Geschichte · Klasse 5–8 · aktualisiert
König: Amt, Macht und Nachfolge verstehen
Du lernst, was ein Königstitel bedeutet, wie Nachfolge und Vertretung funktionieren und worauf königliche Macht beruhte.
0 von 10 Aufgaben gelöst
Kurz gesagt
Ein König trägt einen Herrschertitel. Wie viel Macht er tatsächlich hat, hängt von den Regeln seines Landes und anderen Mächtigen ab. Der Titel allein bedeutet deshalb nicht, dass er alles entscheiden kann.
Eine Krone lässt einen König mächtig aussehen. Aber kann er deshalb jedes Gesetz allein beschließen? Du untersuchst, wie Könige ihr Amt erhielten, wer sie unterstützte und warum ein guter Ruf noch kein Beweis für gutes Handeln ist.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
5 Abschnitte
König und Königin sind Titel für einen Monarchen. So nennt man einen Herrscher, dessen Amt etwa durch Erbfolge oder Wahl besetzt wird. Der Titel sagt aber noch nicht, welche Entscheidungen dieser Herrscher treffen und durchsetzen kann. Das hängt von den Regeln des Landes und anderen Mächtigen ab.
Auch ein Kaisertitel bedeutete keine grenzenlose Macht. Im Deutschen Kaiserreich konnte der Kaiser den Kanzler ernennen, also ein wichtiges Regierungsamt besetzen. Für Gesetze brauchte es jedoch den Reichstag und den Bundesrat. Das waren zwei weitere Einrichtungen des Staates, die an der Entscheidung über Gesetze beteiligt waren.
Unterscheide deshalb zwei Fragen: Welchen Titel trug jemand? Und was durfte und konnte er tatsächlich entscheiden?
Definition
Königstitel
Der Königstitel bezeichnet das Herrscheramt. Er beweist für sich genommen nicht, dass sein Träger ohne Grenzen entscheiden kann.
Teste dich
Bei der Erbfolge geht das Herrscheramt innerhalb einer Familie weiter, etwa nach dem Tod eines Königs oder nach seinem Verzicht auf das Amt. Diesen Verzicht nennt man Abdankung. Die Regeln der Erbfolge waren je nach Land und Zeit verschieden.
Bei einer Königswahl bestimmen die dazu berechtigten Wähler den neuen Herrscher. Das muss keine Wahl durch das ganze Volk sein. Bei der römisch-deutschen Königswahl entschied ein begrenzter Kreis mächtiger Männer. Später waren dafür bestimmte Fürsten zuständig, die Kurfürsten hießen. Fürsten waren mächtige Herrscher im Reich.
Eine Regentschaft ist etwas anderes: Ein Regent übernimmt die Regierung stellvertretend für den Monarchen. Dadurch erhält er nicht dessen Königstitel. Anlass kann sein, dass der Monarch noch zu jung zum Regieren oder dazu nicht fähig ist. Die jeweiligen Regeln bestimmen Anfang und Ende. Eine solche Vertretung kann viele Jahre dauern.
Georg, Prinz von Wales, wurde 1811 Regent für seinen erkrankten Vater, König Georg III. Er handelte im Namen seines Vaters. Bei dessen Genesung sollte die Vertretung enden. Sie endete jedoch erst mit dem Tod des Vaters am 29. Januar 1820. Erst danach wurde der bisherige Regent selbst König Georg IV.
| Begriff | Was geschieht? |
|---|---|
| Erbfolge | Das Herrscheramt geht nach den geltenden Regeln innerhalb einer Familie weiter. |
| Königswahl | Berechtigte Wähler bestimmen den neuen König. |
| Regentschaft | Ein Vertreter regiert für den Monarchen, ohne dadurch dessen Titel zu erhalten. |
Merke: Nachfolge und Vertretung sind verschiedene Dinge. Auch eine lange Regentschaft macht den Vertreter nicht von selbst zum König.
Teste dich
Römisch-deutsche Könige brauchten die Zusammenarbeit mit mächtigen Männern im Reich. Sie konnten nicht allein auf ihren Titel vertrauen. Ihre Herrschaft wurde auch religiös begründet: Der König sollte sein Amt durch Gottes Willen besitzen. Diese Vorstellung heißt Gottesgnadentum. Sie machte den König aber nicht unabhängig von anderen Mächtigen.
Die Kirche konnte einen König unterstützen. Zwischen König und Kirche konnte es jedoch auch Streit geben. Beim Investiturstreit ging es unter anderem um den königlichen Anspruch, Bischöfe und Äbte einzusetzen. Bischöfe waren hohe Kirchenleiter, Äbte leiteten Klöster, also religiöse Gemeinschaften.
Auch Besitz und Einkünfte waren wichtig. Damit konnten Könige ihre Gefolgsleute versorgen, also Männer, die ihnen dienten und sie unterstützten. Das stärkte auch ihre Möglichkeiten, bewaffnete Männer einzusetzen. Ein Beispiel aus Skandinavien, einer Region im Norden Europas, sind die Königshöfe: Sie boten dem König und seiner Mannschaft Unterkunft und Nahrung. Dieses Beispiel gilt für Skandinavien und beschreibt nicht jedes mittelalterliche Königreich.
Beispiel: Versorgung auf skandinavischen Königshöfen
- 1Königshöfe boten dem König und seiner Mannschaft Unterkunft und Nahrung.
- 2Daran erkennst du eine Aufgabe königlichen Besitzes: Er half, den König und seine Mannschaft zu versorgen.
- 3Das Beispiel stammt aus Skandinavien. Über andere Königreiche musst du gesondert nachforschen.
Merke: Zusammenarbeit, Beziehungen zur Kirche sowie Besitz und Einkünfte konnten königliche Macht stützen.
Teste dich
Im Heiligen Römischen Reich gab es einen römisch-deutschen König. Mit diesem Amt konnte die Kaiserwürde verbunden werden. Daneben besaßen die Fürsten viel Macht. Das Reich endete 1806.
Das 1871 gegründete Deutsche Kaiserreich war ein Bundesstaat, also ein Staat aus mehreren Teilstaaten. Der König von Preußen, einem dieser Staaten, war zugleich Deutscher Kaiser. Andere Monarchien bestanden weiter, darunter Bayern und Württemberg. Eine Monarchie ist eine Ordnung mit einem Monarchen an der Spitze.
1918 erschütterten Krieg, Niederlage und soziale Spannungen die monarchische Ordnung. Aus einem Aufstand von Matrosen entwickelte sich eine Revolution im ganzen Reich, also ein grundlegender politischer Umbruch. Am 9. November 1918 wurde in Berlin die Republik ausgerufen. Eine Republik hat keinen Monarchen an der Spitze. Die Monarchie brach im Reich und in den einzelnen Staaten zusammen.
Dabei musst du Bekanntgabe und eigene Erklärung unterscheiden: Max von Baden gab den Thronverzicht des Kaisers Wilhelm II. vorzeitig bekannt. Wilhelms eigene Abdankungsurkunde stammt vom 28. November 1918. Im Jahr 1919 erhielt die Republik ihre Weimarer Verfassung. Eine Verfassung legt die grundlegenden Regeln eines Staates fest.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1806 | Das Heilige Römische Reich endet. |
| 1871 | Das Deutsche Kaiserreich wird gegründet. |
| 1918 | Am 9. November wird in Berlin die Republik ausgerufen. |
| 1919 | Die Republik erhält ihre Weimarer Verfassung. |
Teste dich
Ein Text kann beschreiben, was ein König getan hat. Er kann aber auch fordern, wie ein König handeln soll. Solche Forderungen findest du in Fürstenspiegeln. Das sind belehrende Texte über richtiges Herrscherhandeln. Sie beschreiben überwiegend ein gewünschtes Verhalten und müssen keine Märchen sein.
Der mittelalterliche Autor Johannes von Salisbury schrieb den „Policraticus“. In Buch IV, also dem vierten Buch, beschreibt er ein Herrscherideal. Sinngemäß fordert er: Ein guter Herrscher soll dem Recht dienen und das Wohl der Gemeinschaft über seinen persönlichen Willen stellen. Das ist eine deutsche Zusammenfassung seines Gedankens, kein wörtliches Zitat.
Johannes begründet sein Ideal religiös. Sein Ideal ist nicht mit einer heutigen demokratischen Verfassung gleichzusetzen, also den Grundregeln eines Staates, in dem das Volk politisch mitbestimmt. Sein Text zeigt, welches Verhalten er von einem guten Herrscher erwartete. Er beweist nicht, dass ein bestimmter König tatsächlich so handelte.
Willst du das Handeln eines Königs prüfen, brauchst du weitere Belege für konkrete Entscheidungen. Ein Fürstenspiegel ist dennoch eine historische Quelle: Er gibt Auskunft über Vorstellungen guter Herrschaft. Eine Forderung und ein Bericht über tatsächliches Handeln beantworten unterschiedliche Fragen.
Definition
Herrscherideal
Eine Vorstellung davon, wie ein guter Herrscher handeln soll. Sie beweist nicht, dass ein Herrscher diese Forderung erfüllt hat.
Merke: Frage bei einem Text über Könige: Beschreibt er Handlungen oder fordert er ein bestimmtes Verhalten?
Teste dich
Alles auf einen Blick
König
Titel und Macht
Ein Königstitel allein beweist keine grenzenlose Entscheidungsfreiheit.
Nachfolge und Vertretung
Erbfolge und Wahl besetzen das Herrscheramt; eine Regentschaft ist eine stellvertretende Regierung.
Machtgrundlagen
Zusammenarbeit, Kirche sowie Besitz und Einkünfte konnten königliche Herrschaft stützen.
Deutschland
1918 brach die Monarchie im Reich und in den einzelnen Staaten zusammen.
Gute Herrschaft
Eine Forderung an Könige beweist noch nicht, dass sie tatsächlich erfüllt wurde.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Georgs Vertretung und seine Nachfolge unterscheiden
- 1Aufgabe: Erkläre, warum Georg 1811 Regent wurde, aber erst 1820 selbst König.
- 2Den Anlass bestimmen: Sein Vater Georg III. war erkrankt. Georg übernahm deshalb 1811 die Regierung in dessen Namen.
- 3Die Vertretung erklären: Der Vater blieb König. Bei seiner Genesung sollte die Regentschaft enden.
- 4Die Nachfolge einordnen: Der Vater starb am 29. Januar 1820. Erst danach wurde Georg selbst König Georg IV.
- 5Ergebnis: Die Übernahme der Regierung als Vertreter und die Übernahme des Königstitels waren zwei verschiedene Schritte.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zum Deutschen Kaiserreich In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage verwechselt Bayern mit Preußen. Richtig: Der König von Preußen war zugleich Deutscher Kaiser.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Das Heilige Römische Reich endete . Georg, Prinz von Wales, wurde wegen der Erkrankung seines Vaters Regent. Die Republik erhielt ihre Weimarer Verfassung .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback