Geschichte · Klasse 7–8 · aktualisiert
Ludwig XIV.: Sonnenkönig und Absolutismus
Du lernst, wie Ludwig XIV. seine Macht ausbaute, Versailles und die Wirtschaft dafür nutzte und welche Folgen seine Herrschaft hatte.
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Kurz gesagt
Ludwig XIV. regierte Frankreich ab 1661 persönlich. Er stärkte seine Macht durch Verwaltung, Armee und den Hof in Versailles. Wirtschaftsförderung und Kriege vergrößerten Frankreichs Einfluss, brachten aber auch schwere Belastungen.
Kann ein Schloss dabei helfen, ein Land zu regieren? Für Ludwig XIV., den französischen König mit dem Beinamen „Sonnenkönig“, gehörten Hofleben und politische Macht zusammen. Du untersuchst, wie seine Herrschaft funktionierte und wer ihre Kosten trug.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Ludwig XIV. wurde schon mit vier Jahren König von Frankreich. Zunächst stand er unter der Vormundschaft seiner Mutter Anna von Österreich: Sie handelte für ihren noch minderjährigen Sohn. Der Leitende Minister Jules Mazarin führte ihn in die Regierungsgeschäfte ein. König zu sein bedeutete für Ludwig also noch nicht, selbst die Regierung zu leiten.
Während seiner Kindheit kam es zur Fronde, einem Bürgerkrieg von 1648–1653. Prinzen und oberste Gerichtshöfe wehrten sich gegen die Politik des königlichen Absolutismus. Nach Mazarins Tod 1661 erklärte Ludwig, keinen neuen Leitenden Minister einzusetzen. Er wollte die Regierungsgeschäfte selbst führen. Den Staatsrat, ein Beratungsgremium des Königs, verkleinerte er so stark, dass nur noch die drei wichtigsten Minister an den Sitzungen teilnahmen.
Ludwig baute Verwaltung und Armee aus. Dreißig Intendanten, also Beauftragte des Königs, setzten seinen Willen in den Provinzen, den einzelnen Landesteilen, durch. Sein stehendes Heer bestand aus Berufssoldaten, die ständig bereitstanden und regelmäßig bezahlt und versorgt wurden. Minister und Beamte blieben also wichtig, obwohl Ludwig selbst die Entscheidungen lenkte.
Seine Mutter hatte ihm den Glauben vermittelt, von Gott zum Herrscher ausgewählt worden zu sein. Daraus leitete Ludwig seinen Anspruch auf unbeschränkte Macht ab. Diese Begründung nennt man Gottesgnadentum. Ludwig erfand den Absolutismus nicht, sondern baute ihn in Frankreich aus.
Definition
Absolutismus
Herrschaftsform des 17. und 18. Jahrhunderts: Ein starker Monarch strebt unbeschränkte Macht an, die er von Gott herleitet. Er will die Macht bei sich bündeln. Verwaltung und ein ständig verfügbares Heer stützen seine Herrschaft.
Merke: Persönliche Herrschaft bedeutete, dass Ludwig die Regierung selbst leitete. Für die Umsetzung seiner Entscheidungen brauchte er weiterhin Minister, Beamte und Soldaten.
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Die Erfahrungen mit der Fronde prägten Ludwigs Umgang mit dem Adel. Er wollte mächtige Adelige in seiner Nähe halten, damit sie sich nicht in ihren Provinzen gegen ihn verschworen. Das Schloss Versailles vor den Toren von Paris wurde ein Mittelpunkt seiner Herrschaft. Am 6. Mai 1682 zog der Hof dort ein. Zum Hof gehörten die Menschen, die den König umgaben und ihm dienten.
Posten, Titel und Ämter konnten Adelige nur bei Hofe gewinnen. Wer fernblieb, riskierte besondere Rechte und Ansehen. Feste, Geschenke und ehrenvolle, aber machtlose Ämter banden den Adel an den König. Für Verwaltungsaufgaben setzte Ludwig dagegen auch Bürgerliche ein, also Menschen, die nicht zum Adel gehörten. Er schuf einen Dienstadel, dessen Einkommen vom König abhing.
Das Hofzeremoniell war ein System genauer Regeln für das Leben am Hof. Ob jemand vor dem König sitzen oder sprechen durfte, machte seinen Rang sichtbar. Selbst ein freundliches Wort des Königs konnte die Stellung eines Adeligen zeigen. Die Regeln beschäftigten den Hof und machten die Nähe zum König besonders begehrt.
Auch Kunst sollte Ludwigs Macht sichern. Die Ausstattung von Schloss und Gärten stellte ihn als Garanten für Ordnung, Wohlstand und Frieden oder den Sieg im Krieg dar. Das war eine Botschaft zur Verherrlichung des Königs, kein Beweis dafür, dass seine Politik allen Menschen Wohlstand brachte. Außerdem verschlangen Schlösser, Gärten und Feste des Hofadels viel Geld. Adelige mussten deshalb Geldzahlungen vom König erbitten und wurden noch stärker von ihm abhängig.
Beispiel: Ein Sitzplatz als Zeichen des Ranges
- 1Am Hof zeigte die Erlaubnis, in Gegenwart des Königs zu sitzen, den Rang eines Adeligen.
- 2Eine scheinbar kleine Regel machte damit die Stellung eines Menschen für andere sichtbar.
- 3Der König konnte durch solche Zeichen zeigen, wen er besonders beachtete.
Merke: Versailles verband Pracht mit politischer Kontrolle: Nähe zum König versprach Ansehen und Ämter, machte den Adel aber auch abhängig.
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Verwaltung, Heer und ein prächtiger Hof kosteten Geld. Der Merkantilismus sollte dem Herrscher mehr Reichtum und dem Staat wachsende, sichere Einnahmen verschaffen. Jean-Baptiste Colbert, Ludwigs Verantwortlicher für die Finanzen, förderte diese Wirtschaftspolitik in Frankreich.
Ein wichtiges Ziel war, fertige Waren mit höherem Gesamtwert ins Ausland zu verkaufen, als man von dort einkaufte. Verkäufe ins Ausland heißen Exporte, Einkäufe aus dem Ausland Importe. Eine positive Handelsbilanz bedeutet, dass der Wert der Exporte den der Importe übersteigt. Dafür sollte der Staat Exporte von Fertigwaren fördern und ihre Einfuhr erschweren. Vorgesehen waren hohe Einfuhrzölle, also Abgaben auf eingeführte Waren, für ausländische Fertigprodukte und niedrige Einfuhrzölle für benötigte Rohstoffe.
Colbert förderte Manufakturen. Dort arbeiteten mehrere Dutzend Menschen gegen Lohn und teilten die Herstellung einer Ware in einzelne Arbeitsschritte auf. Die Spezialisierung erhöhte die Leistung gegenüber dem traditionellen Handwerk. Französische Spiegel, Teppiche und Möbel waren in Europa begehrt. Zünfte, also Zusammenschlüsse von Handwerkern, sollten im Auftrag Colberts die Qualität der Manufakturwaren kontrollieren. Besonders gute Produkte erhielten ein königliches Gütesiegel, eine Auszeichnung für ihre Qualität.
Auch innerhalb des Landes sollte der Handel leichter werden. Straßen und Kanäle verbesserten den Transport. In Nordfrankreich wurden Zollhindernisse zwischen Gebieten abgebaut. Colberts Versuch einer einheitlichen Zollgrenze für das ganze Königreich scheiterte jedoch an örtlichen Handelsvorrechten.
Die Förderung hatte auch eine belastende Seite. Colbert verringerte die Zahl kirchlicher Feiertage und verlängerte damit die Arbeitszeit. Ein Verbot von Arbeiterversammlungen und Streiks, also gemeinsamen Arbeitsniederlegungen, sollte die Löhne niedrig halten. Das Ziel größerer Staatseinnahmen bedeutete deshalb nicht, dass Arbeiter bessere Arbeitsbedingungen erhielten.
| Mittel | Beabsichtigte Wirkung |
|---|---|
| Hohe Einfuhrzölle auf ausländische Fertigwaren | Den Einkauf ausländischer Fertigwaren erschweren |
| Förderung von Manufakturen | Mehr fertige Waren im eigenen Land herstellen |
| Abbau von Zöllen innerhalb des Landes | Den Handel zwischen Gebieten erleichtern |
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Ein Sachurteil über Ludwigs Herrschaft braucht einen Maßstab: Fragst du nach der Macht des Königs oder nach den Folgen für seine Untertanen, also die Menschen unter seiner Herrschaft? Ludwig stärkte die königliche Verwaltung. Er förderte Wirtschaft, Kunst und Wissenschaft. Frankreich wurde größer und mächtiger, und die französische Kultur gewann großen Einfluss in Europa.
Diesen Ergebnissen standen schwere Belastungen gegenüber. Die Kriege kosteten Geld und Menschenleben. Die große Masse der Bevölkerung musste ihre Kosten tragen. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg von 1688–1697 verwüsteten französische Truppen bei ihrem Rückzug die Pfalz und Baden, zwei Gebiete außerhalb Frankreichs. Damit traf die Gewalt auch Menschen außerhalb Frankreichs.
Die hohen Staatsschulden von 1715 waren überwiegend eine Folge des Spanischen Erbfolgekriegs, nicht des Luxus am Hof und der Großbauten. Während dieses Krieges waren die Steuern für die Kirche ungewöhnlich hoch. Missernten brachten zusätzlich Hungersnöte. Trotz der hohen Schulden blieb Frankreich nach dem Krieg wirtschaftlich erfolgreich. Hohe Staatsschulden und der Zustand der gesamten Wirtschaft sind also nicht dasselbe.
Auch die Religionspolitik hatte schwere Folgen. Hugenotten waren französische Protestanten, also Christen, die nicht zur katholischen Kirche gehörten. Ludwig glaubte, religiöse Einheit stärke das Land. 1685 widerrief er im Edikt von Fontainebleau die religiösen und bürgerlichen Rechte der Hugenotten. Ein Edikt war eine Anordnung des Herrschers. Unter Ludwigs Religionspolitik wurden hugenottische Kirchen zerstört und protestantische Schulen geschlossen. Durch seine Maßnahmen flohen von 1685 bis 1730 etwa 200.000 von 730.000 Hugenotten ins Ausland. Dieser Zeitraum reicht über Ludwigs Tod 1715 hinaus. Die Flüchtlinge waren zumeist gut ausgebildete Fachkräfte. In ihren Aufnahmeländern trugen sie dazu bei, dass mehr hergestellt werden konnte. Unterscheide dabei Ludwigs Überzeugung von den Folgen: Er wollte religiöse Einheit erreichen; seine Maßnahmen nahmen Hugenotten Rechte und trieben sie zur Flucht.
Ein begründetes Urteil hält deshalb mehrere Ergebnisse fest: Ludwig stärkte die Macht seines Staates und förderte die Kultur. Zugleich belasteten seine Kriege viele Menschen schwer, und seine Religionspolitik nahm Hugenotten Rechte und trieb sie zur Flucht.
Merke: Mehr Macht für einen König bedeutet nicht zugleich ein besseres Leben für seine Untertanen. Prüfe Leistungen und Folgen getrennt und belege dein Urteil.
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Alles auf einen Blick
Ludwig XIV.
Persönliche Herrschaft
Ab 1661 leitete Ludwig XIV. die Regierung selbst und stützte sich auf Minister, Beamte und Soldaten.
Versailles
Ämter, Ansehen und Regeln am Hof banden den Adel an den König.
Merkantilismus
Wirtschaftsförderung und Eingriffe in den Handel sollten Reichtum und Staatseinnahmen erhöhen.
Arbeitsbedingungen
Längere Arbeitszeiten und das Streikverbot belasteten Arbeiter unter Colbert.
Urteil
Frankreichs Machtgewinn stand schweren Kriegsbelastungen und dem Entzug der Rechte der Hugenotten gegenüber.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Colberts Arbeitsregeln Schritt für Schritt beurteilen
- 1Aufgabe: Beurteile, ob Colberts Wirtschaftsförderung zugleich bessere Arbeitsbedingungen bedeutete.
- 2Maßnahme benennen: Colbert verringerte die Zahl kirchlicher Feiertage. Dadurch verlängerte er die Arbeitszeit.
- 3Ziel einer weiteren Maßnahme erklären: Das Verbot von Arbeiterversammlungen und Streiks sollte niedrige Löhne sichern.
- 4Urteil formulieren: Diese Maßnahmen verbesserten die Arbeitsbedingungen nicht. Die Arbeiter mussten länger arbeiten; zugleich sollten ihre Löhne niedrig bleiben.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zu den Staatsfinanzen von 1715 In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage verwechselt die Hauptursache der Schulden. Richtig: Die Staatsschulden von 1715 waren überwiegend eine Folge des Spanischen Erbfolgekriegs.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Nach Mazarins Tod übernahm Ludwig persönlich die Regierungsleitung. Am 6. Mai 1682 zog der Hof in das Schloss in ein. Colbert übertrug die Kontrolle der Qualität von Manufakturwaren den .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback