Geschichte · Klasse 5–8 · aktualisiert
Keilschrift: Entstehung, Zeichen und Bedeutung
Wie wurden aus Bildern Keile im Ton? Du lernst, warum Menschen Vorräte aufschrieben und was alte Tontafeln belegen können.
0 von 10 Aufgaben gelöst
Kurz gesagt
Keilschrift besteht aus keilförmigen Eindrücken, meist in Ton. Sie entwickelte sich aus Bildzeichen, die in Mesopotamien um 3300 v. Chr. für die Verwaltung genutzt wurden. Später schrieben Menschen damit verschiedene Sprachen.
Wie behältst du den Überblick, wenn Getreide ins Lager kommt und wieder ausgegeben wird? In frühen Städten halfen dabei schriftliche Aufzeichnungen. Du erfährst, wie daraus eine vielseitige Schrift entstand und wie du ihre Spuren untersuchst.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
In Mesopotamien, dem Land zwischen den Flüssen Euphrat und Tigris, entstanden große Städte. Dort mussten Menschen Vorräte sammeln, lagern und verteilen. Wer hatte etwas geliefert? Wie viel wurde ausgegeben? Solche Angaben im Gedächtnis zu behalten, wurde bei vielen Vorgängen schwierig.
Um 3300 v. Chr. hielten Menschen im südlichen Mesopotamien solche Angaben mit Bildzeichen und Zahlzeichen auf Ton fest. Das half bei der Verwaltung, also beim Ordnen und Kontrollieren von Aufgaben und Vorräten. Aus den frühen Bildzeichen entwickelte sich nach und nach die Keilschrift.
Anfangs ritzten Schreiber Zeichen ein. Später drückten sie mit einem Griffel, etwa aus Schilfrohr, keilförmige Spuren in weichen Ton. Ein Griffel ist ein Schreibstift. Die Form dieser Eindrücke gab der Schrift ihren Namen.
Definition
Keilschrift
Keilschrift ist eine Schrift aus keilförmigen Eindrücken. Ein Zeichen kann aus mehreren Keilen bestehen.
Merke: Schrift half, Lieferungen und Ausgaben festzuhalten. Die frühen Bildzeichen und die spätere Keilschrift sahen nicht genau gleich aus.
Teste dich
In der entwickelten Keilschrift erfüllten Zeichen verschiedene Aufgaben. Ein Wortzeichen stand für ein ganzes Wort. Ein Silbenzeichen gab eine Silbe wieder, also eine gesprochene Einheit. Ein Wort kann aus einer oder mehreren Silben bestehen. Du hörst zum Beispiel in „Mama“ die Silben „Ma“ und „ma“. Das ist ein heutiges Beispiel zum Verstehen von Silben.
Ein Determinativ war ein stummer Hinweis: Es zeigte an, zu welcher Gruppe ein Wort gehörte, etwa zu Personen oder Orten. Beim Vorlesen wurde dieser Hinweis nicht mitgesprochen. Er half, das folgende oder zugehörige Wort richtig einzuordnen.
Die Aufgabe eines Zeichens hing auch vom Zusammenhang ab. Deshalb reichte es beim Lesen nicht, einzelne Keile zu zählen. Schreiber mussten die Zeichen und ihre Verwendung lernen.
| Zeichenart | Aufgabe |
|---|---|
| Wortzeichen | Steht für ein ganzes Wort. |
| Silbenzeichen | Gibt eine Silbe wieder. |
| Determinativ | Ordnet ein Wort einer Gruppe zu; bleibt beim Lesen stumm. |
Beispiel: Zeichen nach ihrer Aufgabe ordnen
- 1Ein Zeichen steht für ein ganzes Wort: Es wird als Wortzeichen verwendet.
- 2Ein Zeichen steht für eine Silbe: Es wird als Silbenzeichen verwendet.
- 3Ein Zeichen weist stumm auf eine Wortgruppe hin: Es wird als Determinativ verwendet.
Teste dich
Keilschrift ist keine einzelne Sprache. Sumerisch und Akkadisch waren verschiedene Sprachen, die mit Keilschrift geschrieben wurden. Die Schreiber passten die Verwendung der Zeichen an ihre jeweilige Sprache an.
Besonders Silbenzeichen halfen dabei: Sie gaben Laute wieder, aus denen sich Wörter zusammensetzen ließen. Wortzeichen konnten in verschiedenen Sprachen unterschiedlich gelesen werden. Ein gemeinsames Zeichen musste deshalb nicht überall gleich klingen.
Du kennst eine ähnliche Unterscheidung von Schrift und Sprache: Unsere lateinischen Buchstaben werden für deutsche und englische Wörter genutzt. Das ist ein heutiger Vergleich. Er bedeutet nicht, dass Keilschrift genauso wie unser Alphabet aufgebaut war.
Merke: Eine Sprache besteht unter anderem aus Wörtern und Regeln. Eine Schrift macht Sprache sichtbar. Dieselbe Schrift kann für verschiedene Sprachen angepasst werden.
Teste dich
Eine Tontafel kann dir etwas über das Leben früherer Menschen verraten. Du musst aber prüfen, was auf ihr steht und welche Angaben dir fehlen. Eine einzelne Aufzeichnung erzählt nicht das ganze Leben ihrer Verfasser.
Unser Material ist eine Beschreibung eines echten Objekts im Metropolitan Museum of Art. Sie ist keine wörtliche Übersetzung der Tafel. Das Museum bezeichnet das Stück als Quittung für Gerste und datiert es auf um 557 v. Chr. Gerste ist eine Getreideart. Als Herkunft nennt es vermutlich Babylon in Mesopotamien. Das Stück besteht aus Ton. In den hier genutzten Museumsangaben werden Schreiber und Empfänger nicht genannt.
Daraus kannst du begründet schließen: Der Empfang von Gerste wurde schriftlich festgehalten. Ob die beteiligten Menschen zufrieden waren, sagt die vorliegende Beschreibung nicht. Das wäre eine Vermutung, also eine Aussage, die durch unser Material noch nicht belegt ist.
Beispiel: Material: eine echte Gerstenquittung
- 1Objekt: Tontafel, Quittung für Gerste; Metropolitan Museum of Art.
- 2Datierung: um 557 v. Chr.; Herkunft: vermutlich Babylon.
- 3Quellenart: schriftliche Bestätigung eines Empfangs. Schreiber und Empfänger: in unseren Angaben nicht genannt.
- 4Grundlage der Aufgabe ist die Museumsbeschreibung; ein übersetzter Tafeltext liegt hier nicht vor.
Merke: Ein Beleg stützt eine bestimmte Aussage. Frage genau: Was erfahre ich aus dem Material? Was bleibt offen? Wörter wie „um“ und „vermutlich“ zeigen Unsicherheit an.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Keilschrift
Entstehung
Die Verwaltung von Vorräten förderte schriftliche Aufzeichnungen. Aus Bildzeichen entwickelte sich Keilschrift.
Schreibweise
Mit einem Griffel wurden keilförmige Eindrücke in weichen Ton gedrückt.
Zeichenarten
Wortzeichen standen für Wörter, Silbenzeichen für Silben. Determinative waren stumme Gruppenhinweise.
Sprachen
Schreiber passten die Keilschrift an verschiedene Sprachen an. Schrift und Sprache sind nicht dasselbe.
Quellen prüfen
Begründe Aussagen mit dem vorliegenden Material und kennzeichne offene Fragen.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Eine Aussage über die Gerstenquittung prüfen
- 1Frage: Belegt unsere Museumsbeschreibung, dass die Beteiligten genug zu essen hatten?
- 2Material prüfen: Beschrieben wird eine Quittung für Gerste. Ein übersetzter Tafeltext liegt uns nicht vor.
- 3Beleg nennen: Die Bezeichnung als Quittung zeigt, dass ein Empfang schriftlich bestätigt wurde.
- 4Grenze erkennen: Angaben zur gesamten Ernährung der Beteiligten fehlen. Aus diesem Material lässt sich ihre Versorgung nicht sicher beurteilen.
Fehler finden
Welche Aussage verwechselt Schrift und Sprache? In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Eine gemeinsame Schrift macht Sprachen nicht gleich. Richtig: Sumerisch und Akkadisch blieben verschiedene Sprachen mit unterschiedlichen Wörtern.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Die frühen Aufzeichnungen halfen bei der von Vorräten. Ein Silbenzeichen gab eine wieder. Ein Determinativ wurde beim Vorlesen .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback