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Yōko Shimomura
Yōko Shimomura (jap. 下村 陽子, Shimomura Yōko; * 19. Oktober 1967 in der Präfektur Hyōgo) ist eine japanische Komponistin von Videospielmusik.
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Kern und Bedeutung
Yōko Shimomura (* 19. Oktober 1967 in der Präfektur Hyōgo) ist eine japanische Komponistin von Videospielmusik. Zu ihren bekanntesten Arbeiten gehören die Musik zu Street Fighter II, Super Mario RPG, Legend of Mana, der Kingdom-Hearts-Reihe und Final Fantasy XV. Ihre Bedeutung beruht darauf, dass sie über mehr als 45 verschiedene Spiele komponierte und zu einer der bekanntesten Persönlichkeiten der Videospielmusik wurde. Sie wurde als „die berühmteste weibliche Videospielmusikkomponistin der Welt“ bezeichnet.
Shimomura verbindet ihre klassische musikalische Ausbildung mit sehr unterschiedlichen Stilrichtungen. Ihre Musik begleitet unter anderem Kampfspiele, Rollenspiele, Strategiespiele und Actionspiele. Zu den Wendepunkten ihres Lebens als Komponistin zählt sie selbst die Soundtracks zu Street Fighter II, Super Mario RPG und Kingdom Hearts. 2024 erhielt sie den Lifetime Achievement Award der Game Developers Choice Awards. 2025 wurde sie mit der BAFTA Fellowship ausgezeichnet, der höchsten Auszeichnung der British Academy of Film and Television Arts.
Ausbildung und beruflicher Weg
Shimomura interessierte sich schon als Kind für Musik und begann „im Alter von vier oder fünf“ mit Klavierstunden. Erste eigene Kompositionen entstanden beim wahllosen Spielen des Klaviers. Am Osaka College of Music erlangte sie 1988 einen Abschluss als Hauptpianistin. Ursprünglich wollte sie Klavierlehrerin werden. Weil sie seit vielen Jahren begeisterte Videospielspielerin war, schickte sie jedoch Arbeitsproben an mehrere Videospielunternehmen, die an der Universität rekrutierten. Capcom lud sie zu einer Anhörung und einem Vorstellungsgespräch ein und stellte sie anschließend ein. Ihre Familie und ihre Lehrer missbilligten diese Entscheidung, da Videospielmusikkomponisten damals wenig respektiert wurden.
Bei Capcom arbeitete Shimomura von 1988 an und trug zu Soundtracks von 17 verschiedenen Spielen bei. Ihr erstes Projekt war Samurai Sword (1988). Bei Street Fighter II (1991) komponierte sie alle bis auf drei Stücke. Ihre erste Arbeit mit einer Veröffentlichung auf einem Album mit Musik mehrerer Capcom-Spiele war Final Fight (1989); 1990 erschien das erste Album, das ausschließlich auf ihrer Musik beruhte, zu Street Fighter II. Anfangs arbeitete sie vor allem an Konsolenspielen, wechselte aber 1990 in die Arcade-Spiel-Abteilung. Außerdem gehörte sie zur firmeneigenen Band Alph Lyla, die Capcom-Videospielmusik aufführte. Sie spielte mit der Gruppe live und beim ersten Auftritt von Alph Lyla auf dem Game Music Festival 1992 Klavier.
1993 wechselte Shimomura zu Square, heute Square Enix, weil sie klassische Musik für Rollenspiele komponieren wollte. Bei Capcom hatte sie nicht vom Arcade- in das Konsolenspieleteam wechseln können, um an Breath of Fire mitzuarbeiten, obwohl sie ein Stück für das erste Spiel der Reihe beigesteuert hatte. Ihr erstes Projekt bei Square war der Score, also die musikalische Gesamtbegleitung, für das Rollenspiel Live A Live (1994). Während der Arbeit an Super Mario RPG: Legend of the Seven Stars wurde sie zusätzlich gebeten, gemeinsam mit Noriko Matsueda die Musik zum futuristischen Strategiespiel Front Mission zu schreiben. Tobal No. 1 (1996) war anschließend für mehr als ein Jahrzehnt ihr letzter Score mit einem weiteren Komponisten.
Es folgten unter anderem Parasite Eve (1998), Legend of Mana (1999), Chocobo Stallion (1999), Hataraku Chocobo (2000) und Kingdom Hearts (2002). Den Soundtrack zu Legend of Mana betrachtet Shimomura als denjenigen, der sie am besten repräsentiert. Parasite Eve war ihr erster Soundtrack mit einem Gesangsstück, weil die Hardware früherer Titel dies nicht unterstützt hatte. Kingdom Hearts bezeichnet sie als ihren speziellsten Soundtrack und als Wendepunkt ihrer Karriere. Das Spiel verkaufte sich weltweit mehr als vier Millionen Mal; die Musik wurde regelmäßig als eines der Highlights genannt. Nach Kingdom Hearts verließ sie Square für einen Mutterschaftsurlaub und arbeitet seit 2003 als freischaffende Komponistin.
Spätere Arbeiten und wichtige Spiele
Als Freiberuflerin setzte Shimomura ihre Arbeit an der Kingdom-Hearts-Reihe fort. Zu den späteren Projekten gehören Kingdom Hearts: Chain of Memories (2004), Kingdom Hearts II (2005), Kingdom Hearts 358/2 Days (2009), Kingdom Hearts Birth by Sleep (2010), Kingdom Hearts coded und Kingdom Hearts Re:coded (beide 2010), Kingdom Hearts 3D: Dream Drop Distance (2012) sowie Kingdom Hearts III (2019). Außerdem komponierte sie für Nintendos Mario-&-Luigi-Serie, darunter Mario & Luigi: Superstar Saga (2003), Mario & Luigi: Zusammen durch die Zeit (2005), Mario & Luigi: Abenteuer Bowser (2009), Mario & Luigi: Dream Team Bros. (2013) und Mario & Luigi: Paper Jam Bros. (2015).
Weitere wichtige Kompositionen sind Heroes of Mana (2007), Radiant Historia (2010), Last Ranker (2010), The 3rd Birthday (2010), Xenoblade Chronicles (2010), Final Fantasy XV (2016), V.D. Vanishment Day (2016) und Xenoblade Chronicles: Definitive Edition (2020). Bei manchen Spielen schrieb sie nur einzelne Stücke oder arbeitete mit anderen Komponisten zusammen. Beispiele sind Breath of Fire, bei dem sie nur „Trade City“ komponierte, Mega Man 5 mit „Dr. Wily Stage“, Pop’n Music Carnival mit „Majestic Fire“, Demons' Score mit „Azazel del cielo ardiente“, Rise of Mana mit „Where the Heart Beats Free“, Terra Battle mit drei Liedern und Chunithm: Seelisch Tact mit „Tango Rouge“.
Neben Neukompositionen übernahm sie Arrangements, also neue musikalische Bearbeitungen bereits vorhandener Stücke. Dazu zählen F-1 Dream und Sweet Home sowie Musik für Super Smash Bros. Brawl und Super Smash Bros. for Nintendo 3DS and Wii U. Für Little King’s Story arrangierte sie Maurice Ravels Boléro. Für die Neuauflage von Live A Live (2022) wurden Stücke ihres ursprünglichen Soundtracks unter ihrer Aufsicht neu arrangiert. Auch an der Musik der Neuauflage von Super Mario RPG (2023) arbeitete sie erneut.
Stil, Einflüsse und musikalische Ideen
Zu Shimomuras genannten Einflüssen gehören Ludwig van Beethoven, Frédéric Chopin und Maurice Ravel. Außerdem genoss sie lange Zeit „Lounge-Style Jazz“. Trotz ihrer klassischen Ausbildung verwendet sie zahlreiche Stile, darunter Rock, Elektro, orientalische Musik, Ambient, Industrial, Pop, Symphonic Metal und Chiptune.
Ihre Inspiration gewinnt sie aus Dingen, die sie emotional bewegen: „ein wunderschönes Bild, eine Szene, etwas das köstlich schmeckt, Düfte die vergangene Erinnerungen zurückbringen, fröhliche und traurige Dinge…. Alles das die Emotion verändert, gibt mir Inspiration.“ Viele Melodien fallen ihr nach eigener Aussage ein, wenn sie etwas außerhalb ihrer täglichen Routine tut, etwa auf Reisen. Sie sagt, ihr Stil habe sich über die Jahre dramatisch verändert, ihre Leidenschaft für Musik sei jedoch gleich geblieben. Ein wichtiger Teil des kreativen Prozesses ist für sie eine „subtile Nachricht“ zu übermitteln, die aus der eigenen Vorstellung kommt und beim Zuhörer haften bleibt, ohne zu genau festzulegen, was sie bedeutet. Ihr Lieblingsstück aus ihren eigenen Werken ist „Dearly Beloved“ aus Kingdom Hearts.
Alben, Konzerte und weitere Werke
Im März 2008 erschien Drammatica: The Very Best of Yoko Shimomura. Das Best-of-Album enthält voll orchestrierte Kompositionen aus Kingdom Hearts, Final Fantasy XV, Live A Live, Front Mission, Legend of Mana und Heroes of Mana. Shimomura wählte Musik aus, die bei Fans beliebt und für Orchestrierungen geeignet war, aber zuvor noch nie von einem Orchester gespielt worden war. Eingespielt wurde das Album vom WDR Funkhausorchester Köln unter der Leitung von Eckehard Stier.
Der Wunsch nach einem Livekonzert wurde am 4. August 2009 mit Sinfonia Drammatica im Stockholmer Konzerthaus erfüllt. Arnie Roth leitete das Royal Stockholm Philharmonic Orchestra; das Konzert verband Musik von Drammatica mit Chris Hülsbecks Symphonic Shades. Außerdem machte Musik aus Kingdom Hearts ein Viertel des Konzerts Symphonic Fantasies – music from Square Enix im September 2009 in Köln aus. Das australische Eminence Symphony Orchestra spielte 2007 das Titellied von Legend of Mana bei A Night in Fantasia.
Für Legend of Mana erschienen Klavierarrangements bei DOREMI Music Publishing. Die Stücke wurden von Asako Niwa als mittelschwere Klaviersoli neu geschrieben und sollten der Originalmusik möglichst ähnlich bleiben. Klaviernoten zu Kingdom Hearts und Kingdom Hearts II wurden von Yamaha Music Media veröffentlicht.
Zu Shimomuras weiteren Werken außerhalb der eigentlichen Videospielkompositionen gehören mehrere Premium-Arrange-Alben, unter anderem Parasite Eve Remixes (1998), Phantasy Star Online Episode I & II Premium Arrange (2004), Dark Chronicle Premium Arrange (2004) und Rogue Galaxy Premium Arrange (2006). Ihr erstes nicht auf Videospielmusik basierendes Album war Murmur (2007), mit von der japanischen Sängerin Chata gesungenen Liedern. Spätere Veröffentlichungen sind Mushihimesama Double Arrange Album (2009), GO! GO! Buriki Daioh!! (2012), GeOnDan RareTrax the LAST (2012), Nocturne (2019) und Merregnon: Land of Silence (2021).