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Yaşar Nuri Öztürk

Yaşar Nuri Öztürk (* 5. Februar 1951 in Bayburt, Provinz Bayburt; † 22. Juni 2016 in Istanbul) war ein türkischer Religionsphilosoph, Autor, Jurist, …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Person und Bedeutung
  2. 2. Wissenschaftliche Laufbahn
  3. 3. Koranauslegung
  4. 4. Politische Tätigkeit
  5. 5. Veröffentlichungen

Person und Bedeutung

Yaşar Nuri Öztürk (* 5. Februar 1951 in Bayburt, Provinz Bayburt; † 22. Juni 2016 in Istanbul) war ein türkischer Religionsphilosoph, Autor, Jurist und Politiker. Er galt als bekannter islamischer Theologe in der Türkei und vertrat innerhalb des Islams liberale Positionen.

Seine Bedeutung lag vor allem in seiner Koranauslegung. Mit Büchern wie „Islam im Koran“ und „Der verfälschte Islam“ wurde er für viele Leser zu einer wichtigen Stimme einer „Bewegung zurück zum Koran“. Er wurde deshalb auch als „islamischer Reformator“ bezeichnet, obwohl er selbst betonte, der Koran und der Islam benötigten keine Reform.

Wissenschaftliche Laufbahn

Öztürk studierte Rechtswissenschaft und islamische Theologie an der Universität Ankara. Danach arbeitete er 12 Jahre lang als Imam und Prediger. Anschließend kehrte er an die Universität zurück und promovierte 1980 in islamischer Philosophie.

1986 wurde er Doçent, also Hochschullehrer auf einer Stufe zwischen Promotion und Professur. 1986/87 lehrte er „Islamische Geistesgeschichte“ am Unification Theological Seminary in Barrytown, etwa 130 km nördlich von New York City. Von 1993 bis 2002 war er Dekan der Theologischen Fakultät an der Universität Istanbul.

Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit schrieb er Bücher und hatte eine Kolumne in der türkischen Zeitung „Hürriyet“. Außerdem hielt er Vorträge in den USA, in der Schweiz, in Deutschland und in Staaten des Nahen Ostens. Im Jahr 2000 wurde er in der Liste der „wichtigsten Personen des 20. Jahrhunderts“ des „Time Magazine“ in der Kategorie „Wichtigste Wissenschaftler und Denker“ auf Platz 7 unter den ersten zehn Persönlichkeiten gewählt.

Koranauslegung

Öztürk setzte sich für eine zeitgemäße Auslegung des Korans ein. Dabei verstand er den Koran als zentrale Grundlage des Islams und sah sich in der Nachfolge von Dschamal ad-Din al-Afghani und Muhammad Abduh.

Ein zentraler Gedanke seiner Auslegung war die Bedeutung des Verstandes. Öztürk hielt den Verstand nach dem Koran für den „größten Propheten“. Nach seiner Auffassung seien Dogmen, also festgelegte Glaubenssätze, im Koran auf ein Minimum beschränkt.

Der Koran fordere nach Öztürks Verständnis dazu auf, den Verstand zu gebrauchen und religiöse Quellen zu interpretieren. Religiöse Glaubensgrundlagen sollten kritisch hinterfragt und mit den Erfordernissen der modernen Gegenwart in Einklang gebracht werden.

Politische Tätigkeit

Im Jahr 2002 wurde Öztürk als Abgeordneter für den Wahlbezirk Provinz Istanbul der Cumhuriyet Halk Partisi, auf Deutsch Republikanische Volkspartei, in das türkische Parlament gewählt.

2005 verließ er die CHP. Am 16. Februar 2005 gründete er in Ankara die Halkın Yükselişi Partisi, auf Deutsch Partei für den Aufstieg des Volkes. Den Vorsitz dieser Partei hatte er einige Zeit inne.

Veröffentlichungen

Zu Öztürks Werken gehören mehrere Bücher über Islam, Koranverständnis und islamische Mystik. Einige seiner Bücher wurden ins Deutsche und Englische übersetzt.

Genannt werden unter anderem „Kur'an'daki İslâm“ („Islam im Koran“) von 1992, „400 Fragen zum Islam – 400 Antworten“ von 2000, „Rumi und die islamische Mystik“ von 2002 und „Der verfälschte Islam. Eine Kritik der Geschichte islamischen Denkens“ von 2007. „Der verfälschte Islam“ erschien als deutsche Kurzfassung des türkischen Originals.

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