Geschichte · Klasse 7–11 · aktualisiert
Europäische Expansion: Motive, Verlauf und Folgen
Du unterscheidest Handel und Kolonialherrschaft, erklärst Motive der Expansion und beurteilst ihre ungleichen Folgen.
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Kurz gesagt
Europäische Expansion bezeichnet die Ausweitung von Handel, Einfluss und Herrschaft. Gewinnstreben, Machtkonkurrenz und christliche Mission wirkten dabei zusammen. Auf Seefahrten folgten später Eroberungen und Kolonien.
Eine Seefahrt, eine Eroberung und dauerhafte Herrschaft sind verschiedene Dinge. Du untersuchst hier die europäische Expansion vom 15. bis zum 18. Jahrhundert. Dabei fragst du auch, welche Entscheidungen die Menschen in den betroffenen Gebieten selbst trafen.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Europäische Expansion bedeutet, dass europäische Händler und Herrscher ihren Handel, ihren Einfluss und ihre Herrschaft ausweiteten. Der Begriff umfasst verschiedene Vorgänge. Eine Handelsverbindung allein bedeutete noch keine Herrschaft über die Handelspartner.
Kolonisierung bezeichnet hier die Landnahme, die Ansiedlung und den Aufbau einer kolonialen Ordnung. Dabei wird ein Gebiet unter fremde Herrschaft gebracht. Kolonialismus bezeichnet das dauerhafte, ungleiche Verhältnis zwischen den Herrschenden und den beherrschten Menschen.
Achte also darauf, was du beschreibst: die Ausweitung von Verbindungen, den Aufbau fremder Herrschaft oder das dauerhafte Herrschaftsverhältnis. Fahrten, Eroberungen und dauerhafte Herrschaft sind unterschiedliche Prozesse.
Definition
Kolonialismus
Ein dauerhaftes, ungleiches Herrschaftsverhältnis: Fremde Herrscher verfügen über ein Gebiet und seine Bewohner.
Beispiel: Beispieltext, ausgedacht: einen Handelskontakt einordnen
- 1Ein europäischer Händler tauscht Waren mit Bewohnern eines entfernten Küstenorts.
- 2Die Angabe beschreibt Handel. Sie sagt noch nichts über Landnahme oder fremde Herrschaft.
- 3Der Handelskontakt allein reicht deshalb nicht aus, um von Kolonialherrschaft zu sprechen.
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Ein Motiv ist ein Beweggrund für das Handeln. Wirtschaftliche Motive waren die Aussicht auf Gewinn und der Zugang zu begehrten Waren. Politisch ging es um Konkurrenz zwischen Herrschern und um Macht. Hinzu kam die christliche Mission, also das Ziel, den christlichen Glauben zu verbreiten.
Verbesserte Schiffe und Karten sowie die Navigation erleichterten die Fahrten. Navigation bedeutet, den Standort und den Kurs auf See zu bestimmen. Geld für die Reisen machte ihre Durchführung möglich. Solche Voraussetzungen erklären, wie Fahrten möglich wurden. Sie erklären allein noch nicht, weshalb Menschen sie unternahmen.
Portugiesische Seefahrer erkundeten im 15. Jahrhundert Afrikas Küsten. 1488 wurde das Kap der Guten Hoffnung umfahren. Der Seefahrer Kolumbus suchte 1492 einen westlichen Weg nach Asien und gelangte in die Karibik. Der Seefahrer Vasco da Gama erreichte 1498 Indien auf dem Seeweg. Später folgten Eroberungen und Kolonien, also Gebiete unter fremder Herrschaft.
Die spanische Königin Isabel und König Fernando versprachen Kolumbus für den Erfolg seiner ersten Fahrt ein Amt als Vizekönig über neue Länder und einen Anteil am neu gewonnenen Reichtum. Ein Vizekönig regiert als Vertreter eines Königs. Das Versprechen zeigt einen Anspruch auf Herrschaft und wirtschaftliche Rechte über Gebiete anderer Menschen.
Nach dem Historiker Jürgen Zimmerer diente die religiöse Abwertung von Nichtchristen dazu, frühe Landnahme zu rechtfertigen. Hier musst du drei Fragen trennen: Wer beanspruchte Herrschaft? Wie stellte er diesen Anspruch damals als berechtigt dar? Welche Interessen und Mittel erklären sein Handeln? Gewinnstreben oder Mission zu erklären bedeutet nicht, Unterwerfung gutzuheißen.
| Bereich | Bedeutung für die Expansion |
|---|---|
| Wirtschaft | Gewinnaussichten und Zugang zu begehrten Waren waren Beweggründe. |
| Politik | Konkurrenz um Macht war ein Beweggrund. |
| Religion | Die Verbreitung des christlichen Glaubens war ein Beweggrund. |
| Technik und Geld | Schiffe, Karten, Navigation und Finanzierung ermöglichten die Fahrten. |
Merke: Unterscheide Beweggründe und Voraussetzungen: Ein Gewinnziel erklärt das Wozu, ein geeignetes Schiff hilft beim Wie.
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Amerika war schon vor 1492 von vielfältigen Gesellschaften bewohnt. Das Wort „Entdeckung“ beschreibt daher das europäische Kennenlernen. Die Geschichte der dortigen Menschen begann nicht erst mit der Ankunft europäischer Seefahrer. Für betroffene Menschen konnten die Begegnungen den Verlust von Land, Freiheit und Leben bedeuten.
Die Bewohner trafen auch eigene politische Entscheidungen. Ein Beispiel ist Powhatan, ein indigener Herrscher in Virginia. Indigen bedeutet hier: zu den Gesellschaften gehörend, die dort schon vor der europäischen Kolonisierung lebten. Als Engländer 1607 Jamestown in Virginia gründeten, trafen sie auf Powhatan und mit ihm verbündete Gemeinschaften.
Der National Park Service ist hier der Herausgeber einer historischen Erklärung über Powhatan. Er nutzt dabei einen Bericht des englischen Beteiligten John Smith. Smith berichtete, Powhatan habe ein Bündnis mit Land und Versorgung angeboten. Dafür habe er die Anerkennung seiner Führung und Gegenleistungen erwartet. Wir erfahren davon also über Smiths Bericht und dessen heutige Auswertung. Das gibt keinen unmittelbaren Einblick in alle Gedanken Powhatans.
Powhatan lieferte Nahrung. 1608 verweigerte er bei einer englischen Kronenübergabe das verlangte Niederknien. Bei wachsenden Spannungen ließ er den Handel mit Jamestown einstellen. Nach Smiths Abreise 1609 überfielen englische Siedler zunehmend umliegende Orte, um sie auszurauben. Powhatan unterstützte Gegenwehr. Englische Gewalt und Verstärkungen begrenzten jedoch seine Möglichkeiten.
Das Beispiel zeigt Verhandlungen, Verweigerung und Widerstand. Es steht nicht für das Verhalten aller indigenen Gesellschaften. Wenn du nur von „Entdeckung“ sprichst, bleiben bestehende politische Ordnungen, eigene Entscheidungen und Konflikte um Herrschaft leicht unsichtbar.
Merke: Frage bei „Entdeckung“: Für wen war etwas neu? Die Bewohner Amerikas hatten schon vorher eine eigene Geschichte.
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Globale Vernetzung bedeutet hier, dass verschiedene Weltregionen miteinander verbunden wurden. Über neue Verbindungen gelangten Waren, Pflanzen, Tiere und Krankheitserreger in andere Gebiete. Kartoffeln kamen aus Amerika in andere Weltregionen, Pferde nach Amerika. Eingeschleppte Krankheiten trafen die dortigen Bevölkerungen schwer. Die Folgen waren nicht für alle gleich oder vorteilhaft.
Sklavenhändler verschleppten Menschen aus Afrika über den Atlantik nach Amerika. Dieser Handel verband die Produktion auf Plantagen mit Märkten jenseits des Meeres. Plantagen sind große landwirtschaftliche Betriebe, die Waren für den Verkauf erzeugen. Händler konnten Gewinne erzielen. Für versklavte Menschen konnte dieser Handel den Verlust von Selbstbestimmung und Gewalt bedeuten. Ihre Verschleppung darfst du nicht wie einen freiwilligen Handelskontakt behandeln.
Versklavte Menschen wehrten sich auch gegen ihre Unterdrückung. Im kolonialen Amerika verbündeten sich aus der Sklaverei Geflohene mit indigenen Gruppen, die Widerstand leisteten. Es entstanden Siedlungen Geflohener. Diese Handlungen zeigen eigene Entscheidungen unter ungleichen Machtverhältnissen. Das Beispiel belegt jedoch nicht, dass alle versklavten Menschen dieselben Möglichkeiten hatten.
Für dein Urteil kannst du fragen: Wer konnte gewinnen? Wer verlor Freiheit oder Land? Wer konnte selbst entscheiden, und wen schränkte Gewalt ein? So unterscheidest du die Folgen für verschiedene Beteiligte, statt mehr Verbindungen schon als Vorteil für alle zu bewerten.
Die Übersichtsgrafik dieser Seite ist ein vereinfachtes Lernschema, kein Bild aus der damaligen Zeit. Ihr unterer Krankheitspfeil zeigt von Afrika nach Amerika. Die Pfeile stellen Verbindungen dar, keine vollständigen Fahrtrouten. Sie beweisen weder eine absichtliche Krankheitsübertragung noch gleiche Erfahrungen aller Beteiligten.
Merke: Beurteile Vernetzung nach ihren Folgen für konkrete Menschen. Gewinne, Freiheit, Zwang und eigene Handlungsmöglichkeiten gehören zusammen in die Untersuchung.
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Alles auf einen Blick
Europäische Expansion
Begriffe
Expansion, Kolonisierung und Kolonialismus beschreiben unterschiedliche Vorgänge und Verhältnisse.
Motive und Mittel
Gewinn, Macht und Mission waren Beweggründe; Technik und Finanzierung ermöglichten Fahrten.
Herrschaft
Einen Anspruch zu erklären bedeutet nicht, seine damalige Rechtfertigung zu übernehmen.
Amerika
Powhatans Beispiel zeigt Verhandlungen, eigene Entscheidungen und Widerstand. Es steht nicht für alle indigenen Gesellschaften.
Folgen
Neue Verbindungen brachten Austausch, aber auch schwere Krankheitsfolgen, Gewalt und erzwungene Verschleppung.
Urteil
Unterscheide Gewinne, Selbstbestimmung und Handlungsmöglichkeiten der verschiedenen Beteiligten.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Die Seefahrten zeitlich ordnen
- 1Aufgabe: Ordne die Umfahrung des Kaps der Guten Hoffnung, Kolumbus’ Ankunft in der Karibik und Vasco da Gamas Ankunft in Indien.
- 2Daten zuordnen: Das Kap wurde 1488 umfahren. Kolumbus erreichte die Karibik 1492. Vasco da Gama erreichte Indien auf dem Seeweg 1498.
- 3Reihenfolge bestimmen: Zuerst steht die Kapumfahrung, dann Kolumbus’ Ankunft in der Karibik und danach Vasco da Gamas Ankunft in Indien.
- 4Aussage begrenzen: Diese Reihenfolge ordnet die Fahrten zeitlich. Sie erklärt für sich genommen noch nicht ihre Beweggründe.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zu Powhatan und Jamestown In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Das Gründungsjahr Jamestowns wurde auf die Kronenübergabe übertragen. Richtig: Powhatan verweigerte 1608 das verlangte Niederknien.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Vasco da Gama erreichte Indien auf dem Seeweg im Jahr . Kolumbus gelangte bei seiner Suche nach einem westlichen Weg nach Asien 1492 in die . Kartoffeln gelangten durch die neuen Verbindungen aus in andere Weltregionen.
Karteikasten
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