdrücklich zwischen Stadtbewohnern und Bürgern im eigentlichen Sinn. Für diese Stellung musste jemand in der Stadt wohnen und das Bürgerrecht besitzen. Ein Wohnsitz allein genügte nicht.
Im 19. Jahrhundert erweiterte sich der Begriff: Nun wurde die Stellung im Beruf wichtiger. Im 19. und 20. Jahrhundert bezeichnete Bürgertum eine gesellschaftliche Gruppe, die Besitz, Bildung und bestimmte Einstellungen kennzeichneten. Das war etwas anderes als das ältere Bürgerrecht einer Stadt.
Definition
Bürgerrecht
Das Bürgerrecht war ein Recht, das zur Zugehörigkeit zum Bürgerstand gehörte. Man konnte es durch Geburt erhalten oder auf Antrag bekommen, wenn man wichtige Bedingungen erfüllte. Ein Wohnsitz in der Stadt allein genügte nicht.
Merke: Frage zuerst nach der Zeit: Geht es um die rechtliche Stellung in einer Stadt oder um eine gesellschaftliche Gruppe mit bestimmten Berufen, Besitz und Bildung?
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Das Bürgertum war keine einheitliche Gruppe. Für eine Einordnung kannst du fragen: Wovon lebte jemand? Welchen Besitz hatte er? Welche Ausbildung brauchte sein Beruf?
Beim Besitzbürgertum stand wirtschaftlicher Besitz im Vordergrund. Zum Großbürgertum gehörten vor allem größere Kaufleute. Das Großbürgertum wird zum Besitzbürgertum gerechnet.
Beim Bildungsbürgertum waren Bildung und die Vorbereitung auf bestimmte Berufe besonders wichtig. Dazu gehörten vor allem Pastoren, also Geistliche, Universitätsprofessoren und höhere Beamte. Professoren lehren an einer Universität; Beamte übernehmen Aufgaben im Dienst des Staates oder einer Gemeinde. Mit höheren Beamten sind hier Beamte auf einer oberen beruflichen Stufe gemeint.
Das Kleinbürgertum bildete die untere Mittelschicht. Damit ist eine gesellschaftliche Stellung unterhalb der wohlhabenderen und einflussreicheren bürgerlichen Gruppen gemeint. Dazu gehörten unter anderem kleine Kaufleute und selbständige Handwerker. Selbständig bedeutet hier, einen eigenen Betrieb zu führen. Auch Lehrer und leitende Angestellte werden dazu gezählt.
Die Grenzen waren nicht scharf. Auch ein gebildeter Mensch konnte Vermögen besitzen. Die Bezeichnungen heben unterschiedliche Merkmale hervor und sind keine Kästen, in die jeder Mensch eindeutig hineinpasst.
| Gruppe | Wichtiges Merkmal | Beispiele |
|---|---|---|
| Besitzbürgertum | Wirtschaftlicher Besitz | Großbürgertum, darunter vor allem größere Kaufleute |
| Bildungsbürgertum | Bildung und berufliche Vorbereitung | Vor allem Pastoren, Universitätsprofessoren und höhere Beamte |
| Kleinbürgertum | Stellung in der unteren Mittelschicht | Unter anderem kleine Kaufleute und selbständige Handwerker |
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Werte sind Vorstellungen davon, was Menschen wichtig und erstrebenswert finden. In der frühen Zeit des Kapitalismus, einer Wirtschaft mit Unternehmen in privatem Besitz, gehörten Leistung, Fleiß und Sparsamkeit zum bürgerlichen Wertebild. Beim Bildungsbürgertum waren außerdem Bildung sowie Freiheit im persönlichen Leben, in Kunst und Wissenschaft wichtig.
Ein ähnliches Einkommen allein machte aus Menschen noch kein Bürgertum. Dafür mussten in einer Gesellschaft unterschiedliche Gruppen und Berufe ausgebildet sein. Außerdem brauchte es ausreichend gemeinsame Vorstellungen darüber, wie Menschen leben und die Gesellschaft gestalten sollten. Diese Vorstellungen mussten zu den Interessen der Gruppen passen.
Gemeinsame Werte konnten also Menschen mit unterschiedlichen Berufen verbinden. Sie halfen ihnen, sich als zusammengehörig zu verstehen. Diese Verbindung war aber schwierig: Das Bürgertum umfasste verschiedene Gruppen und Interessen. Ähnliche Werte bedeuteten deshalb nicht, dass alle Bürger in politischen Fragen einer Meinung waren.
Beispiel: Beispieltext, ausgedacht: Sparsamkeit als gemeinsamer Wert
- 1Ein Handwerker und ein Beamter legen beide Geld zurück, statt es sofort auszugeben.
- 2Beide finden Sparsamkeit wichtig, obwohl sie verschiedene Berufe haben.
- 3Das Beispiel zeigt einen möglichen gemeinsamen Wert. Es beweist noch nicht, dass beide politisch einer Meinung sind.
Merke: Zum Bürgertum gehörten neben Besitz und Bildung auch ausreichend gemeinsame Werte. Ein ähnliches Einkommen allein genügte nicht.
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Prüfe bei einer Aussage zuerst: Welche Zeit und welches Land sind gemeint? Welche Gruppe des Bürgertums wird beschrieben? Und wer äußert die Aussage? Weil das Bürgertum sich wandelte und verschiedene Gruppen umfasste, passt eine Aussage über eine Gruppe nicht ohne Weiteres auf alle anderen.
Unterscheide außerdem zwischen einer Beschreibung und einer Bewertung durch einen bestimmten Menschen. Marx und Engels waren Autoren, die die Macht der Besitzenden über die Arbeiter kritisierten. In einer politischen Schrift von 1848 beschrieben sie Fabrikarbeiter als von Fabrikanten, also den Besitzern der Fabriken, und weiteren Mächten unterdrückt. Das war ihre kritische Sicht auf die damaligen Verhältnisse. Wenn du diese Sicht wiedergibst, nennst du die Autoren: „Marx und Engels beschrieben …“ So bleibt erkennbar, wessen Urteil du erklärst.
Auch Werte und tatsächliches Verhalten musst du unterscheiden. Die Historikerin Ute Frevert, die Geschichte erforscht, nennt als Werte des gebildeten Bürgertums unter anderem persönliche Leistung und vernünftiges wissenschaftliches Denken. Zum bürgerlichen Wertebild gehörte außerdem, Streit durch Ausgleich und gegenseitiges Nachgeben zu lösen. Krieg und Gewalt sollten auf Fälle begrenzt bleiben, in denen das Fortbestehen bedroht war. Das war ein Ideal: eine Vorstellung davon, wie das Zusammenleben sein sollte.
Frevert betont aber auch die Grenzen dieses Ideals für das 19. Jahrhundert: Es gab gesellschaftliche Ungleichheit, Benachteiligung von Frauen und Feindschaft gegen Juden. Hinzu kamen Regierungen, die die Mitsprache der Menschen stark einschränkten, sowie häufig aus Machtinteressen geführte Kriege. Du kannst deshalb sagen: Der Ausgleich bei Streit gehörte zum Wertebild. Daraus folgt jedoch nicht, dass das tatsächliche Leben diesem Ideal entsprach.
Merke: Prüfe Zeit, Ort und Gruppe. Frage auch, von wem eine Aussage stammt. Unterscheide zwischen einem angestrebten Ideal und dem tatsächlichen Verhalten.
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Alles auf einen Blick
Bürgertum
Bürgerrecht
Im Mittelalter ging es vor allem um freie Stadtbewohner mit vollem Bürgerrecht.
Wandel
Später kennzeichneten Besitz, Bildung, Beruf und bestimmte Einstellungen das Bürgertum.
Gruppen
Besitz-, Bildungs- und Kleinbürgertum unterschieden sich; ihre Grenzen waren nicht scharf.
Werte
Gemeinsame Vorstellungen konnten Menschen mit unterschiedlichen Berufen verbinden.
Aussagen prüfen
Beachte Zeit, Ort und Gruppe. Frage, von wem die Aussage stammt, und unterscheide Ideale vom tatsächlichen Verhalten.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Beispieltext, ausgedacht: einen Professor einordnen
- 1Aufgabe: Ein Mann lehrt als Professor an einer Universität und besitzt außerdem Vermögen. Welcher Gruppe kannst du ihn anhand seines Berufs zuordnen?
- 2Merkmal auswählen: Die Aufgabe nennt einen Beruf, für den Bildung und berufliche Vorbereitung wichtig sind.
- 3Zuordnung begründen: Universitätsprofessoren gehörten vor allem zum Bildungsbürgertum. Deshalb passt diese Einordnung.
- 4Grenze nennen: Sein Vermögen widerspricht der Einordnung nicht. Die Gruppen hatten keine scharfen Grenzen.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zum preußischen Gesetz In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage setzt einen Wohnsitz mit dem Bürgerrecht gleich. Richtig: Ein Wohnsitz allein genügte nicht für die Stellung als Bürger im eigentlichen Sinn.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Das preußische Gesetz, das zwischen Stadtbewohnern und Bürgern im eigentlichen Sinn unterschied, stammt aus . Pastoren gehörten vor allem zum . Im Jahrhundert erweiterte sich der Bürgerbegriff: Die Stellung im Beruf wurde wichtiger.
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