Geschichte · Klasse 5–8 · aktualisiert
Archäologie: Funde lesen und deuten
Du lernst, wie Archäologen Spuren der Vergangenheit untersuchen, Funde deuten und ihre Arbeit genau festhalten.
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Kurz gesagt
Archäologie erforscht die Vergangenheit anhand von Überresten wie Gebäuden und Werkzeugen. Forscher suchen, dokumentieren und untersuchen diese Spuren. Daraus entwickeln sie Erklärungen, bei denen auch Fragen offenbleiben können.
Ein altes Werkzeug erzählt seine Geschichte nicht selbst. Du musst es genau untersuchen und wissen, wo es gefunden wurde. Archäologen arbeiten mit solchen Spuren. Du lernst, wie sie daraus etwas über das Leben früherer Menschen erfahren.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Die Archäologie erforscht die Vergangenheit der Menschen anhand ihrer erhaltenen Überreste. Dazu gehören Gebäude, Werkzeuge und Kunstwerke. Solche Gegenstände und baulichen Reste nennt man Sachquellen: Sie liefern Hinweise auf vergangenes Leben.
Eine Schriftquelle ist dagegen ein erhaltener Text aus der Vergangenheit. Bei einer vorwiegend schriftbezogenen Geschichtsforschung stehen solche Texte im Mittelpunkt. Archäologen können ebenfalls Schriftquellen nutzen. Ihr Schwerpunkt liegt jedoch auf den erhaltenen Dingen und Spuren.
Die Archäologie untersucht nicht bloß Zeiten ohne Schrift. Es gibt zum Beispiel auch Archäologen, die Gebäude und Gegenstände aus dem Mittelalter erforschen. Sie können ihre Ergebnisse mit erhaltenen Texten vergleichen.
Definition
Sachquelle
Ein erhaltener Gegenstand oder baulicher Rest aus der Vergangenheit, den du untersuchen kannst, um etwas über früheres Leben zu erfahren.
Merke: Der Unterschied liegt im Schwerpunkt: Archäologen untersuchen vor allem erhaltene Dinge und Spuren. Dabei können auch Texte helfen.
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Eine Fundstelle ist ein Ort, an dem Überreste früheren Lebens liegen. Forscher können bei der Suche das Gelände abgehen oder Luftbilder untersuchen. Luftbilder ermöglichen einen Blick auf das Gelände, ohne in den Boden einzugreifen. Suchgräben greifen dagegen in den Boden ein. Voruntersuchungen helfen, eine Grabung zu planen. Die meisten Fundplätze werden heute durch Bauarbeiten entdeckt.
Wenn eine Grabung stattfindet, legen Archäologen Überreste frei. Dabei halten sie genau fest, was wo liegt. Dieses Festhalten nennt man Dokumentation. Es gehört schon zur Grabung und beginnt nicht erst nach ihrem Abschluss.
Bei der Auswertung untersuchen die Forscher unter anderem Form und Material der Funde. Sie vergleichen die Gegenstände und bestimmen ihr Alter. Datieren bedeutet, etwas zeitlich einzuordnen. Man kann etwa fragen, welcher Fund älter ist. Andere Verfahren ermöglichen eine Einordnung in ein Jahr oder Jahrhundert.
Nach dem Untersuchen und Ordnen folgt die Deutung, auch Interpretation genannt. Die Forscher fragen: Was sagen die Spuren über das Leben der Menschen aus? Dazu vergleichen sie ihre Ergebnisse auch mit weiteren Quellen. Funde werden außerdem vor Schäden geschützt und für spätere Untersuchungen aufbewahrt.
| Arbeitsschritt | Was geschieht? |
|---|---|
| Suchen und vorbereiten | Gelände und mögliche Fundstellen untersuchen; eine Grabung planen. |
| Ausgraben und dokumentieren | Überreste freilegen und ihre Lage genau festhalten. |
| Auswerten | Form, Material und Alter untersuchen; Funde vergleichen und ordnen. |
| Deuten | Mit den Ergebnissen und weiteren Quellen vergangenes Leben erklären. |
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Bei einer Sachquelle trennst du drei Dinge. Eine Beobachtung beschreibt, was gefunden wurde oder untersucht werden kann. Eine Schlussfolgerung erklärt, was das bedeuten könnte. Unsicherheit bezeichnet das, was noch offen ist. Eine mögliche Erklärung ist noch kein sicherer Nachweis.
Bei Obermeilen am Zürichsee wurden hölzerne Pfeiler, Steinbeile und Keramik, also Gegenstände aus gebranntem Ton, entdeckt. Das sind Angaben über Funde. Die untersuchten Reste gehörten zu einer Siedlung. Lange glaubte man, solche Siedlungen hätten auf Pfählen im Wasser gestanden. Später wurde darüber gestritten. Heute weiß man, dass es sowohl Pfahlbauten an Land als auch im Wasser gab. Aus gefundenen Holzpfeilern allein solltest du deshalb nicht ableiten, dass Pfahlbauten im Wasser standen.
Auch über Troia gibt es unterschiedliche Deutungen. Homer erzählt in seiner Dichtung „Ilias“ von einem Krieg um Troia. Der Archäologe Manfred Korfmann hält einen historischen Kern der Erzählung für wahrscheinlich. Das bedeutet: Wirkliche Ereignisse könnten der Dichtung zugrunde liegen. Korfmann erklärt aber, ein besonders erinnerungswürdiger realer Troianischer Krieg sei noch nicht nachgewiesen.
Der Historiker Frank Kolb sieht Homers glanzvolle Stadt als dichterische Erfindung. Er lehnt Korfmanns Deutung einer großen, bedeutenden Stadt ab. Die Forscher stellen unterschiedliche Fragen und nutzen unterschiedliche Arbeitsweisen. Deshalb musst du unterscheiden, was gefunden wurde und wie ein Forscher diese Funde erklärt.
Beispiel: Funde und Erklärungen bei Pfahlbauten
- 1Fundangabe: Bei Obermeilen wurden hölzerne Pfeiler, Steinbeile und Keramik entdeckt.
- 2Frühere Erklärung: Lange glaubte man, solche Siedlungen hätten auf Pfählen im Wasser gestanden.
- 3Heutiges Wissen: Es gab sowohl Pfahlbauten an Land als auch im Wasser.
Merke: Frage bei einer Erklärung: Was wurde beobachtet? Was wird daraus geschlossen? Was bleibt offen?
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Ein einzelner Fund ist wichtig. Ebenso wichtig ist aber sein Zusammenhang: Wo lag er, und wie gehörte er zu anderen Spuren? Diesen Zusammenhang aus Lage und Spuren nennt man Befund. Archäologen untersuchen Funde in ihrem räumlichen und zeitlichen Zusammenhang.
Jede Ausgrabung zerstört einen Befund. Nach dem Freilegen und Herausnehmen lässt sich die ursprüngliche Situation nicht einfach noch einmal untersuchen. Deshalb müssen die Forscher während der Grabung sorgfältig messen, zeichnen, fotografieren und ihre Beobachtungen aufschreiben.
Diese Dokumentation soll ermöglichen, die ursprüngliche Fundsituation später anhand der Aufzeichnungen nachzuvollziehen. Nur die Gegenstände aufzubewahren reicht dafür nicht aus. Die Aufzeichnungen erhalten Wissen über ihre Lage und Zusammenhänge. Sie sind deshalb eine Grundlage für spätere Untersuchungen und Deutungen.
Definition
Befund
Der Zusammenhang, in dem Funde und andere Spuren am Fundort liegen. Dazu gehört ihre räumliche und zeitliche Einordnung.
Merke: Eine Grabung verändert den Fundort unwiederbringlich. Genaue Aufzeichnungen sollen die ursprünglichen Zusammenhänge nachvollziehbar halten.
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Alles auf einen Blick
Archäologie
Gegenstand
Archäologie erforscht erhaltene Dinge und Spuren; auch Schriftquellen können helfen.
Arbeitsschritte
Auf Suche und Vorbereitung folgen Ausgrabung mit Dokumentation, Auswertung und Deutung.
Alter
Datieren heißt, Funde zeitlich einzuordnen.
Deutung
Beobachtungen, Schlussfolgerungen und offene Fragen müssen unterscheidbar bleiben.
Dokumentation
Aufzeichnungen bewahren Wissen über Zusammenhänge, die beim Ausgraben zerstört werden.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Was sagen die Funde bei Obermeilen aus?
- 1Aufgabe: Trenne die Fundangaben von der früheren Erklärung, solche Siedlungen hätten auf Pfählen im Wasser gestanden.
- 2Beobachtung sammeln: Bei Obermeilen wurden hölzerne Pfeiler, Steinbeile und Keramik entdeckt.
- 3Schlussfolgerung erkennen: Die Vorstellung einer Siedlung auf Pfählen im Wasser erklärt, wie solche Siedlungen ausgesehen haben könnten.
- 4Grenze benennen: Holzpfeiler allein zeigen nicht, dass Pfahlbauten im Wasser standen. Heute weiß man, dass es Pfahlbauten an Land und im Wasser gab.
- 5Antwort formulieren: Die Fundangaben und die Erklärung sind verschieden. Die frühere Erklärung darf nicht als sichere Aussage über sämtliche Pfahlbauten gelten.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zu den Deutungen von Troia In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die Aussage macht aus einem fehlenden Nachweis einen vorhandenen Nachweis. Richtig: Korfmann erklärt, ein besonders erinnerungswürdiger realer Troianischer Krieg sei noch nicht nachgewiesen.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Bei der Suche ermöglichen einen Blick auf das Gelände ohne Eingriff in den Boden. Das Ordnen der Funde nach Form und Material gehört zur . Um die Lage vor dem Herausnehmen festzuhalten, dokumentiert man bereits während der .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback