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Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Zeugma (Sprache)

In dem einen Sinne besteht die Wortfigur darin, dass in Satzverbindungen das den einzelnen Sätzen gemeinschaftliche Verb nur einmal gesetzt wird. Beispiele …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Grundbedeutung und Einordnung
  2. 2. Zeugma im traditionellen Sinne
  3. 3. Zeugma im modernen Sinne
  4. 4. Typische literarische Beispiele

Grundbedeutung und Einordnung

Ein Zeugma ist eine rhetorische Figur und eine Form der Brachylogie, also einer sprachlichen Verkürzung. Ein gemeinsames Verb oder ein anderes Satzglied wird dabei nicht für jedes verbundene Satzglied wiederholt. Je nach Begriffsverständnis bezeichnet „Zeugma“ entweder allgemein diese einmalige Verwendung eines gemeinsamen Verbs oder im modernen Sprachgebrauch speziell eine sprachwidrige Verbindung, bei der ein logisch notwendiges Satzglied eingespart wird.

Zeugma im traditionellen Sinne

Im einen Sinne besteht das Zeugma darin, dass in einer Satzverbindung das Verb, das mehreren Teilsätzen gemeinsam ist, nur einmal gesetzt wird. Die ausgelassenen Wiederholungen lassen sich gedanklich ergänzen.

Ein Beispiel von Cicero lautet: „Vicit pudorem libido, timorem audacia, rationem amentia.“ Auf Deutsch: „Die Begierde besiegte die Scham, die Verwegenheit die Furcht, der Wahnwitz die Vernunft.“ Das Verb „besiegte“ wird nur einmal genannt, gehört aber zu allen drei Satzgliedpaaren.

Auch Friedrich Schillers Satz „Der See kann sich, der Landvogt nicht erbarmen“ folgt diesem Muster. Das Verb „erbarmen“ wird nur einmal verwendet und bezieht sich auf „der See“ ebenso wie auf „der Landvogt“.

Mit „Zeugma“ kann außerdem die traditionell als Syllepse bezeichnete Figur gemeint sein. Bei einer solchen Syllepse passt das verwendete Verb seinem eigentlichen Sinn nach nur zu einem Satzglied, deckt aber zugleich ein weggelassenes, sinnverwandtes Verb für ein anderes Satzglied ab. In Martin Luthers Übersetzung von Psalm 34,16 heißt es: „Die Augen des HERRN sehen auff die Gerechten / Vnd seine Ohren auff jr schreien.“ Das Verb „sehen“ passt unmittelbar zu den Augen. Für die Ohren ist dagegen sinngemäß „hören“ zu ergänzen.

Andere Übersetzungen lösen diese Verbindung unterschiedlich auf: Luther verwendet 1984 das neutrale Verb „merken auf“, Zwingli „achten auf“, und die Einheitsübersetzung verwendet zwei Verben, nämlich „sehen“ und „hören“. Im hebräischen Urtext steht überhaupt kein Verb. Ein ähnliches Beispiel findet sich in Lukas, Evangelium 15,25: «ἤκουσεν συμφωνίας καὶ χορῶν», deutsch: „er hörte Musik und Tanz“.

Zeugma im modernen Sinne

Im modernen Sprachgebrauch meint „Zeugma“ häufig nur noch die Syllepse. Gemeint ist dann eine unlogische oder sprachwidrige Verbindung zweier oder mehrerer Ausdrücke, weil ein logisch notwendiges Satzglied eingespart wird. Häufig beruht die Wirkung auf einem polysemen Verb, also einem Verb mit mehreren Bedeutungen, das gleichzeitig in unterschiedlichen Bedeutungen verstanden werden muss. Das Zeugma ist dadurch meist ein beabsichtigtes Wortspiel, oft mit ironischer oder satirischer Wirkung.

Typische Bildungsweisen sind:

  • Ein Verb kann allein oder in verschiedenen zusammengesetzten Verben vorkommen. In „Ich heiße Heinz und Sie herzlich willkommen!“ bedeutet „heißen“ beim ersten Ausdruck „Mein Name ist“ und in „willkommen heißen“ „herzlich begrüßen“.

  • Ein Verb kann mit unterschiedlichen Partikeln verbunden werden. Das zeigt der Satz „Er trat die Tür ein und den Rückweg an“: „eintreten“ und „antreten“ werden durch die verkürzte Wiederholung von „trat“ miteinander verbunden.

  • Ein Verb kann bei gleicher syntaktischer Form verschiedene Bedeutungen haben. In „Er schlug die Scheibe und den Weg nach Hause ein“ bedeutet „einschlagen“ im ersten Fall, dass die Scheibe zerbrochen wurde, und im zweiten Fall, dass ein Weg gewählt wurde.

Der sogenannte Zeugma-Test dient dazu, Vagheit von Polysemie oder Homonymie zu unterscheiden. Entsteht ein Zeugma-Effekt, wenn ein scheinbar lediglich wiederholendes Ausdruckselement weggelassen wird, spricht dies für Polysemie oder Homonymie. Der Test nutzt also die Frage, ob durch die Verkürzung eine auffällige Mehrdeutigkeit oder sprachwidrige Verbindung entsteht.

Typische literarische Beispiele

Die Zitate zeigen, wie Zeugmata als pointierte Wortspiele eingesetzt werden. Heinz Erhardt formuliert: „Ich heiße nicht nur Heinz Erhardt, sondern Sie auch herzlich willkommen.“ Das verbindet den Namen „heiße“ mit der Wendung „willkommen heißen“.

In seinem Satz „Ich fror vor mich hin, denn nicht nur meine Mutter, auch der Ofen war ausgegangen“ wird „ausgehen“ in verschiedenen Bedeutungen auf die Mutter und den Ofen bezogen.

In Umberto Ecos „Das Foucaultsche Pendel“ wird ein „Sprung“ zugleich als kurzer Besuch und als mögliche Bezeichnung eines Bourbons verstanden. Das Beispiel macht die Verbindung unterschiedlicher Bedeutungen besonders deutlich.

Bei Laurence Sterne heißt es über Onkel Toby, er habe „seine Hände, seine Augen und ein Bein gen Himmel“ gehoben. Das Verb „heben“ verbindet dabei Körperteile, die in dieser Aufzählung nicht in gleicher Weise gemeint sind. Ein weiteres Beispiel ist Dagobert Ducks Satz: „Ich gehe aus, Baptist! Vor allem davon, dass Sie mir auf meine Talerchen achten!“ Hier werden verschiedene Bedeutungen von „ausgehen“ beziehungsweise die Wendung „von etwas ausgehen“ pointiert miteinander verknüpft.

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