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Zunft zu Safran (Luzern)
Die Zunft zu Safran ist eine Zunft in Luzern, die um 1400 als Gesellschaft der Krämer gegründet wurde. Bruder Fritschi und Fritschine …
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Überblick und Bedeutung
Die Zunft zu Safran ist eine Luzerner Gewerbe- und Handwerkszunft. Sie entstand um 1400 als Gesellschaft der Krämer und trägt heute vor allem das Luzerner Brauchtum und städtische Traditionen mit. Trotz ihrer wichtigen Rolle an der Luzerner Fasnacht ist sie keine Fasnachtszunft.
Die Zunft hat auch einen sozialen Auftrag. Dieser wird durch die Devise des Zunftmeisters ausgedrückt: «Freude der Jugend, Hilfe den Armen, Liebe dem Alter». Gegenwärtig gehören ihr ungefähr 420 bis 440 Zünftler an. Geleitet wird sie von einem neunköpfigen Zunftrat; der Zunftmeister wird jedes Jahr neu gewählt.
Entstehung und Entwicklung
Die Zunft wurde um 1400 als «gesellschaft der kraemerye zu Lutzern» gegründet und später «zum Saffran» genannt. Anfangs verband sie Krämer aus Luzern und Bern. Ihre Rechte hatten diese von König Wenzel erhalten, der von 1376 bis 1400 König war. Die erste gemeinsame Urkunde ging beim Brand von Bern im Jahr 1404 verloren; die zweite erhaltene und archivierte Urkunde stammt aus dem Jahr 1430.
Jeder Zünftler musste zugleich der älteren, ähnlich ausgerichteten «Bruderschaft zum Heiligen Kreuz» angehören. Diese unterstützte ihre Mitglieder gegenseitig bei Krankheit und in Not. Seit 1471 besass sie einen Altar in der Franziskanerkirche und erhielt eine Dankesurkunde des Franziskaner-Provinzials.
Zur Gründungszeit galt ein Zunftzwang: Nur ansässige Bürger der Stadt konnten der Zunft beitreten, einen Krämerladen eröffnen und Märkte besuchen. Nach der Gewerbeordnung von 1471 musste ein Krämer außerdem einen Harnisch, also eine Rüstung, vorweisen und an den militärischen Auszügen Luzerns teilnehmen. Im 15. Jahrhundert schlossen sich weitere Berufsgruppen an, darunter Bauhandwerker, Zimmerleute, Maurer und Steinmetze. Danach bezeichnete sich die Vereinigung als «gesellschaft zum Saffran genempt zum Fritschi».
Nach dem Einmarsch der Franzosen und der Auflösung der alten Eidgenossenschaft um 1798 wurden die Privilegien des Adels und der Zünfte aufgehoben. Die Zunft zu Safran überstand als einzige Luzerner Zunft diese Auflösungswelle. Sie bestand als bürgerliche Vereinigung weiter, die sich für das Brauchtum und die Traditionen Luzerns einsetzt.
Mitgliedschaft und Leitung
Für die Aufnahme gelten mehrere Voraussetzungen: Ein Bewerber muss männlich sein, das Bürgerrecht der Stadt Luzern oder einer Agglomerationsgemeinde besitzen, seit mindestens zehn Jahren in der Stadt oder Agglomeration wohnen und einen guten Ruf haben.
Seit der Zunftreform von 1908 ist der Zunftmeister zugleich der über Luzern hinaus bekannte Fritschivater. Er wird am Jahresbot, der Generalversammlung der Zunft, gewählt. Es gibt keine offiziellen Kandidaturen, sodass die Wahl für den Betroffenen überraschend sein kann. Der Gewählte entscheidet in den folgenden Tagen, ob er die Wahl annimmt oder ablehnt.
Bruder Fritschi und der Fasnachtsbrauch
Der seit Jahrhunderten gepflegte Fritschibrauch geht auf den Alten Zürichkrieg zurück. Am Fridolinstag, dem 6. März 1446, wurde in der Schlacht bei Ragaz mit Unterstützung Luzerner Zünfte eine österreichische Übermacht besiegt. Zwei Krämerzünftler nahmen als «sundere Gselschaft» daran teil und besassen damals noch kein eigenes Fähnlein. Auf ihrer später angefertigten Abteilungsfahne war wahrscheinlich das bärtige Gesicht des heiligen Fridolin dargestellt. Die Fahne wird in der Zunftstube aufbewahrt, die heute «Fritschis Stube» heißt.
Aus dieser Figur entstanden zahlreiche Legenden. Darin erscheint Bruder Fritschi als trinkender Landsknecht mit Interesse am weiblichen Geschlecht. Dazu trug bei, dass in der Fritschistube einige wilde, nicht offizielle Kriegszüge geplant wurden, darunter Freischarenauszüge und der Saubannerzug in den Thurgau.
Der Fridolinstag blieb mehr als 200 Jahre lang ein offizieller Festtag. Er wurde mit kirchlichen Feiern und einer Harnischschau begangen, also einer Wehr- und Waffenschau, bei der die militärpflichtigen Luzerner bewaffnet durch die Stadt zogen. Daraus entwickelte sich der heutige Luzerner Fasnachtsumzug am Schmutzigen Donnerstag. Bruder Fritschi, dessen Name von Fridolin abgeleitet ist, wurde ursprünglich als übergroße Strohpuppe mitten im Kriegsharst, einer geschlossenen Gruppe von Kriegern, mitgeführt.
Weil die anschließenden Trink- und Essgelage in den Zunftstuben nicht zur Fastenzeit passten, verlegte der Rat die Waffenschau auf den Schmutzigen Donnerstag. Bruder Fritschi gilt als eine Art Hofnarr des Fritschivaters. Die Luzerner Fasnachtsumzüge haben damit eine andere Entstehungsgeschichte als beispielsweise die Basler Fasnacht oder die Kölner Karnevalsumzüge.
Feste und regelmäßige Veranstaltungen
Das Zunftjahr umfasst mehrere feste Veranstaltungen. Das Jahresbot findet zum Jahresende statt, gewöhnlich am Samstag vor dem Fest der Heiligen Drei Könige. Im Januar folgt das Bärteliessen: Dabei wird der am Jahresbot gewählte Fritschivater abgeholt und in sein Amt eingeführt.
Danach folgt die Luzerner Fasnacht, die am Schmutzigen Donnerstag mit dem Urknall beginnt. Ende Juni beteiligt sich die Zunft mit einem Auszug an der Sempacher Schlachtfeier. Im November findet die Jahrzeitfeier zum Gedenken an die verstorbenen Zünftler statt.
Ein jährlich neu gewähltes Vergnügungskomitee organisiert außerdem das Maifest und die Herbstchilbi. Beide werden im Nölliturm veranstaltet. Dort treffen sich die Mitglieder auch jeden Monat zum Zunfthöck, bei dem sie bei Speis, Trank und Geselligkeit ihre Kontakte untereinander pflegen.