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Wetten, dass..?
Wetten, dass..? (auch WETTEN DASS..?) ist eine deutschsprachige Fernsehshow. In der Sendung treten Kandidaten mit skurrilen Wetten an, prominente Gäste …
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Kernidee und Bedeutung
Wetten, dass..? ist eine deutschsprachige Spielshow aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Sie wurde von Frank Elstner erfunden und am 14. Februar 1981 erstmals im ZDF ausgestrahlt. In der Sendung treten Kandidaten mit ungewöhnlichen, oft skurrilen Fähigkeiten an. Prominente Gäste tippen als Wettpaten darauf, ob eine Wette gelingt oder nicht. Die Show gilt als „größte Fernsehshow Europas“ und war über Jahrzehnte eine der wichtigsten Samstagabendshows im deutschsprachigen Fernsehen.
Die Sendung lief zunächst von 1981 bis 2014, kehrte von 2021 bis 2023 mit Thomas Gottschalk zurück und soll 2026 mit Tom und Bill Kaulitz fortgesetzt werden. Insgesamt werden 218+ Episoden in 35 Staffeln genannt. Eine Ausgabe dauerte meist 150 bis 180 Minuten, überzog aber häufig. Besonders prägend waren die Moderatoren Frank Elstner, Thomas Gottschalk, Wolfgang Lippert und Markus Lanz; Michelle Hunziker war zeitweise Co-Moderatorin.
Ablauf und Regeln der Show
Das Grundprinzip besteht aus Wetten, prominenten Gästen, Musikauftritten und Gesprächen. Ein Kandidat behauptet, eine besondere Leistung vollbringen zu können, zum Beispiel eine außergewöhnliche Gedächtnisleistung oder eine ungewöhnliche technische Aufgabe. Ein prominenter Gast wird dieser Wette als Wettpate zugeordnet und muss vorhersagen, ob die Wette gelingt. Nach dem Verlesen der Wette startet der Moderator mit dem bekannten Satz „Top, die Wette gilt!“.
Liegt ein Wettpate mit seinem Tipp falsch, muss er einen vorher vereinbarten Wetteinsatz erfüllen. Diese Einsätze konnten strafenden Charakter haben, etwa peinliche oder lustige Aufgaben, aber auch sozial ausgerichtet sein, zum Beispiel Spendensammeln. Später wurden Einsätze oft direkt in der Halle eingelöst, damit internationale Gäste nicht zusätzlich belastet wurden; selten wurde ganz auf einen Einsatz verzichtet.
In den ersten Jahren gaben alle Gäste zu jeder Wette Tipps ab und sammelten Punkte. Am Ende wurde ein „Wettkönig“ bestimmt: zunächst der Kandidat, dessen Pate am häufigsten richtig lag. Später veränderte das interaktive Televoting die Sendung. Die Zuschauer bestimmten ab 1987 per Tele-Dialog den Wettkönig danach, welche Wette ihnen am besten gefiel. Dadurch wurden spektakuläre Wetten wichtiger, während die Gäste meist nur noch für ihre eigene Wette zuständig waren.
Geschichte der Moderation
Frank Elstner moderierte von 1981 bis 1987 insgesamt 39 Ausgaben. Schon die erste Sendung überzog er um 43 Minuten, was später als typisch für Wetten, dass..? galt. In seine Zeit fielen die höchsten Quoten, auch weil die Sendung vor dem starken Aufkommen des Privatfernsehens in Deutschland erfolgreich wurde.
Thomas Gottschalk übernahm 1987 und prägte die Sendung stark. Von September 1987 bis Mai 1992 moderierte er 36 Ausgaben. Sein frecherer Stil wurde zunächst kritisiert, doch das Konzept wurde stärker auf ihn zugeschnitten. Nach einem Wechsel zu RTL wurde Wolfgang Lippert Moderator. Er leitete von 1992 bis 1993 neun Ausgaben; unter ihm sahen 12 bis 16 Millionen Zuschauer zu.
1994 kehrte Gottschalk zurück und blieb bis 2011. In diese Phase fielen Jubiläen wie die 100. Ausgabe am 30. März 1996 und das 20-jährige Jubiläum 2001. Ab Oktober 2009 moderierte Michelle Hunziker an seiner Seite. Ein einschneidendes Ereignis war der Unfall von Samuel Koch am 4. Dezember 2010: Koch stürzte bei einer Wette mit Sprungstelzen schwer und ist seitdem gelähmt. Die Sendung wurde erstmals abgebrochen. Gutachten und ZDF-interne Untersuchung sahen kein schuldhaftes Verhalten des Senders. Gottschalk kündigte 2011 seinen Rücktritt an, weil seit dem Unfall „ein Schatten auf der Sendung“ liege.
Markus Lanz moderierte von Oktober 2012 bis Dezember 2014 insgesamt 16 Ausgaben. Am 5. April 2014 wurde bekanntgegeben, dass die Show nach drei weiteren Folgen eingestellt werde. Die letzte Ausgabe dieser Phase lief am 13. Dezember 2014 in Nürnberg.
2021 kehrte Wetten, dass..? zum 40-jährigen Jubiläum mit Thomas Gottschalk zurück. Die Ausgabe am 6. November 2021 erreichte in Deutschland 14,46 Millionen Zuschauer, außerdem 0,897 Millionen in Österreich und etwa 0,569 Millionen in der Schweiz. Danach folgten jährliche Ausgaben bis 2023. Gottschalk verabschiedete sich am 25. November 2023 endgültig als Moderator; insgesamt hatte er durch 154 Ausgaben geführt.
Für den 5. Dezember 2026 ist eine Fortsetzung mit Tom und Bill Kaulitz in Halle (Saale) geplant. Vorerst ist nur eine Ausgabe vorgesehen. ORF und SRF sollen beteiligt sein. Die Grundstruktur soll erhalten bleiben, aber mit einem „Facelift“ zeitgemäßer inszeniert werden.
Wichtige Sendungselemente und Beispiele
Zu den besonderen Formen gehörten Saalwette und Stadtwette. Bei der ursprünglichen Saalwette wurden zu Beginn Wettvorschläge aus dem Publikum gesammelt; der Applaus entschied, welche gespielt wurde. Meist richtete sie sich gegen den Moderator und musste bis zum Ende der Sendung eingelöst werden. Ab Oktober 2001 wurde sie durch die Stadtwette ersetzt, bei der Gottschalk gegen die Bürger der Gastgeberstadt wettete. Später wurde die Saalwette mehrfach verändert, unter anderem mit Michelle Hunziker als Gegenspielerin Gottschalks.
Eine bekannte Wettform war die Baggerwette. Dabei mussten Kandidaten mit einem Bagger besondere Aufgaben ausführen. Insgesamt gab es 17 Baggerwetten; die erste fand 1983 statt, als ein Kandidat mit einem Fiat-Allis FE 28 ein Feuerzeug anzünden wollte.
Unter Markus Lanz wurde die „Lanz-Challenge“ eingeführt: Ein Kandidat aus dem Publikum trat in einem körperlich fordernden Wettkampf gegen Lanz an. Gewann der Kandidat, erhielt er eine Reise. In der Showsaison 2013/14 wurde dieses Element wieder abgeschafft.
Seit Oktober 2001 gibt es pro Sendung eine Kinderwette. Sie entstand aus dem Ableger Kinder Wetten, dass..? und läuft außer Konkurrenz, zählt also nicht zur Wahl des Wettkönigs. Grund war, dass zuvor häufig Kinderwetten gewonnen hatten. Die Kandidaten der Kinderwette erhalten stattdessen einen besonderen Preis.
Als Wettpaten traten nationale und internationale Prominente auf, meist mit Bezug zum aktuellen Mediengeschehen. Auch Musikauftritte gehörten fest zur Sendung; besonders häufig traten unter anderem Peter Maffay, Herbert Grönemeyer, Udo Jürgens und Robbie Williams auf. Einige Wetten führten zu größeren Folgen: Karlheinz Böhm wettete am 16. Mai 1981, dass nicht einmal jeder dritte Zuschauer eine Mark für die Sahelzone spenden würde. Er behielt zwar recht, doch es kamen 1,2 Millionen Mark zusammen; daraus ging die Hilfsaktion Menschen für Menschen hervor. 2013 wettete Markus Lanz, dass bis Sendungsende keine 500.000 Euro für Hochwasseropfer in Mitteleuropa gespendet würden; er verlor, denn es kamen 552.882 Euro zusammen.
Produktion, Orte und Ableger
Bis 2014 wurde Wetten, dass..? sechs- bis siebenmal jährlich live aus wechselnden Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz übertragen. Nach dem Rückzug des Schweizer Fernsehens 2012 gab es zunächst keine Sendungen mehr aus der Schweiz. Seit der Rückkehr 2021 wird die Show einmal jährlich aus einer anderen Stadt gesendet. Häufige Gastgeber waren unter anderem Basel und Saarbrücken mit je 12 Sendungen, Berlin und Offenburg mit je 10 sowie Düsseldorf mit 9.
An einer Ausgabe arbeiteten etwa 300 Mitarbeiter. Bis 2011 produzierte das ZDF die Sendung eigenständig, teils gemeinsam mit ORF und Schweizer Fernsehen. Ab 2012 wirkte Markus Lanz’ Unternehmen MHoch2 TV redaktionell mit. Zu den Regisseuren gehörten Alexander „Sascha“ Arnz, Frank Hof und Volker Weicker.
Es gab auch Kinderausgaben: Von 1996 bis 2000 zeigte das ZDF am Weihnachtsfeiertag beziehungsweise am Zweiten Weihnachtsfeiertag aufgezeichnete Folgen mit Kindern als Wettkandidaten. Ab 2001 wurde dieser Ableger eingestellt, weil die Kinderwette in die reguläre Samstagabendshow übernommen wurde.
Internationale Ableger entstanden in mehreren Ländern, darunter im Vereinigten Königreich als You bet! (1988–1997), in Italien als Scommettiamo che…? (1991–2003), in den Niederlanden als Wedden, dat..? sowie in Spanien als ¿Qué Apostamos? (1992–2004). Auch in China, Polen, den USA, Russland, Griechenland und Belgien gab es Versionen.
Quoten, Kritik und besondere Vorfälle
Wetten, dass..? wurde wegen seiner hohen Einschaltquoten oft mit einem „Lagerfeuer“ verglichen, vor dem sich die ganze Familie versammelte. In den Jahren 1985 bis 1987 erreichte die Sendung dreimal in Folge ein Jahresmittel von mehr als 20 Millionen Zuschauern. Die meistgesehene Ausgabe lief am 9. Februar 1985 mit 23,42 Millionen Zuschauern. Nach der Wiedervereinigung wurde dieser Wert trotz größerer Bevölkerung nicht mehr erreicht.
Unter Gottschalk lagen die Zuschauerzahlen zunächst oft zwischen 16 und 18 Millionen. Am 6. Januar 1990 sahen 20,95 Millionen zu. Später sanken die Quoten schrittweise. Unter Wolfgang Lippert fielen die Marktanteile erstmals unter 50 Prozent. Nach 2000 verstärkte sich der Rückgang; ab 2007 wurden Marktanteile über 40 Prozent seltener. Unter Markus Lanz gab es zunächst ein Quotenhoch, danach aber neue Tiefstände: Am 22. Februar 2014 sahen 5,85 Millionen zu, am 4. Oktober 2014 nur 5,48 Millionen. Die letzte Ausgabe 2014 erreichte noch einmal 9,27 Millionen Zuschauer. Die Rückkehr 2021 war mit 14,46 Millionen Zuschauern sehr erfolgreich; 2022 sahen 10,44 Millionen zu, Gottschalks letzte Ausgabe 2023 erreichte 12,89 Millionen und 45,8 Prozent Marktanteil.
Die Sendung erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter Bambi, Goldene Kamera, Romy, Deutscher Fernsehpreis und Rose d’Or. Gleichzeitig gab es Proteste und Kritik. Umweltaktivisten nutzten die Show mehrfach als Plattform, etwa Robin Wood 1984 mit dem Banner „Nicht wetten – Donauauen retten“. 2022 wurde ein Wettkandidat aus Lützerath mit 52 Prozent der Stimmen Wettkönig, nachdem der Protest gegen den Abriss des Dorfes Thema geworden war; Lützerath wurde im Januar 2023 dennoch geräumt und abgerissen.
Außerdem gab es Vorwürfe der Schleichwerbung. Über Jahre sollen Produkte wie Stromanbieter, Fahrzeughersteller und Telefonanbieter platziert worden sein. Das ZDF stellte die Zusammenarbeit nach eigenen Angaben später ein und legte im März 2013 neue Regeln vor, wies aber Vorwürfe unzulässiger Schleichwerbung zurück.
Ein bekannter Betrugsfall war die Buntstift-Wette vom 3. September 1988. Bernd Fritz vom Satiremagazin Titanic trat unter dem Pseudonym Thomas Rautenberg auf und behauptete, Buntstiftfarben am Geschmack erkennen zu können. Nach gewonnener Wette gestand er den Schwindel, erklärte die Methode aber erst später: Er hatte unter dem Rand seiner Brille hindurchgeschaut.