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Turkana-See
Der Turkana-See (auch noch unter seinem früheren Namen Rudolfsee bekannt) ist mit 6405 km² das größte Binnengewässer Kenias sowie einer der größten …
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Überblick und Lage
Der Turkana-See, früher Rudolfsee, ist mit 6405 km² das größte Binnengewässer Kenias und einer der größten Endseen der Erde. Ein Endsee hat keinen Abfluss; Wasser geht vor allem durch Verdunstung verloren. Der nördlichste Seeteil mit 22,7 km² liegt in Äthiopien, der übrige See in Kenia.
Der See wird vom Omo, Turkwel und Kerio gespeist. Er liegt 375 m über dem Meeresspiegel, hat ein Einzugsgebiet von 207.600 km² und ein Volumen von 204 km³. Seine maximale Tiefe beträgt 73 m, die mittlere 30 m. Weil Verdunstung stärker wirkt als die Zuflüsse, reichern sich Mineralsalze an: Der See versalzt zunehmend. Bis 2010 sank sein Wasserspiegel; von 2010 bis 2020 dehnte er sich dagegen um etwa zehn Prozent aus und überflutete rund 800 km² Land.
Naturraum
Der Turkana-See liegt im Ostafrikanischen Graben, einer geologischen Schwächezone der Erdkruste, an der sich der afrikanische Kontinent teilt. Er besitzt die größeren Inseln North, Central und South Island sowie vier kleinere Inseln. Für die Ausdehnung nennt die Infobox 268 km Länge und 50,1 km Breite; im geografischen Text werden 250,4 km als größte Nord-Süd-Länge und 48,8 km als maximale Ost-West-Breite angegeben.
Um den See liegen aktive Vulkane. Das Klima im Norden Kenias ist sehr stark arid, also trocken. Deshalb ist die Vegetation karg: Vor allem Gräser wachsen dort, Bäume sind selten.
Tiere und Fischerei
Das sodahaltige Wasser ist sehr reich an Fischen und Algen. An den Ufern leben Nilkrokodile. Wichtige große Raubfische sind Tigersalmler (Hydrocynus vittatus), Nilbarsch (Lates niloticus), der teilweise mehr als 100 kg wiegt, und als größter Raubfisch der Riesenbarsch Lates longispinis.
Im See leben fast 60 Fischarten, weitere neun im wichtigsten Zufluss Omo. Endemisch bedeutet, dass eine Art nur in diesem Gebiet vorkommt. Zu den endemischen Fischen gehören unter anderem Brycinus ferox, Enteromius turkanae, Chrysichthys turkana sowie Haplochromis rudolfianus und Haplochromis turkanae. Ebenfalls endemisch ist die Schnecke Gabbiella neumanni. Coptodon zillii wurde durch Menschen eingeführt.
Viele Anwohner leben traditionell vom Fischfang. Jährlich liefert der See etwa 1000 Tonnen Fisch. Die Bestände von Nilbarsch, Tilapia und Tigersalmler, den wichtigsten Speisefischen, gehen zurück. Um die Fangmenge zu halten, werden daher zunehmend weitere Arten als Speisefische gefangen. Außerdem wird der See, vor allem in Kenia, von Anglern genutzt.
Menschen, Schutz und Aufstauung des Omo
1887 erreichte der ungarische Forschungsreisende Graf Sámuel Teleki von Szék den See und benannte ihn nach Kronprinz Rudolf. Nach Kenias Unabhängigkeit benannte die kenianische Regierung ihn 1975 in Turkana-See um; die Turkana sind die größte ansässige Volksgruppe. In der Umgebung liegen bedeutende Fundstellen früher Menschen und Primaten, darunter die Fundstelle des Nariokotome-Jungen und die erste Fundstelle von Homo rudolfensis.
Die Turkanasee-Parks gehören seit 1997 zum UNESCO-Weltnaturerbe, darunter der seit 1973 geschützte Sibiloi-Nationalpark. Seit Juni 2018 stehen die Parks auf der Liste des gefährdeten Welterbes.
Der Omo ist neben saisonalen Zuflüssen der einzige ständige Zufluss und liefert rund 90 Prozent des Wassers. Äthiopien baute 600 km stromaufwärts bis 2016 den Staudamm Gilgel Gibe III, nach seiner Fertigstellung den zweitgrößten Staudamm Afrikas nach dem Assuan-Staudamm. Es wurde befürchtet, der Seepegel könne dadurch um bis zu 12 m sinken; manche Quellen nennen bereits einen Rückgang um 8 m in den letzten 20 Jahren. Wissenschaftler schätzten eine Verringerung des Zuflusses um 70 Prozent. Satellitenbilder zeigten jedoch bisher keine vorhergesagten negativen Auswirkungen: 2016 lag der Wasserstand leicht über dem von 2014.
Entstehung des heutigen Sees
Der Omo floss ursprünglich am Südende des heutigen Sees zum Indischen Ozean. Tektonische Hebungen bildeten vor etwa 4,1 Millionen Jahren ein Becken, in dem sich ein erster See aufstaute. Dieser verlandete nach etwa 100.000 Jahren. Ein zweiter See entstand vor etwa 3,5 Millionen Jahren und verlandete nach 60.000 Jahren.
Vor etwa 2,4 Millionen Jahren blockierten Auswurfmassen eines Ausbruchs des Mount Kulal den Abfluss des Omo. Vor etwa 2 Millionen Jahren entstand ein dritter See, der etwa 400.000 Jahre bestand. Der heutige See entstand vor etwa 200.000 Jahren. In der letzten Feuchtphase Afrikas vor etwa 10.000 Jahren lag seine Oberfläche 130 m höher als heute; er floss damals über die Lotigipi-Sümpfe und den Kangen in das Nil-System. Vor 3250 Jahren sank der Pegel so weit, dass der Turkana-See endorheisch wurde, also keinen Abfluss mehr besaß.