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Symphonische Spielemusikkonzerte

Die Symphonischen Spielemusikkonzerte (verkürzt: Spielekonzerte bzw. international Game Concerts) sind eine von Thomas Böcker produzierte Reihe von …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Grundidee
  2. 2. Anfänge in Leipzig
  3. 3. Produktionen des WDR in Köln
  4. 4. Internationale Final-Symphony-Reihe
  5. 5. Weitere internationale Produktionen
  6. 6. Musikvermittlung und Bedeutung

Überblick und Grundidee

Die Symphonischen Spielemusikkonzerte, kurz Spielekonzerte und international Game Concerts, sind eine von Thomas Böcker produzierte Reihe von Konzertproduktionen mit orchestral aufgeführter Computerspielmusik. Sie begann 2003 im Gewandhaus zu Leipzig. Das Auftaktkonzert gilt als erstes Orchesterkonzert mit Spielemusik außerhalb Japans.

Die Reihe überträgt Musik aus Computerspielen in Formen für Sinfonieorchester, Chor oder Soloinstrumente. Anfangs standen noch häufiger einfache Orchesterversionen im Mittelpunkt. Später entstanden zunehmend längere, neu geschriebene und experimentelle Arrangements, in denen die Arrangeure die Vorlagen eigenständig interpretierten. Dabei wurden Stücke teilweise zu Suiten, Tondichtungen, Klavierkonzerten oder mehrsätzigen Sinfonien verbunden.

Von 2003 bis 2007 waren die Konzerte unter dem Titel GC in Concert die jährliche offizielle Eröffnungszeremonie der GC – Games Convention in Leipzig. Ab 2008 arbeitete Böckers Unternehmen Merregnon Studios mit dem WDR und dem WDR Rundfunkorchester Köln zusammen. Seit 2013 werden die Produktionen weltweit aufgeführt, unter anderem vom London Symphony Orchestra.

Anfänge in Leipzig

Thomas Böcker entwickelte das Konzept nach dem Vorbild japanischer Veranstaltungen, besonders der Orchestral Game Music Concerts der 1990er-Jahre. Um die Zielgruppe zu erreichen, wollte er das Konzert mit einer etablierten Veranstaltung der Spieleindustrie verbinden. 2002 stimmte die Leipziger Messe seinem Vorschlag für ein Konzert während der GC – Games Convention zu. Sie veranstaltete GC in Concert; Böcker war künstlerischer Leiter und Produzent. Zu seinen Aufgaben gehörten die Programmgestaltung und das Einholen der Genehmigungen der jeweiligen Publisher für die verwendete Musik.

Das erste Konzert fand am 20. August 2003 im Gewandhaus zu Leipzig statt. Es wurde vom Tschechischen Nationalen Symphonieorchester gespielt. Bis 2007 folgten vier weitere jährliche Konzerte, die das FILMharmonic Orchestra Prague aufführte. Alle fünf Veranstaltungen waren mit jeweils rund 2000 Besuchern ausverkauft.

Die Programme verbanden asiatische, amerikanische und europäische Spiele sowie unterschiedliche musikalische Stilrichtungen. Das erste Konzert konzentrierte sich auf Spiele, deren Musik bereits zuvor mit Live-Orchestern aufgenommen worden war. Seine Organisation dauerte von Mitte April 2003 an rund vier Monate. Aufgrund der Rückmeldungen des Publikums wurde später mehr Musik aus Spieleklassikern aufgenommen. Die folgenden Konzerte benötigten jeweils etwa ein Jahr Vorbereitung und enthielten immer eigenständigere Arrangements.

Als Eröffnungszeremonien der Messe umfassten die Konzerte von 2003 bis 2006 auch Reden und Präsentationen deutscher Politiker und Industrievertreter. Zudem nahmen Komponisten wie Nobuo Uematsu, Yuzo Koshiro, Chris Hülsbeck, Rob Hubbard und Allister Brimble teil.

Produktionen des WDR in Köln

Nach dem Besuch des fünften Leipziger Konzerts entschied Winfried Fechner, Manager des damaligen WDR Rundfunkorchesters Köln, Spielemusik mit diesem Orchester aufzuführen. Daraus entstand die Zusammenarbeit des WDR mit Merregnon Studios.

Symphonic Shades – Hülsbeck in Concert war am 23. August 2008 der Musik von Chris Hülsbeck gewidmet. Das Programm enthielt Arrangements aus The Great Giana Sisters, Turrican II, R-Type und Apidya. Beide Aufführungen waren ausverkauft. Die erste wurde live auf WDR4 gesendet und war damit das erste Spielemusikkonzert mit Radioübertragung. Ende 2008 erschien das Programm als Album; die auf 1000 Exemplare begrenzte Erstauflage war schnell vergriffen.

Symphonic Fantasies – music from Square Enix wurde am 11. September 2009 in Oberhausen und am 12. September in der Kölner Philharmonie gespielt. Die Kölner Aufführung lief auf WDR4 und als Live-Videostream; sie war die erste weltweite Online-Videoübertragung eines Spielemusikkonzerts. Das Programm verband Kingdom Hearts, Secret of Mana, Chrono Trigger und Chrono Cross sowie Final Fantasy in vier bis zu 18 Minuten langen Partituren. Weitere Aufführungen folgten 2012 in Tokio, Stockholm und Köln sowie 2016 mit dem London Symphony Orchestra in London.

Symphonic Legends – Music from Nintendo fand am 23. September 2010 statt. Das Programm enthielt Musik aus Super Mario Bros., Super Mario Galaxy, Donkey Kong Country, Metroid, F-Zero und The Legend of Zelda. Die Metroid-Musik wurde zeitgenössisch bearbeitet. Die gesamte zweite Konzerthälfte bildete eine rund 35-minütige Tondichtung zu The Legend of Zelda mit den fünf Teilen Hyrulian Child, Dark Lord, Princess of Destiny, Battlefield und Hero of Time. Teile des Programms wurden später in Stockholm und London aufgeführt.

Symphonic Odysseys – Tribute to Nobuo Uematsu war Nobuo Uematsu gewidmet und wurde am 9. Juli 2011 in Köln aufgeführt. Weil das Abendkonzert innerhalb von zwölf Stunden ausverkauft war, kam eine Nachmittagsvorstellung hinzu. Neben Musik aus Final Fantasy, Blue Dragon, Lost Odyssey und The Last Story enthielt das Programm ein rund 16-minütiges Klavierkonzert aus Musik der ersten sechs Final-Fantasy-Teile. 2011 erschien ein Doppelalbum; 2017 folgten Aufführungen in Paris und London.

Internationale Final-Symphony-Reihe

Final Symphony – Music from Final Fantasy verarbeitet Musik aus Final Fantasy VI, VII und X von Nobuo Uematsu und Masashi Hamauzu in großen klassischen Formen: Final Fantasy VI als sinfonische Dichtung, Final Fantasy X als Klavierkonzert und Final Fantasy VII als Sinfonie in drei Sätzen. Die Weltpremiere fand am 11. Mai 2013 mit dem Sinfonieorchester Wuppertal statt. Am 30. Mai spielte das London Symphony Orchestra das Programm in London; für dieses Orchester war es das erste ausschließlich aus Computerspielmusik bestehende Konzert. Aufführungen in Japan, Nordamerika, Australien, Neuseeland und weiteren europäischen Ländern folgten. 2015 erschien eine in den Abbey Road Studios aufgenommene Studiofassung.

Final Symphony II – Music from Final Fantasy verbindet Musik aus Final Fantasy V, VIII, IX und XIII von Nobuo Uematsu und Masashi Hamauzu zu umfangreichen zusammenhängenden Arrangements. Die Weltpremiere erfolgte am 29. August 2015 mit dem Beethoven Orchester Bonn. Danach spielte das London Symphony Orchestra das Programm in London und Japan. Durch die Aufführung in Osaka am 27. September 2015 wurde es zum ersten ausländischen Orchester, das in Japan ein Spielemusikkonzert aufführte. Weitere Stationen waren unter anderem Finnland, Schweden und die Niederlande. Eine Studioaufnahme mit dem Royal Stockholm Philharmonic Orchestra erschien 2023.

Weitere internationale Produktionen

Symphonic Memories – Music from Square Enix wurde am 9. Juni 2018 vom Royal Stockholm Philharmonic Orchestra uraufgeführt. Das Programm verbindet Musik aus Symphonic Fantasies, Final Symphony und Final Symphony II mit neuen Arrangements. In Stockholm wurde erstmals eine Suite aus Final Fantasy XV gespielt; außerdem umfasst das Repertoire neue Bearbeitungen aus Octopath Traveler, Xenogears und NieR. Weitere Aufführungen fanden unter anderem in Finnland, der Schweiz, Japan und Deutschland statt. Eine Aufnahme aus Kawasaki erschien 2020 als Doppelalbum.

Für Bethesda Softworks produzierte Thomas Böcker zwei Konzertfilme mit dem London Symphony Orchestra. Das Skyrim 10th Anniversary Concert zum zehnten Jubiläum von The Elder Scrolls V: Skyrim entstand mit den London Voices im Alexandra Palace und wurde am 11. November 2021 veröffentlicht. Starfield – A Night with the London Symphony Orchestra wurde in St Luke’s, Old Street in London aufgenommen und am 13. September 2023 zur Veröffentlichung des Action-Rollenspiels Starfield herausgebracht.

Musikvermittlung und Bedeutung

Die Reihe umfasste auch Schulkonzerte. 2006 fanden vier Aufführungen unter dem Titel Helden unserer Phantasie mit der Elbland Philharmonie Sachsen statt. Sie sollten Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen klassischer Musik und Computerspielmusik zeigen und jungen Menschen den Zugang zu Orchesterkonzerten erleichtern. Im Januar 2010 folgten fünf Schulkonzerte unter dem Titel Super Mario Galaxy – Ein musikalisches Abenteuer. Sie setzten dieses Vermittlungskonzept fort und ergänzten die Musik durch kurze Erzählungen aus der Handlung von Super Mario Galaxy.

Mehrere Produktionen wurden von der Spiele- und Spielemusikpresse ausgezeichnet. Das schwedische Magazin LEVEL wählte Symphonic Legends – Music from Nintendo 2010 zum besten Konzert des Jahres. Bei den Annual Game Music Awards wurden unter anderem Symphonic Fantasies 2010, Symphonic Odysseys 2011, Final Symphony 2015 und Symphonic Memories 2020 ausgezeichnet.

Guinness World Records führt zwei wichtige Leistungen der Reihe: das erste Spielemusikkonzert außerhalb Japans im Jahr 2003 und die erste Aufführung eines Spielemusikkonzerts in Japan durch ein ausländisches Orchester im Jahr 2015.

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