Biologie · Klasse 12–13 · aktualisiert
Populationsökologie: Wachstum und Regulation
Bilanziere Bestandsänderungen und prüfe, wann Dichtefaktoren sowie Wachstumsmodelle eine Population erklären.
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Kurz gesagt
Populationsökologie untersucht Größe, Aufbau und Veränderung von Populationen. Geburten und Einwanderung erhöhen, Sterbefälle und Auswanderung senken die Zahl. Exponentielle und logistische Modelle zeigen mögliche Verläufe unter bestimmten Annahmen; reale Daten können davon abweichen.
Eine örtliche Rehgruppe kann in einem Jahr wachsen und im nächsten schrumpfen. Die Populationsökologie fragt, welche Zugänge und Verluste dahinterstehen, wie Umweltfaktoren wirken und unter welchen Annahmen Wachstumsmodelle passen. Du lernst, Zahlen zu bilanzieren und Modellgrenzen zu prüfen.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Die Populationsökologie, auch Demökologie, betrachtet die Größe und den Aufbau einer örtlichen Gruppe derselben Art. Zur Beschreibung gehören Populationsgröße, Dichte je Fläche oder Raum, räumliche Verteilung, Altersaufbau, Geschlechterverhältnis, Fruchtbarkeit, Sterblichkeit und Verhalten. Die Autökologie untersucht eine Art in Beziehung zur Umwelt; die Synökologie untersucht Gemeinschaften verschiedener Arten.
In einem festgelegten Zeitraum ändern vier Vorgänge die Zahl N: Geburten B und Einwanderung I erhöhen sie; Sterbefälle D und Auswanderung E verringern sie. Für denselben Zeitraum gilt ΔN = B − D + I − E. Eine Rehgruppe beginnt mit 120 Tieren; im Jahr kommen 30 Geburten und 10 Einwanderungen hinzu, 20 Tiere sterben und 5 wandern aus. Damit gilt 120 + 30 − 20 + 10 − 5 = 135 Tiere am Jahresende. Die Zunahme beträgt 15 Tiere.
Definition
Population
Eine Population umfasst Individuen derselben Art, die gleichzeitig in einem abgegrenzten Gebiet leben und sich unter natürlichen Bedingungen untereinander fortpflanzen können.
Beispiel: Größe und Dichte bei Rehen
- 1Für ein abgegrenztes Waldstück werden 120 Rehe erfasst.
- 2120 ist die erfasste Populationsgröße dieses Gebiets.
- 3Für eine Dichteangabe fehlt noch die Größe der untersuchten Fläche.
Merke: Eine Population wächst, wenn Zugänge durch Geburten und Einwanderung größer sind als Verluste durch Sterbefälle und Auswanderung.
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Ein Faktor ist dichteabhängig, wenn seine Wirkung mit der Populationsdichte variiert. Bei vielen Individuen auf engem Raum können Kontakte und Nahrungskonkurrenz zunehmen. Krankheiten oder Parasiten können sich leichter verbreiten; auch Dichtestress und spezifische Feinde können eine Rolle spielen.
Ein plötzlicher Kälteeinbruch kann sowohl kleine als auch große Bestände treffen. Die Zahl der betroffenen Tiere mag verschieden sein, die beschriebene Wirkung hängt aber nicht von der anfänglichen Dichte ab. Gleiches kann für Naturkatastrophen und bestimmte Chemikalien gelten. Entscheidend ist die Abhängigkeit der Wirkung von der Dichte, nicht die Einteilung in belebte und unbelebte Faktoren.
Definition
Dichteabhängiger Faktor
Ein dichteabhängiger Faktor wirkt je nach Dichte der Population unterschiedlich stark. Dazu können Konkurrenz um Nahrung und Platz, Krankheiten, Parasiten, Dichtestress und bestimmte Feinde gehören.
Definition
Dichteunabhängiger Faktor
Die Wirkung eines dichteunabhängigen Faktors hängt nicht von der anfänglichen Populationsdichte ab. Ein Kälteeinbruch, eine Naturkatastrophe oder bestimmte Chemikalien können so wirken.
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Ein Wachstumsmodell zeigt einen möglichen Verlauf unter vereinfachten Annahmen, keine sichere Vorhersage. Beim exponentiellen Wachstum wird die Zahl in gleichen Zeitabschnitten mit demselben Faktor vervielfacht. Das setzt voraus, dass begrenzende Einflüsse zunächst keine Rolle spielen. Eine Bakterienkultur kann nach einer langsamen Lag-Phase in eine Phase schnellen exponentiellen Wachstums übergehen.
Das logistische Wachstum beschreibt eine Bremsung: Anfangs steigt die Zahl schnell; bei knapper werdender Nahrung, Wasser oder Platz lässt das Wachstum nach. Die idealisierte Kurve ist S-förmig und nähert sich der Tragfähigkeit K. Sie bezeichnet die unter angenommenen Bedingungen langfristig ungefähr tragbare Größe. Im Modell ist der Nettozuwachs bei K null.
K ist keine feste Barriere in der Natur. Reale Bestände können darüber hinauswachsen und anschließend zurückgehen oder um eine veränderliche Tragfähigkeit schwanken. Geburten, Sterbefälle, Wanderung und Umweltbedingungen verändern den Verlauf.
Beispiel: Verdopplung einer Bakterienkultur im Modell
- 1Angenommen, die Kultur beginnt mit 100 Bakterien und verdoppelt sich je Zeitabschnitt unter günstigen Bedingungen.
- 2Beginn: 100; nach einem Abschnitt: 200; nach zwei Abschnitten: 400; nach drei Abschnitten: 800.
- 3100 × 2 × 2 × 2 = 800. Der gleiche Faktor wirkt jeweils auf einen größeren Bestand.
Beispiel: Logistisches Modell bei begrenzten Ressourcen
- 1Bei reichlichen Ressourcen wächst die Population zunächst schnell.
- 2Mit zunehmender Größe werden Nahrung, Wasser oder Platz knapp.
- 3Die Zunahme verlangsamt sich, und die Modellkurve nähert sich der Tragfähigkeit K.
- 4Bei K ist der Nettozuwachs im idealisierten Modell null; reale Bestände können schwanken.
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Einfache Kurven lassen wichtige Wirkungen aus. Beim Allee-Effekt kann eine sehr geringe Dichte zum Nachteil werden: Bei manchen Fischarten finden weit verstreute Tiere schwerer Fortpflanzungspartner. Ein Bestand kann dann weiter sinken.
Auch zwei Populationen können sich gegenseitig beeinflussen. Mehr Beute kann später mehr Räuber ernähren; wächst deren Zahl, kann der Fraßdruck steigen. Sinkt die Beute, kann später auch die Räuberzahl zurückgehen. Wetter, Krankheiten, Jahreszeiten, Verschmutzung, Lebensraumverlust und Überjagung können das Muster zusätzlich verändern.
r- und K-Strategien sind vereinfachte Vergleichsbegriffe: Bei r steht eine hohe Fortpflanzungsrate mit vielen Nachkommen im Vordergrund. Bei K sind in relativ beständigen Lebensräumen weniger Nachkommen und oft längere Brutpflege typisch; solche Bestände liegen im Modell häufig nahe der Tragfähigkeit. Die Begriffe sind keine festen Artenschubladen und erklären allein keine reale Populationsentwicklung.
Für Artenschutz, invasive Arten oder Fangquoten können Modelle Hinweise liefern. Entscheidungen brauchen aber passende Bestandsdaten, geprüfte Annahmen und eine Einschätzung der Unsicherheit.
Definition
Allee-Effekt
Bei sehr kleiner oder dünn verteilter Population können Fortpflanzung und notwendige Gruppeninteraktionen erschwert sein. Dieser Nachteil bei geringer Dichte heißt Allee-Effekt und kann einen weiteren Rückgang begünstigen.
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Alles auf einen Blick
Populationsökologie
Beschreibt Populationen
Größe, Dichte und Struktur; räumliche Verteilung
Bilanziert Veränderungen
Geburten und Sterbefälle; Einwanderung und Auswanderung
Untersucht Regulation
dichteabhängige Faktoren; dichteunabhängige Faktoren
Nutzt Wachstumsmodelle
exponentielles Wachstum; logistisches Wachstum und Tragfähigkeit
Prüft reale Abweichungen
Allee-Effekt; Räuber-Beute-Rückkopplung; wechselnde Umweltbedingungen
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Bestandsbilanz bei Blattläusen
- 1In einer abgegrenzten Pflanzenfläche leben zu Beginn 50 Blattläuse derselben Art. Im Beobachtungszeitraum werden 20 geboren; 8 sterben, 5 wandern ein und 7 aus.
- 2Alle Angaben beziehen sich auf dieselbe Fläche und denselben Zeitraum. Zugänge sind 20 Geburten und 5 Einwanderungen.
- 3Verluste sind 8 Todesfälle und 7 Auswanderungen. Die Bilanz lautet 50 + 20 − 8 + 5 − 7 = 60.
- 4Am Ende leben dort nach dieser vollständigen Modellbilanz 60 Blattläuse; der Bestand nahm um 10 zu.
Fehler finden
Ein Kälteeinbruch im Käferbestand In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Die absolute Zahl der Todesfälle verwechselt Wirkung mit Dichteabhängigkeit. Richtig: Der Kälteeinbruch kann dichteunabhängig wirken, auch wenn auf der dichteren Fläche mehr Tiere betroffen sind.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Konkurrenz um Nahrung wirkt meist . Ein plötzlicher Kälteeinbruch wirkt meist . Mit steigender Dichte kann die Übertragung von Krankheiten . Begrenzte Ressourcen können das Wachstum einer Population bremsen.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback