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Urs Bitterli

Urs Bitterli (* 28. November 1935 in Gränichen; † 21. April 2021 in Aarau) war ein Schweizer Historiker. Inhaltsverzeichnis. 1 Leben; 2 Kulturtheorie …

Inhalt3 Abschnitte
  1. 1. Historiker und Arbeitsgebiete
  2. 2. Formen des Kulturkontakts
  3. 3. Ausbildung, akademische Laufbahn und Schriften

Historiker und Arbeitsgebiete

Urs Bitterli (* 28. November 1935 in Gränichen; † 21. April 2021 in Aarau) war ein Schweizer Historiker. Sein Forschungsschwerpunkt lag auf der Entdeckungs- und Kolonialgeschichte, besonders auf Begegnungen zwischen europäischen und aussereuropäischen Kulturen. Daneben veröffentlichte er Arbeiten über bedeutende Historiker und Schriftsteller.

Wichtig ist Bitterli vor allem wegen seiner Typologie, also einer Einteilung in Grundformen, europäisch-aussereuropäische Kulturkontakte vom Beginn der europäischen Expansion bis zur Industriellen Revolution zu beschreiben. Diese Einteilung entwickelte er im 1986 erstmals erschienenen Buch Alte Welt – neue Welt.

Formen des Kulturkontakts

Bitterli unterschied für den Zeitraum bis zur Industriellen Revolution drei Grundformen. Sie unterscheiden sich vor allem darin, wie lange der Kontakt dauert und ob Gewalt angewendet wird.

• Kulturberührung ist das Zusammentreffen einer Gruppe von Europäern mit einheimischen Vertretern für eine begrenzte Zeit. Es kann sich um einen ersten Kontakt handeln oder um Kontakte, die nach längeren Unterbrechungen wieder stattfinden.

• Kulturzusammenstoss entsteht, wenn eine zunächst friedliche Kulturberührung durch unmittelbare oder vermeintlich provozierte Gewaltanwendung in Gewalt umschlägt.

• Kulturbeziehung bezeichnet ein dauerhaftes Verhältnis wechselseitiger Kontakte. Voraussetzung ist ein Machtgleichgewicht, also dass keine Seite die andere eindeutig beherrscht.

Für die spätere Phase europäischer Dominanz ab Mitte des 19. Jahrhunderts ergänzte Bitterli einen vierten Typus: Kulturverflechtung. Damit meinte er Kolonialgesellschaften, die durch Akkulturation geprägt waren. Akkulturation bezeichnet die Übernahme und gegenseitige Beeinflussung kultureller Merkmale. In solchen Gesellschaften entstanden gemischte kulturelle Formen.

Ausbildung, akademische Laufbahn und Schriften

Bitterli erwarb 1955 am kantonalen Lehrerseminar Wettingen das Primarlehrerpatent und unterrichtete anschließend drei Jahre an der achtklassigen Gesamtschule in Leimbach (AG). Danach studierte er Geschichte sowie Deutsche und Französische Literatur an der Universität Zürich und an der Sorbonne. 1964 promovierte er bei Max Silberschmidt in Zürich mit der Dissertation Thomas Manns politische Schriften zum Nationalsozialismus.

Nach zwei Jahren als Lehrer an der Schweizerischen Alpinen Mittelschule in Davos arbeitete er als Assistent am Historischen Seminar der Universität Zürich. Forschungsaufenthalte führten ihn 1967/1968 nach London und 1969 nach Paris. Seine Habilitation, die wissenschaftliche Qualifikation für eine Professur, erfolgte 1970 an der Universität Zürich mit Die Entdeckung des schwarzen Afrikaners. Anschließend war er Hauptlehrer für Geschichte und Deutsch am Lehrerseminar Aarau, der heutigen Neuen Kantonsschule Aarau.

Ab 1978 lehrte Bitterli als ausserordentlicher Professor mit beschränkter Lehrverpflichtung, ab 1995 als ordentlicher Professor für Allgemeine Geschichte der Neuzeit an der Universität Zürich. 2001 wurde er emeritiert. Er starb im April 2021 im Alter von 85 Jahren im Kantonsspital Aarau.

Zu seinen wichtigen Monografien zählen Die «Wilden» und die «Zivilisierten» (1976), Alte Welt – neue Welt (1986) und Die Entdeckung Amerikas. Von Kolumbus bis Alexander von Humboldt (1991). Außerdem gab er unter anderem Die Entdeckung und Eroberung der Welt. Dokumente und Berichte in zwei Bänden (1980/1981) heraus.

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