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Sequenzer (Musik)

Ein Sequenzer [zeˈkvɛntsər] ist ein elektronisches Gerät oder eine Software zur Aufnahme, Wiedergabe und Bearbeitung von Daten zur Erzeugung von Musik.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Grundprinzip
  2. 2. Entwicklung und MIDI
  3. 3. Step-, Pattern- und Echtzeit-Sequenzer
  4. 4. Studioproduktion und besondere Varianten
  5. 5. Tracker-Sequenzer

Begriff und Grundprinzip

Ein Sequenzer ist ein elektronisches Gerät oder eine Software zur Aufnahme, Wiedergabe und Bearbeitung von Daten, die der Erzeugung von Musik dienen. Sein Kern besteht darin, eine maschinenlesbare Partitur zu speichern und an einen Tonerzeuger zu übermitteln. Diese Partitur beschreibt die zeitliche Reihenfolge der Noten einer oder mehrerer Stimmen, insbesondere ihre Tonhöhe und Tondauer sowie gegebenenfalls weitere Eigenschaften. Sequenzer und Tonerzeuger können in einem einzigen Gerät vereint sein.

Noten lassen sich beispielsweise in Echtzeit auf einem Masterkeyboard einspielen oder in einem Computerprogramm eingeben. Ein Sequenzer speichert dabei normalerweise nicht das konkrete physikalische Klangbild beziehungsweise die vollständigen Schwingungsformen, sondern Noten und Steuerinformationen.

Diese Arbeitsweise benötigt vergleichsweise wenig Speicherplatz. Außerdem können Tempo und Tonhöhe durch Transposition leicht verändert und dieselben Daten zur Steuerung unterschiedlicher Instrumente verwendet werden. Die Reduktion auf Notendaten hat jedoch Grenzen: Der individuelle Klang eines Instruments und der persönliche Ausdruck eines Musikers lassen sich nicht oder nur eingeschränkt erfassen.

Neben Tönen können Sequenzer weitere Informationen verarbeiten. Dazu gehören Controllerdaten, mit denen etwa Filterhüllkurven oder andere über MIDI-Control-Nummern ansprechbare Ereignisse gesteuert werden.

Entwicklung und MIDI

Als historische Vorläufer gelten mechanische Musikinstrumente, die Noten beispielsweise auf einer Stiftwalze speicherten und an Tonerzeuger weitergaben. Raymond Scott entwickelte 1953 einen ersten elektromechanischen Sequenzer. In den 1960er-Jahren entstanden zunächst analog aufgebaute elektronische Sequenzer; moderne Geräte und Programme arbeiten überwiegend digital.

Seit Anfang der 1980er Jahre sind Sequenzer vor allem als MIDI-Sequenzer bekannt. MIDI wurde 1983 als universelle Sprache für elektronische Musikinstrumente eingeführt. Ein MIDI-Sequenzer nimmt keine eigentlichen Töne auf, sondern Steuerdaten. Dazu zählen Tonhöhe, Anschlagstärke und Dauer einzelner Töne sowie Angaben darüber, welches Instrument sie wiedergeben soll. Das ist besonders für mehrspurige Arrangements nützlich. Die Daten können in Echtzeit über eine Tastatur eingespielt oder in einem Editor, etwa mit der Computermaus, eingezeichnet werden.

Die Digitalisierung ermöglichte zunächst das Speichern der Spieldaten auf Tonbandkassetten, später auf Disketten. Danach setzte sich die Echtzeitaufnahme durch direktes Einspielen durch. Heutige MIDI-Sequenzer dienen vor allem der Aufzeichnung, Bearbeitung und Wiedergabe solcher Daten.

Step-, Pattern- und Echtzeit-Sequenzer

Bei einem Step-Sequenzer wird jedes Klangereignis Schritt für Schritt mit Eigenschaften wie Tonhöhe und Dauer programmiert. Frühe analoge Geräte konnten lediglich zwischen 8 und 64 Töne verwalten. Sie erzeugen häufig sich wiederholende Tonhöhen- und Klangmuster, sogenannte Loops, die auch während der Wiedergabe verändert werden können. Dieses Verfahren war ein typisches Stilmittel der elektronischen Musik der Berliner Schule, unter anderem bei Tangerine Dream und Klaus Schulze, von der Mitte der 1970er bis zum Anfang der 1980er Jahre.

Moderne Step-Sequenzer gibt es wieder als analoge Geräte ohne Speicher sowie vor allem als digitale Varianten mit Speicher und MIDI-Ausgängen. Pattern-Sequenzer sind eine Weiterentwicklung: Sie können mehrere Step-Muster ohne Unterbrechung zu einer Songstruktur verbinden. Anfang der 1980er Jahre wurden unter anderem Geräte von Roland wie TB-303, SH-101 und MC-202 sowie von Casio wie VL-1, Casiotone MT-70 und Sampletone SK-1 populär.

MIDI-Sequenzer werden zur Abgrenzung von Step-Sequenzern auch Real-Time-Sequenzer genannt. Ihre über MIDI empfangenen Notendaten müssen nicht zwingend in einzelne Schritte oder Pattern aufgeteilt sein. Dadurch funktionieren sie ähnlich wie ein Mehrspurtonband: Mehrere Spuren werden aufgenommen, zur Fehlerkorrektur oder für das Arrangement bearbeitet und anschließend gemeinsam abgespielt. Die MIDI-Daten steuern dabei die Klangerzeuger. Deren Audiosignale werden auf Band oder direkt im Computer aufgenommen. Physische Klangerzeuger sind heute oft nicht mehr nötig, weil virtuelle Instrumente wie VST-Klangerzeuger den Klang im Computer erzeugen können.

Studioproduktion und besondere Varianten

Bei Sequenzern im Bandmaschinenmodus lassen sich Steuerdaten frei auf einer Zeitachse anordnen und bearbeiten. Sie sind klassische Arbeitsmittel moderner Studioproduktionen, während Step- und Pattern-Sequenzer eher bei Live-Auftritten verwendet werden.

Seit etwa Mitte der 1990er Jahre verbinden MIDI-/Audio-Sequenzer das MIDI-Sequencing mit Harddisk Recording, also der digitalen Aufnahme von Audiosignalen auf einer Festplatte. Ihr Funktionsumfang wurde so weit ausgebaut, dass ein modernes Programm praktisch ein vollständiges virtuelles Musikstudio bildet. Typische Bestandteile sind ein integriertes Mischpult sowie Schnittstellen für Effekte und virtuelle Instrumente.

Composer oder Arranger kombinieren klassische MIDI-Funktionen mit einer an Musikstilen orientierten Arbeitsweise. Die Nutzer geben üblicherweise eine Harmoniefolge durch Akkordsymbole ein und verbinden sie mit sogenannten Styles. Aus dieser Kombination erzeugt die Software ein Musikstück. Programme enthalten Styles aus verschiedenen Musikrichtungen; eigene Styles können erstellt und in beliebig vielen Stücken wiederverwendet werden. Beispiele sind Jammer Professional und Band-in-a-Box.

Eine verwandte Hardwaregattung sind Grooveboxen, darunter etwa Korg Electribe, Yamaha RM1X und verschiedene Geräte der Roland-MC-Reihe. Sie verbinden mehrere Produktionsfunktionen in einem Gerät und werden häufig als „All-In-One“-Produktionsmaschinen angeboten. Der Artikel schränkt diesen Anspruch jedoch ein, weil die Arbeit mit nur einem solchen Gerät die kreativen Möglichkeiten begrenzen kann.

Tracker-Sequenzer

Tracker entstanden Mitte der 1980er Jahre im Umfeld des Amiga. Sie wurden zunächst zur Produktion von Musik für Computerspiele wie Pinball Dreams oder Unreal verwendet. In den 1990er Jahren griff die Demoszene Tracker und ihre Dateiformate auf und entwickelte sie weiter. Die kompakten Dateien bei zugleich guter Musikqualität eigneten sich besonders für Computerdemos, die noch auf Disketten passen mussten. In den 2000er Jahren wurden Tracker unter anderem in der Elektro-Szene sowie für Musik und Sound auf Geräten mit begrenzter Hardware, beispielsweise dem Game Boy Advance, eingesetzt.

Anders als bei vielen anderen Sequenzern und in der üblichen Notenschrift verläuft die Zeitdarstellung in einem Tracker von oben nach unten statt von links nach rechts. Noten und Befehle werden in eine Tabelle eingetragen; eine Spalte gibt dabei ein gleichmäßiges Metrum vor. Tracker-Musik wird zudem häufig in editierbaren Trackerformaten weitergegeben und nicht nur als nicht editierbare WAV- oder MP3-Datei.

Das ursprüngliche Trackerformat war Mod. Später kamen Formate mit erweiterten Eigenschaften wie zusätzlichen Kanälen oder Kompression hinzu, darunter XM, IT und S3M. Eine moderne Variante ist das XML-basierte, unter der GPL stehende XRNS-Format, das mit dem Tracker Renoise eingeführt wurde. Die Unterschiede zwischen Trackern und anderer Musiksequenzersoftware verschwimmen zunehmend. Das britische Computer Music Magazine stellte 2007 Tracker der dritten Generation wie Renoise und Jeskola Buzz als professionelle und günstige Alternative zu anderer Musikstudiosoftware vor.

Lernvideos zu Sequenzer (Musik)

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