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Warze
Eine Warze (lateinisch Verruca) ist eine häufige, unter Umständen ansteckende, kleine, scharf begrenzte und in der Regel gutartige Epithel-Geschwulst der …
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Grundlagen und Erscheinungsbild
Eine Warze (lateinisch Verruca) ist eine häufige, teilweise ansteckende, kleine, scharf begrenzte und meist gutartige Geschwulst der oberen Hautschicht, der Epidermis. Sie ist meist leicht erhaben oder flach. Viruswarzen sind in der ICD-10 unter B07 eingeordnet; die ICD-11 unterscheidet unter anderem gewöhnliche, periunguale, Plantar-, flache, orale und anogenitale Warzen.
Warzen entstehen als Wucherungen der Epidermis in jedem Alter, einzeln oder in Gruppen. Sie sitzen überwiegend an Händen und Füßen und erscheinen als flach-halbkugelige oder spitze Hautauswüchse. Der häufig dicke, hornige und manchmal zerklüftete Überzug bedeckt weiches, leicht blutendes Gewebe aus Keratinozyten, also Hautzellen. Nach dem Abtragen einer Schwiele können Blutgefäße als dunkle Punkte sichtbar sein.
Aufkratzen kann die Warzen am eigenen Körper weiter verbreiten: Blut und infizierte Hautzellen gelangen dabei an andere Hautstellen. Obwohl Warzen grundsätzlich gutartig sind, können sie kosmetisch stören oder an bestimmten Stellen starke Schmerzen verursachen; extrem selten entwickeln sie sich bösartig. Ein besonders starkes Auftreten am ganzen Körper heißt generalisierte Verrucosis.
Nicht zu verwechseln sind Viruswarzen mit Keratodermen oder mit dem nicht infektiösen Fibroma pendulans. Dieses wird auch Stielwarze, weiches oder gestieltes Fibrom genannt und tritt besonders an Hals und Oberlidern auf.
Erreger, Übertragung und Immunabwehr
Meist verursachen mehr als 100 verschiedene „low-risk“-humane Papillomviren (HPV) aus der Familie Papillomaviridae Warzen. Diese Viren sind unbehüllte, doppelsträngige DNA-Viren. Sie werden durch Kontakt- oder Schmierinfektion über kleinste Verletzungen von Haut und Schleimhäuten übertragen, infizieren nur die oberste Hautzellschicht und vermehren sich in deren Zellkernen. Zwischen Ansteckung und Warzenbildung können Wochen bis Monate liegen. Dellwarzen sind eine Ausnahme: Sie werden vom Molluscum-contagiosum-Virus (MCV), einem behüllten doppelsträngigen DNA-Virus aus der Familie Poxviridae, verursacht.
Solche Infektionen verlaufen normalerweise nicht schwer. Wie stark Symptome ausfallen, hängt vor allem vom Immunsystem ab. Nicht jede Kontaktperson erkrankt: Es kann bereits Immunität bestehen, Virendosis oder Virulenz können zu niedrig sein, oder das Immunsystem verhindert Symptome trotz Infektion. Dies heißt inapparentes Infektgeschehen oder stille Feiung.
Bei intakter Immunabwehr und geringer Erregerdosis entstehen Warzen möglicherweise gar nicht, verlaufen milder oder bilden sich nach Monaten ohne Behandlung zurück. Kinder sind wegen ihrer noch nicht ausgereiften Immunabwehr häufiger betroffen. Abwehrgeschwächte Menschen, etwa nach schwerer Krankheit oder bei Immunsuppression, sowie Raucher sind ebenfalls empfänglicher. Schmerzhaften Warzen bei Kindern sollten rasch behandelt werden, damit eine Ausweichhaltung keine dauerhafte Fehlstellung verursacht.
Bei schweren Immunsystemerkrankungen, beispielsweise idiopathischer CD4-Lymphopenie, können sich Warzen am ganzen Körper ausbreiten; dies wird als Epidermodysplasia verruciformis bezeichnet.
Wichtige Warzentypen
Vulgäre Warzen oder Stachelwarzen (Verrucae vulgares) machen mit 70 Prozent den häufigsten Typ aus. Anfangs sind es stecknadelkopf- bis erbsengroße, harte, vorgewölbte Knötchen (Papulae); später verhornen sie. Um eine Ausgangswarze können Tochterwarzen entstehen. Sie treten besonders an Händen, Fingern, Nagelrändern und Fußsohlen auf. Verursacher sind HPV 1, 2, 4 und 7. 20 Prozent der Zwölfjährigen, aber nur 2 bis 3 Prozent aller Erwachsenen tragen eine solche Warze. Fleischerwarzen sind meist gutartige vulgäre Warzen an Metzgerhänden; HPV 7 wird bei wiederholten Hautverletzungen und Kontakt mit frischem Fleisch übertragen.
Fußsohlen- oder Plantarwarzen (Verrucae plantares) sind gutartige Epithelhyperplasien, auch Akanthome. Hauptverursacher sind HPV 1, 2, 4, 60 und 63; seltener HPV 57, 65, 66 und 156. Sie können erst Monate nach der Infektion entstehen. Hinweise auf eine Verbreitung über die Blutbahn gibt es nicht. Mosaikwarzen sind weißlich, meist stecknadelkopfgroß, wachsen oberflächlich zu beetartigen Flächen zusammen und sind meist schmerzlos. Dorn- oder Stechwarzen wachsen tief nach innen, vor allem an Zehenunterseiten und belasteten Sohlenbereichen. Sie liegen oft unter einer Hornschwiele, können in der Tiefe deutlich größer werden und beim Gehen bis an die empfindliche Knochenhaut stoßen; dann verursachen sie heftige Schmerzen.
Feigwarzen (Condylomata acuminata) sind millimetergroße weißliche oder fleischfarbene Knötchen an Geschlechtsorganen oder im Analbereich. Sie werden beim Geschlechtsverkehr durch HPV 6 und HPV 11 übertragen. HPV 16 und HPV 18 sind außerdem an der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs beteiligt.
Dellwarzen sehen Warzen ähnlich, zählen aber eigentlich nicht zu ihnen. Die glatten, oft glänzenden Knötchen mit zentraler Delle treten besonders an Armen, Händen, Fingern und Oberkörper auf. Flachwarzen (Verrucae planae) sind 1 bis 5 Millimeter große, weiche, flache Wucherungen, meist im Gesicht oder an Händen und Unterarmen; sie werden vor allem durch HPV 3, außerdem HPV 10 verursacht. Pinselwarzen sind fadenförmige, weißlich-rosafarbene Wucherungen im Gesicht, etwa an Augenlidern, Kinn, Hals und Lippennähe. Alterswarzen treten meist ab dem 50. Lebensjahr zahlreich als hellbraune bis braunschwarze, linsen- bis bohnengroße Neubildungen auf; ihre Ursache ist unbekannt.
Behandlungsmöglichkeiten
Warzen können verschwinden, wenn die Immunabwehr die Viren abtötet. Sie können aber jahrelang bestehen, sich durch Selbstansteckung vermehren und nach Abheilung häufig wiederkehren. Tiefe Dornwarzen können unter lokaler Betäubung mit einem scharfen Löffel ausgeschabt werden. Dies kann Wundschmerz, lange Heilung und Narben verursachen; besonders wiederkehrende Warzen nach Operation können sehr schmerzhaft und therapieresistent sein.
Bei Elektrokoagulation wird die Haut nach Betäubung bis zur Basalschicht konzentrisch verschmort. Dadurch sollen alle infizierten Zellen absterben; Rezidive werden laut Artikel zu 70 Prozent ausgeschlossen. An Fußsohlen sind schmerzhafte Narben möglich. Ein CO2-Laser kann die Warze ausschneiden. Ein Farbstofflaser verschließt Blutgefäße der Warze; er benötigt meist drei bis fünfzehn oder mehr Sitzungen im Abstand von zwei Wochen, ist unangenehm bis schmerzhaft, gilt aber als nichtinvasiv und hat nach bisherigen Erfahrungen eine geringe Rückfallgefahr. Für tiefe Dornwarzen hat er sich nicht bewährt.
Bei Kryotherapie wird die Warze mit flüssigem Stickstoff bei −196 °C oder einem auf unter −50 °C gekühlten Applikator vereist; die Anwendung dauert meist 15 bis 25 Sekunden. Die Erfrierung unterbricht die Blutversorgung infizierter oberer Hautzellen. Schmerzen, Rötung und eine Blase können entstehen; die Blase soll nicht aufgestochen werden. Die Methode eignet sich für oberflächliche Warzen. Eine Cochrane-Übersicht von 2006 stellte fehlende Wirksamkeitsnachweise fest, während eine niederländische Studie mit 240 Patienten Kryotherapie bei Handwarzen besser als Kauterisation mit Salicylsäure bewertete.
Keratolytika weichen Hornschichten auf: Salicylsäure- oder Trichloressigsäure werden ein- bis mehrmals täglich, Monochloressigsäure einmal wöchentlich angewendet. Auch Ameisensäure, Silbernitrat und bei Dellwarzen Kaliumhydroxid kommen vor. Ätzende Stoffe dürfen nicht im Gesicht oder Genitalbereich angewendet werden; gesunde Umgebungshaut ist zu schützen. 5-Fluoruracil und Podophyllotoxin hemmen die Zellteilung infizierter Zellen. 5-FU ist wegen seiner Giftigkeit nur unter ärztlicher Aufsicht vorgesehen. Cidofovir, Imiquimod und Dithranol wurden ebenfalls eingesetzt; bei Cidofovir sind die berichteten Studien klein, lokale Reizungen häufig. HPV-Impfstoffe werden manchmal off-label bei therapieresistenten Warzen verwendet; eine Studie nannte vollständige Heilung bei 59,6 % unter 40 Jahren und 25 % ab 40 Jahren.
Klebeband zeigte in Studien widersprüchliche Ergebnisse. Knoblauch wird traditionell verwendet, seine Wirkung ist jedoch umstritten. „Besprechen“ oder „Wenden“ von Warzen sowie historische Mittel wie Eselsharn gehören zur Pseudomedizin.
Vorbeugung
Seit 2006 ist ein HPV-Impfstoff gegen Erreger von Feigwarzen zugelassen. In klinischen Studien bot er Frauen vollständigen Schutz vor einer Erkrankung mit den getesteten Erregern. Gegen andere Warzentypen gibt es weder eine Impfung noch einen allgemeinen Schutz, weil die Erreger überall vorkommen, besonders auf Böden und in Handtüchern.
Einfache Hygienemaßnahmen können das Ansteckungsrisiko verringern. Besonders sollte man in Schwimmbädern, Saunen und Sporthallen nicht barfuß laufen.