Geschichte · Klasse 5–8 · aktualisiert
Kreuzzüge: Ursachen, Verlauf und Folgen
Du lernst, warum die Kreuzzüge begannen, welche Wendepunkte wichtig waren und wie unterschiedlich Menschen ihre Folgen erlebten.
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Kurz gesagt
Die Kreuzzüge waren Kriegszüge, die der Papst religiös rechtfertigte. Neben Glaubenshoffnungen spielten Macht und Besitz eine Rolle. Der Erste Kreuzzug führte 1099 zur Eroberung Jerusalems; Kreuzfahrer töteten dort muslimische und jüdische Bewohner.
Eine eroberte Stadt konnte für die Sieger einen Erfolg bedeuten und für ihre Bewohner Gewalt und Verlust. Bei den Kreuzzügen musst du deshalb genau hinsehen: Wer handelte, und wen trafen die Folgen? Du untersuchst auch, wie jüdische Menschen ihr religiöses Leben und ihr Zusammenleben gestalteten.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
1095 bat Byzanz um Hilfe. Dieses Reich war christlich geprägt. Seine Hauptstadt hieß Konstantinopel. Die Seldschuken, Gegner dieses Reiches, bedrohten es.
Im selben Jahr rief der Kirchenführer Papst Urban II. in Clermont zu einem Zug nach Jerusalem auf. Er rechtfertigte den Krieg aus seiner religiösen Sicht. Menschen wollten heilige Orte erreichen und hofften auf die Vergebung ihrer Sünden, also ihrer Verfehlungen gegenüber Gott. Diese Hoffnung half, Menschen für den Zug zu gewinnen. Sie ist eine damalige Glaubensvorstellung, kein Beweis dafür, dass Gott Gewalt billigte.
Die Hilfe für andere Christen verband sich mit dem Anspruch des Papstes, die Führung zu übernehmen. Es ging also sowohl um Glauben als auch um Macht. Du kannst die Bedrohung von Byzanz, die Bitte um Hilfe und den Aufruf des Papstes als verschiedene Teile der Erklärung unterscheiden.
Definition
Pilgerfahrt
Eine Pilgerfahrt ist eine Reise zu einem heiligen Ort aus religiösen Gründen.
Merke: Eine Glaubenshoffnung kann erklären, warum Menschen handeln. Sie rechtfertigt ihre Gewalt nicht.
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Hier geht es vor allem um die Orientkreuzzüge von 1095 bis 1291. Damit sind die behandelten Züge in den östlichen Mittelmeerraum gemeint. Nach dem Aufruf von 1095 brachen 1096 unterschiedliche Gruppen auf. Schon auf dem Weg griffen Kreuzfahrer jüdische Gemeinden im Rheinland an. Sie ermordeten Menschen oder zwangen sie zur christlichen Taufe. 1099 eroberten Kreuzfahrer Jerusalem und töteten muslimische und jüdische Bewohner.
Nach 1099 entstanden Gebiete unter der Herrschaft von Kreuzfahrern. Der Verlust der Stadt Edessa 1144 zeigte, dass diese Herrschaften bedroht waren. Der Zweite Kreuzzug von 1147–1149 scheiterte. 1187 besiegte Saladin, der Anführer des gegnerischen Heeres, die Kreuzfahrer bei Hattin und nahm Jerusalem ein. Im Dritten Kreuzzug von 1189–1192 gewannen Kreuzfahrer Küstengebiete, aber nicht Jerusalem. Vereinbart wurde, dass Pilger die Stadt besuchen durften.
1204 eroberten und plünderten Kreuzfahrer Konstantinopel, eine christliche Stadt. 1229 trat Friedrich II. als Vertragspartner des Herrschers al-Kamil auf. Al-Kamil trug den Titel Sultan. Durch ihren Vertrag gewann Friedrich II. Jerusalem für eine begrenzte Zeit zurück. Die Stadt blieb nur für begrenzte Zeit wieder unter Kreuzfahrerherrschaft: 1244 endete die damalige Kreuzfahrerherrschaft über Jerusalem endgültig.
1291 fiel die Stadt Akkon. Die Kreuzfahrer verloren ihre letzten großen Stützpunkte auf dem Festland im behandelten Raum. Ein Stützpunkt ist ein Ort, von dem aus eine Herrschaft gesichert werden kann. Damit endeten weder sämtliche Kreuzzüge noch alle Herrschaften auf Inseln.
Die Übersichtsgrafik zur Erklärung ist ein heutiges vereinfachtes Schema, kein Zeugnis aus dem Mittelalter. Ihre Angabe „1244 endgültig verloren“ betrifft die damalige Kreuzfahrerherrschaft über Jerusalem. Die Formulierung „Kirchlich legitimiert“ bedeutet: Der Papst rechtfertigte die Kriege aus seiner religiösen Sicht.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1099 | Kreuzfahrer erobern Jerusalem. |
| 1144 | Die Kreuzfahrer verlieren Edessa. |
| 1187 | Saladin nimmt Jerusalem ein. |
| 1204 | Kreuzfahrer erobern und plündern Konstantinopel. |
| 1229 | Friedrich II. gewinnt Jerusalem durch Vertrag zeitweise zurück. |
| 1244 | Die damalige Kreuzfahrerherrschaft über Jerusalem endet endgültig. |
| 1291 | Akkon fällt. |
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Ein Motiv ist ein Beweggrund: Es erklärt, was jemanden zum Handeln bewegt. Die Teilnehmer hatten nicht alle dieselben Motive. Auch ein erhoffter Erfolg musste nicht eintreten.
Religiöse Motive betrafen den Glauben. Dazu gehörten die Pilgerfahrt und die Hoffnung, von Gott Vergebung zu erhalten. Politische Motive betrafen die Macht: Herrschaft sollte gesichert oder erweitert werden. Wirtschaftliche Motive betrafen Besitz und Reichtum, etwa die Hoffnung auf Land. Soziale Motive betrafen die Stellung eines Menschen unter anderen Menschen. Manche hofften, ihre Stellung zu verbessern.
Diese Bereiche konnten sich überschneiden. Wer sich Land erhoffte, konnte damit sowohl Besitz als auch eine bessere Stellung verbinden. Du solltest deshalb das konkrete Ziel nennen und erklären, welchem Bereich du es zuordnest.
Beispiel: Land als Hoffnung mit zwei Seiten
- 1Die Hoffnung auf Land konnte sich auf mehr Besitz richten.
- 2Dann war sie ein wirtschaftliches Motiv.
- 3Mit Land konnte auch die Hoffnung auf eine bessere Stellung verbunden sein.
- 4Dann gehörte dieselbe Hoffnung auch zum sozialen Bereich.
Merke: Ein Motiv ist ein Beweggrund. Menschen konnten mehrere Motive haben. Was sie erhofften, musste nicht eintreten.
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Frage bei einem Urteil zuerst: Für welche Menschen, an welchem Ort und zu welcher Zeit? Die Einnahme Jerusalems 1099 konnte für westliche Kreuzfahrer religiösen Erfolg und neue Herrschaft bedeuten. Für muslimische Bewohner bedeutete sie Gewalt und den Verlust der bisherigen Herrschaft. Kreuzfahrer töteten dort muslimische und jüdische Bewohner. Einen Machtgewinn der Sieger darfst du deshalb nicht als Erfolg für alle beschreiben.
Schon 1096 hatten Kreuzfahrer jüdische Gemeinden im Rheinland angegriffen, Menschen ermordet und Menschen zur Taufe gezwungen. Bei einer Zwangstaufe werden Menschen gegen ihren Willen zum Christentum getauft. Auch Christen wurden Opfer von Kreuzfahrern: 1204 trafen Eroberung und Plünderung die christlichen Bewohner Konstantinopels. Die Religion allein erklärt daher nicht, wer wen angriff.
Jüdische Menschen gestalteten zugleich ihr eigenes religiöses und gemeinschaftliches Leben. In Speyer am Rhein entstand 1104 eine Synagoge, ein jüdisches Gotteshaus. Um 1120 kam eine Mikwe hinzu, ein Tauchbad zur Reinigung nach religiösen Regeln. In der Mitte des 13. Jahrhunderts entstand dort die Frauenschul. Das war hier ein eigener Raum, in dem Frauen den Gottesdienst mitverfolgten. Die Gemeinde nahm sich dafür die Frauenschul in Worms zum Vorbild.
Die jüdischen Gemeinden von Speyer, Worms und Mainz waren miteinander verbunden. Dieser Zusammenschluss hieß SchUM. Um 1220 entstanden gemeinsame Regeln für das Zusammenleben in diesen Gemeinden. Jüdische Gelehrte, Dichter und Gemeindevorsteher schrieben im 10. bis 13. Jahrhundert Texte. Diese Beispiele zeigen eigene Entscheidungen, religiöses Lernen und kulturelles Gestalten. Sie sind keine belegten Folgen der Kreuzzüge. Spätere Gemeindebauten machen die Angriffe von 1096 nicht harmlos.
Neben Gewalt gab es Handel und Zusammenarbeit. Metallarbeiten verbanden etwa islamische Gestaltung mit christlichen Bildthemen. Solcher Austausch macht die Gewalt ebenfalls nicht harmlos. Ein begründetes Urteil berücksichtigt die Erfahrungen bestimmter Gruppen, statt ganzen Religionen eine gemeinsame Rolle zuzuschreiben.
Merke: Nenne bei deinem Urteil die betroffene Gruppe, den Ort und die Zeit. Unterscheide Machtgewinne von Gewalt gegen Bewohner.
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Alles auf einen Blick
Kreuzzüge
Beginn
Die Bedrohung von Byzanz, die Bitte um Hilfe und der Aufruf des Papstes gehören zur Erklärung des Ersten Kreuzzugs.
Motive
Glaubenshoffnungen, Macht, Besitz und eine bessere Stellung konnten sich verbinden.
Wendepunkte
Jerusalem wurde 1099 von Kreuzfahrern erobert; 1244 endete dort die damalige Kreuzfahrerherrschaft endgültig.
Jerusalem 1099
Westlichen Kreuzfahrern konnte die Einnahme Herrschaft bringen; muslimische und jüdische Bewohner erlitten Gewalt.
Gemeindeleben
Jüdische Menschen schufen eigene religiöse Räume und gemeinsame Regeln. Diese sind keine belegten Folgen der Kreuzzüge.
Grenze
Der Verlust der letzten großen Festlandsstützpunkte im behandelten Raum 1291 bedeutete nicht das Ende sämtlicher Kreuzzüge.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Die zeitweise Rückgewinnung Jerusalems erklären
- 1Aufgabe: Erkläre, auf welchem Weg Friedrich II. Jerusalem 1229 zurückgewann und welche Grenze dieser Erfolg hatte.
- 2Den Weg benennen: Friedrich II. schloss einen Vertrag mit Sultan al-Kamil. Die Rückgewinnung beruhte auf diesem Vertrag.
- 3Die Dauer prüfen: Jerusalem wurde nur für eine begrenzte Zeit zurückgewonnen.
- 4Das Ergebnis einordnen: 1244 endete die damalige Kreuzfahrerherrschaft über Jerusalem endgültig. Der Erfolg von 1229 war deshalb nicht dauerhaft.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zum Jahr 1291 In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage macht aus dem Verlust von Stützpunkten das Ende sämtlicher Kreuzzüge. Richtig: Damit endeten nicht sämtliche Kreuzzüge.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Papst Urban II. rief 1095 in zum Zug nach Jerusalem auf. Kreuzfahrer eroberten Jerusalem während des Ersten Kreuzzugs . Die jüdische Gemeinde in Speyer nahm sich für ihre Frauenschul diejenige in zum Vorbild.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
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