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Terminologie Heideggers
Die Terminologie Heideggers entstand vor allem aus der Bemühung heraus, sich von bestimmten grundlegenden Merkmalen und Tendenzen philosophischer …
Inhalt6 Abschnitte
Ziel und Sprachproblem
Heideggers Terminologie entstand aus dem Versuch, sich von Grundannahmen der abendländischen Metaphysik zu lösen. Im Zentrum steht seine besondere Fassung der Frage nach dem Sein. Heidegger meint, die bisherige Philosophie habe das Sein selbst nicht ausreichend bedacht, sondern es meist wie ein einzelnes Seiendes behandelt. Deshalb entwickelt er eigene Begriffe, deutet Alltagswörter um und verändert seine Sprache im Lauf seines Denkens.
Für Heidegger ist die Geschichte der Metaphysik durch Seinsvergessenheit geprägt. Darum sieht er keine einfache Möglichkeit, an ihr Vokabular anzuknüpfen. Der frühe Heidegger bildet in Sein und Zeit viele neue Ausdrücke. Später greift er stärker auf Wörter der Alltagssprache zurück, die er aber anders verwendet. In späten Texten nähert sich seine Sprache teilweise dem Dichterischen und wird „unbegrifflich“: Sie soll auf etwas hinweisen, das nicht wie ein Ding anschaulich oder begrifflich vollständig fassbar ist, etwa Welt, Geschichte, Mensch oder Sein.
Heidegger lehnt es ab, seine Sprache als bloß metaphorisch zu verstehen. Zwar wirken Ausdrücke wie „Lichtung des Seins“ oder „Sprache als Haus des Seins“ bildhaft. Heidegger will sie aber nicht als Übertragung eines Bildes auf einen Gegenstand verstanden wissen. Für ihn gehört die übliche Metapherntheorie selbst zur Metaphysik, weil sie Trennungen wie innen/außen, subjektiv/objektiv oder sinnlich/unsinnlich voraussetzt. Stattdessen soll Sprache anzeigen, wie der Mensch in einer Welt steht und von ihr gestimmt ist.
Sein, Seiendes und Seinsfrage
Grundlegend ist die ontologische Differenz, also die Unterscheidung von Sein und Seiendem. Mit „Seiendem“ meint Heidegger die Dinge, Menschen, Werkzeuge oder Gegenstände, die uns begegnen. „Sein“ bezeichnet den Verständnishorizont, auf dessen Grundlage Seiendes überhaupt als etwas erscheinen kann. Vereinfacht gesagt: Dinge sind für uns nicht nur vorhanden, sondern sie werden in sinnhaften Zusammenhängen verstanden.
Heidegger kritisiert die klassische Ontologie, weil sie die Frage nach dem Sein mit Blick auf bloßes Seiendes gestellt habe. Wer etwa einen Hammer nur als Holz und Eisen beschreibt, verfehlt nach Heidegger sein Sein: Der Hammer ist im Zusammenhang einer Welt „das Ding zum Hämmern“. Sein zeigt sich also nicht isoliert, sondern in einem Geflecht von Zwecken, Bedeutungen und Bezügen.
Die Seinsfrage fragt nach dem Sinn von Sein, nicht nach dem „Sinn des Lebens“. Sie fragt danach, wie sinnvolle Bezüge überhaupt möglich sind. Heidegger betont dabei die Bedeutung der Zeit: Ein Hammer wird zum Beispiel verstanden im Zusammenhang von Nagel, Brett, Hausbau und künftigem Schutz vor Unwettern. In Sein und Zeit versucht Heidegger, die Ontologie auf ein neues Fundament zu stellen, indem er das Dasein analysiert. Später rückt er davon ab, das Dasein als Fundament zu nehmen, und fragt stärker danach, wie sich das Sein selbst geschichtlich zeigt. Daraus entsteht die Idee einer Seinsgeschichte, die auch die moderne technische Welt prägt.
Seinsvergessenheit bezeichnet bei Heidegger, dass die ontologische Differenz nicht bedacht wird. Seinsverlassenheit verschärft diesen Gedanken: Sie soll ausdrücken, dass der fehlende Bezug zum Sein nicht einfach ein Fehler des Menschen ist, sondern mit der Weise zusammenhängt, wie sich das Sein ereignet oder entzieht.
Dasein und Existenz
„Dasein“ ist Heideggers Begriff für den Menschen, aber nicht im biologischen oder psychologischen Sinn. Er wählt ihn, um den Menschen als das Seiende zu beschreiben, das sich zu seinem eigenen Sein verhält. In Sein und Zeit heißt es: „Das Dasein hat sonach einen mehrfachen Vorrang vor allem anderen Seienden.“ Es ist ontisch durch Existenz bestimmt, ontologisch auf Sein bezogen und Bedingung der Möglichkeit aller Ontologien.
Wie es ist, Dasein zu sein, beschreibt Heidegger als In-der-Welt-sein. Was das Dasein seinem Sein nach ist, bestimmt er als Sorge. Die Grundstrukturen des Daseins heißen Existenzialien. Dazu gehören unter anderem In-Sein, Mitsein, Weltlichkeit, Geworfenheit, Entwerfen, Rede, Befindlichkeit, Verstehen, Angst, Besorgen, Sorge und Sein zum Tode. Existenzialien sind von Kategorien zu unterscheiden: Kategorien bestimmen nicht-daseinsmäßiges Seiendes, Existenzialien bestimmen das Dasein.
Existenz bedeutet bei Heidegger nicht einfach Vorhandensein. Das Wesen des Daseins liegt in seiner Existenz: Der Mensch muss sein Leben führen, Entscheidungen treffen, Möglichkeiten ergreifen oder fallen lassen. Heidegger formuliert: „Das Sein selbst, zu dem das Dasein sich so oder so verhalten kann und immer irgendwie verhält nennen wir Existenz.“ Später deutet er Existenz stärker als Offenheit des Menschen für das Sein.
Jemeinigkeit bedeutet, dass das Dasein je meines ist. Jeder Mensch steht selbst in seinem Leben und kann seine Möglichkeiten eigentlich oder uneigentlich ergreifen. Damit hängt Faktizität zusammen: Das Dasein ist immer schon in eine Welt, ein Geschick und bestimmte Bedingungen eingebunden. Heidegger nennt dies auch Geworfenheit: Der Mensch ist ungefragt in die Welt geworfen. Zugleich entwirft er sich auf Möglichkeiten hin. Geworfenheit und Entwurf gehören zusammen.
Welt, Sorge und Zeitlichkeit
In-der-Welt-sein ist die Grundweise des Daseins. Heidegger unterscheidet darin drei Strukturmomente: Welt, Selbst und In-Sein. „Weltlichkeit“ ist ein ontologischer Begriff und bezeichnet die Struktur eines konstitutiven Moments des In-der-Welt-seins. Welt ist für Heidegger nicht bloß die Summe aller Dinge, sondern ein Charakter des Daseins selbst. Deshalb versteht er den Weltbezug nicht als einfaches Verhältnis eines Subjekts zu Objekten.
Das In-Sein besteht aus Befindlichkeit, Verstehen und Rede. Befindlichkeit ist Heideggers ontologischer Begriff für Stimmungen: Sie erschließen die Welt, weil Dinge uns angehen können. Verstehen meint nicht nur Verstand oder Vernunft, sondern alle sinnhaften Bezüge in der Welt. Rede ist der ontologische Begriff für konkrete Sprache; sie strukturiert den Welt- und Selbstbezug.
Diese drei Momente bilden die Erschlossenheit des Daseins. Erschlossenheit bedeutet, dass das Dasein sich überhaupt auf sich und die Welt beziehen kann. Sie ist für Heidegger ursprünglicher als Aussagewahrheit. Weil das Dasein aber meist vom „Man“, also von öffentlichen Deutungen und Gewohnheiten, bestimmt ist, lebt es zunächst uneigentlich: in Zweideutigkeit, Verfallen und Gerede. Der Ruf des Gewissens kann dies verändern und zu Angst, Entwerfen und Verschwiegenheit führen. Diese eigentliche Erschlossenheit nennt Heidegger Entschlossenheit.
Sorge ist Heideggers ontologische Bestimmung des Daseins. Sie umfasst Sorge um das Selbst und Fürsorge für andere. Fürsorge kann „einspringend“ sein, wenn sie dem anderen die Sorge abnimmt, oder „vorspringend“, wenn sie ihm hilft, für seine eigene Sorge frei zu werden. Später deutet Heidegger Sorge stärker als Sorge für das Sein, als eine Art Wächterschaft des Menschen gegenüber dem Sein.
Zeitlichkeit ist der Sinn der Sorge. Das Dasein existiert nicht einfach „in der Zeit“, sondern ist zeitlich. Es ist von Gewesenheit bestimmt, orientiert sich in der Gegenwart und entwirft sich auf Zukunft. Heidegger nennt Gewesenheit, Gegenwart und Zukunft die drei Ekstasen der Zeitlichkeit. Die messbare physikalische Zeit gilt ihm als abgeleitete Form dieser ursprünglichen Zeitlichkeit.
Angst, Tod und Wahrheit
Angst ist bei Heidegger eine Grundstimmung. Sie ist nicht bloß Furcht vor einem bestimmten Gegenstand, sondern vereinzelt das Dasein und bringt es zu sich selbst zurück. In der Angst wird dem Dasein seine Jemeinigkeit bewusst, und Eigentlichkeit und Uneigentlichkeit werden als Möglichkeiten sichtbar. Heidegger schreibt: „Die Angst offenbart im Dasein das Sein zum eigensten Sein-können.“
Das Sein zum Tode bezeichnet die Struktur, dass die Sterblichkeit das Dasein schon während seines Lebens bestimmt. Der Tod ist nicht nur ein letztes Ereignis, sondern die letzte Möglichkeit des Daseins. Angesichts des Todes wird deutlich, dass es um den je eigenen Tod geht. Erst wenn das Dasein diese Endlichkeit bewusst annimmt, kann es als Ganzes existieren. Das bewusste Sich-vorwegnehmen des Todes nennt Heidegger Vorlaufen in den Tod.
Wahrheit versteht Heidegger nicht zuerst als Übereinstimmung einer Aussage mit der Wirklichkeit. Er definiert sie als „Aufgedecktheit, d. h. Unverborgenheit des Seienden“. Eine Aussage ist wahr, wenn sie Seiendes in seiner Entdecktheit sehen lässt. Darum gilt: „Satz ist nicht der Ort der Wahrheit, sondern Wahrheit ist der Ort des Satzes.“ Die ursprüngliche Wahrheit liegt in der Erschlossenheit des Daseins: „Dasein ist ‚in der Wahrheit‘.“ Wegen seines Verfallens ist das Dasein zugleich „in der Unwahrheit“.
In Heideggers späterer Philosophie wird Wahrheit stärker als Unverborgenheit des Seins, griechisch aletheia, verstanden. Aussagewahrheit ist nur möglich, wenn das, worauf sich die Aussage richtet, zuvor schon unverborgen ist. In den Beiträgen zur Philosophie verbindet Heidegger Wahrheit mit dem „Seyn“, dem Ereignis und der geschichtlichen Weise, wie Sein sich zeigt und entzieht.
Spätere Begriffe und Technik
Im späten Heidegger wird Sprache selbst zum Problem. Er setzt der traditionellen Logik, die sich an Aussagesätzen über Seiendes orientiert, die Sigetik entgegen. Sigetik heißt ungefähr „Schweigelehre“, ist aber nicht einfach Schweigen. Heidegger meint, dass „das Sein selbst nie unmittelbar“ gesagt werden könne. Das Denken soll im Sagen auf das eigentlich zu Sagende hinweisen, es aber zugleich im „Erschweigen“ bewahren.
Damit verbunden sind Begriffe wie Ereignis, Verbergung und Entbergung. Streit bezeichnet bei Heidegger die ursprüngliche Zusammengehörigkeit von Verbergung und Entbergung im Wahrheitsgeschehen. Wahrheit ist dann nicht nur Richtigkeit oder Anwesenheit, sondern ein geschichtlicher Vorgang, in dem Sein und Seiendes in ihrer Differenz ausgetragen werden.
Grundstimmung meint die ursprüngliche Gestimmtheit des Menschen auf Welt. In Sein und Zeit ist besonders die Angst wichtig. Später deutet Heidegger Grundstimmungen seinsgeschichtlich: Verschiedene Epochen und Denker stehen unter verschiedenen Grundbefindlichkeiten. Für einen „anderen Anfang“ des Denkens nennt Heidegger die Verhaltenheit als Grundstimmung. Sie verbindet Scheu und Erschrecken: Erschrecken vor der Seinsverlassenheit und Scheu vor dem anklingenden Ereignis.
Heidegger verwendet „Wesen“ nicht im Sinn eines unveränderlichen Kerns. Wesen meint eher, von woher etwas wesentlich bestimmt ist. Beim Hammer ist nicht wesentlich, dass er aus Holz und Eisen besteht, sondern dass er das Ding zum Hämmern ist. Beim Menschen liegt das „Wesen“ des Daseins in seiner Existenz.
Zuhandenheit bezeichnet das Sein des zunächst begegnenden innerweltlichen Seienden, besonders von Werkzeugen oder Zeug. Solche Dinge fallen im Gebrauch gerade durch ihre Unauffälligkeit auf. Erst wenn ein Werkzeug nicht funktioniert oder nicht verfügbar ist, wird sein Wesen sichtbar. Dem steht Vorhandenheit gegenüber: die Betrachtung von Dingen als bloß vorhandene Gegenstände.
Gestell nennt Heidegger die Gesamtheit technischer Mittel und die technische Denkweise, die Seiendes als Objekt und Ressource vorstellt. Der Mensch stellt die Natur vor sich hin und behandelt sie als verfügbar. Darin sieht Heidegger eine Form des verobjektivierenden Denkens, die für die moderne technische Welt kennzeichnend ist.