Geschichte · Klasse 7–10 · aktualisiert
Erster Weltkrieg: Ursachen, Verlauf und Folgen
Du lernst, wie der Erste Weltkrieg entstand, warum er sich weltweit ausbreitete und wie er Menschen, Staaten und die Friedensordnung veränderte.
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Kurz gesagt
Der Erste Weltkrieg dauerte von 1914 bis 1918. Machtkämpfe, Aufrüstung und Bündnisse verschärften die Spannungen; nach dem Attentat von Sarajevo entschieden Regierungen sich für Krieg. Er brachte schwere Zerstörungen, Revolutionen und eine neue Friedensordnung.
Wie konnte aus einem Attentat ein Krieg auf mehreren Kontinenten werden? Dafür musst du länger bestehende Spannungen von einzelnen Entscheidungen unterscheiden. Du untersuchst außerdem, wie moderne Waffen den Krieg veränderten und warum das Ende der Kämpfe noch keinen dauerhaften Frieden bedeutete.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Der Erste Weltkrieg dauerte von 1914 bis 1918. Seine langfristigen Ursachen lagen in mehreren Konflikten. Großmächte kämpften um Einfluss und Besitz außerhalb Europas. Dieser Imperialismus verschärfte auch ihre europäischen Gegensätze. Der deutsche Flottenbau trug zur Annäherung Großbritanniens an Frankreich und Russland bei. Aggressiver Nationalismus stellte die eigene Nation über andere.
Besonders angespannt war die Lage auf dem Balkan, einer Region im Südosten Europas. Das Osmanische Reich, ein Großreich mit Besitz auch in Europa, verlor dort Macht. Nationalistische Bewegungen wollten unabhängige Staaten oder größere Staatsgebiete. Russland unterstützte serbische Wünsche nach einem südslawischen Staat ohne Bulgarien. Österreich-Ungarn, ein Staat mit vielen verschiedenen Völkern, sah seine Stellung bedroht. Bündnisse sollten Schutz bieten, erhöhten aber das Risiko, dass weitere Staaten in einen regionalen Krieg hineingezogen wurden. Trotzdem war Krieg nicht unvermeidlich: Zuvor hatten Verhandlungen wiederholt Konflikte entschärft.
Der unmittelbare Auslöser war das Attentat von Sarajevo. Dort erschoss der serbische Nationalist Gavrilo Princip am 28. Juni 1914 den österreichisch-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand und dessen Frau Sophie. Die Regierung in Wien machte Serbien verantwortlich. Es folgte die Julikrise: Regierungen verhandelten, drohten und bereiteten ihre Armeen vor.
Deutschland versprach Österreich-Ungarn am 5./6. Juli uneingeschränkte Unterstützung für ein offensives Vorgehen gegen Serbien. Diese Zusage heißt Blankoscheck. Österreich-Ungarn stellte Serbien am 23. Juli ein Ultimatum. Trotz weitgehenden serbischen Entgegenkommens erklärte es am 28. Juli den Krieg. Russland ordnete am 30. Juli die Generalmobilmachung an, also die Vorbereitung seiner gesamten Streitkräfte auf den Krieg. Es fürchtete eine Machtverschiebung auf dem Balkan zu seinen Ungunsten. Deutschland verlangte von Russland den Abbruch der Mobilmachung und von Frankreich, sich aus dem Krieg herauszuhalten. Nach der Ablehnung erklärte Deutschland Russland am 1. August und Frankreich am 3. August den Krieg.
Historiker gewichten die Verantwortung unterschiedlich. Christopher Clark betont das Zusammenwirken mehrerer Mächte und lehnt die Suche nach einem einzigen Schuldigen ab. Annika Mombauer sieht die Hauptverantwortung bei Österreich-Ungarn und Deutschland, obwohl alle Großmächte zur Verschärfung beitrugen. Du solltest deshalb die einzelnen Entscheidungen untersuchen, statt das Attentat als ausreichende Erklärung für den gesamten Krieg zu behandeln.
Definition
Ultimatum
Ein Ultimatum ist eine Forderung mit einer Frist. Wer sie stellt, droht bei Ablehnung mit weiteren Schritten, hier mit militärischem Vorgehen.
Merke: Langfristige Ursachen verschärften die Spannungen. Das Attentat war der unmittelbare Auslöser. Entscheidungen der Regierungen weiteten die Krise zum Krieg aus.
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Bündnisse verbanden die Konflikte verschiedener Staaten. Sie waren aber kein Schalter, der alle Mitglieder zum Krieg zwang. Italien gehörte zum Dreibund mit Deutschland und Österreich-Ungarn. Dennoch blieb es 1914 neutral, beteiligte sich also nicht am Krieg. 1915 trat Italien der Entente bei, der Verbindung um Frankreich, Russland und Großbritannien. Es hatte mit beiden Seiten verhandelt und von der Entente weiterreichende Gebietszusagen erhalten.
Auch Angriffspläne weiteten den Krieg aus. Der deutsche Schlieffen-Plan sah vor, bei einem Krieg gegen Frankreich und Russland zuerst Frankreich zu schlagen. Dazu sollte die stark befestigte französische Verteidigungslinie im Nordwesten umgangen werden. Der Plan nahm dabei die Verletzung der Neutralität anderer Staaten in Kauf. Deutsche Truppen marschierten in das neutrale Belgien ein. Wegen dieses Bruchs des Rechts zwischen Staaten erklärte Großbritannien Deutschland am 4. August 1914 den Krieg.
Die europäischen Kolonialreiche verbanden den Krieg mit anderen Kontinenten. Kolonien waren Gebiete unter der Herrschaft fremder Staaten. Kolonialmächte wollten dort Gebiete gewinnen und beschafften Rohstoffe, Geld, Arbeitskräfte und Soldaten für den Krieg. Großbritannien und Frankreich gewannen Hunderttausende Soldaten aus den Kolonien für ihre Armeen. Koloniale Arbeitskräfte wurden teils zwangsweise zum Einsatz verpflichtet. Sie arbeiteten in ihrer Heimat und in Europa, auch an der Front. Britische und französische Truppen besetzten im August 1914 die deutsche Kolonie Togo in Afrika. Japan nahm im selben Jahr Tsingtau ein, einen deutschen Stützpunkt in China. Der Krieg wurde also auch außerhalb Europas geführt.
Die deutschen Kolonialtruppen führten in Afrika einen Krieg, dessen Strapazen ungefähr 100.000 afrikanische Träger das Leben kosteten. Diese Männer mussten Lasten transportieren. Koloniale Bevölkerungen waren jedoch nicht nur Opfer. Der Weltkrieg stärkte auch ihr Selbstvertrauen und ihren Einsatz gegen die Kolonialherrschaft.
Weitere Staaten traten aus eigenen Interessen bei. Das Osmanische Reich suchte militärischen Rückhalt bei einer Großmacht und verbündete sich mit Deutschland und Österreich-Ungarn. Dieses Bündnis war innerhalb seiner Regierung umstritten. Das Osmanische Reich gehörte damit zu den Mittelmächten. Die Vereinigten Staaten von Amerika, kurz USA, traten am 6. April 1917 in den Krieg ein. Zuvor hatte Deutschland den uneingeschränkten U-Boot-Krieg begonnen: Deutsche U-Boote griffen auch unbewaffnete neutrale Handelsschiffe ohne Vorwarnung an. Bündnisse, Angriffsentscheidungen, Kolonialreiche und weitere Kriegseintritte machten den Konflikt zum Weltkrieg.
Definition
Mittelmächte und Alliierte
Die Mittelmächte waren Deutschland und Österreich-Ungarn mit ihren Verbündeten Osmanisches Reich und Bulgarien. Die Entente wurde im Krieg zum Bündnis der Alliierten, dem weitere Staaten beitraten.
Merke: Bündnisse erhöhten das Risiko einer Ausweitung. Welche Staaten tatsächlich kämpften, hing aber auch von Entscheidungen ihrer Regierungen ab.
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Die Kriegspläne sahen schnelle Bewegungen der Armeen vor. Doch an der Westfront, dem Kampfgebiet im Westen zwischen der Nordsee und der Schweizer Grenze, erstarrten die Kämpfe bereits 1914 zum Stellungskrieg. Soldaten kämpften aus befestigten Stellungen, besonders aus Schützengräben. Diese waren in den Boden gegrabene und ausgebaute Schutzstellungen. Der jahrelange Kampf an der Westfront brachte geringe Geländegewinne.
Moderne Technik begünstigte die Verteidiger. Maschinengewehre konnten viele Schüsse schnell hintereinander abgeben. Artillerie, also schwere Geschütze, beschoss gegnerische Stellungen. In der Champagne versuchten die Alliierten mit langem Beschuss und anschließenden Angriffen der Fußsoldaten durchzubrechen. Die deutschen Verteidiger waren durch den Beschuss gewarnt. Aus ausgebauten Unterständen konnten sie die Angriffe mit Geschütz- und Maschinengewehrfeuer abwehren. Viel Kriegsmaterial bedeutete deshalb noch keinen Durchbruch.
Industrie und Technik ermöglichten die Herstellung großer Mengen von Waffen und Munition. Eisenbahnen transportierten große Truppenverbände schnell; Lastwagen ersetzten zunehmend Pferdefuhrwerke. Panzer, Kampfflugzeuge, U-Boote und Giftgas erweiterten die Möglichkeiten der Kriegführung. In Materialschlachten setzten die Armeen besonders viel Kriegsmaterial ein, um gegnerische Stellungen zu zerstören. Soldaten töteten und verwundeten mit diesen Waffen andere Soldaten. Beschuss verwandelte ganze Landstriche in Kraterlandschaften.
Im Schützengraben litten Soldaten unter Kälte, Nässe, Schlamm, Hunger, Ungeziefer und Krankheiten. Lange Phasen der Untätigkeit wechselten mit Beschuss und Angriffen. Soldaten erlitten schwere Verletzungen und psychische Zusammenbrüche. Spätestens nach den großen Westfrontschlachten 1916 wich anfängliche Zustimmung häufig dem Wunsch nach Frieden und Heimkehr.
Auch Menschen außerhalb der Kampfgebiete waren betroffen. In Deutschland kämpfte die Zivilbevölkerung, besonders Frauen, spätestens im Winter 1915/16 mit Nahrungs- und Brennstoffmangel. Der hohe Bedarf des Militärs ließ Preise steigen. Frauen mussten oft stundenlang mit Lebensmittelkarten anstehen. Im Hungerwinter 1916/17 wurde die sonst als Viehfutter verwendete Steckrübe zur wichtigsten Kochzutat. Deshalb heißt diese Zeit Steckrübenwinter.
Definition
Materialschlacht
Eine Materialschlacht ist ein Kampf mit hohem Einsatz von Kriegsmaterial, etwa Geschützen und Granaten. Trotz des großen Aufwands blieben Geländegewinne oft gering.
Beispiel: Der Steckrübenwinter zeigt Folgen für den Alltag
- 1Im Hungerwinter 1916/17 wurde in Deutschland die Steckrübe zur wichtigsten Kochzutat.
- 2Sie war sonst als Viehfutter verwendet worden.
- 3Der Wechsel zeigt, wie stark der Mangel die Ernährung der Bevölkerung veränderte.
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1918 verschlechterte sich die militärische Lage Deutschlands stark. Die Alliierten nutzten ihre Überlegenheit an Menschen und Material. Der deutschen Armee fehlten Reserven; Verluste und Versorgungsprobleme schwächten sie. Am 29. September verlangte die Oberste Heeresleitung, die höchste Führung des deutschen Heeres, ein sofortiges Friedensangebot. Damit wollte sie einen Zusammenbruch der Front verhindern und die Verantwortung für die Niederlage auf Politiker verschieben.
Parallel änderte sich die Herrschaft in Deutschland. Die Oktoberreformen vom 28. Oktober 1918 machten die Regierung vom Vertrauen des Parlaments abhängig. Für Entscheidungen über Krieg und Frieden war nun seine Zustimmung nötig. Als die Flotte am folgenden Tag auslaufen sollte, verweigerten Matrosen den Befehl. Verhaftungen lösten Unterstützung in Kiel und eine reichsweite Bewegung von Arbeitern und Soldaten für Frieden aus. In dieser Novemberrevolution brach die Kaiserherrschaft zusammen. Am 9. November wurde die Republik ausgerufen, eine Staatsform ohne Monarchen an der Spitze. Kaiser Wilhelm II. ging am 10. November in die Niederlande ins Exil, lebte also außerhalb seines Landes.
Am 11. November 1918 wurde der Waffenstillstand unterzeichnet. Er beendete die Kämpfe und verlangte unter anderem den Rückzug deutscher Truppen aus besetzten Gebieten sowie die Abgabe von Waffen und Transportmitteln. Ein Waffenstillstand regelt das Einstellen der Kämpfe. Eine Friedensordnung legt darüber hinaus fest, wie Staaten nach dem Krieg miteinander leben sollen.
1919 berieten die Siegerstaaten in Paris über diese Ordnung. Die besiegten Staaten konnten nur schriftlich Stellung nehmen. Der Versailler Vertrag mit Deutschland wurde am 28. Juni 1919 unterzeichnet. Er verlangte Gebietsabgaben, begrenzte das deutsche Heer auf 100.000 Soldaten und verpflichtete Deutschland zu Reparationen, also Leistungen zum Ausgleich von Kriegsschäden. Artikel 231 erklärte Deutschland und seine Verbündeten für die durch den Krieg verursachten alliierten Verluste und Schäden verantwortlich und begründete damit die Reparationspflichten. Gegner der Republik nutzten die Empörung über den Vertrag, um die demokratische Ordnung zu bekämpfen.
Weitere Friedensverträge veränderten die Staatenordnung. Österreich-Ungarn wurde aufgelöst. Neue Grenzen machten Bevölkerungsgruppen zu Minderheiten; ihr Schutz griff meist nicht. Die Friedensordnung war deshalb keine Garantie für friedliches Zusammenleben. Historiker bewerten Versailles unterschiedlich: Eberhard Kolb betont den Kompromiss und Deutschlands verbleibende Handlungsmöglichkeiten. Ernst Willi Hansen hält den Vertrag für ungeeignet, einen stabilen Frieden zwischen Staaten und innerhalb Deutschlands zu sichern.
| Vorgang | Was änderte sich? |
|---|---|
| Novemberrevolution | Die Kaiserherrschaft brach zusammen; die Republik wurde ausgerufen. |
| Waffenstillstand | Die Kämpfe endeten; deutsche Truppen mussten sich zurückziehen. |
| Friedensverträge | Grenzen, militärische Beschränkungen und Leistungen für Kriegsschäden wurden festgelegt. |
Merke: Die Revolution veränderte die Herrschaft. Der Waffenstillstand beendete die Kämpfe. Die Friedensverträge regelten die Ordnung nach dem Krieg.
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Alles auf einen Blick
Erster Weltkrieg
Ursachen und Auslöser
Machtkämpfe, Nationalismus und Aufrüstung verschärften Spannungen; das Attentat löste die Julikrise aus.
Entscheidungen
Unterstützungszusagen, Kriegsvorbereitungen und Kriegserklärungen weiteten die Krise aus.
Weltkrieg
Kolonialreiche und weitere Kriegseintritte verbanden Kämpfe und Versorgung über Kontinente hinweg.
Stellungskrieg
Moderne Waffen ermöglichten große Zerstörung, doch an der Westfront blieben Geländegewinne gering.
Folgen
Die Revolution veränderte die Herrschaft, der Waffenstillstand beendete die Kämpfe und Friedensverträge schufen eine neue Ordnung.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Russlands Entscheidung in der Julikrise erklären
- 1Aufgabe: Unterscheide bei Russlands Generalmobilmachung eine Befürchtung, eine Entscheidung und die folgende Reaktion Deutschlands.
- 2Befürchtung erkennen: Russland fürchtete eine Machtverschiebung auf dem Balkan zu seinen Ungunsten.
- 3Entscheidung benennen: Deshalb ordnete Russland am 30. Juli 1914 die Vorbereitung seiner gesamten Streitkräfte auf den Krieg an.
- 4Reaktion zuordnen: Deutschland verlangte die Einstellung der Mobilmachung. Nach der Ablehnung erklärte es Russland am 1. August den Krieg.
- 5Ergebnis formulieren: Die Ausweitung beruhte auf konkreten Entscheidungen. Das Attentat allein erklärt diese Schritte nicht.
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Fehler in Zeile 3Die dritte Aussage nennt das falsche Kriegsbündnis. Richtig: Das Osmanische Reich gehörte zu den Mittelmächten.
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Das Attentat auf Franz Ferdinand und Sophie geschah am 28. Juni 1914 in . Die USA traten am 6. April in den Krieg ein. Der Versailler Vertrag mit Deutschland wurde am 28. Juni unterzeichnet.
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