Geschichte · Klasse 7–8 · aktualisiert
Merkantilismus einfach erklärt: Ziele und Folgen
Du lernst, warum Herrscher die Wirtschaft lenkten, wie Waren für den Export entstanden und wer vom Merkantilismus profitierte.
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Kurz gesagt
Merkantilismus bezeichnet verschiedene Formen staatlicher Wirtschaftspolitik vom 16. bis zum 18. Jahrhundert. Herrscher förderten Herstellung und Ausfuhr von Waren, um ihre Einnahmen und ihre Macht zu steigern. Davon profitierten nicht alle Menschen gleichermaßen.
Warum sollte ein Herrscher den Bau einer Werkstatt unterstützen oder ausländische Waren mit hohen Abgaben belasten? Beim Merkantilismus gehörten solche Eingriffe zur Wirtschaftspolitik. Du verfolgst den Weg einer Ware und prüfst, welche Ziele und Folgen diese Politik hatte.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Vom 16. bis zum 18. Jahrhundert prägten verschiedene Formen des Merkantilismus die Wirtschaftspolitik. Es gab dafür keinen einheitlichen Plan, den alle Staaten gleich ausführten.
Absolutistische Herrscher wollten wachsende und sichere Einnahmen. Sie mussten ihre stehenden Heere bezahlen, beschäftigten immer mehr Beamte und gaben viel Geld für einen prachtvollen Auftritt ihrer Herrschaft aus. Höhere Staatseinnahmen sollten ihre Macht und ihren Einfluss stärken.
Dazu griffen die Staaten in Herstellung und Handel ein. Sie förderten besonders den Verkauf fertiger Waren ins Ausland. Zugleich erschwerten sie den Kauf fertiger Waren aus dem Ausland. Angestrebt wurde ein Handelsbilanzüberschuss: Der Wert der ins Ausland verkauften Waren sollte insgesamt höher sein als der Wert der aus dem Ausland gekauften Waren.
Merkantilisten, also Vertreter dieser Wirtschaftspolitik, erwarteten davon auch mehr Beschäftigung im eigenen Land. Das war eine Erwartung und kein Beweis, dass jede Maßnahme erfolgreich war.
Definition
Export und Import
Export bedeutet Ausfuhr: Waren werden ins Ausland verkauft. Import bedeutet Einfuhr: Waren werden aus dem Ausland gekauft.
Merke: Das wichtigste Ziel war die Stärkung der Einnahmen und der Macht des Herrschers. Mehr Herstellung und Handel sollten dazu beitragen.
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Ein Rohstoff ist ein Ausgangsmaterial für die Herstellung einer Ware, etwa Wolle. Eine Fertigware ist das daraus hergestellte Produkt, etwa Tuch, also gewebter Stoff. Nach merkantilistischen Empfehlungen sollten Rohstoffe möglichst im eigenen Land verarbeitet werden. Dort sollte durch die Verarbeitung ein höherer Warenwert entstehen.
Der Wirtschaftsautor Thomas Mun erklärte diesen Weg am Beispiel Englands: Es konnte sinnvoll sein, Rohstoffe aus dem Ausland einzukaufen. Nach ihrer Verarbeitung in England sollten die Waren zu höheren Preisen im Ausland verkauft werden. Entscheidend war für Mun der Überschuss im gesamten Außenhandel. Nicht der Handel mit jedem einzelnen Land musste einen Überschuss bringen.
Manufakturen halfen bei der Herstellung. Dort arbeiteten mehrere Dutzend Menschen gegen Lohn für einen Unternehmer. Die einzelnen Arbeiter stellten eine Ware nicht von Anfang bis Ende her. Sie übernahmen einzelne Arbeitsschritte. Durch diese Spezialisierung konnten sie mehr herstellen als im traditionellen Handwerk.
Auch Kolonien waren in diesen Warenweg eingebunden. Das waren Gebiete unter der Herrschaft eines anderen Landes, des sogenannten Mutterlandes. Sie lieferten Rohstoffe und dienten als Absatzmarkt: Dort wurden Fertigwaren des Mutterlandes verkauft. Einige europäische Länder, insbesondere England, verboten ihren Kolonien die eigene Herstellung von Fertigwaren.
Definition
Arbeitsteilung
Bei Arbeitsteilung übernehmen verschiedene Arbeiter einzelne Schritte der Herstellung. Ein Arbeiter fertigt nicht die ganze Ware selbst.
Merke: Rohstoffe einkaufen, im eigenen Land verarbeiten, Fertigwaren ausführen: Dieser Weg passte zum Merkantilismus. Einfuhr war deshalb nicht insgesamt unerwünscht.
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Ein Zoll ist eine Abgabe auf Waren beim Überschreiten einer Zollgrenze. Merkantilisten empfahlen niedrige Einfuhrzölle auf benötigte Rohstoffe und hohe Einfuhrzölle auf ausländische Fertigwaren. Das sollte die Verarbeitung im eigenen Land fördern und auf einen Handelsbilanzüberschuss hinwirken. Manche Staaten verboten die Einfuhr bestimmter Waren. In Österreich begann 1751 die Samtproduktion in Wien; 1756 wurde die Einfuhr von Samt verboten. Samt ist eine Stoffart.
Innerhalb eines Staates sollten Waren leichter gehandelt werden. Deshalb wurden Zölle zwischen Landesteilen abgeschafft und gemeinsame Gewichte und Maße angestrebt. In Frankreich gelang die Abschaffung der Inlandszölle bis 1664 für die Hälfte des Landes. Straßen und Kanäle ermöglichten mehr Transporte und senkten deren Kosten.
Staaten unterstützten neue Gewerbebetriebe oft mit Geld, Steuervergünstigungen oder günstigen Krediten, also geliehenem Geld. Diese Hilfe sollte die schwierige Anfangszeit überbrücken. Förderung konnte aber auch mit strengen Vorschriften verbunden sein.
In Frankreich prägte Finanzminister Jean-Baptiste Colbert diese Politik. Zur Sicherung einer gleichbleibend hohen Qualität der Manufakturwaren übertrug er den Zünften die Kontrolle ihrer Herstellung. Zünfte waren Zusammenschlüsse von Handwerksmeistern. Spitzenprodukte erhielten ein königliches Gütesiegel, also ein Zeichen für ihre besonders hohe Qualität.
Beispiel: Ein Kanal erleichtert den Handel
- 1Der Friedrich-Wilhelm-Kanal verband die Elbe über die Spree mit der Oder.
- 2Durch den Bau von Straßen und Kanälen konnten mehr Waren zu geringeren Kosten transportiert werden.
- 3Beim Friedrich-Wilhelm-Kanal weiteten sich Handel und Schifffahrt im Landesinneren aus.
| Maßnahme | Beabsichtigte Wirkung |
|---|---|
| Niedrige Einfuhrzölle auf benötigte Rohstoffe | Die Verarbeitung im eigenen Land fördern |
| Hohe Einfuhrzölle auf ausländische Fertigwaren | Auf einen Handelsbilanzüberschuss hinwirken |
| Geldhilfen für neue Gewerbebetriebe | Die schwierige Anfangszeit überbrücken |
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Für den Staat konnte eine wachsende Wirtschaft höhere Steuereinnahmen bringen. Neben den Landesfürsten gehörten Unternehmer und Großhändler zu den direkten Nutznießern des Merkantilismus. Unternehmer erhielten Unterstützung und konnten neue Betriebe aufbauen. Strenge staatliche Vorschriften konnten ihre Tätigkeit jedoch auch schwächen.
Förderung bedeutete keinen sicheren Erfolg. Viele Manufakturen gingen nach dem Ende staatlicher Geldhilfen bankrott: Sie konnten ihren Betrieb nicht mehr bezahlen. Die Seidenindustrie in Preußen, einem damaligen Staat, überlebte nur so lange, wie sie staatliche Hilfen erhielt.
Für Arbeiter standen möglichen neuen Arbeitsplätzen erhebliche Belastungen gegenüber. Merkantilisten wollten die Löhne niedrig halten, damit Waren zu Preisen angeboten werden konnten, die mit ausländischen Waren mithielten. In Frankreich verringerte Colbert die Zahl kirchlicher Feiertage und verlängerte dadurch die Arbeitszeit. Er verbot Arbeitern Versammlungen und Streiks, also gemeinsame Arbeitsniederlegungen. Das sollte niedrige Löhne sichern.
Auch die Bevölkerung der Kolonien war betroffen. Plantagenbesitzer ließen versklavte Menschen auf großen landwirtschaftlichen Betrieben arbeiten. Diese Menschen mussten unter Zwang arbeiten. Die Sklavenarbeit ermöglichte billige Waren für Europa. Die Plantagenbesitzer wurden sehr wohlhabend.
Einfuhrverbote konnten zudem Gegenmaßnahmen auslösen. Auf das Verbot niederländischer Fertigwaren im Deutschen Reich antworteten die Niederlande mit einem Einfuhrverbot für deutsche Waren. Der erhoffte Schutz konnte somit den Verkauf eigener Waren im Ausland erschweren.
Ein Gesamturteil ist schwierig, weil brauchbare Statistiken aus dieser Zeit fehlen. Du kannst aber einzelne Folgen beurteilen: Für wen entstand ein Vorteil, für wen eine Belastung? Mehr Staatseinnahmen sind ein anderer Maßstab als gute Arbeitsbedingungen. Ein Erfolg für den Herrscher bedeutete deshalb nicht denselben Erfolg für die Bevölkerung.
Merke: Unterscheide Ziel und tatsächliche Folge. Prüfe außerdem, ob du über den Staat, Unternehmer oder die Bevölkerung urteilst.
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Alles auf einen Blick
Merkantilismus
Ziel
Höhere Staatseinnahmen sollten Macht und Einfluss des Herrschers stärken.
Warenweg
Rohstoffe sollten möglichst im eigenen Land verarbeitet und Fertigwaren ausgeführt werden.
Maßnahmen
Zölle, Geldhilfen und bessere Verkehrswege sollten Herstellung und Handel fördern.
Folgen
Unternehmer konnten profitieren, während niedrige Löhne und lange Arbeitszeiten Arbeiter belasteten.
Urteil
Ziele waren nicht immer tatsächliche Erfolge. Die Folgen unterschieden sich je nach betroffener Gruppe.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Warum passte der Rohstoffeinkauf zu Thomas Muns Handelsziel?
- 1Aufgabe klären: Erkläre, warum Thomas Mun den Einkauf von Rohstoffen im Ausland mit einem Handelsbilanzüberschuss vereinbar fand.
- 2Den Warenweg beschreiben: Rohstoffe sollten eingeführt, in England verarbeitet und anschließend zu höheren Preisen im Ausland verkauft werden.
- 3Den Maßstab bestimmen: Für Mun zählte der Überschuss des gesamten Außenhandels. Nicht der Handel mit jedem einzelnen Land musste einen Überschuss ergeben.
- 4Die Antwort formulieren: Der Rohstoffeinkauf passte zu seinem Ziel, wenn insgesamt der Wert der ausgeführten Waren den Wert der eingeführten Waren überstieg.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zur Förderung von Betrieben In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage macht aus dem Förderziel einen dauerhaften Erfolg. Richtig: Die Seidenindustrie in Preußen überlebte nur so lange, wie sie staatliche Hilfen erhielt.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
In Frankreich gelang die Abschaffung der Inlandszölle bis 1664 für des Landes. Colbert übertrug die Kontrolle der Herstellung von Manufakturwaren zur Qualitätssicherung den . In Österreich wurde die Einfuhr von Samt verboten.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
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