Geschichte · Klasse 7–10 · aktualisiert
Bündnissysteme vor 1914 einfach erklärt
Du ordnest Europas Bündnisse vor 1914, erklärst die Ziele des deutschen Regierungschefs Bismarck und unterscheidest Dreibund, Triple Entente und Mittelmächte.
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Kurz gesagt
Vor 1914 verbanden mehrere Bündnisse die europäischen Mächte. Der deutsche Regierungschef Bismarck wollte das Deutsche Reich absichern und Frankreich isolieren. Später standen Deutschland und Österreich-Ungarn der Triple Entente aus Frankreich, Großbritannien und Russland gegenüber.
Ein Bündnis verspricht Unterstützung. Doch was geschieht, wenn ein Partner einen gefährlichen Konflikt beginnt? Nach der Gründung des Deutschen Reiches 1871 sollten Bündnisse Sicherheit schaffen. Du untersuchst, warum sie zugleich das Risiko eines größeren Krieges erhöhen konnten.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
3 Abschnitte
Ein Bündnis verbindet Staaten, die gemeinsame Interessen schützen wollen. Dabei können sie unterschiedliche Pflichten vereinbaren: militärische Hilfe oder Neutralität. Neutralität bedeutet hier, sich an einem Krieg nicht zu beteiligen.
Das Deutsche Reich, auch Deutschland genannt, arbeitete zunächst mit Österreich-Ungarn und Russland zusammen. Österreich-Ungarn war ein Staat unter einem Kaiser. Die drei Staaten schlossen 1873 das Dreikaiserabkommen und 1881 den Dreikaiserbund. Verwechsle diese Vereinbarungen nicht mit dem Dreibund: Diesen bildeten seit 1882 Deutschland, Österreich-Ungarn und Italien.
Mehrere Verträge bestanden nebeneinander. Seit 1879 verband der Zweibund Deutschland und Österreich-Ungarn. 1887 schlossen Deutschland und Russland zusätzlich den geheimen Rückversicherungsvertrag. Nach der Entlassung des deutschen Reichskanzlers, also Regierungschefs, Otto von Bismarck lehnte der deutsche Kaiser Wilhelm II. 1890 dessen Verlängerung ab.
Danach verschlechterten sich die deutsch-russischen Beziehungen. Russland und Frankreich vereinbarten 1892 die militärische Zusammenarbeit und schlossen 1894 einen offiziellen Bündnisvertrag. Großbritannien und Frankreich verständigten sich 1904 in der Entente cordiale. Der Name bedeutet „herzliches Einverständnis“. Mit der britisch-russischen Verständigung von 1907 entstand die Triple Entente aus Großbritannien, Frankreich und Russland.
Definition
Bündnissystem
Ein Netz mehrerer Vereinbarungen zwischen Staaten. Entscheidend ist nicht nur, wer dazugehört, sondern auch, welche Unterstützung die Partner versprechen.
| Jahr | Vereinbarung oder Veränderung | Beteiligte Staaten |
|---|---|---|
| 1873 | Dreikaiserabkommen | Deutschland, Österreich-Ungarn, Russland |
| 1879 | Zweibund | Deutschland, Österreich-Ungarn |
| 1881 | Dreikaiserbund | Deutschland, Österreich-Ungarn, Russland |
| 1882 | Dreibund | Deutschland, Österreich-Ungarn, Italien |
| 1887 | Rückversicherungsvertrag | Deutschland, Russland |
| 1890 | Keine Verlängerung des Rückversicherungsvertrages | Deutschland, Russland |
| 1892 | Militärische Vereinbarung | Russland, Frankreich |
| 1894 | Offizieller Bündnisvertrag | Russland, Frankreich |
| 1904 | Entente cordiale | Großbritannien, Frankreich |
| 1907 | Entstehung der Triple Entente | Großbritannien, Frankreich, Russland |
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Nach dem Sieg über Frankreich 1871 wollte Bismarck das Deutsche Reich nach außen absichern und Frankreich isolieren. Frankreich sollte also möglichst keine Bündnispartner finden. Andere Staaten fürchteten eine weitere deutsche Ausdehnung. Bismarck erklärte deshalb, Deutschland erhebe keine weiteren Gebietsansprüche.
Bismarck strebte einen Ausgleich zwischen den europäischen Mächten an. Ein Mächtegleichgewicht sollte verhindern, dass ein überlegenes Bündnis gegen Deutschland entstand. Dieses Gleichgewicht war aber unsicher. Bismarck wollte Deutschland mit mehreren Mächten verbinden, ohne sich zu fest an eine einzige zu binden.
Besonders wichtig war ihm, Russland von einem Bündnis mit Frankreich abzuhalten. So wollte er einen Zweifrontenkrieg verhindern: Deutschland sollte nicht gleichzeitig gegen Frankreich und Russland kämpfen müssen. Der Dreikaiserbund von 1881 und der Rückversicherungsvertrag von 1887 dienten diesem Ziel.
Nicht jeder Vertrag verlangte denselben Beistand. Der Zweibund von 1879 sah gegenseitige militärische Hilfe bei einem russischen Angriff vor. Bei Angriffen anderer Mächte galt Neutralität. Der geheime Rückversicherungsvertrag mit Russland regelte ebenfalls Neutralität, aber für bestimmte Fälle: einen nicht provozierten Angriff Österreich-Ungarns auf Russland oder Frankreichs auf Deutschland. Nicht provoziert bedeutet hier, dass der angegriffene Staat den Angriff nicht zuvor herausgefordert hatte.
Bündnisse sollten Kriege möglichst verhindern. Sie beseitigten aber weder die unterschiedlichen Interessen der Staaten noch die Grenzen ihrer Unterstützung.
Merke: Prüfe bei einem Bündnis drei Dinge: Wer ist beteiligt? Welche Unterstützung ist vereinbart? Unter welchen Bedingungen gilt sie?
Beispiel: Die Grenze der Unterstützung im Jahr 1875
- 11875 drohte ein deutscher Angriff auf Frankreich.
- 2Trotz des Dreikaiserabkommens kündigte Russland an, Frankreich bei einem deutschen Überfall militärisch zu helfen.
- 3Die Verbindung zu Russland bedeutete also keine freie Hand für einen deutschen Angriff.
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Der Dreibund war seit 1882 ein Verteidigungsbündnis Deutschlands, Österreich-Ungarns und Italiens gegen Frankreich. Doch Italien schloss 1902 ein geheimes Neutralitätsabkommen mit Frankreich. Das lockerte den Dreibund. Italien blieb 1914 neutral und trat 1915 auf der Seite der Entente in den Krieg ein.
Die Triple Entente verband seit 1907 Frankreich, Großbritannien und Russland. Vor dem Krieg war sie eine lockere Verbindung mehrerer Absprachen. Abgesehen vom französisch-russischen Bündnis bestanden zunächst keine weitergehenden bindenden Pflichten. Die Entente cordiale sollte besonders Streit über Kolonien vermeiden, also über Gebiete unter fremder Herrschaft. Ihre politischen und später militärischen Absprachen wirkten praktisch wie ein Bündnis. Ein gemeinsamer Militärpakt, also ein militärisches Bündnis der drei Staaten, folgte erst am 5. September 1914, nach Kriegsbeginn.
Die Mittelmächte waren die Kriegsgegner der Entente im Ersten Weltkrieg. Deutschland und Österreich-Ungarn waren ihre wichtigsten Verbündeten. Der Name bezeichnet also nicht einfach den Dreibund unter einem anderen Namen: Italien kämpfte später auf der Gegenseite.
Wie kam es zur stärkeren Trennung der Gruppen? Der deutsche Flottenbau, also der Bau von Kriegsschiffen, trug zur Annäherung Großbritanniens an Frankreich bei. Deutschland wollte damit zur Weltmacht aufsteigen, Angreifer abschrecken und Großbritannien unter deutschen Bedingungen in ein Bündnis zwingen. Großbritannien sah seine Vorherrschaft auf See bedroht. Frankreich, Großbritannien und Russland glichen dagegen ihre Interessen in überseeischen Gebieten zunehmend untereinander aus. Gemeint sind Gebiete jenseits der Meere.
Manche deutschen Zeitgenossen deuteten die Lage als britische „Einkreisung“. Neuere historische Untersuchungen widersprechen dieser Deutung: Sie erklären die britische Annäherung an Frankreich und Russland als Reaktion auf aggressive, schwer berechenbare deutsche Schritte, besonders den Flottenbau.
Bündnisse schützten Interessen und konnten Gegner abschrecken. In einem örtlich begrenzten Konflikt erhöhten sie aber das Risiko eines großen Krieges. Regierungen hatten weniger Spielraum, wenn sie ihre Partner nicht verlieren wollten. Trotzdem blieb friedliches Handeln möglich: Während der Balkankriege 1912/13 verhinderten britische und deutsche Diplomaten, also Vertreter ihrer Staaten bei Verhandlungen, einen Krieg der europäischen Großmächte. Die gegnerischen Bündnisgruppen bestanden weiter.
Der Historiker Jörn Leonhard urteilt, dass ein großer Krieg nicht zwangsläufig aus den Bündnissen folgen musste. Die Krisenfaktoren erhöhten jedoch die Wahrscheinlichkeit eines Krieges.
| Bezeichnung | Beteiligte | Wichtiger Unterschied |
|---|---|---|
| Dreibund seit 1882 | Deutschland, Österreich-Ungarn, Italien | Italien blieb 1914 neutral und trat 1915 der Entente bei. |
| Triple Entente seit 1907 | Frankreich, Großbritannien, Russland | Zunächst lockere Verbindung; gemeinsamer Militärpakt erst nach Kriegsbeginn. |
| Mittelmächte im Ersten Weltkrieg | Wichtigste Verbündete: Deutschland und Österreich-Ungarn | Kriegsgegner der Entente; nicht mit dem Dreibund gleichzusetzen. |
Merke: Bündnisse konnten Sicherheit schaffen und zugleich Kriegsrisiken erhöhen. Ihre Wirkung hing auch davon ab, wie Regierungen in einer Krise handelten.
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Alles auf einen Blick
Bündnissysteme vor 1914
Zeitliche Ordnung
Mehrere Verträge bestanden nebeneinander; Dreikaiserbund und Dreibund hatten unterschiedliche Mitglieder.
Bismarcks Ziel
Deutschland absichern, Frankreich isolieren und einen Krieg gegen Frankreich und Russland zugleich vermeiden.
Vertragspflichten
Militärische Hilfe und Neutralität waren unterschiedliche Zusagen und an Bedingungen gebunden.
Bündnisgruppen
Dreibund, Triple Entente und Mittelmächte bezeichnen nicht dieselben Staatenverbindungen.
Wirkung
Bündnisse konnten abschrecken, aber auch den Spielraum der Regierungen verengen und Kriegsrisiken erhöhen.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Den Rückversicherungsvertrag Schritt für Schritt erklären
- 1Aufgabe: Erkläre, wie der Rückversicherungsvertrag von 1887 Bismarcks Ziel unterstützen sollte.
- 2Partner bestimmen: Deutschland und Russland schlossen den geheimen Vertrag.
- 3Inhalt prüfen: Er regelte Neutralität bei einem nicht provozierten Angriff Frankreichs auf Deutschland oder Österreich-Ungarns auf Russland.
- 4Mit dem Ziel verbinden: Russland sollte von einem Bündnis mit Frankreich abgehalten werden. Deutschland wollte einen Zweifrontenkrieg vermeiden.
- 5Grenze festhalten: Der Vertrag regelte bestimmte Fälle. Er versprach Deutschland keine russische Unterstützung für jeden eigenen Krieg.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zu Italien In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Die dritte Aussage verwechselt Italiens Kriegsseite mit seinen früheren Bündnispartnern. Richtig: Italien trat 1915 auf der Seite der Entente in den Krieg ein.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Im Zweibund von 1879 war Deutschland mit verbunden. Die Entente cordiale von 1904 verband Frankreich mit . Den offiziellen Bündnisvertrag zwischen Russland und Frankreich gab es seit .
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