Deutsch · Klasse 6–7 · aktualisiert
Aktiv und Passiv einfach erklärt
Aktiv oder Passiv? Du lernst, wie sich die Perspektive ändert, wie du Sätze umformst und was Zeitformen, Zustandspassiv und Modalverben ändern.
0 von 13 Aufgaben gelöst
Kurz gesagt
Im Aktiv steht im Vordergrund, wer handelt: „Die Technikerin repariert den Computer.“ Im Passiv rückt der Vorgang oder das Betroffene in den Blick: „Der Computer wird repariert.“ Das Vorgangspassiv bildest du mit werden + Partizip II, das Zustandspassiv mit sein + Partizip II.
Im Aktiv steht im Vordergrund, wer etwas tut. Im Passiv richtet sich der Blick auf den Vorgang, das Ergebnis oder die betroffene Person beziehungsweise Sache. Du kannst also denselben Sachverhalt aus verschiedenen Perspektiven ausdrücken: „Die Technikerin repariert den Computer.“ – „Der Computer wird repariert.“
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Vergleiche diese beiden Sätze. Aktiv: „Tanja öffnet die Tür.“ Passiv: „Die Tür wird von Tanja geöffnet.“ Beide Sätze beschreiben denselben Vorgang. Die Perspektive verändert sich jedoch: Im Aktiv ist Tanja das Subjekt. Der Satz hebt die handelnde Person hervor. Im Passiv ist die Tür das Subjekt. Der Satz hebt die betroffene Sache und den Vorgang hervor. Die handelnde Person heißt auch Agens, die betroffene Person oder Sache Patiens. Das sind Bedeutungsrollen. Subjekt und Objekt sind dagegen grammatische Funktionen im Satz.
Definition
Aktiv
Im Aktiv zeigt die Verbform den Sachverhalt aus der Perspektive des Handelnden: „Jonas schießt den Ball.“
Definition
Passiv
Im Passiv steht die Handlung, ihr Ergebnis oder das davon Betroffene im Vordergrund: „Der Ball wird geschossen.“
Merke: Beim Wechsel vom Aktiv zum Passiv bleiben Handelnder und Betroffener inhaltlich gleich. Ihre grammatische Stellung verändert sich.
Teste dich
Das Vorgangspassiv beschreibt, dass etwas geschieht. Es besteht aus einer passenden Form von werden und dem Partizip II des Vollverbs. So wandelst du einen Aktivsatz mit Akkusativobjekt um: (1) Bestimme das Subjekt: Wer oder was handelt? (2) Suche das Akkusativobjekt mit der Frage „Wen oder was?“. (3) Setze das Akkusativobjekt in den Nominativ. Es wird zum neuen Subjekt. (4) Bilde das Prädikat mit werden + Partizip II in derselben Zeitform. (5) Lass das alte Subjekt weg oder ergänze es mit von. (6) Übernimm die übrigen Satzglieder, wenn ihre Bedeutung gleich bleibt. Die Form von werden richtet sich nach dem neuen Subjekt: „Das Auto wird gewaschen“, aber „Die Autos werden gewaschen“.
Definition
Partizip II
Das Partizip II ist eine Verbform wie geöffnet, geschrieben, repariert oder gesehen. Im Vorgangspassiv steht es zusammen mit einer Form von werden.
Merke: Vorgangspassiv = Form von werden + Partizip II: wird geöffnet, wurde geschrieben, ist repariert worden.
Beispiel: Aktiv: „Die Technikerin repariert den Computer heute.“
- 1Wer handelt? – die Technikerin: Subjekt und Agens.
- 2Wen oder was repariert sie? – den Computer: Akkusativobjekt und Patiens.
- 3Aus den Computer wird im Nominativ der Computer.
- 4Aus repariert wird wird repariert.
- 5heute bleibt erhalten.
- 6Passiv ohne Agens: „Der Computer wird heute repariert.“
- 7Passiv mit Agens: „Der Computer wird heute von der Technikerin repariert.“
Teste dich
Die Zeitform steckt im Passiv vor allem in den Formen der Hilfsverben. Das Partizip II des Vollverbs bleibt erhalten. Achte im Perfekt besonders auf worden: Es heißt „ist geschrieben worden“, nicht „ist geschrieben geworden“. In der Verbgruppe ist die an Person, Zahl und Zeit angepasste Form das finite Verb, die anderen Verbformen sind infinit. In „Der Text wird geschrieben“ ist wird finit, geschrieben infinit. In „Der Text muss geschrieben werden“ ist muss finit; geschrieben und werden sind infinit. Nicht jeder Passivsatz beschreibt dasselbe. Das Vorgangspassiv mit werden bezeichnet eine Handlung oder Veränderung, das Zustandspassiv mit sein das Ergebnis danach. Jemand öffnet gerade die Tür? Dann passt „Die Tür wird geöffnet.“ Steht sie danach offen, passt „Die Tür ist geöffnet.“ Ebenso: „Der Kuchen wird gebacken“ – „Der Kuchen ist gebacken“. Ein Zustandspassiv ist sinnvoll, wenn die Handlung zu einem erkennbaren Ergebnis oder neuen Zustand führt.
| Zeitform | Aktiv | Vorgangspassiv |
|---|---|---|
| Präsens | Tom schreibt einen Text. | Ein Text wird geschrieben. |
| Präteritum | Tom schrieb einen Text. | Ein Text wurde geschrieben. |
| Perfekt | Tom hat einen Text geschrieben. | Ein Text ist geschrieben worden. |
| Plusquamperfekt | Tom hatte einen Text geschrieben. | Ein Text war geschrieben worden. |
| Futur I | Tom wird einen Text schreiben. | Ein Text wird geschrieben werden. |
| Futur II | Tom wird einen Text geschrieben haben. | Ein Text wird geschrieben worden sein. |
Beispiel: Aktiv im Perfekt: „Du hast mich gestern gesehen.“
- 1Das Akkusativobjekt mich wird im Passiv zum Subjekt ich.
- 2Die Zeitform bleibt Perfekt: „Ich bin gestern gesehen worden.“
Merke: Frage dich: Geschieht gerade etwas? Dann passt oft werden + Partizip II. Liegt das Ergebnis bereits vor? Dann passt oft sein + Partizip II.
Teste dich
Für das persönliche Passiv wird ein Akkusativobjekt zum neuen Subjekt: „Die Klasse löst die Aufgabe.“ – „Die Aufgabe wird gelöst.“ Ein Satz ohne Akkusativobjekt kann kein solches Passivsubjekt liefern. Bei manchen Tätigkeiten ist aber ein unpersönliches Passiv möglich: „Die Klasse arbeitet.“ – „Es wird gearbeitet.“ „Alle helfen den Kindern.“ – „Den Kindern wird geholfen.“ „Die Schüler warten auf den Bus.“ – „Auf den Bus wird gewartet.“ Das es ist nur ein Platzhalter am Satzanfang. Beginnt ein anderes Satzglied den Satz, fällt es weg: „Heute wird gefeiert.“ Dativ- und Präpositionalobjekte werden dabei nicht zu Subjekten: den Kindern bleibt im Dativ, auf den Bus bleibt eine Präpositionalgruppe. Nicht jedes Verb lässt sich sinnvoll passivieren. Bei reflexiven Verben wie sich waschen oder bei haben als Besitzangabe führt eine mechanische Umformung meist zu keinem normalen Passivsatz. Prüfe deshalb immer auch die Bedeutung. Modalverben wie müssen, sollen, dürfen und können zeigen, ob etwas notwendig, erwünscht, erlaubt oder möglich ist. Im Passiv wird nur das Modalverb konjugiert, danach folgen das Partizip II und werden. Beim Zustandspassiv steht stattdessen sein: „Das Fenster muss geöffnet sein“ verlangt nicht den Vorgang des Öffnens, sondern den Zustand, dass das Fenster offen ist.
Merke: Passiv mit Modalverb = konjugiertes Modalverb + Partizip II + werden.
Beispiel: Aktiv: „Wir müssen die Küche putzen.“
- 1die Küche ist das Akkusativobjekt und wird zum Subjekt.
- 2müssen richtet sich nun nach die Küche und wird zu muss.
- 3putzen wird zu geputzt werden.
- 4Passiv: „Die Küche muss geputzt werden.“
Teste dich
Alles auf einen Blick
Aktiv und Passiv
Aktiv
Handelnder im Mittelpunkt
Vorgangspassiv
werden + Partizip II
Zustandspassiv
sein + Partizip II
Umformung
Akkusativobjekt wird Subjekt, Agens entfällt oder folgt mit von
Zeitform
bleibt beim Umformen erhalten
Sonderfälle
unpersönliches Passiv und Modalverb + Partizip II + werden
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Forme ins Passiv um: „Die Klasse schmückte den Saal für das Fest.“
- 1Wer handelt? – „die Klasse“ (Agens). Wen oder was schmückt sie? – „den Saal“ (Akkusativobjekt).
- 2„den Saal“ wird zum Subjekt im Nominativ: „der Saal“.
- 3Zeitform bestimmen: „schmückte“ ist Präteritum, also „wurde geschmückt“.
- 4„für das Fest“ bleibt erhalten, „die Klasse“ fällt weg oder folgt mit „von“.
- 5Ergebnis: „Der Saal wurde für das Fest geschmückt.“ – oder: „Der Saal wurde von der Klasse für das Fest geschmückt.“
Fehler finden
Emma formt vier Sätze ins Passiv um. In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Die Zeitform muss erhalten bleiben: „hat gestrichen“ ist Perfekt, „wird gestrichen“ Präsens. Richtig: „Der Zaun ist gestrichen worden.“
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Das Vorgangspassiv bildest du mit einer Form von und dem Partizip II. Beim Umformen wird das Akkusativobjekt zum neuen . Im Perfekt heißt es „ist geschrieben “.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback