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Unfruchtbarkeit
In der Biologie beschreibt der Begriff Unfruchtbarkeit die Zeugungs- und Empfängnisunfähigkeit. Fachsprachlich werden hier die Begriffe Sterilität (bei …
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Begriff, Bedeutung und Häufigkeit
Unfruchtbarkeit bezeichnet allgemein das Unvermögen, Früchte hervorzubringen. Der Begriff kann sich auf die Fortpflanzung von Lebewesen, einen fehlenden oder geringen landwirtschaftlichen Ertrag sowie im übertragenen Sinn auf nutzlose Gedanken oder Gespräche beziehen. Das Gegenteil ist Fruchtbarkeit.
In der Biologie bedeutet Unfruchtbarkeit Zeugungs- oder Empfängnisunfähigkeit. Fachsprachlich verwendet der Artikel dafür Sterilität bei männlichen und Infertilität bei weiblichen Lebewesen. In der Humanmedizin gilt ein Paar als steril, wenn trotz Kinderwunsches nach mindestens einem Jahr regelmäßigen Geschlechtsverkehrs ohne Verhütung keine Empfängnis eintritt.
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist jede sechste Person im gebär- beziehungsweise zeugungsfähigen Alter zumindest zeitweise unfruchtbar. Eine Auswertung von mehr als 12.000 Studien aus den Jahren 1990 bis 2020 kam zu dem Ergebnis, dass weltweit 17,5 Prozent aller Menschen dauerhaft oder vorübergehend betroffen sind. Die individuelle Fruchtbarkeit nimmt mit steigendem Lebensalter ab.
Eine 1999 veröffentlichte Studie ordnete die Ursachen in 35 Prozent der Fälle der Frau, in 30 Prozent dem Mann und in 20 Prozent beiden Partnern zu. In 15 Prozent der Fälle ließ sich keine Ursache bestimmen. Primäre Sterilität liegt bei einer Frau vor, die noch nie schwanger war und trotz eines Jahres regelmäßigen ungeschützten Geschlechtsverkehrs nicht schwanger wird. Sekundäre Sterilität bezeichnet dieselbe Situation bei einer Frau, die bereits mindestens einmal schwanger war.
Ursachen bei Frauen und Männern
Bei Frauen können Störungen des Eisprungs oder der Follikelreifung, blockierte, verklebte oder verengte Eileiter sowie hormonelle Störungen wie Hyperprolaktinämie, Hypothyreose und Hyperandrogenämie die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Weitere mögliche Faktoren sind Endometriose, eine gestörte Einnistung der befruchteten Eizelle, die Unfähigkeit, eine Schwangerschaft erfolgreich zu beenden, genetische Defekte, perniziöse Anämie infolge eines Vitamin-B12-Mangels und sexuell übertragbare Infektionen wie Chlamydien oder Gonorrhoe.
Auch das Alter ist wichtig: Die Fruchtbarkeit der Frau nimmt ab dem 35. Lebensjahr deutlich ab. Als weitere mögliche Einflüsse nennt der Artikel Stress, Über- oder Untergewicht, Alkohol- und Drogenmissbrauch, Zöliakie sowie Schäden durch Chemotherapie oder Strahlentherapie. Bei starken Raucherinnen können sich befruchtete Eizellen schwerer in die Gebärmutterschleimhaut, das Endometrium, einnisten.
Beim Mann ist vor allem die Samenqualität entscheidend. Beurteilt werden die Zahl, Beweglichkeit, also Motilität, und das Aussehen der Spermien. Beeinträchtigungen können unter anderem mit Alkohol, anderen Drogen, Nikotin, Umweltschadstoffen, beruflicher Schadstoffbelastung, Ernährungsgewohnheiten, zunehmendem Alter, Bauch- oder Leistenhoden, Varikozele, Mumpsorchitis, Entzündungen wie Prostatitis oder Epididymitis, Vitamin-B12-Mangel sowie Chemo- und Strahlentherapie zusammenhängen. Auch ionisierende Strahlung wird genannt.
Hitze durch Sauna oder Whirlpool kann die Spermienqualität zeitweise verschlechtern; später gebildete Zellen sind von der früheren Hitzeeinwirkung nicht betroffen. Die optimale Temperatur für die Spermienbildung liegt ungefähr 2 Grad Celsius unter der normalen Körpertemperatur. Zu enge Hosen und häufiges Sitzen werden deshalb ebenfalls als mögliche Ursachen angenommen. Die genannten Faktoren können zum OAT-Syndrom, einer Störung von Zahl, Beweglichkeit und Form der Spermien, oder zur Azoospermie, dem Fehlen von Spermien im Ejakulat, führen. Ob die Spermaqualität weltweit allgemein abnimmt, wird kontrovers diskutiert.
Neben der Samenbildung kann der Samentransport gestört sein. Erektile Dysfunktion bezeichnet die Unfähigkeit, eine für den Geschlechtsverkehr ausreichende Erektion zu erreichen. Bei der retrograden Ejakulation gelangt das Sperma in die Harnblase statt zur Penisöffnung. Ein Verschluss des Ductus ejaculatorius, eines Samen-Ausführungsgangs, ist in 1–5 Prozent der Fälle männlicher Zeugungsunfähigkeit die Ursache.
Selten können immunologische Reaktionen beteiligt sein. Sie richten sich laut Artikel nicht gegen die Spermien selbst, sondern gegen Bestandteile des Spermas oder gewebsspezifische Antigene des Embryos. Normalerweise kann das weibliche Immunsystem eine Immuntoleranz gegenüber dem Embryo entwickeln, obwohl dieser zur Hälfte väterliches Erbgut besitzt. Störungen dieser Toleranz werden als mögliche Ursache eingeschränkter Fruchtbarkeit oder wiederholter Fehlgeburten diskutiert. Die Hypothese, regelmäßiger Geschlechtsverkehr könne diese Toleranz fördern, ist umstritten und nicht durch größere Studien bestätigt.
Ärztliche Untersuchung
Die Diagnostik bei unerfülltem Kinderwunsch gehört in die Hände von Spezialisten und bezieht beide Partner ein. Am Anfang steht eine umfassende Anamnese, also die Erhebung der Krankheits- und Lebensgeschichte. Dabei wird unter anderem gefragt, wie lange der Kinderwunsch besteht, ob bereits eine Behandlung erfolgte, welche Erklärungen die Betroffenen selbst vermuten und wie sich die Kinderlosigkeit auf Partnerschaft, Beruf und Selbstwertgefühl auswirkt.
Beim Mann können Tast- und Ultraschalluntersuchungen, ein Spermiogramm zur Beurteilung des Spermas, eine Bestimmung der Hormonspiegel, genetische Untersuchungen mittels Karyogramm und eine Hodenbiopsie vorgenommen werden. Die Hormonuntersuchung erfolgt üblicherweise nur, wenn das Spermiogramm eine geringe Spermienzahl zeigt.
Bei der Frau umfasst die Diagnostik eine Zyklusanamnese über mindestens drei und höchstens sechs Menstruationszyklen. Begleiterscheinungen werden dokumentiert, um beispielsweise eine Gelbkörperschwäche bei verkürztem Zyklus oder einen ausbleibenden Eisprung bei fehlender Menstruation zu erkennen. Hinzu kommen Basaltemperaturkurve, Hormonbestimmungen sowie Tast- und vaginale Ultraschalluntersuchungen von Gebärmutter und Eierstöcken.
Eine Gebärmutterspiegelung kann Verklebungen, Myome oder Polypen erkennen und Fehlbildungen ausschließen. Eine Bauchspiegelung dient unter anderem dem Nachweis von Verwachsungen oder Myomen. Chromopertubation und Kontrastmittelsonografie, auch Hysterokontrastsonografie (HKSG) beziehungsweise Hysterosalpingo-Sonografie (HSG), prüfen die Durchgängigkeit der Eileiter. Der Kremer-Test untersucht die Verträglichkeit der Spermien mit dem Zervixschleim.
Bleibt die Ursache trotz Diagnostik unbekannt, spricht man von Sterilitas ex causa ignota, also Unfruchtbarkeit aus unbekannter Ursache, oder von Sterilitas sine materia, einer symptomlosen Unfruchtbarkeit.
Behandlung und künstliche Befruchtung
Die Behandlung richtet sich nach der jeweiligen Ursache und kann beide Partner betreffen. Als allgemeine Maßnahmen nennt der Artikel ein Körpergewicht mit einem Body-Mass-Index (BMI) zwischen 18 und 30, den Verzicht auf Nikotin und eine möglichst weitgehende Verringerung des Alltagsstresses. Der Eisprung kann hormonell beispielsweise mit Clomifen ausgelöst werden; bei Männern können je nach Ursache Potenzmittel infrage kommen. Blockierte Eileiter oder Endometriose können chirurgisch behandelt werden, bei Endometriose möglicherweise zusammen mit einer Hormonbehandlung.
Bei einer intrakorporalen künstlichen Befruchtung wird aufbereitetes Sperma des Partners in den Gebärmutterhals eingebracht. Bei der extrakorporalen Befruchtung, der In-vitro-Fertilisation (IVF), werden nach einer hormonell ausgelösten Hyperovulation mehrere reife Eizellen entnommen. Hyperovulation bedeutet, dass gleichzeitig mehrere Eizellen heranreifen. Die Eizellen werden außerhalb des Körpers befruchtet und anschließend durch Embryonentransfer (ET) in die Gebärmutter eingesetzt. Nach dem Artikel sind in Deutschland bei einer Behandlung maximal drei Eizellen erlaubt.
Zu den selteneren Verfahren gehört der intratubare Gametentransfer: Eizellen und Sperma werden in die Eileiter eingebracht, sodass die Befruchtung im Körper stattfinden kann. Möglich sind außerdem der Transfer einer bereits befruchteten Eizelle in den Eileiter, eine Eizellspende in Verbindung mit künstlicher Befruchtung, das Einbringen von Spendersamen in die Gebärmutter und die intrazytoplasmatische Spermieninjektion. Bei dieser wird ein einzelnes Spermium direkt in eine Eizelle injiziert; die befruchtete Eizelle beziehungsweise die befruchteten Eizellen werden danach in die Gebärmutter übertragen. Keine dieser Therapien kann einen Erfolg garantieren.
Eine weitere Möglichkeit wäre das Austragen durch eine Leihmutter. Wegen rechtlicher und ethischer Konflikte ist die Vermittlung von Leihmüttern in Deutschland seit 1989 verboten; seit 1991 ist auch die Leihmutterschaft selbst nach dem Embryonenschutzgesetz untersagt. In Großbritannien ist sie erlaubt, doch gewerbsmäßige Vermittlung, das gewerbliche Erstellen oder Aushandeln entsprechender Vereinbarungen sowie öffentliche Such- und Angebotsanzeigen sind strafbar.
Bei Krebserkrankungen gibt es Maßnahmen der Fertilitätsprotektion, die die Fruchtbarkeit trotz der notwendigen Behandlung möglichst erhalten sollen. Im deutschsprachigen Raum werden diese Maßnahmen durch das Netzwerk Fertiprotekt koordiniert und veröffentlicht.
Psychische, ethische und weitere Bedeutungen
Unfruchtbarkeit und ihre Behandlung führen zu moralischen Debatten, besonders im Hinblick auf beteiligte Embryonen. Manche Religionen lehnen einzelne oder alle Fruchtbarkeitsbehandlungen ab. Umstritten ist außerdem, ob gesetzliche Krankenkassen solche Behandlungen bezahlen sollten und welche Grenzen etwa hinsichtlich der Zahl der Versuche, des Alters oder des Kreises anspruchsberechtigter Frauen gelten sollen.
Seelische Faktoren können sowohl Ursache als auch Folge von Unfruchtbarkeit sein. Viele Betroffene erleben einen unerfüllten Kinderwunsch als Schicksalsschlag, der Schmerz und Trauer auslöst. Unfruchtbarkeit und ihre Behandlung sind häufig mit Stress und einem erhöhten Risiko einer posttraumatischen Belastungsstörung verbunden. Eine Rolle können die Motive für den Kinderwunsch, die Persönlichkeitsstruktur beider Partner, eine unbewusste Angst vor einem Kind, die Paarbeziehung und die Beziehung zwischen Arzt und Patient spielen.
In der Bodenkunde bezeichnet Unfruchtbarkeit einen Boden, dessen mineralogische, physikalische, chemische oder biologische Eigenschaften für das Pflanzenwachstum schlecht oder ungeeignet sind.
Unfruchtbarkeit im humanmedizinischen Sinn wird außerdem in Literatur und Film behandelt. Als Beispiel nennt der Artikel den von Ulrich Erfurth inszenierten deutschen Spielfilm „Frucht ohne Liebe“ aus dem Jahr 1956.