Geschichte · Klasse 5–8 · aktualisiert
Herzog: Bedeutung, Macht und Entwicklung
Du lernst, wie sich der Herzogstitel veränderte, welche Herzogtümer es gab und warum ein Titel allein noch keine Macht beweist.
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Kurz gesagt
Herzog ist ein Adelstitel. Ursprünglich führten Herzöge germanische Krieger auf einem Kriegszug. Später konnten sie über Gebiete herrschen oder einen Titel tragen, mit dem keine Herrschaftsrechte verbunden waren.
Wenn jemand Herzog hieß, konnte er dann über ein ganzes Gebiet bestimmen? Der Titel allein verrät dir das nicht. Du lernst, wie sich seine Bedeutung veränderte und woran du tatsächliche Macht erkennst.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
3 Abschnitte
Herzog ist ein Adelstitel. Adel bezeichnet eine gesellschaftliche Gruppe mit besonderem Rang. Ein Titel nennt diesen Rang. Doch die Bedeutung des Wortes Herzog hat sich verändert.
Ursprünglich waren Herzöge Heerführer germanischer Stämme, also damaliger Bevölkerungsgruppen. Die freien Männer eines Stammes wählten sie für die Dauer eines Kriegszuges. Üblicherweise fiel die Wahl auf erfahrene und angesehene Krieger. Meist war auch wichtig, wie viele und wie kampfstarke Krieger ihnen folgten.
Später herrschte im Frankenreich die Königsfamilie der Merowinger. In eroberten germanischen und romanischen Stammesgebieten waren Herzöge Amtsträger des Königs. Romanische Sprachen sind aus dem Lateinischen entstanden. Die Herzöge erfüllten Aufgaben für den König, vorwiegend im militärischen Bereich, also bei Aufgaben rund um Heer und Krieg. Im frühen Mittelalter entstanden im Raum des Frankenreichs auch erbliche Stammesherzogtümer. Die Stellung konnte also innerhalb einer Familie weitergegeben werden.
Im 12. und 13. Jahrhundert wurden ältere Herzogtümer zunehmend aufgeteilt. Das geschah im Heiligen Römischen Reich, einem früheren Reich. Ein Herzog konnte nun über bestimmte Gebiete herrschen oder einen vom König verliehenen Adelstitel tragen. Aus der ursprünglichen Führung im Krieg waren unterschiedliche Stellungen geworden.
Definition
Herzog
Herzog ist ein Adelstitel. Das Wort bezeichnete ursprünglich einen Führer im Krieg. Welche Macht ein Herzog hatte, hing von der Zeit und seiner Stellung ab.
Merke: Achte auf die Zeit: Ein für einen Kriegszug gewählter Heerführer hatte eine andere Stellung als ein späterer Träger eines erblichen Herzogstitels.
Teste dich
Ein Stammesherzogtum bezog sich auf das Gebiet eines Stammes. Zur Zeit König Heinrichs I. übten Stammesherzöge im Ostfrankenreich stellvertretend für den König Rechte aus. Das Ostfrankenreich war ein damaliges Reich. Die Herzöge standen dabei über örtlichen Adligen, etwa Grafen. Zu ihren Aufgaben gehörten die Führung von Kriegern und das Gericht, also das Entscheiden über Rechtsstreitigkeiten.
Ein Territorialherzogtum bezog sich dagegen auf bestimmte Landgebiete. Diese lagen oft auseinander. Entscheidend war hier der Bezug zu diesen Gebieten, nicht mehr zu einem ganzen Stammesgebiet. Im 12. und 13. Jahrhundert entstanden im Heiligen Römischen Reich durch die zunehmende Aufteilung von Stammesherzogtümern Territorialherzogtümer. Daneben gab es Herzogstitel, bei denen der Titel im Vordergrund stand.
Einzelne Teilungen hatten schon früher begonnen: 976 wurde Bayern in die Herzogtümer Baiern und Kärnten geteilt. 1156 wurde Österreich aus Bayern herausgelöst und zum Herzogtum erhoben. Solche Veränderungen zeigen: Ein Herzogtum musste nicht dauerhaft dasselbe Gebiet umfassen.
Definition
Territorialherzogtum
Ein Herzogtum, das sich auf bestimmte Landgebiete bezog. Diese Gebiete lagen oft auseinander. Ein Stammesherzogtum war dagegen auf ein Stammesgebiet bezogen.
Beispiel: Die Teilung Bayerns
- 1976 wurde Bayern in die Herzogtümer Baiern und Kärnten geteilt.
- 2Aus dem bisherigen Herzogtum wurden damit zwei Herzogtümer.
- 3Das Beispiel zeigt, dass sich die Gebiete von Herzogtümern durch Teilung verändern konnten.
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Ein Titel zeigt einen Rang. Ob ein Herzog in einem Gebiet wirklich bestimmen konnte, ist eine andere Frage. Welche Grafen und anderen Adligen seine übergeordnete Stellung anerkannten, hing vor allem von seiner Durchsetzungskraft ab. Damit ist seine Fähigkeit gemeint, andere dazu zu bringen, seine Entscheidungen anzuerkennen.
Das zeigt die Adelsfamilie der Askanier. Nach 1180 erhielt sie den Titel eines Herzogs von Sachsen für den Ostteil des bisherigen Stammesherzogtums. Dort konnte sie sich gegen die örtlichen Grafen nicht durchsetzen. Lediglich in ihren älteren und neu hinzugekommenen Lehensgebieten setzte sie sich mit dem Titel durch. Lehensgebiete waren hier Gebiete, die ein Herrscher ihr überlassen hatte. Die neuen Gebiete lagen um Lauenburg und Wittenberg.
Auch innerhalb einer Familie bedeutete derselbe Titel nicht dieselbe Regierungsaufgabe. Im Heiligen Römischen Reich führten sämtliche Mitglieder der betreffenden Herzogsfamilien den Herzogstitel. Wie sie das Regieren untereinander regelten, entschieden die Familien selbst. Sie konnten gemeinsam regieren oder Aufgaben und Gebiete aufteilen.
In vielen europäischen Monarchien erhielten oder erhalten königliche Prinzen zusätzlich historische Herzogstitel. Eine Monarchie ist eine Staatsform mit einem Monarchen, zum Beispiel einem König, an der Spitze. Früher waren diese Titel zum Teil mit Ländereien und Einkünften verbunden, jeweils aber ohne Herrschaftsrechte. Prüfe deshalb getrennt: Welchen Titel trug jemand? Welche Gebiete gehörten zu seiner Stellung? Und wo konnte er tatsächlich bestimmen?
Merke: Titel, Gebiet und tatsächliche Macht sind drei verschiedene Dinge. Erst weitere Angaben zeigen, welche Herrschaftsrechte jemand hatte und wo er sie durchsetzen konnte.
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Alles auf einen Blick
Herzog
Ursprung
Freie Männer eines germanischen Stammes wählten den Herzog als Heerführer für einen Kriegszug.
Veränderung
Unter den Merowingern waren Herzöge in eroberten germanischen und romanischen Stammesgebieten königliche Amtsträger. Im Raum des Frankenreichs entstanden im frühen Mittelalter erbliche Stammesherzogtümer.
Gebiete
Ein Stammesherzogtum bezog sich auf ein Stammesgebiet, ein Territorialherzogtum auf bestimmte, oft auseinanderliegende Landgebiete.
Macht
Die Anerkennung durch örtliche Adlige hing vor allem von der Durchsetzungskraft des jeweiligen Herzogs ab.
Titel
Zusätzliche historische Herzogstitel königlicher Prinzen wurden oder werden in vielen europäischen Monarchien jeweils ohne Herrschaftsrechte verliehen.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Was beweist der Titel der Askanier?
- 1Aufgabe: Beurteile, ob der Titel eines Herzogs von Sachsen die Herrschaft der Askanier über den gesamten damit gemeinten Ostteil beweist.
- 2Titel feststellen: Nach 1180 erhielt die Adelsfamilie den Titel für den Ostteil des bisherigen sächsischen Stammesherzogtums.
- 3Macht prüfen: Gegen die örtlichen Grafen konnte sie sich dort nicht durchsetzen. Lediglich in ihren älteren Lehensgebieten und neuen Lehensgebieten um Lauenburg und Wittenberg setzte sie sich mit dem Titel durch.
- 4Urteil formulieren: Der Titel allein beweist keine Herrschaft über den gesamten damit gemeinten Ostteil. Die tatsächliche Macht reichte weniger weit.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zu königlichen Prinzen In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage verwechselt einen Titel mit Herrschaftsrechten. Richtig: In vielen europäischen Monarchien wurden oder werden königlichen Prinzen diese zusätzlichen historischen Herzogstitel jeweils ohne Herrschaftsrechte verliehen.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Die freien Männer eines germanischen Stammes bestimmten den ursprünglichen Herzog für die Dauer eines . Österreich wurde 1156 aus herausgelöst und zum Herzogtum erhoben. Nach 1180 erhielt die Familie der den Herzogstitel für den Ostteil des bisherigen sächsischen Stammesherzogtums.
Karteikasten
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