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Sem (Linguistik)
Lexem, Zum Sitzen, Auf Füßen, Für 1 Person, Mit Rückenlehne, Mit Armlehnen. Kanapee, +, +, −, (+), (+). Sessel, +, +, +, +, +. Stuhl, +, +, +, +, −. Hocker, + …
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Grundbegriff und Aufbau von Wortbedeutungen
Ein Sem ist in der linguistischen Semantik ein kleinstes Element der Bedeutung eines Wortes beziehungsweise Lexems. Ein Lexem ist dabei ein Wort als Einheit des Wortschatzes. Die Grundannahme lautet, dass sich seine Bedeutung als Kombination mehrerer Seme beschreiben lässt.
Die Gesamtheit der Seme, die in einem Wort zusammenkommen, heißt Semem. Jedes Wort besitzt eine bestimmte Kombination solcher Bedeutungsmerkmale. Sie unterscheidet sich in mindestens einem Sem von der Kombination eines Wortes mit anderer Bedeutung. In der Komponentenanalyse entspricht dem Sem der Begriff semantisches Merkmal.
Beispiel Mutter
Zur Bedeutung des Wortes „Mutter“ gehören beispielsweise die Seme [menschlich], [erwachsen], [weiblich] und [hat Kind]. Einzelne Seme können zugleich Bestandteile anderer Wortbedeutungen sein. So kommt [weiblich] auch bei „Königin“, „Tochter“ und „Löwin“ vor. Erst die gesamte Kombination der Seme bildet jedoch das Semem „Mutter“ und beschreibt damit die Bedeutung dieses Wortes.
Analyse eines Wortfeldes
Ein Wortfeld ist eine Gruppe bedeutungsverwandter Wörter. Bernard Pottier analysiert einen Ausschnitt des Wortfeldes der Sitzgelegenheiten mithilfe der Seme [Zum Sitzen], [Auf Füßen], [Für 1 Person], [Mit Rückenlehne] und [Mit Armlehnen]. Ein „+“ bedeutet, dass ein Sem zutrifft, ein „−“, dass es nicht zutrifft; eingeklammerte Zeichen kennzeichnen die betreffenden Angaben beim Kanapee.
• Kanapee: [Zum Sitzen] +, [Auf Füßen] +, [Für 1 Person] −, [Mit Rückenlehne] (+), [Mit Armlehnen] (+) • Sessel: bei allen fünf Semen + • Stuhl: bei den ersten vier Semen +, bei [Mit Armlehnen] − • Hocker: bei [Zum Sitzen], [Auf Füßen] und [Für 1 Person] +, bei [Mit Rückenlehne] und [Mit Armlehnen] −
Durch die wiederholte Verwendung derselben Seme lassen sich die Bedeutungen der Lexeme innerhalb eines Wortfeldes systematisch vergleichen. Die jeweils zutreffende Menge der Seme bildet das Semem des betreffenden Wortes.
Engere und weitere Verwendungen
In einer engeren Verwendung gelten nur solche Bedeutungsmerkmale als Seme, die innerhalb eines Paradigmas beziehungsweise Wortfeldes eine distinktive Funktion besitzen, also Wörter voneinander unterscheiden. Ein Merkmal, das allen Elementen des Wortfeldes gemeinsam ist, wird dagegen Noem genannt.
Luis J. Prieto bezeichnete 1966 als Sem außerdem „ein besonderes Zeichen, dessen Signifikat nicht einem Zeichen entspricht, sondern einer Aussage der Sprache“. Das Signifikat ist der Bedeutungsinhalt eines Zeichens. Daneben kann der Ausdruck Sem auch für Texte stehen.