Geschichte · Klasse 5–8 · aktualisiert
Hochkultur: Merkmale und Begriffskritik
Du lernst, was Hochkulturen ausmacht, was Funde über Menschen verraten und warum „hoch“ nicht „wertvoller“ bedeutet.
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Kurz gesagt
Eine historische Hochkultur ist eine Gesellschaft, deren Zusammenleben besonders vielschichtig organisiert ist. Typisch sind etwa Städte, Schrift und verschiedene Berufe. Welche Merkmale nötig sind, ist umstritten; der Begriff bedeutet heute nicht, dass Menschen mehr wert waren.
Wie lebten Menschen zusammen, wenn sie Städte bauten und verschiedene Aufgaben übernahmen? Solche Fragen helfen dir, historische Hochkulturen zu verstehen. Dabei unterscheidest du zwischen dem Aufbau einer Gesellschaft und einer Bewertung ihrer Menschen.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Eine Gesellschaft besteht aus Menschen, die zusammenleben und ihr Zusammenleben ordnen. Als Hochkultur bezeichnet die Geschichtsforschung eine Gesellschaft mit einer besonders vielschichtigen Ordnung. Dafür wird auch das Wort „komplex“ verwendet: Viele unterschiedliche Bereiche des Lebens hängen zusammen.
Dazu können Städte, Schrift, verschiedene Berufe, Herrschaft und eine Verwaltung gehören. Eine Verwaltung erledigt Aufgaben für die gemeinsame Ordnung. Es geht also um den Aufbau des Zusammenlebens, nicht darum, ob einzelne Menschen besonders klug waren.
Eine einzige, allgemein anerkannte Erklärung dafür, welche Gesellschaften als Hochkulturen gelten, gibt es nicht. Die Religionsforscherin Ulrike Peters weist auf diese fehlende gemeinsame Definition hin. Eine Definition erklärt genau, was ein Begriff bedeutet. Nach Peters wird der Begriff trotzdem weiterhin in der Wissenschaft verwendet und mit bestimmten Eigenschaften verbunden. Deshalb bleibt teilweise umstritten, welche Gesellschaften dazugehören.
Definition
Historische Hochkultur
Eine Gesellschaft mit einer besonders vielschichtigen Ordnung des Zusammenlebens. Wo genau die Grenze zu anderen Gesellschaften liegt, ist umstritten.
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Bei Hochkulturen treten bestimmte Merkmale häufig, aber nicht immer gemeinsam auf. Dazu gehören Städte und große Bauwerke, Schrift sowie eine Herrschaft mit Verwaltung. Auch eine Religion mit Priestern gehört zu den häufig genannten Merkmalen. Priester übernehmen besondere religiöse Aufgaben.
Weitere Merkmale betreffen die Versorgung und die Arbeit. Landwirtschaft kann mehr Nahrung hervorbringen, als gerade gebraucht wird. Das nennt man einen Überschuss. Hinzu kommen die Verarbeitung von Metall, Märkte, der Handel mit Geld und Arbeitsteilung. Arbeitsteilung bedeutet, dass Menschen unterschiedliche Aufgaben übernehmen.
Der Geograf Herbert Wilhelmy, ein Forscher über die Erde und ihre Lebensräume, erklärte die Entwicklung von Hochkulturen mit regelmäßig erzeugten Nahrungsüberschüssen. Wichtig waren nach seiner Erklärung Grundnahrungsmittel, die sich lagern ließen. Als Beispiele nannte er Reis in Ost-Asien und Mais in Mittelamerika.
Die Merkmale sind keine starre Checkliste. Forscher sind sich nicht einig, welche davon unbedingt vorhanden sein müssen und welche Kombination ausreicht. Schrift ist deshalb ein Hinweis unter mehreren. Ein Schriftfund allein entscheidet die Einordnung nicht und belegt auch nicht zugleich Städte oder große Bauwerke.
Beispiel: Stadt und großes Bauwerk unterscheiden
- 1Städte und große Bauwerke werden beide als typische Merkmale genannt.
- 2Trotzdem sind es unterschiedliche Merkmale: Ein großes Bauwerk ist nicht dasselbe wie eine Stadt.
- 3Du prüfst mehrere Merkmale und behandelst keines davon als fertigen Beweis für die gesamte Ordnung.
Merke: Typische Merkmale treten häufig, aber nicht immer gemeinsam auf. Eine allgemein anerkannte Pflichtliste gibt es nicht.
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Die Archäologie erforscht die Vergangenheit anhand von erhaltenen Dingen und Spuren. Dazu gehören Gebäude, Werkzeuge und Kunstwerke. Forscher halten zuerst genau fest, was sie vorfinden. Danach ordnen und untersuchen sie die Funde. Erst darauf bauen sie ihre Erklärungen über das frühere Leben auf.
Gegenstände lassen sich nach Form und Material ordnen und mit anderen Funden vergleichen. Medizinische Untersuchungen alter menschlicher Knochen können Hinweise auf Krankheiten, Ernährung und Lebensbedingungen geben. Sie erlauben also vorsichtige Aussagen über die Gesundheit früherer Menschen, nicht ohne weitere Belege über deren Reichtum.
Wichtig ist auch, wo ein Gegenstand lag und welche Spuren ihn umgeben. Diese Fundumstände heißen Befund. Bei einem Grab gehören etwa die Lage der Knochen, beigelegte Gegenstände und die Erdschichten dazu. Tiergänge können die ursprüngliche Anordnung verändern. Deshalb muss man prüfen, ob die Lage noch dem Zustand bei der Bestattung entspricht.
Beim Ausgraben wird der Befund zerstört. Fotos, Zeichnungen und Beschreibungen halten deshalb die Zusammenhänge fest. Graben ist nur ein kleiner Teil der Arbeit. Das Festhalten, Auswerten, Erhalten und Aufbewahren der Funde nimmt den weitaus größten Teil ein. Eine vorsichtige Erklärung nennt, was tatsächlich beobachtet wurde und was sich daraus ableiten lässt.
Definition
Befund
Die Fundumstände: etwa die Lage von Gegenständen und ihr Zusammenhang mit den umgebenden Erdschichten.
Merke: Ein Fund braucht seinen Zusammenhang. Halte Beobachtung und Erklärung auseinander und prüfe mögliche Veränderungen.
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Der Begriff entstand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Damals war die Vorstellung verbreitet, Gesellschaften entwickelten sich auf einer festen Stufenleiter vom Einfachen zum Vielschichtigen. „Hochkultur“ hieß in diesem Modell die höchste Stufe.
Diese Vorstellung wurde später grundlegend kritisiert. Sie machte aus Unterschieden eine Rangordnung: Manche Kulturen erschienen als höher, andere als niedriger. Das Wort „hoch“ kann diese alte Bewertung noch heute nahelegen.
In der heutigen Geschichtsforschung bedeutet „Hochkultur“ eine komplexe Gesellschaft. „Komplex“ heißt vielschichtig organisiert, nicht wertvoller. Der Begriff wird dort ohne die frühere Bewertung in höhere und niedrigere Entwicklungsstufen verwendet. Oft wird er durch Ausdrücke wie „komplexe Gesellschaft“ oder „städtische Gesellschaft“ ersetzt.
Du kannst also untersuchen, wie Menschen ihr Zusammenleben ordneten, ohne ihnen einen unterschiedlichen Wert zuzuschreiben. Davon zu unterscheiden ist eine weitere offene Frage: Welche Gesellschaften als Hochkulturen gelten, bleibt teilweise umstritten.
Merke: Eine vielschichtigere Ordnung macht Menschen nicht wertvoller. Beschreibe Unterschiede, ohne daraus eine Rangordnung des Wertes zu machen.
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Alles auf einen Blick
Hochkultur
Bedeutung
Hochkultur bezeichnet eine besonders vielschichtig organisierte Gesellschaft.
Merkmale
Städte, Schrift oder Arbeitsteilung sind typische Hinweise, keine starre Pflichtliste.
Funde
Erhaltene Dinge und ihre Lage helfen dabei, früheres Leben vorsichtig zu erklären.
Grenzen
Welche Merkmale nötig sind und welche Gesellschaften dazugehören, ist teilweise umstritten.
Begriffskritik
Eine komplexere Ordnung bedeutet keinen höheren Wert der Menschen.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Was können Untersuchungen alter Knochen zeigen?
- 1Aufgabe: Erkläre, was medizinische Untersuchungen alter menschlicher Knochen über das frühere Leben verraten können.
- 2Untersuchungsgegenstand nennen: Forscher untersuchen erhaltene menschliche Knochen.
- 3Mögliche Aussage bestimmen: Die Untersuchungen können Hinweise auf Krankheiten und Ernährung geben.
- 4Vorsichtig formulieren: Solche Hinweise helfen dabei, Lebensbedingungen zu erschließen. Sie beantworten nicht jede Frage über die Gesellschaft.
- 5Grenze nennen: Aus einer Aussage über die Gesundheit folgt ohne weitere Belege keine Aussage über den Reichtum der untersuchten Menschen.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zum Begriff „Hochkultur“ In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2„Wertvollere“ verwechselt die Ordnung einer Gesellschaft mit ihrem Wert. Richtig: In der heutigen Geschichtsforschung bedeutet „Hochkultur“ eine komplexe, also vielschichtig organisierte Gesellschaft.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Der Begriff „Hochkultur“ entstand in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts. Herbert Wilhelmy nannte Reis als lagerfähiges Grundnahrungsmittel in . Den weitaus größten Teil archäologischer Arbeit bildet das .
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