Geschichte · Klasse 7–10 · aktualisiert
Montgelas: Wie seine Reformen Bayern modernisierten
Du lernst, warum Montgelas Bayern reformierte, welche Ziele seine Bündnisse hatten und wo die Grenzen seiner Reformen lagen.
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Kurz gesagt
Montgelas war ein bayerischer Politiker und Staatsreformer. Er erneuerte Verwaltung, Finanzen und Recht und wollte Bayern als selbstständigen Staat erhalten. Seine Reformen stärkten den Staat, brachten aber keine umfassende Gleichberechtigung.
Ein Staat braucht Geld, verlässliche Regeln und Menschen, die seine Aufgaben erledigen. In Bayern mussten um 1800 viele dieser Bereiche verändert werden. Du untersuchst, wie Montgelas dabei vorging und warum ein stärkerer Staat nicht unbedingt mehr Freiheit für seine Bürger bedeutete.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Maximilian von Montgelas war ein bayerischer Politiker und von 1799 bis 1817 Außenminister. Ein Außenminister kümmert sich um die Beziehungen zu anderen Staaten. Montgelas arbeitete außerdem an vielen Veränderungen im Inneren Bayerns. Ideen der Aufklärung und der Französischen Revolution beeinflussten seine Reformpläne.
Sein wichtigstes politisches Anliegen war, Bayern als selbstständigen und handlungsfähigen Staat zu erhalten. Die bayerischen Besitzungen lagen zunächst auseinander. Das erschwerte die Beziehungen zu den großen Nachbarstaaten. Montgelas strebte deshalb ein zusammenhängendes Staatsgebiet an. Er erwartete davon auch mehr Unterstützung der Bürger für ihren Staat.
Hinzu kamen große Geldprobleme. Ab 1799 bestimmte die Suche nach einer Lösung für diese Probleme Montgelas’ Vorgehen gegen die Klöster fast vollständig. Die staatlichen Einnahmen deckten nur etwa die Hälfte der Ausgaben. Eine Neuordnung der Finanzen war deshalb besonders wichtig.
Durch große Gebietszuwächse von 1806 wurde außerdem eine einheitliche Verfassung dringend. Eine Verfassung legt grundlegende Regeln eines Staates fest. Gemeinsame Regeln sollten die verschiedenen Landesteile verbinden und ein gemeinsames Staatsbewusstsein fördern: Die Menschen sollten sich als Teil desselben Staates verstehen.
Definition
Reform
Eine Reform verändert bestehende Regeln und Einrichtungen. Montgelas wollte damit Bayerns Staat erneuern und handlungsfähig erhalten.
Merke: Bayern sollte selbstständig bleiben, seine Geldprobleme bewältigen und seine verschiedenen Landesteile durch gemeinsame Regeln verbinden.
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Montgelas ließ die staatlichen Aufgaben stärker von einer gemeinsamen Mitte aus steuern. Diese Zentralisierung prägte seine Reformen. Bis 1811 wurden die Finanzbehörden so geordnet, dass sich die Einnahmen und Ausgaben des Staates verlässlich erfassen ließen. Damit waren die Geldprobleme jedoch nicht gelöst: Bayern musste während seiner gesamten Regierungszeit Schulden aufnehmen.
Bei der Säkularisation hob der Staat Klöster auf und übernahm deren Besitz. Montgelas wollte damit vor allem die akuten Geldprobleme lösen. Der Staat erhielt aber nur wenig zusätzliche Einnahmen. Er musste auch Klosterschulden übernehmen und Aufgaben erfüllen, die zuvor Klöster als Arbeitgeber und in der Bildung übernommen hatten.
Die Verfassung von 1808 schrieb unter anderem die Gleichheit vor dem Gesetz und die Gleichberechtigung der christlichen Konfessionen fest. Konfessionen sind verschiedene Glaubensrichtungen innerhalb einer Religion. Die Gleichberechtigung der christlichen Konfessionen bedeutete noch keine gleiche Rechtsstellung für alle Religionen. Die Verfassung gewährte außerdem eine eingeschränkte Pressefreiheit: Zeitungen durften also nicht uneingeschränkt veröffentlichen. Eine vorgesehene Landesvertretung aus wohlhabenden Adeligen und Bürgern wurde unter Montgelas nicht eingerichtet.
Auch Gerichte und Schulen wurden verändert. 1808 wurde die Trennung von Gerichten und Verwaltung festgelegt, aber nicht für die Landgerichte. Diese behielten Verwaltungsaufgaben. Die Folter, also das absichtliche Zufügen schwerer Schmerzen, wurde 1806 endgültig abgeschafft. Ende 1802 wurde in Bayern die allgemeine Schulpflicht zwingend eingeführt. Kinder zwischen dem sechsten und dem zwölften Lebensjahr mussten die Elementarschule besuchen, eine Schule für grundlegendes Lernen. Die Eltern mussten Schulgeld zahlen. Der erfolgreiche Schulabschluss war unter anderem Voraussetzung für eine Handwerkslehre.
Definition
Säkularisation
Hier bedeutet Säkularisation, dass der Staat Klöster aufhob und ihren Besitz übernahm. Zugleich musste er Schulden und bisherige Aufgaben der Klöster übernehmen.
| Reform | Ziel oder Regel | Folge oder Grenze |
|---|---|---|
| Finanzbehörden ordnen | Staatliche Finanzen verlässlich erfassen | Bayern musste weiterhin Schulden aufnehmen. |
| Klöster aufheben | Akute Geldprobleme lösen | Schulden und neue Aufgaben begrenzten die zusätzlichen Einnahmen. |
| Schulpflicht einführen | Schulbesuch vom sechsten bis zum zwölften Lebensjahr | Eltern mussten Schulgeld zahlen. |
Beispiel: Eine Regel mit einer Ausnahme lesen
- 11808 wurde die Trennung von Gerichten und Verwaltung festgelegt.
- 2Die Landgerichte waren davon ausgenommen und behielten Verwaltungsaufgaben.
- 3Du musst die Ausnahme mitnennen: Eine vollständige Trennung in ganz Bayern wäre zu allgemein.
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Montgelas wollte Bayerns Handlungsfähigkeit zwischen den Großmächten Frankreich, Österreich, Preußen und Russland bewahren. Großmächte sind besonders mächtige Staaten. Nach dem Verlust bayerischer Gebiete links des Rheins an Frankreich plante er einen zusammenhängenden Staat mittlerer Größe. Die verstreuten Besitzungen erschwerten die Beziehungen zu anderen Staaten. Von einem zusammenhängenden Gebiet erwartete Montgelas außerdem mehr Unterstützung der Bürger für ihren Staat.
Unter Montgelas wechselte Bayern zweimal seine Bündnisse: zunächst hin zu Napoleon Bonaparte, dem französischen Machthaber, später wieder von ihm weg. Es ging Montgelas darum, Bayerns Selbstständigkeit unter wechselnden Machtverhältnissen zu erhalten. Seine Politik war deshalb keine dauerhafte Bindung an Frankreich.
Mit den Bündniswechseln ging eine beträchtliche Vergrößerung des bayerischen Staatsgebiets einher. Dabei musst du Ziel und Ergebnis unterscheiden: Das politische Ziel war die Handlungsfähigkeit Bayerns. Die Vergrößerung seines Gebiets war ein Ergebnis dieser Zeit.
Definition
Bündnis
In einem Bündnis arbeiten Staaten politisch zusammen. Bayern änderte unter Montgelas seine Zusammenarbeit mit Frankreich.
Merke: Montgelas wollte Bayern selbstständig und handlungsfähig erhalten. Dafür wechselte Bayern hin zu Napoleon und später wieder von ihm weg.
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Modernisierung bedeutet hier, staatliche Regeln und Einrichtungen grundlegend zu erneuern. Montgelas reformierte die Verwaltung und machte die Erfassung der Finanzen verlässlicher. Gemeinsame Regeln stärkten den Staat. Mehr staatliche Ordnung bedeutete aber nicht automatisch mehr politische Mitbestimmung.
Das zeigt die Gemeindereform von 1808. Gemeinden wurden dem Staat als unterste Verwaltungsstellen unterstellt. Die Regelungen waren jedoch zu aufwendig, zu teuer und praktisch nicht durchführbar. Montgelas widersetzte sich einer grundlegenden Rücknahme dieser Reform. Die Missstände wurden unter seiner Regierung nur zögerlich angegangen. Das trug zur wachsenden Unzufriedenheit mit seiner Regierung bei.
Auch die Rechte der Juden zeigen Fortschritte und Grenzen. Ein Erlass, also eine staatliche Anordnung, gewährte Juden in Bayern 1813 das Recht, ein Gewerbe auszuüben, Grundbesitz zu erwerben und ihre Religion auszuüben. Zugleich kontrollierte der Staat sie mit dem Ziel, die Zahl der Juden in Bayern nicht wachsen zu lassen. In der Praxis waren wohlhabende Juden von dieser besonderen Registrierung ausgenommen. Neue Rechte bestanden somit neben diskriminierenden Beschränkungen, also einer Benachteiligung wegen der Religion.
Historiker setzen bei Montgelas unterschiedliche Schwerpunkte. Hans-Ulrich Wehler bewertet ihn als den innenpolitisch erfolgreichsten deutschen Politiker des frühen 19. Jahrhunderts. Eberhard Weis sieht in ihm ebenfalls einen entscheidenden Gestalter des modernen bayerischen Staates. Er betont aber auch, dass Montgelas Risiken scheute und sich oft so sehr mit Einzelheiten beschäftigte, dass eine klare Gesamtrichtung fehlte.
Für dein Urteil kannst du zwei Fragen verbinden: Wurde der Staat besser organisiert? Und welche Rechte und Möglichkeiten zur Mitbestimmung erhielten die Menschen? So kannst du seine Leistungen anerkennen und zugleich die Grenzen seiner Reformen belegen.
Merke: Ein begründetes Urteil nennt Fortschritte und Grenzen. Ein besser organisierter Staat kann seinen Bürgern trotzdem Mitbestimmung vorenthalten.
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Alles auf einen Blick
Montgelas
Reformbedarf
Bayern sollte selbstständig bleiben, seine Geldprobleme bewältigen und seine Landesteile verbinden.
Verwaltung
Die staatlichen Finanzen wurden verlässlicher erfasst; Schulden blieben dennoch nötig.
Rechte
Gemeinsame Regeln und neue Rechte gingen mit Einschränkungen und fehlender politischer Mitbestimmung einher.
Bündnisse
Bayern wechselte unter Montgelas hin zu Napoleon und später wieder von ihm weg.
Urteil
Eine stärkere staatliche Organisation und mehr Freiheit für die Bürger sind unterschiedliche Maßstäbe.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Die Schulpflicht als Reform erklären
- 1Aufgabe: Erkläre, was die Schulpflicht in Bayern veränderte und welche Belastung für Eltern bestand.
- 2Regel nennen: Ende 1802 wurde der Schulbesuch für Kinder zwischen dem sechsten und dem zwölften Lebensjahr zwingend.
- 3Bedeutung zeigen: Ein erfolgreicher Schulabschluss war unter anderem Voraussetzung für eine Handwerkslehre.
- 4Belastung ergänzen: Die Eltern mussten für jedes schulpflichtige Kind Schulgeld zahlen.
- 5Ergebnis formulieren: Der Staat machte den Schulbesuch verbindlich. Kostenlos wurde er dadurch für die Eltern nicht.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zu den Rechten der Juden in Bayern In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage verwechselt neue Rechte mit vollständiger Gleichberechtigung. Richtig: Der Erlass gewährte unter anderem Religionsfreiheit, doch staatliche Kontrollen sollten ein Anwachsen der Zahl der Juden in Bayern verhindern. In der Praxis waren wohlhabende Juden von dieser besonderen Registrierung ausgenommen.
Lückentext
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Die allgemeine Schulpflicht wurde in Bayern Ende zwingend eingeführt. Montgelas amtierte von 1799 bis als bayerischer Außenminister. Endgültig abgeschafft wurde die Folter in Bayern .
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