Geschichte · Klasse 7–10 · aktualisiert
Historische Narrative erkennen und prüfen
Du lernst, wie historische Erzählungen entstehen, wie du Aussagen und Belege prüfst und wie du Auswahl, Sprache und Blickwinkel untersuchst.
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Kurz gesagt
Ein historisches Narrativ ist eine Erzählung über Vergangenheit. Es verbindet ausgewählte Ereignisse zu einer sinnvollen Geschichte. Du prüfst, ob Belege die Aussagen und ihre Verbindungen tragen und welcher Blickwinkel die Erzählung prägt.
Zwei Texte können dieselbe Vergangenheit unterschiedlich erzählen. Vielleicht wählen sie andere Ereignisse aus oder bewerten deren Bedeutung anders. Du kannst prüfen, wie solche Unterschiede entstehen und welche Aussagen gut begründet sind.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
3 Abschnitte
Vergangene Ereignisse erzählen sich nicht selbst. Historiker erschließen sie aus erhaltenen Zeugnissen, zum Beispiel Briefen, Bildern und Gegenständen. Diese Quellen sind nur bruchstückhaft erhalten. Deshalb lässt sich die Vergangenheit mit unterschiedlicher Sicherheit erforschen.
Ein historisches Narrativ entsteht, wenn jemand Ereignisse auswählt, ordnet und deutend verbindet. Eine solche Erzählung gibt den Ereignissen einen Zusammenhang und eine Bedeutung. Sie ist kein unmittelbares Abbild der Vergangenheit. Trotzdem ist sie nicht beliebig: Eine begründete historische Erzählung muss sich an Quellen prüfen lassen.
Welche Ereignisse wichtig erscheinen, hängt auch von heutigen Fragen, Interessen und Standpunkten ab. Menschen und Gruppen erzählen beispielsweise ihre gemeinsame Geschichte, um ihre Gegenwart zu erklären und Vorstellungen von ihrer Zukunft auszudrücken. Historische Erzählungen können Wissen vermitteln, Zusammengehörigkeit stärken, politische Ziele rechtfertigen oder unterhalten. Auswahl allein macht eine Erzählung noch nicht falsch.
Definition
Historisches Narrativ
Eine Erzählung, die ausgewählte Ereignisse der Vergangenheit ordnet, miteinander verbindet und ihnen Bedeutung gibt.
Beispiel: Beispieltext, ausgedacht: eine Ausstellung planen
- 1Ein Ausstellungsteam fragt nach dem Alltag armer und reicher Menschen.
- 2Ein anderes Team fragt nach dem Handeln von Herrschern.
- 3Die unterschiedlichen Fragen beeinflussen, welche Zeugnisse die Teams auswählen und welche Zusammenhänge sie erklären.
- 4Beide Erzählungen müssen ihre Aussagen mit passenden Quellen begründen.
Teste dich
Eine Sachangabe nennt etwas, das du grundsätzlich überprüfen kannst: etwa eine Handlung, eine Person oder ein Datum. Die Form des Satzes garantiert aber keine Wahrheit. Auch eine falsche Datumsangabe ist eine überprüfbare Tatsachenbehauptung.
Eine begründete Deutung verbindet Befunde zu einer Erklärung. Sie sagt beispielsweise, welche Bedeutung eine Handlung hatte. Dafür braucht sie passende Belege und einen nachvollziehbaren Gedankengang. Sie ist mehr als eine persönliche Meinung. Andere begründete Deutungen können möglich sein.
Eine unbelegte Behauptung hat in dem Material, das du gerade prüfst, keine tragfähigen Belege. Das kann sowohl eine Sachangabe als auch eine Deutung betreffen. Du prüfst also zwei Dinge: Was für eine Aussage liegt vor? Und wie gut ist sie belegt? Die drei Begriffe bilden keine getrennten Schubladen.
Fehlt ein Beleg, ist eine Aussage zunächst nicht nachgewiesen. Sie ist dadurch noch nicht widerlegt. Suche weitere geeignete Quellen, schränke die Aussage ein oder lasse sie weg. Das gilt auch für eine unbelegte Aussage in einem Geschichtsvideo. Außerdem musst du die Reichweite beachten: Ein erklärtes Ziel beweist noch nicht, dass dieses Ziel später erreicht wurde.
| Begriff | Prüffrage |
|---|---|
| Sachangabe | Welcher überprüfbare Sachverhalt wird behauptet? |
| Begründete Deutung | Tragen die Belege die vorgeschlagene Erklärung? |
| Unbelegte Behauptung | Fehlen im geprüften Material tragfähige Belege? |
Merke: Prüfe Aussageart und Belege getrennt. Eine Sachangabe kann falsch sein; eine unbelegte Aussage ist noch nicht widerlegt.
Teste dich
Eine Geschichtsdarstellung ist eine nachträgliche Untersuchung und Erklärung von Vergangenheit, etwa in einem Buch oder Video. Beginne mit einer Leitfrage: Was möchtest du herausfinden? Kläre dann, wer den Beitrag verfasst hat, wann und wo er erschienen ist, welches Thema er behandelt und an wen er sich richtet. Frage auch nach Anlass und Absicht.
Untersuche die Auswahl: Welche Ereignisse und Menschen kommen vor, welche wichtigen Aspekte fehlen? Prüfe den Aufbau: Wie folgen die Abschnitte aufeinander, und wie entsteht daraus die Hauptaussage? Teile einen Text dafür in Abschnitte mit jeweils einer Hauptaussage ein.
Prüfe die Belege: Welche Quellen stützen einzelne Aussagen? Tragen diese auch die gezogenen Schlussfolgerungen? Untersuche die Sprache: Berichtet der Autor sachlich, fordert er zu etwas auf oder greift er andere scharf an? Frage nach der Perspektive, also dem Blickwinkel: Welche Interessen und politischen oder religiösen Überzeugungen könnten die Auswahl und Deutung prägen?
Wissenschaftliche Texte richten sich an Fachleute und belegen einzelne Ergebnisse durch Quellen- oder Forschungsnachweise in Fußnoten. Texte für ein breites Publikum, darunter Schulbuchtexte, vereinfachen und verzichten häufig auf detaillierte Nachweise. Das macht ihre Aussagen nicht automatisch falsch. Bei Videos gehören auch Bilder, Musik und Schnitt zur Untersuchung: Wie beeinflussen diese Mittel die Erzählung und ihre Wirkung?
Beurteile am Ende, ob die Aussagen sachlich stimmen, in ihren historischen Zusammenhang passen und logisch zusammenhängen. Vergleiche sie mit anderen Darstellungen und benenne offene Fragen. Beantworte damit deine Leitfrage. Ein Sachurteil prüft etwa die sachliche Richtigkeit und Schlüssigkeit. Ein Werturteil bewertet aus heutiger Sicht anhand offengelegter Werte. Beide lassen sich nicht immer eindeutig trennen; heutige Werte dürfen nicht uneingeschränkt auf die Vergangenheit übertragen werden.
Merke: Prüfe Auswahl, Aufbau, Belege, Sprache und Perspektive gemeinsam. Ein Blickwinkel allein widerlegt eine Erzählung nicht; entscheidend sind auch ihre Belege und ihre Schlüssigkeit.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Historische Narrative
Entstehung
Ein Narrativ ordnet ausgewählte Ereignisse und verbindet sie zu einer sinnvollen Geschichte.
Grundlage
Quellen ermöglichen Wissen über Vergangenheit, sind aber nur bruchstückhaft erhalten.
Aussageart
Sachangaben sind überprüfbar; begründete Deutungen verbinden Befunde zu Erklärungen.
Belegstatus
Fehlende Belege bedeuten zunächst nicht nachgewiesen, nicht bereits widerlegt.
Untersuchung
Prüfe Auswahl, Aufbau, Belege, Sprache und Perspektive anhand einer Leitfrage.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Ein Friedensziel und eine Erfolgsaussage unterscheiden
- 1Aufgabe: Prüfe, wie weit eine Erzählung über europäische Einigung durch einen Vorschlag zum Frieden gestützt wird.
- 2Sachangabe festhalten: Der Politiker Robert Schuman schlug am 9. Mai 1950 eine gemeinsame Verwaltung der französischen und deutschen Kohle- und Stahlproduktion vor.
- 3Ziel erkennen: Seine Erklärung verband die gemeinsame Produktion mit dem Ziel, einen Krieg zwischen Frankreich und Deutschland zu verhindern.
- 4Deutung begründen: Der Vorschlag lässt sich deshalb als Versuch verstehen, Frieden durch wirtschaftliche Zusammenarbeit zu sichern.
- 5Reichweite prüfen: Die Überschrift „Europäische Einigung schafft eine dauerhafte Friedensordnung“ behauptet mehr als dieses Ziel. Für dauerhaft erzielten Erfolg brauchst du zusätzliche Belege über die spätere Entwicklung.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zur Untersuchung eines Geschichtsvideos In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage verwechselt fehlende Belege mit einer Widerlegung. Richtig: Eine im geprüften Material unbelegte Aussage ist zunächst nicht nachgewiesen.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Eine Angabe zu einem überprüfbaren Datum untersuchst du zunächst als . Ob ein Text sachlich formuliert oder andere scharf angreift, gehört zur Prüfung seiner . Eine Aussage ohne tragfähigen Nachweis im geprüften Material gilt zunächst als .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback